In den Jahren 1348, 1482 und 1488 wurde anläßlich der Gründung von Seelsorgen im oberen Lechtal das Gebiet als
rauches, wiestes und wynterig kaltes Gepürg
geschildert. Eine andere Formulierung war:
hört, schwer wintrig, auch weit und unwegsamb Gebirg und Land.
In der ersten großen, deutsch geschriebenen Weltkunde, dem "Cosmographen" von Sebastian Münster, war das Allgäu bereits berüchtigt:
Es ist ein rauhes wintrigs Land, hat aber schöne starke Leut, Weib und Mann, die können alle trefflich spinnen ... es heißt Allgäu, sollt aber billiger Almanngau von Alemannia, oder - wie etliche andere meinen und ich in alten Briefen zu Kempten gesehen habe - das Al(p)gau, von den vielen Alpen, die darin sind ...
Münster erwähnt weiter:
Es hat auch viel Viechs, Küh und Roß
und
der gemein Mann ißt gar rauch Gersten- und Haberbrot.
Über den Schrofenpaß (früher eine wichtige Verbindung ins Lechtal) wird berichtet:
Früher war dieser gefährliche Saumpfad mit einer Brustwehr von Mauersteinen versehen. Zur Zeit der französischen Feld- und Streifzüge soll sie aber von den zerstörungslustigen und mutwilligen Franzosen abgebrochen worden sein, welche sich wahrscheinlich an dem Hinuntersturze und Rollen der Steine in die schauerliche Tiefe zu belustigen suchten. Dieser Mutwille hatte aber bald die traurige Folge, daß Personen und Tiere auf diesem Felswege verunglückten, indem sie von der schwindelnden Höhe in die schauerliche Tiefe stürzten und rettungslos verloren waren.
Der prominenteste Bergsteiger, der den Grünten erstieg, dürfte zu Beginn des 16. Jahrhunderts Kaiser Max I. gewesen sein, von dem ja bekannt ist, daß er ein leidenschaftlicher Bergkraxler war.
Die kurioseste Besteigung machte sicherlich der Augsburger Fürstbischof Clemens Wenzeslaus. Er unternahm im Jahr 1773 das vielbestaunte Wagnis einer Expedition auf den Grünten. Dazu setzte sich Wenzeslaus in einen gepolsterten Tragesessel und ließ sich zusammen mit 5 wagemutigen Hofkavalieren in ebensolchen Sesseln von 56 geduldig schwitzenden Bauern auf den Gipfel schleppen.
Der aussichtsreiche und harmlose Voralpenberg wurde 1810 von Ludwig Schubart in Gesellschaft von Freunden besucht. Um den Sonnenaufgang nicht zu versäumen, eilte Schubart allein voraus. Grausig schildert er die Gefahren des rauhen Pfades:
Um neue Kräfte zu sammeln und mir meinen Weg zu erspähen, machte ich hier eine Pause, hielt mich mit der Rechten an einen Sprossen, und sah hinter mich in den Abgrund. Welch Entsetzen wandelte mich an, als ich, an der Spitze des Grünten hangend, in seine grauenvollen Tiefen hinabsah ... Es war, ein Blick von der Pforte des Himmels in den Abgrund der Hölle. Hätte ich mich nicht mit beiden Händen an einer starken Wurzel gehalten, so wäre ich schwindelnd in den Abgrund gestürzt, denn mir vergingen die Sinne, und Entsetzen, wie vor der Nähe des Todes, durchschauerte mein Gebein. - Erst nach langer Pause erhob ich mein Haupt wieder und wand mich an Wurzeln, Gestrüpp und hervorragenden Steinen vollends hinan zur oberen Spitze des Berges ...