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Auf Fragen zum Nepal-Trek, die mir immer wieder gestellt wurden. Ich geh mal davon aus, dass Euch das auch interessiert.


  • Wie hast Du die Höhe vertragen?

    Mittelgut. Ich habe keine Kopfschmerzen bekommen, nur ein paar Mal so eine Art Druck im Kopf, nicht schlimm, aber vorhanden.

    Bei mir wirkt sich die Höhe vor allem in Form von Wasseransammlungen im Körper aus. Ödeme also. Ich habe allerdings weder im Kopf noch in der Lunge Ödeme bekommen (kein Kopfweh, kein rasselnder/blubbernder Husten), sondern 'nur' sonst überall. Das ist vor allem in der Früh aufgefallen, weil mein Gesicht da heftig angeschwollen war. Sonst hatte ich geschwollene Hände und Beine, in der Früh musste ich am Anfang erst mal Finger-Gymnastik machen, um die Hände wieder bewegen zu können, ich hatte zwischendurch echte Probleme, meine Füsse in die Bergstiefel zu bekommen und meine Waden waren manchmal richtig bretthart. Wenn ich mir jetzt die Fotos so anschaue, dann schaue ich manchmal wirklich schlimm aus (wobei der beste Allgäuer von Allen sagt, die Fotos seien noch gar nix, in Wirklichkeit sei das viel viel übler gewesen), aber es hat sich maximal halb so schlimm angefühlt ;-)

    Ausserdem habe ich einen trockenen Husten bekommen, der teilweise kaum zu beherrschen war. Husten nur um des Hustens Willen, da kam kein Schleim oder sonstwas aus der Lunge, ich musste einfach nur husten, und wie! Der Husten hat mich im Endeffekt auch den Island Peak gekostet, weil es am Ende so schlimm war, dass ich wegen des Hustens brechen musste. Bei jedem Mal Husten, das war dann doch ein bisserl mehr als nur lästig. Ich hatte zwar ein Medikament gegen Husten dabei, aber das hat nur sehr bedingt geholfen. Das Hammer-Medikament gegen Husten aus der DAV-Apotheke - Codein - hab ich 2 Tage lang genommen und das funktionierte auch ganz gut, aber Codein hat auch starke Nebenwirkungen, es reduziert beispielsweise den Atemreflex, was bei mir dazu geführt hat, dass die Wasseransammlungen in der Früh deutlich schlimmer wurden, deswegen hab ich das bald wieder bleiben lassen.

    Das klingt jetzt alles ziemlich furchtbar, aber ich habe das - von dem Tag am Island Peak mal abgesehen - nicht allzu schlimm empfunden, ich hab mich nie richtig unfit gefühlt. Und ich habe immer gut geschlafen.


  • Wie war der Tagesablauf?

    In der Früh wurden wir mit einem freundlichen 'Good Morning! Tea.' geweckt (wann war davon anhängig, was wir vorhatten, an normalen Tagen zwischen 6:30h und 7:30h). Dann bekamen wir heissen Tee ins Zelt gereicht und hatten dann etwa eine halbe Stunde Zeit, den Tee zu trinken und unseren Kram zu packen und in die Taschen zu verstauen. Vor dem Frühstück stellten wir unsere fertig gepackten Taschen vor das Zelt, wo sie umgehend von einem wartenden Träger mitgenommen wurden.

    Dann gab es Frühstück im Essenszelt. Unterdessen bauten draussen die Sherpa die Zelte ab. Auch die wurden umgehend von einem Träger mitgenommen. Nach dem Frühstück liessen wir die Teeflaschen füllen und stapften los. Hinter uns wurde dann eilends das Esszelt und das Küchenzelt abgebaut. Während wir gemütlich vor uns hin wanderten, überholte uns das Küchenteam im Schweinsgalopp mit klappernden Töpfen und verschwand bald vor uns in der Pampa.

    Zum Mittagessen legte das Küchenteam an einer hübschen Stelle eine blaue Plane aus und kochte los. Wir bekamen Tee und ein meist 3-gängiges Mittagessen und machten anderthalb bis zwei Stunden Pause. Dann entzogen uns die Kitchenboys die Plane und sausten weiter, wir bummelten gemütlich hinterher.

