Von Lukla nach TokTok

07.10.2007, Übernachtung in TokTok, 2685 Meter

Nach einem exzellenten Frühstück (das trotz Vorbestellung ein wenig spät kam), machten wir uns mit viel Pufferzeit auf den Weg zum Flughafen. Edu hatte vorgesorgt und uns die beiden Jeeps schon gestern reserviert.

Sämtliches Gepäck wurde in einem abenteuerlichen Haufen auf den Dächern und im Inneren der Jeeps verstaut, wir falteten uns wieder hinten hinein und die holprige Fahrt hinab zum Busparkplatz konnte losgehen. Diesmal wartete unten lediglich der Bus auf uns, so dass wir unsere grossen Taschen hinten einladen und uns vorne zusammen drängen mussten. Kein Problem, wenn auch etwas eng.

Eingezwängt im vollen Jeep
Eingezwängt im vollen Jeep
Bild von Maxi

Am Flughafen wartete wieder die Gepäckmafia auf uns, aber diesmal waren wir besser darauf vorbereitet und wurden nicht ganz so überrumpelt. Es war so gut wie unmöglich, sich das Gepäck nicht abnehmen zu lassen, doch diesmal bekamen die Träger nicht jeder einen mehrfachen Tageslohn für 2 Minuten Gepäckwagenschieben sondern wir schickten alle zu Edu, der die Leute angemessen entlohnte.

Unser Gepäck wurde durch einen altertümlichen Scanner geschickt (was eher eine Formsache zu sein schien, denn es sah nicht so aus, als würde sich irgendwer um den Inhalt der Taschen scheren) und dann vor dem Schalter der Yeti Airlines aufgestapelt.

Am Flughafen
Am Flughafen

Alle Flüge hätten Verspätung hiess es, in Lukla sei Nebel, der erste Flieger sei eben erst gestartet. Nicht direkt überraschend, dass man auf den Flug nach und von Lukla warten muss, kann man überall nachlesen und bekommt man überall erzählt. Wir mussten nicht mal allzu lange warten, nach etwa anderthalb Stunden wurde unser Gepäck gewogen und wir dürften hinter die Abflugschalter in die innere Wartehalle, wo wir uns an der Seite hinsetzen und uns umsehen konnten.

High-Tech-Mönch
High-Tech-Mönch

Besonders auffällig: Ein Mönch mit Notebook, der als sein Flug aufgerufen wurde, das Notebook wegpackte und der - managermässig - umgehend ein Handy aus der Tasche kramte und das Telefonieren anfing.

Schliesslich wurde unser Flug angezeigt und wir liessen uns hinaus zur unserer Maschine fahren, eine grünweisse Twin Otter, aus der gerade ein blaues Wildwasser-Kajak ausgeladen wurde, was die Gepäckauslader sehr amüsierte.

Wir steigen in die Twin Otter
Wir steigen in die Twin Otter
Bild von Ludwig

Wir quetschten uns alle in das winzige Flugzeug, dessen Sitze so eng waren, dass wir mit unseren Bergrucksäcken kaum hineinpassten. Die hübsche Stewardess verteilte Bonbons und Watte und dann ging es auch schon los. Das Flugzeug fuhr auf die Startbahn, die Motoren heulten auf und nach einer leicht holprigen Anfahrt befanden wir uns in der Luft. Anfangs war der Flug ruhig (wenn auch recht laut) und führte parallel zu den Bergen über Hügelland. Von oben war gut zu sehen, dass es kaum Strassen und Pisten gab, dafür war die ganze Gegend besiedelt und von Fusspfaden und Wegen durchzogen. Mingma zeigte uns den Weg von Jiri nach Luka und deutete hinunter, um uns sein Haus auf dem breiten Grat eines Hügels zu zeigen.

Als wir uns nach einer knappen halben Stunde Lukla näherten, ging der Pilot tiefer und der Flug wurde deutlich unruhiger. Wir überflogen einen letzten Grat, dann ging es hinein und hinunter ins Tal des Dudh Khosi, der tief unter uns lag. Kurz vor dem Anflug konnten wir schnell noch Lukla mit der absurd kurzen Landebahn sehen, die direkt vor uns lag, dann holperte es furchtbar und das Flugzeug lief auf der geneigten Landebahn aus. Da. Wir waren da!

Endlich in Lukla, Wolken in den Bergen
Endlich in Lukla, Wolken in den Bergen

Wir stiegen aus und versammelten uns neben dem Flughafengebäude während unser Gepäck irgendwohin verladen wurde. Das Flughafengelände ist von einem Zaun umschlossen, hinter dem es nur so wumselte. Unmengen Leute liefen herum oder warteten. Die meisten schienen Träger zu sein und auf Gepäck zu warten. Nach ein paar Minuten führte uns Mingma aus dem abgeschlossenen Gelände hinaus und ein Stück die 'Strasse' hinauf, dann rechts in eine schmale Gasse, die nach zwei Biegungen unerwartet in einen grossen gepflegten Garten mit nahezu englischem Rasen führte, wo 2 Tische aufgebaut waren und Kaffee und Tee auf uns wartete. Unsere Taschen waren auch schon angekommen.

