Sightseeing in Kathmandu

02.11.2007

Als wir noch in Lukla waren und angenommen hatten, am gestrigen Tag morgens um 9.00h bereits im Hotel und frisch geduscht und gestiefelt und gespornt zu sein, hatte Edu für die Interessierten (fast alle also) über Mingma noch eine kleine Kultur-Führung durch Kathmandu organisiert. Nachdem der Flug dann erst sowieso schon später angesetzt worden war und dann noch dazu ein paar Stunden Verspätung hatte, sodass wir erst am frühen Nachmittag ins Hotel gekommen waren, war die Stadtführung natürlich ins Wasser gefallen.

Auf Nachfrage beim Farewell-Dinner hatte Mingma nochmal Rücksprache mit Intrek gehalten und hatte eine Mini-Führung organisiert, für 25 Euro pro Person. Immerhin ging unser Flieger erst um 19:00h, was uns selbst mit einem Essen im Hotel und einem riesigen Zeitfenster für den Weg zum Flughafen einige Stunden für Kultur gab.

Dem reichen Erbe Kathmandus konnte eine derartige Blitzführung natürlich nicht gerecht werden, aber für uns Asien-Neulinge war auch ein kleiner Anriss der fremdartigen Kultur interessant. Interessanter als in der Altstadt Krimskrams kaufen war es sowieso, Shopping-Muffel, die wir sind (also ich bin ein Shopping-Muffel, der beste Allgäuer von Allen läuft eigentlich ganz gern durch Geschäfte und kauft hier mal was und da mal was).

So fand sich der grösste Teil der Gruppe recht früh beim Frühstück ein, so dass wir pünktlich nach Kathmandu starten konnten. Unser Führer war ein junger Nepali namens Shuman, der erstaunlich gut Deutsch sprach. Schon auf den 45 Minuten Fahrt in die Stadt erzählte er uns viel vom Leben in Nepal, beispielsweise, dass etwa nur 40% der Kinder in die Schule gehen, dass wer es sich leisten kann, seine Kinder auf Privatschulen schickt, weil die staatlichen Schulen so schlecht seien und dass das furchtbar teuer sei. Nach der Schule käme dann das College und schliesslich die Uni, aber egal wie gut die Ausbildung sei, es sei furchtbar schwer hinterher Arbeit zu finden.

Die Arbeitslosigkeit in Nepal sei erschreckend hoch (über 40%). Shuman erzählte, dass er Wirtschaftwissenschaften studiert hatte, dann aber keine Arbeit gefunden habe, aber weil er mal Deutsch in einem Kurs gelernt habe, habe er bei Intek einen Job als Führer gefunden (am nächsten Tag brach shuman dann mit Mingma zusammen zur Dhaulaghiri-Runde auf), den er sehr gern mache, auch wenn sein Vater, ein Lehrer, den Job unter seiner Würde fände, aber immerhin verdiene er bei Intrek Geld. Shuman redete ohne Punkt und Komma, zeigte uns zwischendrin alles mögliche Interessante am Strassenrand (ganz Kathmandu steht voller Statuen und Monument berühmter Nepali), bis der Bus schliesslich anhielt.

Pashupatinath, die grösste und wichtigste Hindu-Stätte Nepals. Wir stiegen aus und liefen eine Strasse entlang, an der es viele Stände mit den obligatorischen Devotionalien (gelbe, rot, orange und bunte Pulver, Blumen, Girlanden und Essbares) auf einen Haufen offensichtlich alter Gebäude inmitten eines relativ freien Platzes zu. Gleich neben dem ersten Bauwerk stand ein immens grosser Stier gelangweilt herum, dahinter sassen leuchtend orange gekleidete Frauen mit langen verfilzten Haaren, die die Hände vors Gesicht schlugen, sobald sich eine Kamera auf sie richtete (natürlich haben wir dann nicht fotografiert).

Ein (echter) Stier in Pashupatinath
Ein (echter) Stier in Pashupatinath

Shuman führte uns vor ein grosses schön und bunt verziertes Tor, durch das man den Hintern eines gewaltigen goldenen Stiers sehen konnte und durch das barfüssige Leute ein- und ausgingen. Rechts befand sich ein grosser überdachter Platz mit Schuhregalen und neben dem Tor stand ein uniformierter Wachmann. Das sei der Tempel von Pashupatinath erklärte er, dort dürfen nur Hindus hinein. Dann erzählte er uns von Shiva, Parvati und Ganesh und wie letzterer zu seinem Elefantenkopf kam. Shuman zog interessante Parallelen zu den griechischen Sagen, die ich leider alle vergessen habe.

