Illinza Zeltlager

16.05.2009

Obwohl wir ja eigentlich die Lizenz zum Ausschlafen bekommen hatten, schafften wir es auch diese Nacht nicht, länger als bis 2:00h durchzuschlafen und fanden uns daher schon wieder sehr früh am Frühstücksbuffet ein. Und wieder waren wir nicht lang allein bis Gerhard und Peter uns bei einem langen und ausgiebigen Frühstück Gesellschaft leisteten. Wie gestern zeigten sich bald die Antennen auf dem Hügel hinter der Stadt vor blauem Himmel, das Wetter würde schön werden :-)

Paco holte uns gewohnt pünktlich ab. Wir stapelten die grossen Taschen vorn in den Bus und liessen uns das vorläufig letzte Mal durch den dichten Verkehr Quitos kutschieren. Bevor wir die Stadt verliessen, fuhren wir noch zu einem schönen Aussichtspunkt über der Stadt, wo wir die Ausmasse Quitos und die beiden Pichinchas nochmal bewundern konnten.

Blick über Quito in Richtung des Pichincha.
Blick über Quito in Richtung des Pichincha.

Direkt unter uns lag die historische Altstadt Quitos, die wir am letzten Tag noch besichtigen würden. Von hier oben fielen lediglich die gleichmässig braunen Dächer der Häuser auf.

Paco schwenkte auf die Panamericana ein und wir fuhren - erstmals einigermassen schnell - nach Süden. Rechts von uns zog der Corazón an uns vorbei und es tauchten so langsam die beiden Illinizas vor uns auf. An der Abzweigung nach Chaupi bog Paco von der Panamericana ab und Benno meinte, bald seien wir da.

Das war kurz bevor wir von der guten Strasse wegen Bauarbeiten abbiegen mussten und Paco den Bus über schmale Feldwege mit engen scharfen Kehren navigieren musste, um irgendwie aussen herum nach Chaupi zu kommen. Sowas wie beschilderte Umleitungen sind in Ecuador unbekannt. Der Umweg war ziemlich schaukelig aber landschaftlich sehr interessant, vor allem da, wo Paco den Bus nach der steilen Bahn-Überquerung in eine 135°-Kurve zwingen musste.

Kleiner Hof in der Nähe von Chaupi.
Kleiner Hof in der Nähe von Chaupi.

Nach einem kurzen Stop hinter Chaupi, wo Benno irgendwas mit dem Besitzer eines Hostels besprechen musste, hielt der Bus an einer Abzweigung, wo ein roter Pick-Up parkte. Am Pick-Up wartete Rául, einer vom Küchenteam, auf uns um die Taschen ins Zeltlager hinauf zu fahren. Sämtliche Zelte seien bereits aufgestellt, liess er uns wissen.

Wir packten die grossen Taschen auf den Pick-Up und machten uns zu Fuss auf den Weg (durch eine Hacienda hindurch, während Rául aussen herum fahren musste) zum Zeltlager. Auf dem Weg direkt auf den Illiniza zu gab es massig Gelegenheit, den Berg in allen Details zu fotografieren, wobei mich besonders Bennos Aussage 'und dann steigen wir da rechts über die Rinne wieder ab' zu intensiver Betrachtung des Berges animierte. So in der Draufsicht sah nämlich diese Geröllreisse derart steil aus, dass ein Abstieg darüber undenkbar schien.

Kein Aufwand ist zu gross für ein Foto der Illinizas.
Kein Aufwand ist zu gross für ein Foto der Illinizas.

Auf halbem Weg machten wir gemütlich Pause auf einer Wiese in der Sonne und genossen die Aussicht auf den Corazón. Der Weg auf den Corazón führt über den dem Illiniza zugewandten Grat, erklärte Benno. Auf der Westseite des Corazón brandeten bereits die Wolken vom Pazifik gegen den Grat, doch die spielen für das Wetter im Hochland so gut wie keine Rolle. Drüben im Osten zogen aber auch schon wieder die Wolken vom Amazonas auf und diese Wolken bestimmen das Wetter.

Gemütliche Rast beim Aufstieg zum Lager.
Gemütliche Rast beim Aufstieg zum Lager.

Wir machten uns wieder auf den Weg und erreichten bald unser Lager. Leuchtend gelbe Zelte auf einer grünen Wiese mit einem schön blauen Küchenzelt, vor dem Ráuls roter Pick-Up parkte. Dahinter die beiden Illinizas, ein schönes Bild.

Unser Lager bei 'La Virgen'
Unser Lager bei 'La Virgen'

Wir bezogen die Zelte und bekamen Kaffee, Tee und Cookies im Küchenzelt, wo Elizabeth bereits an den Vorbereitungen für das Abendessen war. Gerhard packte den Amical-Koffer mit dem Certec-Bag aus und brachte 2 Kilo Ritter Sport Mini zum Vorschein, an denen wir uns gütlich taten. Kein Wunder, dass der Koffer immer gut bewacht war ;-) Gummibärle sollten angeblich auch noch in seinen Tiefen schlummern.

