Guallatiri

19.06.2010

Ich schlief nicht allzu gut, was vielleicht mit der Höhe zusammenhing, denn als der Wecker piepste, hatte ich Kopfschmerzen. Ausgerechnet heute! Aber das würde mich nicht abhalten, endlich einen 6000er zu besteigen, nahm ich mir vor. Jetzt erst recht!

Frühstück für Ralle und mich gab es wie das Abendessen im Auto, was zwar eng aber immerhin halbwegs warm war. Um halb 6 kam Yak ans Auto und meinte, Claudine ginge es nicht so gut, sie würde nicht mitkommen. Das war nicht unerwartet, denn Claudine hatte schon am Abend angedeutet, dass sie vielleicht nicht mitkommen würde.

Um 6 Uhr, noch war es dunkel, ging es dann los. Yak beschloss, dass wir den Kilometer Strasse bis zur Geröll-Lawine auch mit dem Auto fahren könnten. Das Auto allerdings war nicht ganz der Meinung, denn so kalt auf 5100m anfahren und dann auch noch bergauf behagte ihm gar nicht. Anfangs hätten wir genauso gut laufen können und wären trotzdem schneller gewesen. Als wir dann vor der Geröll-Lawine parkten, war das Auto warm. Wir noch nicht.

Beim Spaziergang am Vortag hatten wir die Geröll-Lawine bereits inspiziert und sie für zu labil befunden, um ohne Höhenverlust zu queren. Daher mussten wir als erstes in weichem Sand etwa 30 Meter absteigen und dann auf der anderen Seite wieder hinauf krabbeln um zurück auf die Piste zu kommen. So langsam wurde es hell.

Allzu weit ging es nicht auf der Piste weiter. Nach wenigen hundert Metern zweigten mit Steinmännern markierte Pfadspuren von der Piste (die wir danach noch zwei Mal querten) ab. Der Pfad im weichen Sand-Geröll-Gemisch (korrekt wohl: Vulkanasche) führte in Kehren die breite Rinne hinauf, durch die laut 6000er-Buch der Anstieg führte. Oben erahnte man die Ausläufer der Eiskappe des Guallatiri und direkt darunter sah die Rinne sehr steil und unangenehm aus. Wir waren gespannt, wohin die Steigspuren führen würden.

Nicht allzu weit, denn sie wurden undeutlicher und die Steinmänner spärlicher, bis wir schliesslich pfadlos in der Rinne standen und uns den Weg selber suchen mussten. Das Buch und die Karte waren keine grosse Hilfe. Im Buch stand lediglich drin, dass man von der Piste aus unschwierig zum Gipfel steigen sollte und die Karte war einfach nicht detailliert genug, um erkennen zu können, wo genau denn nun der 'Weg' sein sollte. Und im GPS hatte ich auch nur ganz grob einzeichnen können, wo der Aufstieg vermutlich erfolgen sollte.

Wir entschieden, dass es links der Rinne am vielversprechendsten aussah, dort würden wir wohl um die Steilstufe herum aufsteigen können. Aus dem Sand-Geröll-Gemisch wurden bald grosse Lavabrocken, durch und über die wir klettern mussten. Das Zeug lag aber recht stabil aufeinander, so dass wir zunächst ganz gut voran kamen.

Als wir auf der linken Seite aus der Rinne heraus auf die dem Acotango zugewandte Flanke kamen, änderte sich der Untergrund bald wieder zu weicher Vulkanasche. Damit wurde der Aufstieg immer anstrengender, je höher wir kamen, denn die Flanke steilte beträchtlich auf. Nach einer kurzen Pause (in der ich mich dann doch zu Aspririn überreden liess, um den hämmernden Kopfschmerzen etwas entgegen zu setzen) galt es, das steilste Stück im Sand zwischen Felsen zu überwinden, dann erreichten wir das Eis und rüsteten auf Steigeisen auf.

Von hier war es nicht mehr weit zum breiten weiten Vorgipfel des Guallatiri, zu dem sich die Eisflanke immer flacher legte. Ich war inzwischen schon einigermassen angestrengt und kam daher mit Verspätung nach Yak und Ralle an. Meinen Kopf konnte ich zwar nur sehr vorsichtig bewegen (Aua!), aber es war grossartig. Mein erster 6000er! Auch der Höhenmesser und das GPS waren sich einig, wir waren tatsächlich auf über 6000 Meter.

Der Ausblick in alle Richtungen war gigantisch, es sah beinahe so aus als blickten wir aus einem Flugzeug auf die Landschaft unter uns. Und entgegen aller Befürchtungen wehte hier oben nur ein leises Lüftchen. Zum Hauptgipfel mochten wir aber trotzdem nicht hinüber gehen, obwohl es über den Eisgrat weder weit noch schwierig gewesen wäre.

Am Hauptgipfel des Guallatiri hat es Fumarolen, aus denen giftige Dämpfe kommen. Der Wind trug die Dämpfe im Moment zwar knapp am Gipfel vorbei, doch würde nur eine kleine Richtungsänderung ausreichen, um den Gipfel einzuhüllen und dann wollten wir nicht da oben stehen. Schnell rennen ist auf 6000m keine Option.

Trotz der eigentlich idealen Bedingungen wurde uns doch bald kalt da oben, daher machten wir uns an den Abstieg. Wir stiegen so weit wie möglich mit Steigeisen ab und suchten uns dann eine sandige Rinne rechts des Aufstiegs, um in der so weit wie möglich bequem abzufahren. Das ging erstaunlich schnell (Ausgleich für den mühsamen Aufstieg).

Den Weg durch die groben Lavabrocken suchen war dann schon schwieriger, stellte aber natürlich auch kein echtes Problem dar. Das war dann schon eher dieser lästige allerletzte Anstieg an der Geröll-Lawine vorbei zurück zum Auto. Diese 30 Höhenmeter schienen mir dann beinahe die schlimmsten des Tages zu sein.

Zurück am Camp kümmerte sich Yak erst mal um Claudine, der die Höhe zusetzte. Ralle und ich füllten erst mal Flüssigkeit nach. Unterwegs hatten wir kaum Durst gehabt, jetzt wo wir hier unten waren, mussten wir aber doch feststellen, dass wir ganz schön dehydriert waren. Bald kamen auch Claudine und Yak und leisten uns bei Tee, Cola und Cookies Gesellschaft.

Der Rest des Abends verlief wie gehabt. Claudine und Yak kochten, Ralle und ich sorgten für heisses Wasser und den Abwasch, danach dann Zelt und kuschelwarmer Schlafsack. Mein Kopfweh war wie weggeblasen und ich schlief wunderbar. Kein Wunder, endlich ein 6000er! :-)

Bilder:
Blick die breite Rinne hinauf.   Auf einer sandigen Flanke geht es weiter hinauf.   Pause   Oben wird die Flanke recht steil zwischen den Felsen   Die letzten Meter müssen im Eis zurück gelegt werden.   Oben erst mal durchschnaufen.   Geschafft! 6040m!!! Hinten der Hauptgipfel mit den Fumarolen.   Blick auf die Nevadas Quimsachata mit Acotango und Cerro Capurata.   Schneller und einfacher Abstieg.   Yak bereitet das Abendessen.  

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