Der Goldene Stier im Tempel
Der Goldene Stier im Tempel

Nach einer Weile gingen wir weiter, aussen um den Tempel mit dem 'goldenen Kalb' (wie Edu den Stier nannte) herum, am ersten Altenheim Nepals vorbei, das von Mutter Theresa gegründet worden war, hinunter zum Fluss hinter dem Tempel. Wir überquerten den Fluss, der wie der Bach am Tempel von Pharping geradezu grausam verdreckt war, und sammelten uns auf der anderen Seite.

Shuman erklärte, wie die Hindus den Kreislauf von Leben und Sterben sehen und erklärte die hinduistischen Gebräuche bei Geburt, Hochzeit und Sterben. Währenddessen lief im Hintergrund genau das ab, was Shuman erklärte. Der Leichnam einer Frau wurde im Fluss gewaschen, aufgebahrt und umgekleidet, ein Priester vollzog eine rituelle Reinigung im Fluss (auf unsere Fragen bezüglich des Flusswassers meinte Shuman, dass er selber nach so einer rituellen Reinigung daheim duschen müsse, sonst bekäme er Ausschlag), während auf einer der Plattformen am Fluss ein Holzstapel aufgeschichtet wurde. Die Tote wurde von ihren Kindern gewaschen und umgekleidet, 2 Frauen und ein Mann.

Eine tote Frau wird gewaschen ...
Eine tote Frau wird gewaschen ...

... und aufgebahrt.
... und aufgebahrt.

Alles was während der Zeremonie nicht mehr gebraucht wurde, Decken, Tücher, Tüten, wurde in den Fluss geworfen, wo es umgehend von ärmlich gekleideten Kindern eingesammelt wurde. Weiter unten stiegen Leute mit einer Art Netz im Fluss herum und schienen zu fischen. Diese Leute, erklärte Shuman, suchten nach Zahngold und Ringen und Ähnlichem, das nach der Leichenverbrennung zusammen mit der Asche in den Fluss gekehrt wurde. Und tatsächlich, weiter unten glommen die Reste eines Holzstapels vor sich hin. Noch weiter hinten kehrte ein Priester gerade die letzten Kohlen und Asche in den Fluss.

Der Priester bereitet die Verbrennungsstätte vor ...
Der Priester bereitet die Verbrennungsstätte vor ...

auf die die Tote gelegt und angezündert wird
auf die die Tote gelegt und angezündert wird

Diese Art mit dem Tod umzugehen kommt mir irgendwie natürlicher vor als wie es bei uns gehandhabt wird, wo das Sterben und der Tod ja geradezu steril wirken. Es ist sicherlich schwerer, einen toten Angehörigen zu waschen und herzurichten und dann auch noch selber zu verbrennen, aber es gibt bestimmt auch einen intensiveren Abschied. Ein paar aus der Gruppe waren fast angewidert und konnten kaum hinschauen, einer filmte jedes Detail. Ich liess das einfach auf mich wirken und fand es sehr interessant. Bei den Fotos haben wir (Ralle und ich) uns zurück gehalten. Die Leichenverbrennung ist öffentlich und so kann jeder zuschauen, aber unser westlicher Respekt vor dem Tod verhinderte dann doch dass wir jedes Detail im Zoom aufnahmen.

Nach der Leicherverbrennung kümmert sich ein Prister um die Reste des Feuers ...
Nach der Leicherverbrennung kümmert sich ein Prister um die Reste des Feuers ...

schliesslich wird die restliche Asche in den Fluss gekehrt
schliesslich wird die restliche Asche in den Fluss gekehrt

Wir schauten zu, bis der Sohn der Toten - unter nahezu körperlichen Schmerzen vor Trauer - den Holzstapel mit dem Leichnam seiner Mutter angesteckt hatte (er hielt als erster die Fackel ans Reisstroh, der Priester sorgte dann dafür, dass der ganze Holzstapel in Flammen aufging) und gingen dann weiter.

Der gesamte Komplex von Pashupatinath ist über Jahrhunderte gewachsen und verwinkelt und verbaut. Hindus kennen auch sowas wie Grabmäler, auch wenn da keine Menschen bestattet werden. Wir liefen durch eine ganze Reihe Bauwerke, die zu Ehren von irgendwem errichtet worden waren, überall liefen Affen herum und an den Wegen sassen Bettler, teilweise grausam von Lepra verstümmelt.