Während wir erst mal durch die Taschen kruschtelten, um an die leichten Bergstiefel und all die anderen wichtigen Dinge zu kommen, die wir wegen des Fluges aus den Rucksäcken genommen hatte, klärte Mingma am Rand des Gartens Organisatorisches mit der Mannschaft. Bis wir mit unseren Verrichtungen fertig waren, hatte Mingma die Mannschaft aufgeteilt und die Träger kamen um das Gepäck zu nehmen.

Das Gepäck wird auseinander sortiert
Das Gepäck wird auseinander sortiert

Je 2 Taschen für einen Träger, der zusätzlich natürlich auch sein eigenes Zeug zu tragen hatte. Die Träger verwendeten verschiedene Systeme um die Taschen zu tragen. Die besser ausgestatteten hatten eine Art Kraxe in Form eines geflochtenen Korbes, auf den sie die Taschen banden, andere schnürten das Gepäck lediglich mit einfachen Stricken zusammen. Bei beiden Varianten wurde am Schluss ein breites Stück Stoff am Gepäck befestigt, das zum Tragen mit dem Kopf diente. Das verschnürte Gepäck wurde dann irgendwo angelehnt, so dass es aufrecht stand, dann ging der Träger tief in die Hocke (oooh, die Knie!), legte das breite Band über die Stirn und stand auf. Beeindruckend.

Aufgeladene Träger-Lasten
Aufgeladene Träger-Lasten

Wir tranken erst mal gemütlich Tee und Kaffee, bevor wir uns dann auch auf den Weg machten. Zunächst ging es durch Lukla, hübsche Häuser mit blau gestrichenen Blechdächern rechts und links einer breiten Strasse, auf der sich viele Menschen und Yaks tummelten und zudem gerade die halbe Strasse aufgerissen war, weil die Kanalisation installiert oder repariert wurde.

Wir verlassen Lukla
Wir verlassen Lukla

Beim Gehen machten wir uns mit unseren Sherpa bekannt, Lalu, Nawang und Pemba (der vierte Sherpa, Tami, war von Mingma voraus geschickt worden), die beim Kaffeetrinken noch mit der Organisation der Träger(-Lasten) beschäftigt gewesen waren und versuchten erste Worte Nepali zu lernen. Bitte, Danke, Entschuldigung, usw. Hängen geblieben ist kaum noch was ausser Bistari! Bistari! - Langsam! Langsam.

Der Weg führt von Lukla aus in sanftem Auf- und Ab erst mal hinunter zum Dudh Khosi, auf den wir etwa 300 Meter weiter unten trafen als Lukla liegt. Die vielen Zuflüsse des Dudh Khosi, jeweils mit tief eingeschnittenen Seitentälern, wurden mittels Hängebrücken überquert, die meisten recht neu, manche Brücken über die schmaleren Seitenarme aber auch mal älter.

Wir überqueren eine Brücke
Wir überqueren eine Brücke

Wir kamen durch viele kleine Dörfer, die alle sehr aufgeräumt und ordentlich und vor allem neu aussahen, zumindest an der Front des 'Khumbu Highway'. Weiter hinten fanden sich die älteren Häuser, aus unbehauenen Steinen errichtet, mit einem geflochtenen Dach ohne Kamin (weil dort die bösen Geister ins Haus eindringen könnten) aus denen es teils ganz übel hinaus rauchte. Die neuen Häuser waren allesamt Lodges und hatten ein hübsches blau angemaltes Blechdach.

Ein besonders schöner Manistein
Ein besonders schöner Manistein

In einem kleinen Teashop wurde nach etwa 2 Stunden gemütlichen Wanderns das Mittagessen angerichtet, was ganz praktisch war, denn draussen hatte es zu nieseln begonnen. Wir bekamen erst mal Tee aus einer riesigen Blechkanne serviert, der sehr gut schmeckte. Was eine grosse Erleichterung war, denn dieser Schwarztee sollte für die nächsten 4 Wochen unser ständiger Begleiter sein. Morgens, Mittags, Abends und Zwischendurch: Schwarztee.

Dann wurde eine Art Bratkartoffeln und Toastbrot und Käse, von allem reichlich, serviert. Danach gab es Dosenobst. Wir waren pappsatt, sind wir es doch gar nicht gewöhnt, beim Wandern lange Pausen mit viel Essen zu machen. Das Essen war vorzüglich und eine weitere Sorge konnte beiseite gelegt werden: Die Verpflegung schien gut zu sein, war gar nicht schlimm, dass wir die meisten unserer Riegel wieder auspacken mussten.

