Bocchette Centrali
20.09.2006

In der Früh galt der erste Blick aus dem Fenster dem Wetter: Strahlend blauer Himmel, kein einziges Wölkchen in Sicht. Genial!

Morgenstimmung
Brentaberge im ersten Morgenlicht

Hocherfreut machten wir uns auf den Weg in die Stube zum Frühstück, das ganz besonders üppig ausfiel. Wir bekamen zum Kaffee nicht nur die üblichen viel zu trockenen Semmeln mit Butter, Honig, Nutella und Marmelade, sondern auch jeder ein Stück Kuchen. Das verdankten wir vermutlich der Tatsache, dass die Hütte heute zu machte. Am Abend war schon das Bier ausgegangen.

Als wir los gingen, mussten wir als erstes am kleinen Gletscher vorbei in die Scharte hinter Hütte kommen. Die Rheinländer hatten das Gelände gestern schon ausgekundschaftet und verkündet, dass man da leicht auch ohne Steigeisen hin käme. Gut, denn wir hatten nur Grödel dabei.

Scharte
Blick von der Hütte zur Scharte mit dem Einstieg

Wir hielten uns immer am linken Rand des Gletschers und konnten auf dem festgefrorenen Geröll auch ganz gut gehen. Heikel war einzig das letzte Stück, wo man etwa 30 Meter des Geltschers in moderater Steigung queren musste, Der Gletscher war aper und die Oberfläche so hart gefroren, dass wir sehr vorsichtig laufen mussten, um nicht auszurutschen (Die Grödel? Na, die waren gut und sicher im Rucksack verstaut.). Dann hatten wir es geschafft und standen am Einstieg.

Scharte
Kurz vor der Scharte, der glatte Teil des Gletschers ist geschafft.

Der Klettersteig begann mit ein paar Leitern, die uns kurz darauf auf ein breites Band in der Sonne führten, von dem aus der Blick nach Osten einfach nur grossartig war. Dieses Band führte uns bequem und immer mitten in einer hohen Felswand nach Süden. Zwischendrin mussten wir mal von demn einem zu einem anderen Band wechseln, und manchmal war den in ganz senkrechten Wänden, wo kein natürliches Band vorhanden war, auch ein wenig nachgeholfen worden, doch im Grossen und Ganzen konnten wir die nächste Stunde ausnehmend bequem, wie auf einem Spazierweg durch eine senkrechte Brentawand spazieren.

Auf dem Band
Ralle auf dem Band vor dem Moreno-See

Im Weg durch die Wand
Gemütlicher Spazierweg in senkrechter Wand

So ziemlich nach jeder Biegung erwarteten uns neue wunderbare Ausblicke und immer wildere Felsformationen, an denen wir uns nicht satt sehen konnten. Es wäre wahrlich ein Schande gewesen, wären wir gestern weiter gegangen und hätten diese schönen An- und Ausblicke verpasst. Leider holte uns schon wieder der Nebel ein, der vom Moreno-See aus aufstieg und uns hin und wieder die Aussicht ein wenig verdeckte. Andererseits ergaben die wilden Felstürmchen mit dem Nebel eine beinahe magisch abgehobene Stimmung, in der wir lange ganz allein vor uns hin spazierten.

Nebel
Vor dem Campanile Basso; Nebel zieht vom Moreno-See hinauf

Nebelschemen
Kurzzeitig vom Nebel verhüllt

Bevor wir aber am Campanile Basso vorbei waren, kamen uns die ersten Klettersteig-Geher von der anderen Seite entgegen. Wir dachten, dass das nun bedeutete, dass der Steig bald zuende sei, schliesslich waren wir ja von einer sehr hoch gelegenen Hütte aus losgegangen, doch das Vergnügen auf dem Bocchette-Steig herum spazieren zu dürfen, blieb uns noch eine weitere Stunde erhalten.

Als die Bänder aus waren, galt es im Fels zur Scharte neben dem Campanile Basso abzusteigen, eine nette kleine Kletterei ganz ohne Leitern. In der Scharte kam uns eine 4er-Gruppe entgegen, deren ältestes Mitglied bestimmt schon über 70 Jahre auf dem Buckel hatte. Respekt! Wir liessen die Gruppe passieren und machten uns auf den letzten Teil des Steiges, der bequem an der Westseite eines Felsturms entlang führte, komplett im Schatten. Nach einer letzten Leiter stiegen wir in die Bocca die Brenta ab und entledigten uns des Klettersteig-Gerödels. Bevor wir losgehen konnten trafen auch unsere Nachsteiger ein. Wir waren uns einig, dass wir es ganz genau richtig gemacht hatten mit der Übernachtung auf der Alimonta.

Wir gingen schon mal los, während sich die Nachsteiger (inzwischen eher Nachgeher) 'entrödelten'. Weit weit vor uns konnten wir auf einer sonnigen Wiese ein kleines Kapellchen sehen, das uns der ideale Ort für die Mittagspause schien. Kaum hatten wir uns dort niedergelassen, trafen auch die Nachgeher ein, die ebenfalls das Kapellchen als Ziel für eine Pause gewählt hatten. Bei der gemütlichen Pause bekamen wir das Angebot, vom Parkplatz am Rifugio Valesinella bis nach Madonna mitfahren zu können, das wir natürlich sofort und gern annahmen. Aus den Nachgehern wurden somit die Mitwanderer ;-)

Kapelle
Die kleine Kapelle vor dem Rifugio Brentei

Das Kapellchen steht direkt neben dem Rifugio Brentei und scheint allen verunglückten Bergsteigern der Brenta oder vielleicht auch der Welt gewidmet. Die gesamte Innenseite der kleine Kapelle ist mit Erinnerungs-Plaketten bedeckt, die meisten mit Foto versehen, wo drauf steht, wer wann wo verunglückt ist. Macht einen ziemlich nachdenklich ...

Gedenktafeln
Macht nachdenklich: Gedenktafeln für verunglückte Bergsteiger

Der Abstieg vom Rifugio Brentei führt erst mal auf einem langen und sehr hübschen Weg um den Bergstock der Cima Brenta herum und dann hinunter zum Rifugio Casinei, wo er auf unseren Aufstiegsweg vom ersten Tag trifft. Wir kehrten dort noch ein und stiegen dann zum Parkplatz ab, wo uns die Mitwanderer wie versprochen nach Madonna zu unserem Auto fuhren und uns dann das kleine Hotel zeigten, in dem sie vor ein paar Tagen schon mal abgestiegen waren. Abends gingen wir noch gemeinsam Pizza essen, wo wir uns ein weiteres Mal vorzüglich unterhielten, dann trennten sich unsere Wege. Wir wollten am nächsten Morgen so früh wie möglich zum Bergsteigen, die Mitwanderer wollten woanders hin.

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