Sentiero S.O.S.A.T.
22.09.2006

Wir waren ja vom Vortag vorgewarnt, daher machten wir uns gar nicht erst die Mühe bereits um 7:30h beim Frühstück zu sein, sondern packten unser Zeugs in aller Ruhe zusammen und schafften ins Auto, was fertig gepackt war. Gegen Dreiviertel Sieben liefen wir im Frühstücksraum ein und fanden wir erwartet zwar ein halbes Buffet und wartende Gäste, aber keinen Kaffee vor. Das Buffet-Mädel traf wieder erst um kurz vor 8 ein.

Die anderen Gäste, 2 Grüppchen Trans-Alp-Radler, kannten das Spiel noch nicht, nahmen es aber gelassen hin. Die waren vom 'Bürgersteig-Hochklappen' in Italien genauso überrascht worden wie wir, denn nachdem sie sich am Vortag zum Abschluss mühsam zum Rifugio Graffer hochgekämpft hatten, hatten sie feststellen müssen, dass es zu war und waren zurück nach Madonna geradelt. Sollten wir doch mal zu einer TransAlp-Tour kommen, werden wir es auf jeden Fall so legen, dass man überall übernachten kann.

Nach dem Frühstück fuhren wir wieder zum Parkplatz am Rifugio Valesinella und stiegen den inzwischen reichlich bekannten Weg zum Rifugio Casinei hinauf. Dort bogen wir rechts ab zum Rifugio Brentei, auf den Weg, den wir am dritten Tag zurück gekommen waren. So langsam hatten wir das Gefühl, die Gegend richtig gut zu kennen.

Kaum kamen wir aus dem Wald hatten wir wieder diese wunderbare Runde senkrechter Felsen um das Rifugio Brentei vor Augen. Es sah genial aus, war aber so gut wie unfotografierbar, weil die Sonne genau hinter über den Bergen stand. Manchmal wundert man sich, was das System Auge-Hirn alles hinkriegt, wenn man sieht, wie so eine Kamera einfach nur noch kläglich versagt. Fotos in die andere Richtung (jaja, schon wieder Adamello ;-)) waren dagegen kein Problem.

Bergblick
Andreas Silhouette vor Adamello/Presanella

Beim Rifugio Brentei machten wir einen kleinen Abstecher zum Kapellchen und mir gelang das Kunststück, den Stockschutz-Stöpsel (mit denen man die scharfen Spitzen der Wanderstöcke, die ja mit der Spitze nach oben am Rucksack hängen, abdecken kann) wiederzufinden, den ich am dritten Tag verloren hatte, wieder zu finden. Der Ralle war baff, ich dagegen hatte nichts anderes erwartet. Ich hatte ihn nur da verlieren können.

Felsen
Blick über den Brentei-Kessel vom Einstieg des SOSAT aus

Nach einer kleinen Pause (Oooooh, diese Aussicht!) gingen wir weiter. Der Weg führte zunächst Richtung Rifugio Alimonta (genau, das in dem wir am zweiten Tag übernachtet hatten), wo etwa nach der Hälfte des Aufstieg der Weg zum SOSAT-Steig abzweigte. Nach wenigen Minten waren wir am Einstieg, der gleich mit 2 Leitern in einer engen Spalte aufwartete.

Danach aber ging es gemütlich auf einem breiten Spazierweg mitten in einem breiten grasigen Band weiter. Keine Spur von Klettersteig mehr, nur Aussicht, davon aber viel!

Rückblick
Rückblick zu dem Kamm über den der Bocchette Alta verläuft

Das breite Grasband führte langsam um den Bergstock der Cima Brenta herum, das Gras lief in ein paar Felsen aus dann machte der Weg einen scharfen Knick nach rechts und wir waren da wo wir sein wollten: mitten in den Felsen. Ein schmales Band führte mitten in eine sehr tief eingeschnittene dunkle (weil keine Sonne reinkam) Spalte und lief nach wenigen Metern mitten in einer glatten Wand aus. Wo - wie könnte es anders sein - die Spitze einer Leiter zu sehen war, die geradewegs in die Tiefe führte.

Scharte
Andrea taucht aus der tiefen Scharte des SOSAT auf

Eine sehr lange Leiter, dann standen wir in einem wirklichen tiefen Loch, aus dem auf der anderen Seite ein paar kurze Leiterchen und nette Klettereien in Schlangenlinien wieder hinaus führten. Es ging gleich noch weiter nach oben, allerdings nicht allzu weit. Dann war die Spalte bewzungen und wir konnten wieder auf einem breiten grasigen Band weiter spazieren.

Leiterweg
Ralle auf dem Aufstieg zum Ausstieg des SOSAT

Danach erwarteten uns noch 2 Kletterstellen und ein interessanter Irrweg durch das imposanteste Felstrümmerfeld, das ich bisher gesehen habe. Die Ansammlung einfamilenhausgrosser Felsen, die da vor uns lagen, sah aus, als sei ein ganzer Bergstock einfach in sich zusammengestürzt, etwa so wie bei einer geplanten Hochhaussprengung (vermutlich stimmt die Annahme genau, von der Sprengung mal abgesehen).

Durcheinander
Hausgrosse Felstrümmer in lockerem Durcheinander

Als wir durch den Verhau durch waren, sahen wir vor uns (mal wieder) das Rifugio Tuckett, diesmal aber von einer völlig anderen Seite, so dass man die interessannte Lage der Hütte direkt an einem steilen Abbruch gut sehen konnte. So genau hatten wir das bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht gesehen. Was wir auch sahen (und eigentlich auch gewusst hatten) war, dass unser Weg erst mal weit Richtung Bucca Tuckett führte, um dann wieder zurück zum Rifugio zu führen.

Gerade als ich ein wenig darüber jammern wollte, fiel uns auf, dass direkt vor uns Steigspuren nach unten zum Abstiegsweg von der Tuckett führten. Man konnte nicht sehen, ob das wirklich ein gangbarer Abstieg war oder ob man nicht zwischendrin vor einer Felswand kapitulieren müsste, doch wir versuchten es. Wenn es ganz dumm lief, müssten wir halt wieder hoch steigen.

Abstieg
Im wilden Abstieg, fast schon unten

Aber die Spuren waren tatsächlich ein Weg, der uns über ein paar Felsstufen, die es abzuklettern galt, und eine sehr steile Wiese hinab zum Abstiegsweg führte. Wir fühlten uns prima, weil wir dem Umweg ein Schnippchen geschlagen hatten und stiegen ab zum Rifugio Casinei, wo wir uns eine rustikale Brotzeit gönnten, zur Stärkung vor dem langen Heimweg.

Brotzeit
Brotzeitteller im Rifugio Casinei

Diesmal war der Gesamtabstieg nicht so weit ('nur' 1100m), so dass auch ich nicht allzu kaputt beim Auto ankam. Wir zogen uns frische Sachen für die Heimfahrt an und fuhren um etwa 18:00h los. 5 1/2 Stunden. Am Passo Carlo Magno, kurz hinter Madonna hielten wir nochmal an um einen letzten Blick auf die Brenta zu werfen, dann ging es heim.

Brenta
Ein letzter Blick auf die Brenta vom Passo Carlo Magno aus

Fein war's. Wenn wir wieder kommen, dann vielleicht mit Seil. Klettern ohne Eisen in diesen wunderbaren Felsen ist bestimmt eine tolle Sache :-)

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