Affen in Pashupatinath
Affen in Pashupatinath

Und es gab viele Saddhus. Die heiligen Männer (Shuman sagte immer 'scheinheilig', ich bin nicht sicher, ob damit wirklich scheinheilig oder eher heilig scheinend meinte, er sprach gut Deutsch, aber so gut auch wieder nicht) werden vom Tempel ausgehalten, sie bekommen ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen. Letzteres kann aber nicht allzuviel sein, den ausnahmslos alle waren ausgemergelt und dünn. Saddhus dürfen im Gegensatz zu den anderen praktizierenden Hindus berauschende Mittel zu sich nehmen, zum Beispiel Marihuana rauchen (die das tun, reiben ihren Körper dann häufig mit der Asche ein, was ihnen ein seltsam graues Aussehen gibt), wenn das der Selbst- oder Gottfindung dient. Dafür müssen sie sexuell enthaltsam sein und fasten.

Saddhus vor der Morgentoilette ...
Saddhus vor der Morgentoilette ...

Da wir recht früh dran waren, trafen wir dann auf eine kleine Gruppe Saddhus die eben erst mit ihrer Morgentoilette beschäftigt waren. Hauptsächlich ging es darum, die mehrere Meter langen Dreadlocks irgendwie zu verstauen.

... und mit aufgezwirbelten Dreadlocks
... und mit aufgezwirbelten Dreadlocks

Shuman liess uns Zeit, die vielen Eindrücke zu verdauen, drängte aber dann doch schliesslich zum Bus. Wir wollte ja auch noch etwas Anderes sehen.

Es ging nach Bodnath, zu einer der beiden grossen buddhistischen Stupas von Kathmandu. Der Bus entliess uns auf einer der typischen Strassen Kathmandus, unglaublich voll und geschäftig. Wo hier ein Tempel sein sollte, war nicht vorstellbar. Nach ein paar Metern bog Shuman in eine kleine Gasse neben der Strasse ein und da war es: Bodnath.

Bodnath
Bodnath

Touristen müssen Eintritt zahlen um auf das Gelände zu dürfen. Shuman führte uns als erstes in eine Thangka-Malschule, ein Ableger der Schule in Monjo (die uns allerdings nicht aufgefallen war), wo uns ein junger Mönch in Jeans und T-Shirt und unverkennbar amerikanischem Akzent erklärte, wie die Thangkas entstanden, während der Klostervorstand vor dem Fenster sass und selbstvergessen betete. Thangkas entstehen in einem unglaublich aufwändigen Prozess, wo ein Stück Baumwolle zuerst wiederholt mit einer kalkhaltigen Grundierung bestrichen wird und dann von hinten nach vorn mit göttlichen Motiven oder Mandalas bemalt wird. Ein mittelgrosses Thangka braucht wenigstens einen Monat, bis es fertig ist. Kein Wunder, dass die Dinger so teuer sind.

In der Thangka-Malschule
In der Thangka-Malschule

Dann bekamen wir eine knappe Stunde 'frei'. Ralle und ich schlenderten erst mal um die Stupa herum und stiegen dann hinauf. Mit dem Buddhismus waren wir ja in den letzten 4 Wochen schon öfters in Berührung gekommen, hier an der Stupa fühlten wir uns bei weitem nicht so wie Fremdkörper wie in Pashupatinath. Natürlich gab es um die Stupa herum haufenweise Kruscht- und Ramsch-Läden (und natürlich auch 'seriöse' Geschäfte, wie die Thangka-Malschule zum Beispiel), so dass wir doch noch ein wenig zum Einkaufen kamen

Wir laufen auf der Stupa von Bodnath herum
Wir laufen auf der Stupa von Bodnath herum

Die Stupa von Bodnath von einer Dachterrasse aus
Die Stupa von Bodnath von einer Dachterrasse aus

Nachdem wir wieder mit den anderen getroffen hatten, gingen wir auf die Dachterrasse eines der Restaurants um Bodnath herum, um nochmal gemütlich die Stupa von oben zu betrachten. Dann ging es zurück zum Bus und dann zurück zum Hotel. Wir waren gerade rechtzeitig zum späten Mittagessen zurück, das Edu bei Intrek noch für uns rausgeholt hatte. Die Stadtgänger kamen kurz nach uns, so dass wir alle wieder vollständig waren.

Shuman
Shuman

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