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Basse Gorge du Verdon
20.10.2006

In der Früh regnete es wieder und der Wind hatte sogar noch zugelegt. Auf einen Gipfel zu gehen, schien uns nicht sinnvoll, eine Schlucht schon eher. Die untere Verdon-Schlucht schien ganz nett zu sein. Und das Hundi konnten wir auch mitnehmen.

Wir fuhren also nach Quinson. Der grössere Teil der Fahrt über die Autobahn ging fix und problemlos. Dann mussten wir noch einen Teil Weg über Landstrassen zurücklegen, die immer kleiner wurden, so dass wir für den zweiten Teil der Fahrt doppelt so lang brauchten wie für den ersten Teil. Nach knapp 2 Stunden waren wir dann in Quinson, wo uns bei der Brücke über den Verdon gleich der Start der Wanderung mit einem Schild erwartete. Wir fotografierten das Schild, lasen es aber nicht, deswegen gingen wir auch los.

Schilder
Fotografiert aber nicht gelesen: Nach 2 Kilometern ist der Weg gesperrt.

Schon von Anfang an ist die Basse Gorge du Verdon richtig nett. Beim Einstieg muss man einen kleinen Steig und eine kleine Brücke an einer Felswand überwinden, dann geht es bequem auf einem Weg neben einer stillgelegten Wasserleitung entlang. Der Verdon ist in der unteren Schlucht aufgestaut, so dass man an einem langen schmalen See entlang wandert.

Basse Gorge du Verdon
Rückblick am Anfang.

Nach 2 Kilometern kam was kommen musste (wenn man das Schild gelesen hat): der Weiterweg war gesperrt. Wir beschossen die Absperrung zu ignorieren, schliesslich waren wir jetzt hier und einfach umdrehen wäre dann ja doch zu blöd. Zunächst war der Weg auch weiterhin bequem zu gehen. Die Schlucht wurde enger und wir mussten immer öfter auf der schmalen Begrenzungsmauer der Wasserleitung laufen. Die Mauer ist etwa einen halben Meter breit, so dass auch das Hundi trotz Höhenangst kein Problem mit der Mauer hatte. Allerdings war es natürlich nicht möglich seitlich in die Büsche zu sausen und all die interessanten Spuren zu beschnüffeln.

Trotz der Warnung an der Absperrung war der Weg zunächst in ziemlich guter Verfassung. Die eine oder andere abgerutschte Stelle war nicht instand gesetzt, aber nicht mal die Sina betrachtete das als Problem. Bis wir ein weiteres Mal bis ganz runter ans Wasser mussten. Der Weg führte über eine gemauerte Treppe dicht über dem Wasser an einer glatten Felswand empor. Oder vielmehr hätte führen sollen, denn der untere Teil der Treppe und ein Teil des Weges war direkt über dem Wasser einfach abgebrochen und somit futsch.

Das war nun eine Stelle, die das Hundi, so geländegängig sie bisher auch gewesen war, nicht schaffen konnte. Bevor wir sie also da drüber bugsierten, musste einer - der Ralle - erst mal gucken, ob der Weg auf der anderen Seite überhaupt weiter ging oder ob das nur der Anfang vom Ende war. Ralle guckte und meldete dann, dass so weit er sehen konnte, kein weiteres Problem zu erkennen sei. Wir überlegten also wie wir den Hund über die Stelle bringen konnten.

Für einen allein war das nicht schwierig - 3 Meter waagerecht an der Felswand entlang klettern, dann den guten Meter abgebrochene Treppe hochklettern und dann war es schon geschafft. Dumm nur, dass man für das Entlang-Klettern an der Felswad beide Hände brauchte. Dass Sina Böses ahnte und zitterte wie Espenlaub war bei der Aktion auch nicht gerade hilfreich.

Treppe
Die Schlüsselstelle mit der abgebrochenen Treppe. Das arme Hundi musste zwischenzeitlich auf dem Absatz ganz links ausharren.

