Gokyo Ri

16.10.2007, Übernachtung in Ngozumba Tso, 4980 Meter

Der Vor-dem-Frühstück-Teestopp dieser Nacht war ausnehmend lohnenswert. Ich krabbelte genau zum richtigen Zeitpunkt aus dem Zelt, um den Cho Oyu im ersten Morgenlicht mit einer wunderschönen Schneefahne und ohne jede störende Wolke zu erwischen :-)

Cho Oyu im Morgenlicht
Cho Oyu im Morgenlicht

Das Lager in Gokyo lag zwar ein wenig tiefer als das letzte an den Twin Lakes, aber die Höhe setzte mir offensichtlich so langsam richtig zu. Nachdem er mich lang und mitleidig angeguckt hatte, liess es sich der beste Allgäuer von Allen nicht nehmen, ein Foto von mir zu machen. Nach dem Frühstück, wo ich schon wieder etwas abgeschwollen war (Wie unähnlich ich mir hier sehe, kann nur beurteilen, wer mich kennt. Schwesterle kriegte sich beim Begucken dieses Bildes kaum noch ein vor Lachen.).

Andrea-Michelin-Frauchen
Andrea-Michelin-Frauchen

Das Wetter hatte inzwischen schon wieder weitgehend zugezogen. Hohe Wolken, die zwar keine Sonne durchliessen, aber immerhin war gute Sicht unterhalb der Wolken. Während die Träger bereits die Zelte zum nächsten Lager schleppten, querten wir den Gokyo-Bach, um den Gokyo Ri unserer 5000er-Sammlung einzuverleiben.

Wir queren den Bach zum Gokyo Ri
Wir queren den Bach zum Gokyo Ri
Bild von Edu

Was gestern noch fröhliches Steinehüpfen gewesen war, war jetzt in der Früh ein bisserl schwieriger. Auf den meisten Trittsteinen hatte sich nämlich eine dünne Eisschicht gebildet, die kaum zu sehen war. Gut nur, dass der Bach nicht tief war, denn Lalu rutscht prompt ab und trat ins Wasser. Ohne böse Folgen, denn der Lalu hat vergleichweise gute Bergstiefel (aber mindestens 3 Nummern zu gross).

Der Aufstieg zum Gokyo Ri ist nicht allzu fordernd, der Hügel ist aber ziemlich hinterhältig, denn man sieht einen 'Scheingipfel' nach dem Anderen bis man sich endlich bis zum Gipfel hinaufgeschnauft hat. Der Weg führt durch eine ansehnliche Sammung Steinmänner im oberen Drittel des Aufstiegs, die ein deutliches Zeugnis der häufigen Besteigung sind.

Bei diesem Aufstieg war ich meist allein, denn der beste Allgäuer von Allen wollte mal gucken, wie schnell er gehen kann. Da kann ich natürlich nicht mithalten, aber ich komme auch allein oben an, es dauert einfach nur länger.

Die letzten Meter zum Gipfel
Die letzten Meter zum Gipfel

Am Gipfel nahmen wir uns gründlich Zeit zum Gucken und Fotografieren. Diejenigen, die noch nicht gefordert genug waren (also alle Männer, Maxi und Gerli) machten noch den 5-minütigen Ausflug zum zweiten Gipfel des Gokyo Ri, wir anderen blieben gemütlich sitzen und genossen die Aussicht, Tee (Schwarztee, was sonst) und Cookies.

Oben :-)
Oben :-)

Schliesslich stiegen wir ab, zurück nach Gokyo, wo uns die Reste des Küchenteams (Samrang und die anderen waren schon zum nächsten Lager geeilt) am alten Lagerplatz das Mittagessen servierten. Suppe, Brot, Bohnen und Käse. Und natürlich Tee, Schwarztee.

Mittagessen in Goyo
Mittagessen in Goyo

Anfangs war es beim Mittagessen noch ganz angenehm, weil zwischendrin doch wieder die Sonne rausgekommen war, aber als die wieder zwischen und hinter den Wolken verschwand, wurde es bald ungemütlich. In kleinen Grüppchen machten wir uns auf den Weg zum nächsten Lager am Fuss des Ngozumba Tsho.

Ralle und ich machten uns ziemlich am Schluss auf den Weg, wir hatten es nicht eilig. Der Weg sollte etwa 3 Stunden dauern und es war ja grad erst Mittag. Aber die Hoffnung auf Sehens- und Fotografierenswertes erfüllte sich kaum. Wo es landschaftsmässig interessant geworden wäre - vor uns, wo der Cho Oyu sein weisses Haupt gen Himmel reckte - war alles voller Nebel und Wolken und da wo wir was sahen, sahen wir lediglich grau - den Schotter auf dem Ngozumba Gletscher nämlich.

Der lange Marsch zum nächsten Lager
Der lange Marsch zum nächsten Lager

Zum Ausgleich war der Weg zum Lager anstrengender als der Aufstieg zum Gokyo Ri. Da wir über die Randmoräne des Gletschers marschierten, ging es ständig rauf und runter, allerdings nie lang genug, um sich mal auf irgendeine Belsatung einstellen zu können. Ich war heilfroh, als wir endlich die blauen Zelte erreichten.

Kurz vor dem Schneesturm am Lager
Kurz vor dem Schneesturm am Lager

Und es war höchste Zeit dafür, es fing nämlich gerade an zu schneien. Bis wir unsere Taschen lokalisiert und uns damit im Zelt verstaut hatten, war der schönste Schneesturm im Gange. Wir blieben im Zelt, liessen uns zwischendrin von Lalu und Tami Tee und Cookies bringen und klopften hin und wieder von innen gegen die Zeltwände, um den Schnee zu lösen. Mein spät-nachmittäglicher Tee-Stop brachte Erstaunliches zutage - wir waren völlig eingeschneit.

... und plötzlich war es Winter
... und plötzlich war es Winter

Als wir zum Abendessen gerufen wurden, hatte der Schneefall ein wenig nachgelassen, aber noch immer fielen Flocken vom Himmel. Na, das konnte ja heiter werden.

Als Suppe und Hauptspeise vorbei waren, legte sich erwartungsvolles Schweigen über das Essenzelt. Edu gab das Zeichen und alle bis auf einen sangen los: Happy birthday to you! ...

Es war Marios Geburtstag. Selber hatte er zwar nichts gesagt, aber Edu als Führer der Gruppe hatte natürlich mehr Informationen als wir anderen alle. Die letzten Tage schon waren im Geheimen Pläne geschmiedet worden, eine Geburtstagskarte basteln (wo die Sherpa die Geburtstagsgrüsse auch auf Sanskrit verewigt hatten), Geschenke besorgen (Schoki und Cookies) und die Überraschungsparty planen.

Als wir mit unserem (leicht atonalen) Geburtstagslied fertig waren, kamen unsere Sherpa wieder ins Zelt, hängten Mario einen Gebetschal um den Hals und ... brachten einen Kuchen mit! Kuchen mitten im Schneesturm, besser kann so ein Urlaub doch gar nicht werden.

Mario schneidet seinen Geburtstagskuchen
Mario schneidet seinen Geburtstagskuchen
Bild von Ludwig

Er schmeckte übrigens prima, der Kuchen.

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