Genusswanderung von Dingboche nach Tashinga

29.10.2007, Übernachtung in Tashinga, 3473 Meter

Am nächsten Morgen ging es mir wieder gut. Auch Maxi und Dani sahen wieder besser aus und beim Edu hatten die Medikamente angeschlagen, er konnte sich offensichtlich wieder ohne furchtbare Schmerzen bewegen. Der Krankentrupp hatte sich wieder zu einer Trekkinggruppe zurückgewandelt.

Wir frühstückten gemütlich in der Sonne (das Essenszelt und die blauen Zelte waren bereits unterwegs, die heutige Strecke war sehr lang für die Träger), wobei ich mich von den Eiern aber lieber fern hielt und Reispudding und Haferschleim ass. Soll ja beides gut für den Magen sein und ich mag das Zeug sowieso.

Rückblick auf Dingboche
Rückblick auf Dingboche

Dann spazierten wir gemütlich los. 'Genusswanderung' hatte das Programm den Rückweg nach Lukla genannt und einen passenderen Begriff für den Weg kann man kaum finden. Das Wetter war wunderbar, die Landschaft nach wie vor und immer noch und wieder grossartig und es war überhaupt nicht mehr anstrengend. Wir lustwandelten auf dem breiten Weg Richtung Namche Bazar und hatten viel Zeit, nun auch mal die Leute zu bemerken (bei so einem Zeltrekking ist man natürlich meistens eher unter sich).

Schon gestern in Dingboche waren uns ein paar Träger aufgefallen, die riesige Holzbalken schleppten. Nunja, hier muss alles getragen werden, also auch das Baumateial für neue Lodges. Gleich nach Dingboche kamen uns wieder ein paar Holzträger entgegen.

Holzträger mit unglaublichen Lasten
Holzträger mit unglaublichen Lasten

Die Männer gingen wegen der teils sehr langen Balken weit vornübergebeugt langsam und bedächtig an uns vorbei. Zum Pause machen stellten sie die hinteren Enden der Balken auf den Boden, klemmten vor sich einen Stock unter die Balken und spreizten die Beine so weit, bis sie entlastet waren. Mingma fragte einen der Träger, was seine Last wiege. 100 Kilo antwortete der Mann. Und was er verdiene, fragte Mingma weiter. 120 Rupies (1,50€).

Wir machten den Männern respektvoll Platz.

Wir machen einem Holzträger Platz
Wir machen einem Holzträger Platz

Für den heutigen Tag waren 2 Klosterbesichtigungen angesetzt, die erste in Pangboche. Kurz vorher machten wir nochmal Pause an einer Stupa, direkt gegenüber der wunderbaren Ama Dablam, unter der wir inzwischen entlang liefen. Ralle beguckte sich den Traumberg mit dem Fernglas und reichte das dann reihum weiter: 'Da oben ist eine Seilschaft drin.'

Tatsächlich. Wenn man wusste wo, dann konnte man die Leute und ihre Spur sogar ohne Fernglas entdecken.

Der Gipfel der Ama Dablam
Der Gipfel der Ama Dablam

Pangboche ist ein nettes kleines buddhistisches Kloster, das Innere so bunt wie das der anderen Klöster. Ich fand die beiden Jungs im Klosterhof (Nachwuchsmönche?) interessanter. Anfangs lasen sie zusammen die Gebetsfahnen im Klosterhof, dann musste einer der beiden wohl weg und der andere setzte sich an die Wand und tat so, als gäbe es uns gar nicht.

Zwei Jungs lesen die Gebetsfahnen in Pangboche
Zwei Jungs lesen die Gebetsfahnen in Pangboche

Auf dem weiteren Weg sahen wir immer mehr von den Bewohnern des Khumbu. Babys, Kinder, Jugendliche, alte Leute, die ihrer täglichen Beschäftigung nachgingen. Die Mädchen genauso albern und kichernd wie anderswo auch, selbst die kleinsten Kinder schon unglaublich agil und selbstständig.

Ein Kind aus Pangboche
Ein Kind aus Pangboche

Junge Träger
Junge Träger

Ein paar Jungs, vielleicht 13 oder 14, die bereits Traglasten schleppten und alte Leute, die teils kaum noch laufen konnten (was so weit hinten in einem Fussgängerland vermutlich nicht einfach ist) oder riesige Körbe voller Brennmaterial schleppen.

Alter Mann vor Tengboche
Alter Mann vor Tengboche

Frau mit Holzlast
Frau mit Holzlast
Bild von Dani

Und immer wieder Yaks oder Yak-Mischlinge, von denen eines meinen Adrenalinspiegel heftig in die Höhe trieb, als es mit mit gesenkten Hörnern deutlich zu verstehen gab, dass ich keinen Schritt weiter gehen sollte.