Die Lösung war ein kleiner Felsabsatz in der Mitte der Kletterstelle, etwa eineinhalb Meter über dem Wasser. Ich nahm Sina auf die Schulter, setzte den bibbernden Hund auf diesen Absatz (wo sie sich in den hintersten Winkel drückte), kletterte an der schwierigsten Stelle vorbei und holte dann den widerstrebenden Hund um ihn dem Ralle, der auf der Treppe hockte, zu überreichen. Für den Hund war das das Schlimmste, denn ich musste Sina rückwärts an den Ralle abgeben, für sie musste es so wirken, als gäbe ich sie rückwärts ins Verderben. Sobald sie wieder Boden unter den Füssen hatte, sauste sie die restliche Treppe hinauf auf festen Boden, dass man meinen konnte, sie sei dem Fegefeuer entwischt. Wir lobten das tapfere Hundi ausgiebig.

Basse Gorge du Verdon
Der See in der Basse Gorge du Verdon.

Der weitere Weg bis zum angekündigten Stein-Häuschen an der und auf der Mauer war problemlos. An dieser Stelle wartete dann eine neue Prüfung auf den Hund - wir mussten von der Mauer in die Wasserleitung wechseln um durch den Tunnel laufen zu können. Gut 2 Meter Höhenunterschied waren zu bewältigen. Sina war sichtlich unwohl, doch sie liess sich brav aufnehmen und in Ralles Hände runter reichen. Auch die Leiter auf der anderen Seite nahm sie bravourös.

Direkt nach dem Tunnelausstieg musste der Hund die letzte Prüfung überstehen. Auf einer weiteren Leiter ging es wieder aus der Wasserleitung raus. Kurz drauf zweigte der Weg von der Wasserleitung ab und führte durch eine Seitenschlucht durch dichte Vegetation hinauf zum Kirchlein St. Maxime, das in einem leicht desolaten Zustand war. Wir suchten uns ein windgeschütztes Plätzchen für die Pause. Der Hund wollte natürlich nichts zum trinken, dafür beobachtete sie mit gespannter Aufmerksamkeit, wie wir unsere Kokos-Kekse assen. Hach, wer kann schon solchen Hundeaugen widerstehen? Sie bekam auch ein paar Stückchen Keks.

Der Rückweg über das Plateau neben der Schlucht war eher langweilig und ziemlich verwirrend, weil sich unzählige Strassen kreuzten, die alle äusserst mager markiert waren. Eine Karte hatten wir nicht und die Beschreibung im Wanderführer war mehr als dürftig (und zudem auf französisch). Dass es kühl und sehr windig war und schliesslich sogar anfing zu regnen, machte den Weg über das Plateau auch nicht angenehmer. Wir fanden schliesslich aber doch zurück zum Abstieg nach Qinson.

Tiefblick auf Quinson
Nach der Wanderung über das Plateau: Tiefblick auf Quinson.

Die kleine Bar an der Brücke hatte geschlossen, so dass es leider nichts mit Kaffeetrinken wurde. Wir fuhren also zurück zu Gabis Kaffee, über einen anderen Weg, aber das dauerte genauso lang. Die winzigen Nebenstrassen in Frankreich sind ziemlich trügerisch. Der Donnerstag war der Tag, an dem wir Schwesterle versprochen hatten, die Kinder zu hüten, damit sie mit ihrer Lehrer-Freundin Französisch üben konnte. Das ging ganz gut. Ich konnte alle Rebellion mit dem Hinweis ich würde sonst bei der Gabi petzen in dem Griff kriegen. Allerdings sind die Kinder (noch) nicht besonders rebellisch und wir kamen im Grossen und Ganzen mit Überreden und Kompromissen klar. Das Französisch-Lesen mit den Jungs klappte immer besser ... sogar dann, wenn ich nicht verstand, was wir da grad lasen, wusste ich zumindest wie das zu lesen war ;-)

Alles in allem war das ein sehr abwechslungsreicher und vergnüglicher Tag. Dass wir bei der Wanderung ein Verbotschild umgangen hatten und der gesperrte Weg ein paar Schwierigkeiten geboten hatte, spielte da sicherlich auch eine Rolle ;-)

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