    Am frühen oder späteren Nachmittag erreichten wir unseren nächsten Lagerplatz, wo die Sherpa gerade dabei waren, die Zelte aufzubauen und wo unsere Taschen in einem grossen Haufen auf uns warteten. Wir bekamen Tea und Cookies und hatten dann noch etwa eine Stunde totzuschlagen (die wir wegen der Kälte meist im Zelt im Schlafsack verbrachten), dann gab es zwischen 18:00h und 18:30h Abendessen. Danach sassen wir noch eine Weile, die Länge der Weile abhängig davon wie kalt es gerade war, im Esszelt beisammen und tranken möglichst viel Tee.

    Nachts musste man dann zwei bis drei Mal raus, um den vielen Tee wieder los zu werden ...


  • Wie war das Essen?

    Prima und abwechslungsreich. Es gab vor allem Reis und Kartoffeln und Gemüse und viel mit und aus Eiern. Kaum Fleisch und wenn dann komisches Zeug aus Dosen auf das ich gut verzichten konnte. Am Anfang und am Ende (als die Küche irgendwo einkaufen konnte) gab es auch mal sowas wie Gulasch. Kein Yak-Fleisch sondern 'Büffel', was vermutlich einfach Rindfleisch bedeuten sollte.

    Morgens gab es Porridge oder Müsli oder Cornflakes oder Reispudding (jeden Tag was anderes), danach irgendwas 'brotiges' (Toast, Pfannkuchen, Chapati-Fladen, selbstgebackenes Weissbrot), dazu irgendwas 'eiriges' (gekochte Eier, Rühreier, Spiegeleier, Omelette) und Marmelade, Honig und sowas dazu.

    Mittags hat uns die Küche irgendwo auf dem Weg an einer schönen Stelle ein Mittagessen gekocht, meistens irgendwas aus Kartoffeln, dazu Brotfladen und Käse, manchmal auch Suppe oder Bohnen. Danach gab es immer einen Nachtisch, meistens irgendwas obstiges aus der Dose. Am besten waren die Mangos.

    Und Abends gab es immer erst Suppe mit irgendwas dazu (prima Idee, Suppe mit Popcorn), dann mindestens 4 oder 5 verschiedene Gerichte und hinterher Nachtisch. 2 Mal hat die Küche Pizza gebacken und 4 mal haben wir Kuchen als Nachtisch bekommen. Einen runden Rührkuchen, der jedes Mal aufwendig mit buntem Eierschaum (vermutlich Lebensmittelfarbe) verziert war. Weil man nie vorher wusste ob es Kuchen gab, war das dann als Nachtisch manchmal etwas viel.

    Das Küchenteam hat sich wirklich viel Mühe gegeben und versucht jeden Tag was anderes zu kochen. Dass mir mit der Zeit und möglicherweise auch mit der Höhe kaum noch was wirklich zusagte, kann man dem Koch nicht vorwerfen. Irgendwann hingen mir vor allem die Kartoffeln einfach zum Hals raus und ich hab mich am meisten gefreut, wenn es das traditionelle Dal Bhat (Reis mit Linsensosse) gab. Aber ich bin ziemlich heikel, nach mir darf man nicht gehen, die Anderen fanden das Essen fast immer super.


  • Wie war das Wetter?

    Anfangs hatten wir ein wenig Pech, da hingen wohl noch ein paar Rest-Monsunwolken herum. Der Flug nach Lukla war deswegen verspätet (bei Nebel wird nicht geflogen) und in der ersten Nacht schüttete es wie aus Eimern. Da waren wir aber alle in den Zelten, daher war das nicht so schlimm. Es hat nie geregnet während wir unterwegs waren, was sehr positiv zu bewerten ist.

    Fast die ganze erste Woche waren über uns und um uns herum Wolken oder Nebel. Es hat nur zwischendrin hin und wieder aufgerissen, so dass wir das ganze Thame-Tal nur ausschnittweise gesehen haben. Immerhin hat es aufgerissen, als wir das erste Mal den Everest sehen konnten.

    Dann kam ein Schneesturm (bei dem wir glücklicherweise gerade am Lager angekommen waren) und danach war es immer klar und schön. Zumindest so lange wir uns über 4500 Metern aufhielten, was so gut wie den ganzen Trek lang der Fall war. Beim Abstieg nach Lukla kamen wir dann wieder unter und in die Wolken.


  • Wie kalt war es?

    Ziemlich kalt in der Nacht (wir hatten diverse Male deutlich unter -10 Grad), nicht besonders kalt am Tag in der Sonne.