Am frühen Nachmittag waren wir so weit abgestiegen, dass es sogar wieder Bäume gab. Das Küchenteam hatte uns einen wunderschönen Platz in einem kleinen Wäldchen für das Mittagessen ausgesucht, wo wir uns viel Zeit in der Sonne und der Wärme liessen. Noch immer vorsichtig, nahm ich von den Bohnen, liess aber das fettige Fladenbrot und den Käse weg. Nur bei den Ananas zum Nachtisch konnte ich nicht widerstehen. Warum auch nicht, mir ging es doch wieder gut.

Mittagspause im lichten Wald
Mittagspause im lichten Wald

Dachte ich. Zum Kloster Tengboche ging es nochmal um die 150 Meter nach oben. Noch waren wir ja über 4000 Meter hoch und diese 'kleine' Anstrengung reichte aus, dass ich erst einen furchtbaren Hustenanfall bekam und dann gleich die ganzen guten Ananas und die meisten der Bohnen wieder von mir geben musste. Christine und Mingma waren gleich zur Stelle und versorgten mich mit Tee und Tempos.

In Tengboche waren wir zur falschen Zeit. Die Wolken aus dem Tal waren inzwischen aufgestiegen und wir waren nun tief genug, dass sie uns inzwischen eingeholt hatten. Das Kloster hat bestimmte Öffnungszeiten und um es besichtigen zu können, hätten wir eine Stunde warten müssen. Dazu hatte keiner Lust und so gingen wir weiter.

Der Eingang zu Tengboche
Der Eingang zu Tengboche

Unser Lagerplatz sollte in Tashinga sein. Mingma zeigte über den Fluss tief unter uns auf ein Dorf in halber Höhe auf der anderen Seite. Eigentlich nicht mehr weit weg, dumm nur, dass wir um zum Dorf zu kommen, erst mal weit hinab zum Fluss absteigen mussten, nur um auf der anderen Seite wieder hinauf steigen zu müssen.

Der lange Abstieg auf dem Serpentinenweg war unangenehm. In beiden Richtungen waren sehr viele Leute unterwegs und es staubte was das Zeug hielt. Kein Wunder, dass so viele Nepali mit Tüchern vor dem Gesicht als Staubschutz herum liefen. Dass der aufgewirbelte Staub zu einem nicht unerheblichen Teil aus Yakdung bestand, hatte ich vorher irgendwo gelesen aber hier nicht mehr unbedingt wissen müssen.

Der Aufstieg vom Fuss nach Tashinga war dann doch weniger schlimm, als ich nach dem Hustenanfall vor Tengboche befürchtet hatte. Unser Lager befand sich auf der Yakwiese eines Hofes am oberen Ende des Dorfes. Die Yakwiese hatte 4 Stufen, getrennt durch kleine Mäuerchen, von denen die unteren zwei nun von uns belegt waren, während die Yaks auf die beiden oberen Stufen ausquartiert wurden.

Zu dem Hof, auf dessen Weide wir lagerten, gehörten auch 3 Kinder von denen der eine Junge offensichtlich eines der Hühner sehr ins Herz geschlossen hatte. Er schleppte es überall herum. Die Träger schienen sich eine Spass mit ihm zu machen, es sah aus, als wollten sie ihm das Huhn abkaufen, vermutlich um es in einen Topf zu stecken. Der Junge lehnte immer wieder vehement ab, bis schliesslich alle in Gelächter ausbrachen und ihm den Kopf tätschelten. War wohl alles Spass. Und eigentlich dürften Buddhisten doch eigentlich kein Huhn schlachten.

Kinder in Tashinga
Kinder in Tashinga

Inzwischen hatten sich die Wolken wieder gesenkt, so dass es ungemütlich klamm ausserhalb des Schlafsacks war. Bald sah man kaum noch 20 Meter weit und in der Dunkelheit konnte man sich beinahe auf dem Weg zum Klozelt verirren. Zum Ausgleich leuchteten die Augen der Yaks auf den obenren Stufen der Wiese ziemlich unheimlich, wenn man mit der Stirnlampe in ihrte Richtung guckte.

Bei meinem zweiten nächtlichen Teestop wurde es plötzlich unruhig draussen. 2 Yaks fingen an oben herumzurennen. Und dann schienen sie über die beiden Mäuerchen gesprungen zu sein und rannten zwischen den Zelten herum, verfolgt von Tami und Pemba.

Wenn man mit nacktem Hintern über dem Loch im Klozelt hängt und befürchten muss, dass gleich ein aufgebrachtes Yak das Zelt umrennt, ist das ganz schön unangenehm. Ich war wie die Blitz aus dem Zelt und schaute mir das Spektakel (so weit ich sehen konnte) an. Die Yaks waren schnell wieder eingefangen und wurden dann oben angepflockt. Damit war für den Rest der Nacht Ruhe.

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