Über den Cho La

19.10.2007, Übernachtung in Awi Peak (unterhalb), 4830 Meter

In dieser Nacht schlief ich schlecht. Ich wachte dauernd auf (nicht nur für die 3 'normalen' Tee-Stops), hatte einen unglaublich trockenen Hals (ich war froh an der 'Wärmflasche', die natürlich gut auch als Trinkflasche funktionierte) und schnarchte ganz fürchterlich. Letzteres erfuhr ich allerdings erst in der Früh als mich der beste Allgäuer von Allen ein wenig gerädert informierte, dass ich einen ganzen Wald zersägt hätte.

Ausserdem sei ich ganz furchtbar geschwollen, meinte er. Was stimmte, meine Finger 'gingen' nicht richtig und meine Füsse waren nur mit äusserster Mühe in die Stiefel zu bekommen. Gerhard hatte am Vorabend noch zur Vorsicht bei Codein geraten, das senke den Atemreflex, und ich war überzeugt, dass das der Grund für die schlechte Nacht gewesen war. Also so konnte das nicht weitergehen. Lieber Husten.

Beim Frühstück war es eisig kalt. Draussen pfiff ein frischer Wind und die Sonne würden wir wohl erst oben am Pass zu sehen bekommen. Mehr oder weniger bibbernd machten wir uns auf den Weg zum Pass.

Aufstieg zum Cho La
Aufstieg zum Cho La

Die Träger mussten denselben Weg gehen wie wir und so wechselten sich ein paar Träger und Christine und ich (wir waren wie üblich bald hinten dran) uns mit denen immer wieder in der Führung ab. Die Träger gingen schneller, machten aber mehr Pausen, so dass wir immer wieder aneinander vorbei liefen. Der Ralle war weit oben und weit voraus.

Obwohl der Anblick der 'Wand' uns gestern ein wenig irritiert hatte, weil so gar kein Weg da hindurch zu führen schien, war der Weg zum Pass meist gut zu gehen. Ein paar Stellen waren steil und geröllig, weiter oben war es ein paar Mal recht eisig, doch ingesamt war der Anstieg ganz gut zu gehen.

An der Passhöhe kamen wir in die Sonne und plötzlich war es warm. Und es hatte Aussicht! Und was für Aussicht! Unglaubliche, wunderbare, gigantische Aussicht. Man konnte sich kaum sattsehen.

Auf der Passhöhe des Cho La
Auf der Passhöhe des Cho La

Der Pass selber war schneebedeckt und auf der anderen Seite führte der Weg über einen flachen Gletscher weiter. Direkt vor uns war der Weg jedoch von einem kleinen See versperrt, so dass man sich an der rechten Seite des Sees an ein paar Felsen vorbei quetschen und dann ein steiles Firnfeld hinauf krabbeln musste. Oder runter, wenn man vom Gletscher kam.

Die Engstelle am Cho La
Die Engstelle am Cho La

Und es kamen viele, Touristen und Träger mit den üblichen riesigen Lasten. Ich beobachtete die Engstelle mit fasziniertem Entsetzen und schaute zu wie sich Heerscharen turnschuhbekleideter Träger mit immensem Gepäck vorsichtig über die steilen glatten Stufen im Firn nach unten tasteten. Wie durch ein Wunder rutschte keiner aus und stürzte in den See.

Nach einer der Aussicht angemessenen Pause (lang also :-)) machten wir uns auf den Weiterweg. Mit unseren guten Stiefeln war die Engstelle kein Problem, auch wenn Mingma sich vorsichtshalber vor den See stellte. Sicherlich in guter Absicht, wäre jedoch tatsächlich jemand ausgerutscht (so ein Schwergewicht wie ich zum Beispiel), wären dann halt 2 Leute in den See gefallen.

Abstieg über den Gletscher (hinten Lobuche East, Baruntse und Amphu Labtsa)
Abstieg über den Gletscher (hinten Lobuche East, Baruntse und Amphu Labtsa)

Der Abstieg vom Cho La über den flachen Gletscher, dann über glatt geschliffene Felsen und schliesslich hinab in ein schönes Tal, immer mit dem wunderbaren Panorama (links der Lobuche East, hinten Baruntse, davor Amphu Labtsa und direkt vor uns die wunderbare Ama Dablam) vor den Augen, war das reinste Vergnügen.

Abstieg ins Tal vor der Ama Dablam
Abstieg ins Tal vor der Ama Dablam

Ein Stück ins Tal hinein hatte das Küchenteam bereits mit dem Kochen angefangen und wir setzten und legten uns die Sonne und genossen Nudelsuppe und Tee. Hach! Es war sogar stellenweise noch ein wenig Restschnee vorhanden, mit dem sich die ganz Mutigen (Ralle) die Füsse 'waschen' konnten.

Lunch: Tee und Nudelsuppe
Lunch: Tee und Nudelsuppe
Bild von Mike

Der Nachmittags-Spaziergang zum Lager unter dem Lobuche East war dann nur noch ein Klacks. Auf halben Weg zum Lager deutete Mingma nach oben. Ein Adler zog dicht über uns seine Kreise. Den Vogel mit dem Foto 'abzuschiessen' war nicht ganz einfach, dem besten Allgäuer von Allen gelang das aber natürlich trotzdem :-)

Ein Adler kreist über uns
Ein Adler kreist über uns

Das heutige Lager lag weit vor dem laut Programm vorgesehenen Lobuche. Bis Lobuche wäre für die Träger zu weit gewesen, daher hatten wir in den letzten Tagen die Alternativen diskutiert und schliesslich einen 'Zwischentag' für den Marsch nach Gorak Shep vorgesehen und dafür den letzten 5000er der Runde, ein Vorgipfel des Taboche, gekippt.

Mingma meinte, nach dem Island Peak sei sowieso die Luft raus und erfahrungsgemäss hätte kaum jemand noch Lust, auf den Rückweg noch einen Geröllhaufen zu besteigen. Der Ralle war zwar enttäuscht, weil uns so ein Gipfel 'fehlen' würde, aber es war ja kaum zu ändern, wenn die Etappe zu lang war, war sie zu lang.

Einsames Lager unter dem Lobuche East
Einsames Lager unter dem Lobuche East

An diesem Abend vertiefte sich Edu in die Karten und schlug dann vor, die morgige eher kurze Etappe nach Gorak Shep mit einem 'Ersatz-5000er' zu würzen. Direkt über uns erhebe sich der Awi Peak, den wir besteigen könnten. Und wer dazu keine Lust habe könne ohne Weiteres auch unten rum über den 'Normalweg' nach Lobuche gehen.

Der beste Allgäuer von Allen war sofort Feuer und Flamme für den Ersatzgipfel (wie überhaupt die meisten), ich behielt mir die Entscheidung für den nächsten Tag vor. So richtig Lust hatte ich eigentlich nicht.

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