Abbruch am Parinacota

22.06.2010

Weckerklingeln, dann frühes Frühstück im Schlafsack im Zelt mit Vorabendtee und Cookies, was weder schmeckte noch Spass machte. Kalt war es auch. Beinahe zum geplanten Zeitpunkt waren wir fertig und trafen draussen auf Yak, der schon auf uns wartete. Claudine hatte beschlossen, nicht mitzugehen.

Wie wir am Vortag schon angeschaut hatten, stiegen wir die Geländerippe weiter hinauf, auf der sich unser Hochlager befand. Zwar wurde es langsam hell, so dass wir besser sehen konnten, dafür verschwanden aber die Steigspuren bald im losen Vulkangeröll. So stiegen wir weglos dorthin weiter, wo wir den Einstieg der Route ins Eis vermutet hatten.

Hinter uns eroberte die Sonne mehr und mehr der Landschaft und wir konnten prima hinunter zum Hochlager mit unseren leuchtend bunten Zelten sehen. Bis die Sonne uns erreichte, würde es aber noch lange dauern.

Nach guten 2 Stunden und knapp über 500 Höhenmetern erreichten wir das Eis und rüsteten auf Steigeisen und Pickel um. Das Eis war blank und hart, nicht gerade Büssereis, aber doch mit tiefen Einschnitten und scharfen Kanten versehen. Und es war hart und beträchtlich steil.

Nach den letzten Fels-und Geröll-Inseln unserer Geländerippe mussten wir ein Steilstück queren, um zur nächsten Geländerippe zu queren. Da sah man dann ganz wunderbar geradeaus hinab in die Geröllrinne, wo man nach 200 (Höhen-)Metern rutschen landen würde, sollte man ausrutschen.

Zwar war das Gehen hier wegen der Eisstruktur (Büssereis-ähnlich, man konnte die Steigeisen sehr schön zwischen und auf die dicken Eislamellen setzen), aber beim Blick nach unten (ich schätze das noch immer als 40-45 Grad ein) und der Vorstellung da unten auf den grossen Felsen zu landen, wurde mir doch ganz schön mulmig.

Wir gelangten auf die nächste Rippe und konnten den Weiterweg sehen. Hier hatte das Eis kaum mehr Büssereis-Strukturen, war aber ebenso glashart wie bisher. Und unten ging es es genauso steil und tief (auch hier schätzungsweise gute 40 Grad) hinunter in die nächste Geröllrinne. Mein mulmiges Gefühl verstärkte sich langsam aber sicher zu Angst. Yak schien es ebenfall mulmig zu sein, denn er ging dazu über, für jeden einzelnen Tritt eine Stufe zu treten, bzw. zu schlagen. Einzig dem Ralle machte das nichts aus und er ging heldenhaft direkt unter mir, um mir Sicherheit zu geben.

Das half aber nicht viel und zudem wurde es mir nun auch noch eiskalt, weil das Stufentreten natürlich ewig lang dauerte. Ich sah vor allem dauernd den Abstieg vor mir und vor dem graute mir gewaltig. Abgesehen davon, wir waren auf knapp 5700m und hatten nun grad mal 700 Höhenmeter hinter uns. Die restlichen 600 Höhenmeter Stufen zu schlagen würde einfach zu lang dauern und Sichern mit unserem 30m Notseil war auch keine echte Option. Ich schlug vor, zur letzten Felsinsel zurück zu gehen und dort auf die beiden Männer zu warten.

Das wollten die beiden aber nicht. Yak schien es ebenfalls nicht ganz wohl zu sein, Ralle wollte mich hier nirgendwo allein lassen. Ich redete den beiden zwar noch gut zu, aber das brachte nichts, zumal Yak auf keinen Fall nochmal eine Nacht im Lager unten verbringen wollte (Wären wir - oder auch nur die beiden - zum Gipfel gegangen, hätte das in Anbetracht des Stufenschlagens ziemlich sicher dazu geführt, dass die Fahrt nach Putre auf den nächsten Tag hätte verschoben werden müssen, das wollte Yak auf keinen Fall.).

Wir brachen also ab. Meine Schuld im Wesentlichen, weil ich da wirklich Angst bekommen hatte. Im Nachhinein - da ist man ja immer schlauer - war das alles eigentlich nur halb so schlimm, auch der Abstieg ging viel besser als gedacht. Beim nächsten Mal (wo immer das dann auch ist) werde ich mich mehr zusammen reissen. Scheint so als brauche ich immer zwei Anläufe für Neues, sonst wäre ich vielleicht schon beim Island Peak auf 6000m gekommen, weil ich mehr 'gebissen' hätte.