Die Ritter Sport Minis kommen sehr gut an.
Die Ritter Sport Minis kommen sehr gut an.

Schliesslich hiess es, wer wolle könne nun noch an einem Akklimatisations-Spaziergang teilnehmen. An sich wäre ich dazu viel zu faul gewesen und hätte angesichts des trüben Wetter da draussen (inzwischen waren von allen Seiten Wolken reingezogen und es war einigermassen neblig da draussen) viel lieber gemütlich im Zelt ein Buch gelesen, aber der beste Allgäuer von Allen wies (deutlich) darauf hin, dass Faulsein in keinster Weise zur Akklimatisation beträgt und trieb mich raus. OK, OK, dann halt ein Spaziergang.

Beim Nachmittags-Spaziergang.
Beim Nachmittags-Spaziergang.

Der war dann ganz nett, auch wenn es trüb war und man meistens wenig sah. Wir liefen in weitem Bogen um den Gratausläufer, an dem das Lager lag, querten dabei zwei üppig bewachsene Wasserläufe und kamen dann etwa 200 Meter (Höhenmeter) über dem Lager auf eine sandige Hochebene, von der aus wir wieder zum Lager abstiegen.

Knapp vor dem Lager fing es an zu nieseln, das hielt aber glücklicherweise nicht lang an. Stattdessen verzogen sich die Wolken mehr und mehr und es boten sich uns geradezu unbeschreiblich geniale Blicke auf den Cotopaxi und die beiden Illinizas im schnell schwindenden Abendlicht. Man konnte kaum so schnell auf den Auslöser drücken wie die Motive immer schöner wurden.

Der Cotopaxi im Abendlicht.
Der Cotopaxi im Abendlicht.

Die Dämmerung hält nicht lang an in Ecuador und so fanden wir uns bald im Zelt zum Abendessen ein. Dort erwartete uns dann die nächste Überraschung: Elizabeth servierte erst eine Suppe mit Maniok (Yucca, schmeckt ziemlich ähnlich wie Kartoffeln), dann einen gebraten Tilapia (!!! für 6 Leute und das auf 2 Gaskochern) mit Reis und Salat und schliesslich ein Kompott aus weisser Papaya, die sie vorhin erst mit der Machete genippelt hatte. Es war unglaublich gut.

Das Ziel der Wünsche: Illiniza Sur
Das Ziel der Wünsche: Illiniza Sur

Beim abendlichen Zusammensitzen rückte der beste Allgäuer von Allen schliesslich mit einem Vorschlag raus, an dem er schon ein Weilchen gekaut hatte: 'Können wir nicht den Illiniza Sur auch besteigen? Der sieht so Klasse aus.' Benno überlegte kurz und meinte dann, das sei machbar, koste uns aber den geplanten Ruhetag zwischen Illiniza und Cotopaxi. Und es koste natürlich extra Geld. Um die 100$ für jeden, überschlagsmässig. Die Verhältnisse seien im Moment im Übrigen sehr gut.

Wir diskutierten ein wenig. 45 Grad Firn, vielleicht ein wenig mehr, 300 Höhenmeter bis zum Gipfel. Der Gerhard war dafür, der Ralle natürlich sowieso, Helmut und Peter waren unsicher. Ich überlegte, dass das etwa der Neigung der Hinteren Schwärze entspricht und meinte: 'Ich trau mir das zu.' Ich glaube, damit war das Thema dann entschieden, weil weder Helmut noch Peter zugeben wollten, dass sie sich dessen nicht so sicher waren.

Nachdem alle zugestimmt hatten, lief Benno zu Hochform auf und fing an zu telefonieren, um alles zu organisieren, was nötig war. Rául und Elizabeth mussten einen Tag länger bleiben, Essen musste organisiert werden, wir brauchten 2 Bergführer, Helme und Zweitpickel für alle, Seile, usw. Surtreck (die ecuadorianische Agentur vor Ort, mit der Amical zusammenarbeitet) musste informiert, irgendwelche Hotelzimmer abbestellt werden.

Es dauerte nicht lang und er meldete Vollzug: "Kein Problem, das wird klappen." Super!

Lagebesprechung für den nächsten Tag: Aufstehen um 4, Abmarsch um 5. Bis zur Hütte etwa 3 Stunden, dann noch etwa 2 1/2 bis zum Gipfel. 3 Stunden Abstieg.

vorher zurück       »Start«       weiter nachher

Weblog
Urlaub
Berge & So
Du
Ich
Drumherum