    Die Sonne hat unheimlich Kraft da unten, vermutlich weil sie direkter über einem steht (Nepal liegt viel näher am Äquator). Wenn sie allerdings weg ist, wird es sehr schnell sehr kalt. Anfangs, als wir mal den ganzen Tag lang nur Nebel hatten, war es schon ziemlich unangenehm, alles klamm und feucht und kalt.

    Sonst war es einfach nur eine Frage, ob man ein Plätzchen in der Sonne und aus dem Wind raus finden konnte, dann konnte man sich im T-Shirt sonnen. Wobei ich mich aber immer vermummt habe, die Sonne da oben ist extrem intensiv und meine helle Haut kommt damit nicht gut zurecht.


  • Wie war das mit dem Waschen?

    Eher problematisch, wenn man von den westlichen Standards ausgeht. Es hätte zwar immer und überall Wasser gehabt, aber das war kalt und aussenrum war es auch kalt, was die Vorstellung von Waschen ziemlich unangenehm machte. Ich habe ein paar Mal Socken mit Wasser gewaschen, bei dem ich erst mal Eis wegmachen musste.

    Uns haben wir mit Öltüchern (Babytücher) 'gewaschen', was erstaunlich gut funktioniert. Auch das war eine kühle Angelegenheit, weil man sich nattürlich auch dazu komplett ausziehen muss. Wir haben jeden Abend im Zelt erst mal unsere Waschzeremonie durchgeführt und uns danach tatsächlich frisch gefühlt.

    Haare waschen geht so natürlich nicht. Ich habe mir Zöpfe gemacht und die dann ganz einfach die 3 1/2 Wochen durch nicht mehr aufgemacht (im übertragenen Sinn natürlich, jeden Tag einmal durchgebürstet und frisch geflochten). Man hat sowieso immer entweder einen Hut oder eine Mütze auf, es war insgesamt weniger schlimm als gedacht. Beim ersten Mal Haare Waschen danach hab ich 3 Ladungen Shampoo gebraucht und es kam eine unglaubliche Brühe raus, aber unterwegs fand ich es nicht wirklich schlimm.

    Unterwegs bieten viele Lodges 'Hot Showers' an. Wie gut und wie hot das dann ist und wieviel Wasser man da zur Verfügung hat, variiert von Lodge zu Lodge. Die allereinzigeste Dusche, die ich genommen habe - in einer nigenagalneuen Lodge in Mende - war heiss und es gab ausreichend Wasser.


  • Und mit den Toiletten?

    Eine gewisse Ekelresistenz kann da nicht schaden, die hygienischen Zustände waren teilweise katastrophal. Nicht bei uns, unsere Toilette war immer ein Loch im Boden mit einem Zelt obendrüber und weil wir längstens mal 2 Tage am Stück an einem Ort waren, konnten da auch 15 Leute nichts wirklich Schlimmes draus machen. Übel waren die Toilettenhäuschen gut besuchter Lodges und vor allem das Klo-Häuschen im Island Peak Base Camp.

    Ein Häuschen aus Steinen, 2 Kabinen, in jeder eine Metallplatte mit einem tropfenförmigen Loch ... und rundrum versch.... Man musste sehr aufpassen, nicht in die daneben gezielten Hinterlassenschaften zu treten. Der Geruch war natürlich entsprechend, wäre aber wohl auch nicht viel besser gewesen, wenn alle ordentlich getroffen hätten. Unter dem Loch im Boden befand sich ja der grosse Haufen derer, die ihr Geschäft ordentlich verrichtet hatten.

    Manche aus der Gruppe hat es da beim aufs-Klo-gehen jedes Mal beinahe gestreckt, mich liess das kalt. Kurzzeitig flach atmen, schnell sein, danach Hände waschen. War nicht allzu schlimm (Das Gedankenspiel, 'Was wäre wenn man da mal ausrutscht?' lassen wir hier jetzt mal weg ...).


  • Hast Du abgenommen?

    Die Frage stellen nur Frauen ;-) Die Waage sagt Nein.

    Aber bei mir schlackern trotzdem alle Hosen, also wurde eine gehörige Portion Fett in Muskeln umgewandelt, das kann die Waage natürlich nicht wissen. Die Antwort lautet also Nein, aber ganz stimmen tut das trotzdem nicht. Keine Ahnung ob und wie lang das anhält.


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