Nunja. Wir brachen also nach knapp 200 Höhenmetern Eis ab. Claudine hatte uns von unten beobachtet und sich erst sehr gewundert und schliesslich Sorgen gemacht, als wir im Eis standen und uns erst nicht mehr bewegten (die Diskussionen) und schliesslich umdrehten. Vielllicht war ja etwas passiert? Nicht wirklich, von Bammel mal abgesehen.

Dre Abstieg im Eis war viel einfacher als ich befürchtet hatte, auch wenn man natürlich sehr bewusst gehen und aufpassen musste. Die Absturz-Gefahr war ja durchaus real, nicht eingebildet. Im losen Vulkangestein ging der restliche Abstieg dann recht einfach und schnell. Wir fanden auch die Steigspuren wieder und stiegen auf einer benachbarten Rippe ab, auf der wir noch 2 weitere schöne Hochlagerplätze fanden.

In unserem Hochlager erwartete uns Claudine halb besorgt halb erleichtert. Nachdem wir alles erklärt und erzählt hatten, bauten wir das Lager ab und stiegen zu den Autos ab. Claudine und Yak hängten uns deutlich ab und fuhren schon mal los, währen wir noch unseren Krempel im Auto verstauten und die Stiefel wechselten.

Am Fuss des Sandhangs warteten die beiden dann auf uns. Da die Moränenhügel am Fuss des Parinacota so unübersichtlich sind, wollten wir kein Risiko eingehen und genau so zurück fahren wie wir gekommen waren. Dazu fuhr der Ralle voraus und ich navigierte. Problemlos schafften wir es zurück auf die Strasse, obwohl uns an verschiedenen Stellen doch ziemlich mulmig war. Aber die X-Trails schafften auch die schräge Sandpiste und das Sandloch an der Laguna Chungara problemlos.

Nachmittags konnten wir uns dann in Putre ins Hotel Kukuli in Putre. Claudine und Yak waren da schon gewesen, als Ralle und ich das erste Mal am Zeltplatz an der Laguna Chungara übernachtet hatten. Das Hotel hat einen grossen Innenhof und ganz nette Zimmer, wo wir uns für 2 Tage einmieteten.

Frisch geduscht sassen wir in der Sonne im Innenhof und überlegten die nächsten Tage. Noch ein Versuch am Parinacota (diesmal über den Sattel zwischen Parinacota und Pomerape, was der Normalweg zu sein scheint) kam für Yak und Claudine nicht in Frage, weil man da nochmal ein Hochlager gebraucht hätte. Das schien indiskutabel. Die ganz ursprüngliche Planung, nun nach Salsa in Argentinien zu fahren und von da aus den Llullaillaco zu besteigen hatten wir schon seit einer Weile begraben. Nach Salsa zu fahren war einfach zu weit und mit den Temperaturen am Llullaillaco, wo man vermutlich sogar 2 Hochlager gebraucht hätte, wäre unsere Ausrüstung wahrscheinlich nicht zurecht gekommen. War ja doch Winter auf der Südhalbkugel und wir hatten die Temperaturen doch etwas unterschätzt.

Somit war der bergsteigerische Teil des Urlaubs nun doch zu einem unerwartet schnellen Ende gekommen und wir beschlossen einen gemütlichen Tag in Putre einzulegen und dann über das Hochland zurück nach San Pedro de Atacama zu fahren. Auf dem Weg lag dann noch der Aucanquilcha, dem wir dann noch zu Leibe rücken könnten.

Abends gingen wir ins Restaurant Pachamama, das ebenfalls von Claudine und Yak schon vorgetestet worden war. Da gab es Alpaka-Fleisch in verschiedenen Variationen, von denen sich der Ralle definitiv für die beste entschied: Alpaca-Steak mit Salat. Sah super aus und schmeckte Klasse (ich durfte probieren). Mein Alpaka - eher in der Art von Tellerfleisch - das ich mir wegen der begleitenden Kartoffeln ausgesucht hatte (Hunger!) war dagegen eher ein Reinfall - zäh und geschmacklich deutlich fragwürdig. Dafür war aber das Restautant sehr schön ;-)

Bilder:
Parinacotaschatten über den Lagunas de Cotacotani   Umkehrpunkt, das letzte Bild   Im Abstieg   Nochmal Abstieg   Zurück im Lager   Beladen zum Abstieg ins Basislager   Rückblick auf den Parinacota.   Alpaka-Steak mit Salat   Im Pachamama  

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