Everest Basecamp

21.10.2007, Übernachtung in Gorak Shep, 5180 Meter

Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg hinunter zur Sandebene und dann hinter in den Talschluss des Khumbu-Tals. Lunch-Pakete hatte wir abgelehnt, wir wollten lieber ein spätes Mittagessen. Für die Träger war heute Pausetag, aber die Küche musste natürlich arbeiten, immerhin immer an derselben Stelle.

An der Sandebene war deutlich angeschrieben wohin man gehen musste. Links rauf zum Kala Pattar (morgen), geradeaus zum Everest Base Camp. Ralle, Lalu und ich bildeten mit Edu den Abschluss der Truppe, die sich schon beim Losgehen weit auseinander gezogen hatte.

Über die Sandebene zum Everest Basecamp
Über die Sandebene zum Everest Basecamp

Wie üblich wenn man an einem Gletscher entlang läuft ging es ständig rauf und runter und es war entsprechend anstrengend. Zum Ausgleich war die Landschaft um uns herum fast unfassbar grossartig.

Noch kann man hinten den Everst sehen (vorne der Nuptse)
Noch kann man hinten den Everst sehen (vorne der Nuptse)

Wir liefen langsam in den Talschluss hinein, der links vom Pumori, hinten durch die Eiswand mit dem Lingtren und rechts von der gewaltigen Flanke des Nuptse umschlossen wurde. Vor dem Nuptse, rechts von uns befand sich der gewaltige Eistrom des Khumbu Gletschers, der so weit oben auch so langsam wie ein Gletscher aussah und so zerrissen und ausgeapert war, wie man sich das von diesem riesigen Gletscher erwartete.

Der Khumbu Gletscher
Der Khumbu Gletscher

Schon gestern hatte ich von Gorak Shep aus versucht, den Khumbu Icefall zu erkennen, hatte dann aber aufgeben müssen. Von so weit hinten sah es aus, als sei der Talkessel vor uns von allen Seiten von hohen Wänden ohne Durchlass eingeschlossen.

Erst auf halben Weg zum Basecamp, das ziemlich genau gegenüber dem Eisfall liegt, konnte man erkennen, dass es doch ein 'Loch' in der Wand rechts von uns gab und dass dort ein gewaltiger Strom gefrorenen Wassers ins Tal purzelte - in extremer Zeitlupe natürlich.

Ein ganzes Stück vor dem Basecamp wechselten wir von der Seitenmoräne auf den Gletscher selber und spazierten dann - etwa in der Mitte des Gletschers aber deutlich links von den zerissenen Eistürmen der rechten Seite - auf das Basecamp zu, das schon von weitem n den vielen bunten Zelten Zu erkennen war, die in kleinen Gruppen gegenüber dem Icefall standen.

Nach den vielen Berichten über das Basecamp, die sich alle lesen, als stünde normalerweise eine mittlere Kleinstadt an Zelten auf dem Gletscher, waren die paar Zelte (etwa 50) doch einigermassen ernüchternd. Das läge daran, dass es Herbst sei, klärte uns Pemba auf. Die eigentliche Saison sei im Frühling und da reiche das Basecamp bis dorthin den Gletscher hinunter, wo wir darauf gestiegen seien. Oh.

Im Everest Basecamp, direkt vor dem Khumbu Icefall
Im Everest Basecamp, direkt vor dem Khumbu Icefall

Am Rand des Lagers, direkt vor dem Khumbu Eisfall stand eine Gebetsstange auf einem steinernen Podest an der viele Gebetsfahnen befestigt waren. Wir setzten uns genau gegenüber und genossen erst mal. Den Ort. Die Umgebung. Die Wärme. Tee. (Und Schokolade.)

Der Khumbu Eisfall gezoomt (hinten die Wand des Lhotse)
Der Khumbu Eisfall gezoomt (hinten die Wand des Lhotse)

Die Rennabteilung unserer Truppe, die schon eine ganze Weile vor uns angekommen war, ging bald wieder. Gerhard, Christine, Ralle und ich blieben noch eine Weile und genossen das alles um uns herum.

Schliesslich machten auch wir uns auf den Weg zurück nach Gorak Shep, bald gefolgt von Gerhard und Christine. Miteinander erreichten wir das Lager und fanden nur noch kümmerliche Reste des Mittagessens vor, mit dem die anderen eben fertig geworden waren (was uns allerdings locker reichte). Es war noch früh am Nachmittag und wir machten aus, dass wir uns später in der oberen Lodge auf heissen Kakao treffen würden.

Die Zeit dazwischen wollte ich zum Socken waschen nutzen. Dem Ralle war es zu kalt für solche Spielchen. So blieb er im Zelt und schrieb während ich mich mit meinem Waschzeug, der Faltschüssel und den Socken auf den Weg zu dem kleinen See am hinteren Ende der Sandebene machte.

Nachdem ich das Eis weggetreten hatte, konnte ich meine Socken waschen (das Waschwasser kippte ich natürlich nicht zurück in den See sondern ein Stück entfernt in den Sand in der Hoffnung dass die - selbstverständlich biologisch abbaubare - Seife so nicht so direkt in den See gelangen würde). Es wehte ein eisiger Wind, die Socken froren schon beim Auswinden steif und meine Hände fühlten sich danach an wie Eisklötze. Was tut man nicht alles für seine zivilisatorischen Ansprüche?

Beim Zelt waren meine dann Hände wieder halbwegs aufgetaut. Wir gingen zur Lodge - wobei wir aber alle 3 Lodges durchsuchen mussten weil wir da was missverstanden hatten - und trafen dort die anderen, die zusammen mit Mingma eben eine Riesenkanne heisse Schokolade bestellt hatten. Die heisse Schokolade schmeckte traumhaft, eine wunderbare Abwechslung zu dem ewigen Schwarztee.

Für die Teatime war der Ausflug schlecht, denn kaum jemand hatte nach der heissen Schoki noch Lust auf Schwarztee. Ralle und ich verzogen uns ins Zelt zum Berichtschreiben (Ralle) oder dösen (ich). Dadurch verpassten wir leider einen genialen Sonnenuntergang. Ein Glück nur, dass einige unserer Kameraden schlauer waren als wir, so gibt es wenigstens ein paar Fotos davon.

Gorak Shep vor dem Nuptse im Abendlicht
Gorak Shep vor dem Nuptse im Abendlicht

Die Sonne geht unter ...
Die Sonne geht unter ...
Bild von Mike

... und beleuchtet am Ende nur noch den höchsten Berg der Welt
... und beleuchtet am Ende nur noch den höchsten Berg der Welt
Bild von Mike

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