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Allgäuer Brauchtum

Der Funken

Hexe auf'm Funken Der Funken ist ein Fest, das vorrangig im allemannischen Raum gefeiert wird. Der Funken geht sicherlich auf irgendeinen heidnischen Brauch der Ur-Allgäuer zurück, aber ich weiß nicht auf welchen.

Der Funken ist auch eine Erinnerung an die traurige Tatsache, daß die letzte Hexe, die in Deutschland zu den Zeiten der Inquisition umgebracht wurde (sie hieß Anna Schwegelin), in Kempten verbrannt werden sollte. Neueren Erkenntnissen zufolge wurde das Urteil gegen Anna Schwegelin jedoch nie vollstreckt. Sinn und Zweck des Funken ist die Austreibung des Winters. Dazu wird mit feierlichem Zeremoniell eine Stroh-Hexe auf einem riesigen Scheiterhaufen verbrannt.

Nach Weihnachten fangen die jungen Leute in den Dörfern an, die alten Weihnachtsbäume und sonstiges brennbare Zeug zu sammeln. Am Wochenende nach Fasching wird all das inzwischen gut getrocknete Holz auf einer großen Wiese vor dem Dorf zu einem hohen Haufen um eine lange Stange herum aufgeschichtet. Möglichst weit oben an dieser Stange wird eine Strohpuppe, die als Hexe verkleidet ist, befestigt. Das ist die 'Funkenhex'.

Der Scheiterhaufen wird schon am Samstag fertig gemacht, obwohl der eigentliche Funken erst am Sonntag ist. Die Höhe des Scheiterhaufens und vor allem die Hexe und wie weit oben sie hängt ist Ehrensache der Funkenausrichter. Jedes Dorf will den größten Haufen und die tollste Hexe haben.

Deswegen ist natürlich das Brennholz und vor allem die Hexe sehr gefährdet und muß bewacht werden. Die Nacht von Samstag auf Sonntag bewachen willige junge Leute, unterstützt von vielen Getränken und Essen den eigenen Scheiterhaufen, während sich andere aufmachen, die Scheiterhaufen der Nachbardörfer zu begutachten und die Bewachung abzuchecken. Ist ein Haufen unbewacht, wird die Hexe gestohlen und der Scheiterhaufen angezündet. Theoretisch jedenfalls. Ich habe noch nie gehört, daß tatsächlich mal ein Scheiterhaufen angezündet worden wäre.

Manchmal wird im Scheiterhaufen eine Art Höhle freigemacht, in der sich der oder die Bewacher verstecken, um dann zum geeigneten Zeitpunkt heraus zu stürmen. Es soll schon vorgekommen sein, daß die oder der Wächter in der Höhle eingeschlafen sind und der Scheiterhaufen von den Jungs von Nachbardorf angesteckt worden sein, weil die nicht gemerkt haben, daß da jemand versteckt war. Grausige Vorstellung!

Hexe auf'm Funken Am Sonntag, sobald es dunkel wird, versammelt sich das ganze Dorf an einem zentralen Platz und in einer langen Prozession, die im allgemeinen von Musik begleitet wird, ziehen alle zum Funken. Wenn der lange Zug am Funken angekommen ist, wird dieser feierlich entzündet und alle freuen sich an dem riesigen Feuer.

Außen herum gibt es natürlich Stände, in denen Bier, Schnaps, Glühwein, Würstel, Krapfen und Funkenküchle verkauft werden. Es ist ein riesiges Spektakel und wenn man von einem erhöhten Ort über die Landschaft schaut, kann man überall die Funkenfeuer lodern sehen.

Es ist Ehrensache, die Funkenhex so weit hoch wie möglich zu hängen, damit sie recht lange oben hängt ohne abzubrennen. Wenn die Hexe brennt fangen nämlich die meisten an, heim zu gehen und das ist schlecht für's Geschäft. Aber sie muß brennen. Es ist eine Schande, wenn die Stange abbrennt und umfällt, bevor die Hexe verbrannt ist.

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