Von Mende über Thame nach Mingbo

11.10.2007, Übernachtung in Mingbo, 4066 Meter

Zum Frühstück begrüsste uns Nebel. Gna. So war das schon wieder Nix mit den angeblich so grossartigen Ausblicken auf den Kongde Ri und seine Nordabbrüche. Immerhin regnete es nicht, wenn es auch so aussah, als könne es jeden Moment anfangen. Wir machten uns also alle auf das Schlimmste gefasst (Rucksackschutz und dichte Jacke greifbar) und marschierten los, weiter hinein ins Thame-Tal.

Start im Nebel
Start im Nebel

Zunächst ging es sanft bergab, bis wir bei Samde wieder auf den Hauptweg nach Thame stiessen. Inzwischen hatte sich der Nebel ein wenig gehoben und gelichtet, so dass wir guter Dinge waren, doch nicht nass zu werden.

Bei Samde fand sich eine Strassenhändlerin, die Ketten und anderen Tand feil bot. Maxi beguckte sich diverse Klangschalen und kaufte der Dame dann ein Paar ab. "Die brauchen hier hinten viel eher Geschäfte als die in Namche.", argumentierte sie später. Guter Punkt, daran hätte ich auch denken können. Dem Ralle gefielen die klingenden Schalen ausnehmend gut, so was wollte er auf dem Rückweg auch kaufen.

Einkaufen am Wegesrand
Einkaufen am Wegesrand

Die ganze Zeit schon war das Tal einsamer und ursprünglicher geworden, kurz hinter Samde sah das Tal schliesslich so einsam und wild aus wie es eigentlich gar nicht war.

Der Weg nach Thame
Der Weg nach Thame

Am Wegesrand fanden sich wieder Enziane und Edelweiss, die von nahezu allen Fotografen auf die Karte gebannt wurden.

Himalaya-Edelweiss
Himalaya-Edelweiss

Vor der Brücke über eine kleine Schlucht hatte es an der Felswand tolle Wandmalereien, deren grösste den Guru Rimpoche darstellte, der den Buddhismus von Tibet nach Nepal gebracht hatte (erklärte Mingma). Wer die grüne Dame neben ihm ist, habe ich vergessen.

Felsmalerei vor der Brücke
Felsmalerei vor der Brücke

Vor dem Kloster Thame kamen wir durch den Ort Thame, wo ein österreichisches Hilfsprojekt das kleine Kraftwerk gebaut hat, das das Thame-Tal mit Strom versorgt. Unterhalb der kleinen Wasserspeicher für das Kraftwerk wusch eine Frau Wäsche im eisigen Bach.

Wäsche wird am Bach gewaschen
Wäsche wird am Bach gewaschen

Inzwischen hatte sich der Nebel weiter gehoben und aufgelöst, so dass wir zwischendurch weisse Berggipfel durch den Nebel sahen und sogar hin und wieder in der Sonne laufen konnten. Das Interessante an den Berggipfeln in den Wolken war, dass man in ersten Moment gar keinen Gipfel sah, wenn irgendwer irgendwohin deutete und rief: "Ein Berg!"

Der Pachermo (vermutlich) über dem Dorf Thame
Der Pachermo (vermutlich) über dem Dorf Thame

Die Gipfel guckten so weit oben aus den Wolken, dass wir zunächst immer zu tief danach suchten. Was da jeweils genau aus dem Nebel spitzte, war auch für unsere Sherpa nicht immer leicht zu identifizieren, man sah keinen der Berge allzu lang oder allzu deutlich. Von Thame aus sahen wir wahrscheinlich den Pachermo aus den Wolken lugen. Nach dem Dorf Thame ging es noch ein kleines Stück bergauf zum Kloster Thame. Je näher wir dem Kloster kamen, umso mehr häuften sich die buddhistischen Denkmale und Heiligtümer.

Chörten und Gebetsfahne bei Thame
Chörten und Gebetsfahne bei Thame

Auf dem Rücken zum Kloster standen Stupas zuhauf, viele Gebetsmühlen und nahezu kilometerweise Mani-Mauern. Einige der Manisteine waren schön bunt angemalt, darunter auch einmal sehr schön die Formel "Om mani padme hum" (sagte Mingma, ich kann das nicht lesen).


"Om ma-ni pad-me hum"

Das letzte Stück zum Kloster führte über eine ausnehmend steile Treppe, die einen ganz ausser Atem brachte, weil man die Treppe kaum wirklich langsam gehen konnte.

Der steile Zustieg zum Kloster Thame
Der steile Zustieg zum Kloster Thame

Im Hof des Kloster machten wir erst mal eine kleine Pause, während Mingma einen Mönch zum Öffnen des Tempels organisierte. Im Kloster von Thame ist Fotografieren verboten.

