Nicht Puritama

07.06.2010

Der Tag fing spät an, weil wir nochmal Getränke nachkaufen wollten. Chile, oder zumindest San Pedro de Atacama, steht spät auf, vor halb zehn ist kaum irgendwo etwas zu bekommen.

Nach einem ähnlich guten Frühstück wie am Vortag schickten Claudine und ich die starken Männer zum Wasser kaufen und machten uns unterdessen auf die Suche nach einem Expeditions-Anbieter, mit dem wir das Bolivianische Hochland mit seinen Lagunen, Wüsten und Vulkanen besuchen konnten. Anbieter deswegen, weil man nicht mit einem Auto von Chile nach Bolivien oder umgekehrt fahren darf, die beiden Länder sind sich nicht allzu wohl gesonnen.

Die Organisation des Trips war einfacher als befürchtet. Zwar konnte Julio, 'El Chefe' von Colque Tours (glaube ich) kein Wort Englisch, aber dafür konnten wir ja auch kein Spanisch. Trotzdem konnten wir schnell klären, dass für uns vier eine Spezial-Tour, die nur 3 statt der üblichen 4 Tage dauern sollte, problemlos möglich war. Wir erklärten, dass wir jetzt erst mal für 3 Tage ins Hochland verschwinden würden, dann aber gerne auf die Tour gehen wollten. "No problemo!", wiederholte Julio immer wieder. Wir müssten nur am Vortag bis 21:00h bei ihm auftauchen und die Tour bezahlen.

Das war fix. Da wir annahmen, dass die Jungs mit dem Einkaufen ein bisserl länger brauchen würden, beschloss Claudine noch ein wenig shoppen zu gehen. Ich setzte mich lieber von unserem Zimmer in die Sonne. Die Getränke rollten bald an, Claudine kam nicht viel später, das erste Mitbringsel im Gepäck. Es konnte losgehen!

Bevor wir ins Hochland fuhren, musste noch getankt werden. San Pedro hat die einzigste Tankstelle weit und breit und unser X-Trail war nach dem gestrigen Ausflug ja fast leer. Die Suche nach der Tankstelle war ein wenig kompliziert, aber nach einigen Kringeln durch die Einbahnstrassen fanden wir sie doch. Geschlossen! Die Tankstelle wurde eben von einem Tanklaster nachgefüllt, wir sollten in einer Stunde wieder kommen.

Die Stunde verbrachten wir mit Kaffee und frischem Saft im Innenhof eines Cafes an der Plaza. Wo einen der ständig vorhandene Wind erwischte, konnte man eine Jacke gut vertragen, in der Sonne im windstillen Innenhof war es fast unangenehm heiss, Winter und 2400m Höhe hin oder her.

Dann endlich konnten wir die Autos auffüllen und es ging los. Der Plan war, zu den heissen Quellen von Puritama zu fahren, dort einen Zeltplatz zu suchen und dann einen der Hügel in der Umgebung zu besteigen. Puritama liegt auf etwa 3500m Höhe, das schien als nächster Akklimatisations-Schritt von 2400m aus angemessen.

Ein guter Plan fanden wir. Leider kostet Puritama inzwischen unangemessen viel Geld, 10.000 CLP, etwa 15 €, pro Person. Für das Doppelzimmer im Hostal mit Frühstück mussten wir 35.000 CLP für beide zahlen, das steht in keinem vernünftigen Verhältnis. Hätte man an den Quellen wenigstens zelten können, hätten wir die 40.000 vermutlich trotzdem hingelegt, doch das sei nicht möglich, hiess es.

So warfen wir nur einen Blick von oben auf die zugegeben netten Anlagen in dem Gelände-Einschitt und studierten nochmal die Karten. Im Wesentlichen ging es darum, uns vernünftig zu akkliatisieren, daher fiel die nette Ebene mit Bach, durch die wir in der Nähe von Guatin gekommen waren, schon mal aus, die lag nur auf 2800m. Irgendwas über 3000m sollte es schon sein. Wir beschlossen, unser Glück Richtung Machuca zu versuchen. Vielleicht liess sich da ja ein Plätzchen finden. Da gab es so eine Nebenstrasse, die zu einem Bachbett zu führen schien. Dahinter stieg das Land steil zur Hochebene auf, da könnte man zu Akklimatissations-Zwecken noch ein Stückchen hinauf gehen.

