Von Mingbo nach Lungden

13.10.2007, Übernachtung in Lungden, 4387 Meter

Wie gestern empfing uns der Tag mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein. Mit ein wenig Bedauern verliessen wir nach dem Frühstück den grossartigen Lagerplatz und machten uns auf den Weiterweg.

Die Aussicht vom Lagerplatz in Mingbo (auf Tengi Ragi Tau)
Die Aussicht vom Lagerplatz in Mingbo (auf Tengi Ragi Tau)

Erst mal ging es weiter hinein ins Tal des Bothe Khosi. Nachdem wir den kleinen Rücken überquert hatten bot sich uns ein grossartiger Blick in Richtung Tibet. Hinten sahen wir den Dragkya Chulung (dessen Vorgipfel unser nächster 5000er sei würde), rechts leuchtete (ziemlich frisch beschneit) der Kyajo Ri.

Es geht weiter im Dudh Khosi Tal (hinten Dragkya Chulung und rechts Kyajo Ri)
Es geht weiter im Dudh Khosi Tal (hinten Dragkya Chulung und rechts Kyajo Ri)

Man merkte ganz deutlich dass wir uns nun in einer Gegend befanden, in die deutlich weniger Touristen kamen. Statt neuer oder renovierter Lodges mit leuchten blauen Dächern und Fensterläden liefen wir durch kleine Dörfer mit traditionell errichteten Häusern aus grob behauenen Steinen in der Farbe der Landschaft inmitten teils bereits abgeernteter Kartoffelfelder. Ja, Kartoffelfelder. Auf über 4000 Meter Höhe.

Bauernhaus mit Kartoffelfeld
Bauernhaus mit Kartoffelfeld

Wie gestern stiegen die Wolken aus dem Tal hinter uns rasch auf, so dass sich die Sache mit der Sicht bald erledigt hatte und wir wieder im Nebel rumstapften.

Die Wolken haben uns wieder eingeholt
Die Wolken haben uns wieder eingeholt

Gute 2 Stunden nach unserem Aufbruch vom Lager war der Nebel dann über uns weg gestiegen und hing in Form von Wolken knapp über unseren Köpfen. Dort wo unser Weg vom Weg nach Tibet abzweigte (bei Makya oder Dinjung), trafen wir auf unsere Träger, die sich gerade Frühstück machten und auf unser Küchenteam, das schon dabei war das Mittagessen vorzubereiten. Dabei war es grad mal halb elf.

Unsere Träger machen sich Frühstück
Unsere Träger machen sich Frühstück

Uns war das allen viel zu früh, wir waren doch eben erst losgelaufen. Der Weg für heute war nicht mehr weit, es würde bestenfalls noch eine Stunde dauern bis Lungden, also machten wir mit Mingma und der Küche aus, dass wir da oben Mittag machen wollten.

Für die Küche war das blöd. Sie mussten alles Wasser wieder auskippen, alles wieder ausmachen, packen und lossausen wie angestochen. Andererseits machte es ja auch keinen Sinn, alle 2 Stunden was zu essen, wir hatten eh schon das Gefühl gemästet zu werden. Während die Küche an uns vorbei sauste, gingen wir betont langsam weiter und machten vor Lungden noch mal eine Pause.

Angekommen in Lungden
Angekommen in Lungden

Half aber alles nichts, wir waren viel zu früh da. Unsere blaue Plane war aber immerhin schon ausgelegt und so machten wir es uns darauf und drum rum mehr oder weniger gemütlich und guckten der Küche, den Trägern und den Almbauern zu.

Warten auf's Mittagessen. Warm ist anders.
Warten auf's Mittagessen. Warm ist anders.

So richtig gemütlich war es aber nicht. Bei Lungden hatten wir die Wolken wieder eingeholt und sassen nun im Nebel. Zudem wehte hier oben ein ungemütlicher Wind, der einem so langsam durch Mark und Bein fuhr. Stück für Stück zogen alle wärmende oder windstoppende Kleidung aus dem Rucksack, bis wir alles anhatten, was der Rucksack bot.

Die Bauern trocknen Yakdung
Die Bauern trocknen Yakdung

Es war trotzdem kühl. Auch der heisse Tee, den die Küche als erstes fertig hatte, half nur bedingt. Tee aus Blechtassen mit Faserpelzhandschuhen trinken ist übrigens eine interessante Übung. Gut dass die Dinger wenigstens Henkel hatten.