Kloster Thame
Kloster Thame

Nach der Besichtigung der Gompa spazierten wir noch eine knappe Stunde lang weiter das Tal hinauf, bis wir unser Küchenteam fanden, die auf einer netten sonnigen Wiese am Wegesrand unser Mittagessen kochten.

Kloster Tkame: Yakmist wird zu Fladen geknetet und an den Mauern getrocknet
Kloster Tkame: Yakmist wird zu Fladen geknetet und an den Mauern getrocknet

Der Tee war natürlich schon fertig und es dauerte nicht lang bis wir auch das Essen bekamen.

Mittagessen in der Sonne
Mittagessen in der Sonne

Danach dösten wir angenehm satt und zufrieden in der Wärme, bis uns die Kitchen-Boys die Plane unter dem Hintern wegzogen. Bildlich gesprochen natürlich, sie baten uns aufzustehen und nahmen erst dann die Plane mit. Es war ihnen offensichtlich etwas peinlich, aber sie mussten weiter.

Das Küchenteam saust wieder los
Das Küchenteam saust wieder los

So rafften auch wir uns auf und gingen weiter. Es ging nicht mehr lang 'geradeaus' im Tal. Kaum hatten wir die nächste Geländerippe umgangen, da lotste uns Mingma von hinten nach links eine schöne Almwiese hinauf. Auf dieser Wiese grasten viele Yaks, die alle mit vielen Bommeln und Gebetsfahnen und allen möglichen anderen Dingen behängt waren. "Tibetische Yaks", meinte Edu und schon tauchten die zugehörigen Yak-Treiber auf, mit langen Haaren zu Zöpfen geflochten und irgendwie 'anders' als die Nepali.

Ein tibetischer Yaktreiber
Ein tibetischer Yaktreiber

Edu vermutete, das seien tibetische Händler, die ihre Waren in Namche Bazar verkauft hatten und nun auf dem Rückweg nach Tibet über den Khumbu La am Talende seien. Deswegen seien die Yaks auch unbeladen, denn zwar sei früher der Handel in beide Richtungen gegangen, doch inzwischen kämen hauptsächlich Waren aus Tibet nach Nepal aber nicht umgekehrt. Die Tibeter kommen mitsamt ihren Yaks über den Khumbu La nach Nepal, ein Pass mit 5716m!

Tibetische Yaks
Tibetische Yaks

Nachdem wir die Almwiese bis fast zum oberen Ende hinauf gestiegen waren, bogen wir nach rechts ab, querten einen kleinen Sattel und sahen das heutige Ziel vor uns: Mingo, auf der anderen Seite des Seitentals.

Das Tal von Mingbo sah ziemlich verwüstet aus. Mingma erklärte dass vor 10 Jahren der Gletschersee weit hinten im Tal durchgebrochen sei und die Almwiesen von Mingbo zur Hälfte mitgerissen hätte.

Blick ins Tal von Mingbo, der Ort mit dem Lager liegt auf der Rechten Seite in der Mitte
Blick ins Tal von Mingbo, der Ort mit dem Lager liegt auf der Rechten Seite in der Mitte

Im Lager waren die Vorbereitungen für die Tea Time bereits in vollem Gange. Zwischen der Tea Time und dem Abendessen war dann grad noch Zeit zum Wäsche waschen. Da wir 2 Tage hier bleiben würden, bestand die Chance, dass die Wäsche tatsächlich trocken werden würde. Die Sonne hatte sich schon hinter die Berge verabschiedet, als Ralle und ich zum Bach abstiegen.

Lager-Aufbau in Mingbo, hinten die Zelte
Lager-Aufbau in Mingbo, hinten die Zelte

Wir machten Arbeitsteilung. Ralle schöpfte Wasser und hielt die (praktische Falt-)Schüssel, ich wusch und walkte und spülte die Wäsche. Oben funktionierten wir eine der Reepschnüre zur Wäscheleine um und spannten sie zwischen Zelt und Mauer. Dann hängten wir Socken Unterhosen und Shirts daran auf. Als erstes würden sie gefrieren, das war schon klar, aber vielleicht würden sie morgen im Lauf des Tages trocknen.

Beim und nach dem Abendessen gab André Chirurgen-Stories zum Besten, den wir alle gespannt lauschten. Mir gefiel besonders die Geschichte von 'Chrääsbüüchr', Käsebauch (Transkiption von mir, soll das gutturale Schweizer CH verdeutlichen), der in der Schweiz offensichtlich tatsächlich so oft vorkommt, dass einen Namen hat. Einen 'Chrääsbüüchr' bekommen Touristen, die bei Fondue oder Raclette zuviel essen und deren System den vielen Käse nicht verdauen kann. Das Resultat muss dann chirurgisch entfernt werden. *grusel*

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