Durch den Isluga Nationalpark

25.06.2010

In der Früh hatte man den Eindruck, die heissen Quellen des Salars hätten sich mindestens verdoppelt (klar, in der Kälte der Nacht dampften nun auch die kühleren Quellen). Rund um unseren Zeltplatz dampfte und sprudelte es lustig vor sich hin. Der Kontrast zu den kargen Sandbergen im Hintergrund war grossartig. Nach einem ausgiebigen Frühstück wollten wir noch mal Baden gehen, doch das erwies sich als schwieriger als erwartet. Der See war ein paar Grad heisser geworden und das reichte, um da, wo wir gestern noch gemütlich im Schlamm gesessen hatten, nun nicht mal mehr die Füsse mehr als ein paar Sekunden reinstecken zu können. Wir verzogen uns weiter und weiter Richtung Auslauf des Sees, bis wir schliesslich im Abfluss ein Becken fanden, in dem man es aushalten konnte. Daran erinnert, wie gut ihm das Schlammbaden auf Vulcano (Liparische Inseln) getan hatte, rieb sich Ralle von oben bis unten mit Schlamm ein. Ich rieb mich auch ein wenig ein, Claudine und Yak waren dafür eher nicht zu haben. Den Schlamm wieder loszuwerden erwies sich als nicht ganz einfach. Es handelt sich um so fein granulierten Sand, dass der auch nach dem 10. Mal Abreiben mit Wasser in allen Poren sitzen bleibt. In Bikini udn Badehose natürlich auch. Schliesslich aber hatten auch Ralle und ich allen Schlamm wegbekommen und uns wieder angezogen. Es konnte weiter gehen. Nachdem wir den Salar de Surire fertig umrundet hatten, kamen wir in die Ortschaft Surire. Die ist schon lang verlassen, hat aber noch immer einen sehr gepflegten Friedhof. Auf dem Weiterweg sahen wir in der Ebene zum ersten Mal einen Condor beinahe aus der Nähe. Er zog majestätisch Kreise über uns, kam aber leider nicht wirklich nahe. Der weitere Weg führte uns über verschiedene Hügelketten und Bovedal-Ebenen schliesslich in den Nationalpark Isluga, wo es in Enquelca, einer Ortschaft am Fuss des Vulkans Isluga, wieder heisse Quellen geben sollte. Da gab es sogar Hinweisschilder. Diese heissen Quellen waren aber nicht sehr heiss sondern lediglich handwarm. Drum herum war ein regelrechtes Schwimmbad angelegt, das sogar sehr schöne Grasflächen (und nicht funktionierende Toiletten) bot. An sich hätte das einen schönen Übernachtungsplatz ergeben, aber Claudine, Yak und Ralle waren sich einig, dass es extrem unschlau sei, so nah bei einer Ortschaft, wo uns jeder samt unserem Zeug zum Schwimmbad hatte fahren sehen, zu übernachten. Ähem. Ja, guter Punkt, daran hätte ich nie gedacht. Wir fuhren weiter auf der Suche nach den Geysiren von Puchuldiza, die es laut Reiseführer irgendwo im Nationalpark geben sollte. Irgendwo. Der Text dazu war reichlich vage und ziemlich unklar. Wir kamen durch Isluga, die Stadt (eher Dorf) nach der der Nationalpark benannt wurde. Isluga würde vor einigen Jahren von den Einwohnern, alles Aymara, verlassen. Das Dorf selber und die Kirche sind aber in gutem gepflegten Zustand, denn die Aymara kommen (mindestens) einmal im Jahr zurück, um dort bestimmte Zeremonien abzuhalten. Isluga kam uns ziemlich gespenstisch vor. Schliesslich landeten wir in Colchane, einer ausnehmend tristen Grenzstadt, die nur aus sandiger Gegend und gelegentlich durchbrausenden LKWs zu bestehen scheint. Inzwischen war es schon später Nachmittag, so dass wir uns überlegten, wie wir weiter machen sollten. Die letzte Möglichkeit für die Geysire war irgendwo auf dem Weg Richtung Zwischenebene (bei Humberstone) und Meer. 50 Kilometer Strasse und dann noch 20 Kilometer Piste. Vielleicht. Oder wir blieben im Hotel Isluga in Colchane (das einzige farbige Haus iun Colchane) und suchten die Geysire am nächsten Tag. Nur Yak war dafür, weiter zu fahren, wir anderen stimmten alle für das bunte Hotel im tristen Colchane. Damit war der Abend entschieden. Wir machten einen Spaziergang durch's Dorf (wo die Kinder trotz der Höhe, immerhin 4500m, voller Energie Fussball spielten), guckten im Hotel ein WM-Fussballspiel (wer gegen wen habe ich vergessen), assen ein recht frostiges Abendessen im Hotel-Restaurant inmitten vieler Chilenen und quetschten dann die X-Trails in den Hinterhof des Hotels. Nach dem Highlight am Salar de Surire war das ein ziemliches Lowlight.

Bilder:
Morgens dampfen der See und die Quellen rundrum ganz besonders.   Gemütliches Frühstück in der Sonne   Einmal Baden noch, bevor es weiter geht.   Der Friedhof von Surire   Die verfallene Kirche von Surire   Weit hinten ist inzwischen der Vulkan Isluga zu sehen.   Ein Kondor im Flug   Der Rio Isluga   Die Kirche des verlassenen Ortes Isluga   Trostloses Colchane   Das einzige bunte Haus in Colchane, unser Hotel   Lange Schatten  

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