Nach dem Mittagessen waren wir alle froh, uns wieder bewegen zu dürfen. Auf dem Plan stand ein Akklimatisations-Ausflug zu einem Vorgipfel des Kyajo Ri. Wäre bei guter Sicht sicherlich grossartig gewesen, aber so wie die Dinge lagen, war das Wichtigste an diesem Ausflug (neben dem Höhenreiz natürlich), dass uns wieder warm wurde.

Akklimatisationsausflug zum Aufwärmen
Akklimatisationsausflug zum Aufwärmen

Das Warmwerden war kein Problem. Schon bald zog ich die Handschuhe aus, öffnete die Goretex-Jacke und freute mich am Luftzug durch die Jacke und zog schliesslich die Goretex-Hose und die Goretex-Jacke aus. Zu heiss.

In einem windgeschützen Sattel machten wir Pause, um uns rum - wie könnte es anders sein - Nebel. So ganz genau sahen wir nicht wo wir waren, aber da wir noch viel Zeit hatten, beschlossen wir, noch die 5000 zu knacken, wenn möglich. Links neben uns zog ein steiler felsdurchsetzter Hang nach oben. Nix wie los also.

Das Gehen in dem sehr steilen weglosen Gras war beschwerlich. Nach wenigen Metern schon 'zwickte' das Knie. Wegen so einem Aufstieg, noch dazu im Nebel ohne Aussicht auf Aussicht, wollte ich keine ernsthaften Beschwerden riskieren und verkündete, dass ich umdrehen würde. Dani drehte mit um und Mario begleitete uns.

Die Anderen gingen weiter. Das Gras hörte bald auf und der Weiterweg erfolgt über blockiges Gestein. Die 5000 wurden natürlich geknackt und Edu machte wie an allen markanten Punkten eine Messung mit dem GPS (zu diesem Zweck sollte das GPS möglichst ruhig gehalten werden oder eben irgendwo exponiert liegen). Von diesem GPS stammen übrigens sämtliche Höhenangaben, die ich verwende.

Edu sucht einen Platz für's GPS
Edu sucht einen Platz für's GPS

Den Weg zurück zu finden war kein Problem, aber ich fand es doch erstaunlich wie hoch wir gekommen waren, obwohl ich beim Aufstieg das Gefühl gehabt hatte, dass wir uns kaum vom Fleck bewegt hatten.

Im Lager angekommen bezog ich unser Zelt und richtete uns schon mal häuslich ein (wohl dem Mann, der eine fleissige Frau dabei hat ;-)). Schlafsack trocknen, Matten aufpumpen, usw. Dani dagegen wollte die Alm anschauen. Mir kam das blöd vor, ein bisschen wie Zoo, Menschenbesichtigung und so.

Danis Gastgeber in der Alm
Danis Gastgeber in der Alm
Bild von Dani

Aber so war es gar nicht. Dani hatte Nawang als Übersetzer mit und fragte, ob sie sich mal umschauen dürfe. Die Almbauern freuten sich sehr an Danis Interesse, für die war das keine 'Besichtigung' sondern ein Besuch. Da kann man mal sehen, nicht alles ist, wie man sich das so denkt.

Der Herd der Alm wird mit Yakdung beheizt
Der Herd der Alm wird mit Yakdung beheizt
Bild von Dani

So langsam wurde es nachts auch kalt genug für unsere wunderbaren Schlafsäcke. Wir machten den Reissverschluss inzwischen bis oben hin zu, die diversen Bänder zum Zuziehen um die Schultern und das Gesicht waren aber noch nicht im Einsatz. Wir schliefen aber seit einer Weile schon mit Mützen, weil man über den Kopf die meiste Wärme verliert (Zusatznutzen: das schont den Schlafsack vor fettigen Haaren, Mützen lassen sich leichter waschen).

Dass es kälter wurde, merkten wir auch daran, dass es Abends und in der Früh nicht mehr wirklich gemütlich war im Essenszelt. Die Daunenwesten gehörten inzwischen zur Standard-Ausrüstung für das Abendessen. Handschuhe brauchte man noch nicht unbedingt, aber Unterlagen zum Sitzen, um sich nicht den A.... abzufrieren. Die abendliche Suppe avancierte zu einem der Highlights des Tages :-)

Auch die Anderen hatten inzwischen die Daunenausrüstung ausgepackt. Die meisten hatten 'normale’ Daunenwesten, sie eher so mitteldick waren: Gerhard und Christine aber liefen mit Expeditionsjacken auf, in denen sie stark an das Michelin-Männchen erinnerten. Wer hat der hat.

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