Die Piste nach Machuca war prima ausgebaut und angenehm glatt (ganz im Gegensatz zu der Hoppel-Piste nach Puritama), doch das Winz-Strässchen, das da abzweigte, überforderte die beiden X-Trails schon nach wenigen Kilometern. Nächster Versuch: Oberhalb von Puritama irgendwas suchen. Das war eh die Richtung, in die wir nach Tatio weiter fahren wollten.

Wir holperten an Puritama vorbei ins Hochland. Aber so sehr wir auch rechts und links der Strasse nach geeigneten Zeltplätzen Ausschau hielten, es bot sich einfach nichts wirklich an. Schliesslich waren wir auf der Hochebene auf 4300m unterhalb von Cerro Sairecabur und Cerro Curiquinca. Hier gab es nun haufenweise schöne flache Stellen, an denen man hätte zelten können. Aber ein Sprung von 2400m auf 4300m? Das war ganz schön herausgefordert!

Ein weiterer Blick in die Karte zeigte, dass das kleine Strässchen von Machuca, an dem wir vor eine Weile gescheitert waren, nicht weit vor uns in die Hochebene mündete. Vielleicht könnte man da ja noch ein Stück weiter hinunter fahren ...

Direkt an der Einmündung der kleinen Piste fanden wir den besten Campingplatz den wir bisher gesehen hatten: flache Zeltstellen zwischen den Mauren einiger verfallener Häuser. Aber immer noch waren wir auf etwa 4200m. Wir merkten das Plätzchen schon mal für alle Fälle vor und fuhren weiter.

Nicht allzuweit allerdings. 2 Wasserrinnen später war dann Schluss für unsere Geländewagen. Die Strasse war so tief ausgespült, dass wir mit Sicherheit aufgesetzt wären und uns festgefahren hätten. Aber dieser Wasserlauf öffnete sich nach oben in ein kleines Tal und bot ein paar schön flache sandige Stellen, aus denen wir nur ein paar Steine und Gewächse ausgraben mussten, um dort wunderbar übernachten zu können. Die das Tälchen einrahmenden Felsen schützen uns dort auch vor den gröbsten Wind. Einfach ideal dieser Zeltplatz! Und immerhin 'nur' auf 4100m.

Nach einer kurzen Brotzeit (Sandwiches ala Yak) machten wir uns erst mal auf den dringend nötigen Akklimatisations-Ausflug auf das Hügelchen hinter dem Tälchen. Insgesamt etwa 250 leicht zu gehende Höhenmeter auf einen Hubbel im Gratausläufer des Cerro Jorquencal, von dem aus wir einen Klasse Ausblick über die Hochebene und die Vulkane an der Grenze zu Bolivien hatten. Nachdem der Tag schon ziemlich abzustürzen gedroht hatte, war das ein sehr schöner Abschluss :-)

Zurück bei den Autos wurde es schon langsam dämmrig. Wir stellten erst mal die Zelte auf und machten uns dann ans Abendessen. Gegrillte Steaks mit Kartoffeln. Dazu Bier und Tee. Letzteren wollte erst mal keiner ausser mir, aber da es ziemlich schnell recht frisch wurde (um die -5, -10 Grad), sobald die Sonne weg war, schloss sich zumindest Claudine mir an.

Allzu lang hielten wir es nach dem Essen nicht aus und verschwanden bald in den warmen Schlafsäcken.

Bilder:
Wüstengrasbüschel im Bachbett vor Guatin.   Blick hinunter zu den Heissen Quellen von Puritama.   Rückblick zum Salar de Atacama.   Im 'Hidden Valley'.   Am 'Gipfel' des kleinen Hubbels unter dem Cerro Jorquencal.   Alle oben.   Oskar und Seppi sind auch dabei.   Die Zelte stehen.   Warten bis das Abendessen fertig ist.  

vorher zurück       »Start«       weiter nachher

obadoba
Weblog
Urlaub
Berge & So
Du
Ich
Start
Bericht
Bilderbuch