Nach dem 'Mittagessen', das aufgrund der Verspätung des Flugzeugs recht spät statt gefunden hatte, wanderten wir noch ein Stückchen weiter ins Tal hinein.

Eine Manimauer - linksrum rum, immer linksrum!
Eine Manimauer - linksrum rum, immer linksrum!

Als eine rechte Touri-Falle erwiesen sich die vielen Mani-Mauern, Mani-Steine und Gebetsfahnen auf dem Weg, die unbedingt alle links zu umgehen sind. Da man aber ständig mit Gucken beschäftigt war und nicht alle Mani-Steine hübsch bunt angemalt waren, übersah man die Steine öfters mal und wurde dann von den Mitwanderern zur Ordnung gepfiffen. Meistens drehten wir dann um und gingen richtig herum an an dem jeweiligen heiligen Objekt vorbei. Eine Erleichterung war zu sehen, dass auch die Träger und die Sherpa nicht immer an der richtigen Seite vorbei gingen.

Trägergepäck - mit Musik
Trägergepäck - mit Musik
Bild von Ludwig

Die Träger waren ein Phänomen für sich. Wir gewöhnten uns bald an, laut 'LKW' zu rufen, wenn hinter uns ein paar schwer beladene Nepali auftauchten, denn genau das sind die Träger auf dem Khumbu Highway, LKWs. Nur dass dort die LKWs schnell und wendig sind und die PKWs, die Touristen, langsam und träge. Eine Trägerlast sind 15-20 Kilo, erklärte uns Edu, aber die meisten Träger nehmen 2 oder gar 3 Trägerlasten auf sich, denn so werden sie auch 2- oder 3-fach bezahlt. Zu den Lasten müssen die Männer natürlich auch das tragen was sie brauchen, um an ihr Ziel zu kommen, Essen, Kleidung, usw. Trotz der erheblichen Lasten sind die Träger kleine zierliche Männer, ohne dicke Muskelpakete an Armen und Beinen und die meisten laufen in einer Art Badeschlappen aus Plastik herum.

Brücke bei Phakding
Brücke bei Phakding

Am späten Nachmittag erreichten wir Toktok, etwa eine oder anderthalb Wegstunden von Monjo entfernt, das das eigentliche Ziel für den ersten Tag gewesen wäre. Unser Lager befand sich auf einer Yak-Weide im Dorf. Die Sherpa und die Träger waren schon dabei unsere Zelte aufzubauen und das Küchenteam hatte bereits die 'Tea Time' vorbereitet. Im einzigen Klassenzimmer der Schule von TokTok bekamen wir Tee und Cookies während es draussen anfing zu dämmern.

Wir erreichen das Lager in Toktok
Wir erreichen das Lager in Toktok

Während der Tea Time besprachen wir das weitere Vorgehen. Laut Programm hätten wir ja bis Monjo kommen sollen, am nächsten Tag wäre dann ein Akklimatisations-Ausflug auf eine Alm unter dem Thakcho auf dem Programm gestanden und dann wäre es weiter nach Namche Bazar gegangen. Durch die Verzögerung und weil laut Mingma der Ausflug ziemlich langweilig und ohne Aussicht sei, schlug Edu vor, am nächsten Tag nach Namche Bazar zu gehen, dort zwengs der Akklimatisation 2 Tage zu bleiben und statt dem wenig aussichtsreichen Thakcho-Ausflug zum Everest View Hotel zu gehen, wo wir mit ein wenig Glück viel Aussicht und den ersten Anblick des Everest geniessen können würden. Volle Zustimmung der ganzen Gruppe, die Programm-Änderung wurde einstimmig angenommen.

Danach bezogen wir die Zelte. Jede Gruppe bezog irgendein Zelt, das damit deren Zelt für den Rest des Treks wurde, unser Zelt hatte die Nummer 4.

Wir hatten gerade genug Zeit, uns ein wenig im Zelt einzurichten, da riefen uns die Sherpa schon zum Abendessen zurück in die Schule. Es war feucht und klamm draussen, wir waren grad froh an dem Raum. Kaum waren wir drin, fing es an zu regnen. Erst nur ganz leicht, aber während des Abendessens ging draussen ein wahrer Platzregen nieder, möglicherweise Reste des Sommermonsuns. Gut, dass wir so ein trockenes Fleckchen zum Essen hatten! Wir machten uns nur Sorgen, ob die Zelte dicht waren.

Waren sie, so ziemlich zumindest. Nur Gerli und Mike hatten Pech, deren Taschen standen an einer Stelle, wo sich das Wasser sammelte, alle anderen hatten nur ein paar feuchte Stellen im Zelt zu beklagen.

Der Regen hatte im Übrigen ein Einsehen und hörte genau dann auf, als wir ins 'Bett' gehen wollten. Nachts regnete es noch mal ein bisschen, aber da waren wir ja ordentlich im Zelt verstaut.

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