Abstieg bis Dingpoche

28.10.2007, Übernachtung in Dingboche, 4309 Meter

Beim Frühstück hatte sich unser Krankenstand signifikant erhöht. Ludwig ging es zwar besser, aber Dani war noch sehr mitgenommen, immerhin konnte sie inzwischen zumindest wieder Tee bei sich behalten. Dafür hatte der Brechdurchfall nun Maxi erwischt, die elend mit Tee beim Frühstück sass. Auch Edu hatte es erwischt, nicht der Brechdurchfall sondern ein offensichtlich sehr schmerzhaftes Nierenleiden, dass er wohl schon kannte, weil er dafür die richtigen Medikamente dabei hatte.

Aufbruch vom Island Peak Basislager
Aufbruch vom Island Peak Basislager

So machte sich nach dem Frühstück eine recht gedämpfte Truppe auf den Weg nach Chhukung. Maxis Rucksack hatte sich der Mario über den eigenen Rucksack geworfen, Lalu nahm Danis Rucksack. Edu trug seinen eigenen Rucksack, hatte sich aber abgesetzt und lief sehr langsam allein (lediglich begleitet von Mingma) Richtung Chhukung. Wir anderen spazierten in kleinen Gruppen gemütlich aus dem Tal hinaus und genossen den Tag und die Gegend.

Ralle schüttelte sich noch mal kurz als wir am brüchtigten Klohäuschen des Basecamps vorbei kamen. Das war schuld an der Misere mit dem Brechdurchfall, da war er sich sicher. Und auch, dass der Enzian, von dem er jeden Abend einen Minischluck genommen hatte, ihm genau dieses Schicksal erspart hatte. Durchaus möglich.

Der Island Peak (rechts) neben der Lhotse-Wand
Der Island Peak (rechts) neben der Lhotse-Wand

In Chhukung hatten die Küche unser Mittagessen genau dort aufgebaut, wo wir 2 Tage zuvor gefrühstückt hatten. Das Essen war noch nicht fertig, daher gingen wir in die Loge und holten uns Cola und Bier. Nach so viel Schwarztee ist Cola beinahe eine Offenbarung ;-)

Coke in der Lodge
Coke in der Lodge

Beim Mittagessen hatte ich keinen Appetit, ich hatte so ein komisches Gefühl in der Magengegend und das kam nicht von dem lästigen Husten, der mich natürlich noch immer begleitete. 'Oh Nein!', schwor ich mir, 'Ich krieg das nicht!' Aufs Essen verzichtete ich trotzdem vorsichtshalber ich trank nur mein Coke und Tee.

Auf dem Weg nach Dingboche (im Hintergrund der Taboche)
Auf dem Weg nach Dingboche (im Hintergrund der Taboche)

Der Weiterweg nach Dingboche war einfach und landschaftlich grossartig. Immer wieder drehten wir uns um und beguckten uns nochmal den weiten Talkessel mit dem dunklen Dreieck des Island Peak. Ein letztes Mal. Und dann nochmal ein letztes Mal. Und so weiter.

Ein letzter Blick auf den Island Peak
Ein letzter Blick auf den Island Peak

Das Dorf Dingboche besteht zum grossen Teil aus Baurenhäusern mit Feldern und ist über eine entsprechend grosse Fläche verteilt. Als wir das Dorf erreichten, dauert es noch eine ganze Weile, bis wir am anderen Ende angekommen waren, wo unser Lager unter einer kleinen Stupa vor einer schönen neuen Lodge aufgebaut wurde.

Dingboche
Dingboche

Mir war es inzwischen gar nicht mehr wohl. Aber mein Timing stimmte. Sobald wir im Lager angekommen waren, erwischte auch mich der grassierende Virus. Allerdings hatte er offensichtlich inzwischen Bösartigkeit verloren, ich bekam lediglich Durchfall. Als das Zelt stand, rollte ich mich im SChlafsack zusammen, liess mich vom Ralle mit Tee versorgen und tauchte den ganzen Abend (von diversen Abstechern zum Klozelt unterbrochen, natürlich) nicht mehr auf. Ich schlief.

Unser Lager in Dingboche
Unser Lager in Dingboche

Während ich im Schlafsack lag und gesund wurde, assen die anderen zu Abend, sassen beieinander und schliesslich gingen der Ralle und ein paar Andere in die Lodge um dort noch ein Bier zu trinken. Weil interessant ist, was passiert ist und weil noch etwas folgen wird, das damit zu tun hat, erzähle ich hier mal nach, was der Ralle mir erzählte.

In der Lodge war eine sehr grosse Gruppe Briten, die wohl alles andere aussahen als Bergsteiger (was prinzipiell natürlich kein Problem ist, denn die Wege im Khumbu sind grösstenteils Spazierwege und können von nahezu jedem begangen werden, der halbwegs laufen kann). Der Gruppenleiter war mitten im abendlichen 'Pep-Talk' und lobte, wie gut der Tag gegangen war und ging auf die Ziele und den Ablauf der weiteren Tage ein. Und da waren ehrgeizige Ziele dabei.

Der Gruppenleiter beschloss die Rede mit dem Hinweis, dass wer Kopfschmerzen oder ähnliche Probleme habe, nicht vergessen solle, sein Diamox zu nehmen. Wer keines habe, solle zu ihm kommen.

Edu erklärte dazu (eigentlich am nächsten Morgen, aber das gehört trotzdem hierher), dass die Praxis zur Höhenanpassung prophylaktisch Diamox zu nehmen seit einigen Jahren schon überholt sei. Diamox sei tatsächlich ein Medikament gegen die Höhenkrankheit, es lindere die Kopfschmerzen und verdünne das Blut. Wer aber Diamox benötigt, muss auf jeden Fall absteigen, da der Körper mit der Anpassung nicht fertig geworden ist. Auch in unserer Apotheke sei Diamox.

Wenn man Diamox aber vorsorglich nehme, erklärte Edu, dann überdecke man die meisten der Warnzeichen für die Höhenkrankheit, so dass man erst viel später merken würde, dass jemand höhenkrank sei. Und das sei gefährlich.

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