Cerro Jorquencal

08.06.2010

Die erste Nacht im neuen Zelt verlief erfreulich ereignislos. Der immense Höhensprung schien bei keinem von uns irgendwelche grösseren Probleme verursacht zu haben. Selbst meinereine war nur minimal angeschwollen.

Ich wurde mit dem ersten Licht (so um halb 7) wach, der Ralle nicht viel später. Nach dem Toiletten-Ausflug in den noch eisig kalten Morgen kuschelten wir uns erst mal wieder in den warmen Schlafsack, aber ich hielt es dann nicht mehr allzu lang aus, ich musste raus. Als erstes machte ich heisses Wasser für Kaffee, dann welches zum Spülen. Man muss die Prioritäten korrekt setzen.

Überhaupt das Wasser. Das hatten wir in den 5-Liter-Kanistern in den Autos verstaut und es hatte den ganzen Tag Zeit gehabt, sich ein wenig aufzuwärmen. Unsere Befürchtungen, in der Früh nur mehr gefrorene Eisklötze vorzufinden, schienen sich zumindest für die aktuellen Nacht-Temperaturen (-5 bis -10 Grad) zu bestätigen. Im Auto schien sich doch einige Wärme zu speichern, das Wasser war kalt aber flüssig.

Obwohl es nun schon eine ganze Weile hell war, dauerte es lang, bis die Sonne in unser kleines abgeschiedenes Tälchen kam. Mein Spülwasser, eh nur lauwarm, wurde recht schnell eiskalt und der Schaum gefror oben drauf. Was auch gefror, war das Spülmittel, das ich neben meiner Spülschüssel geparkt hatte und der Schaum auf den zum Trocknen abgelegten Tassen und Tellern. Abtrocken ging dann nicht mehr, man musste vielmehr den gefrorenen Schaum abkratzen.

Als die Sonne dann höher stand und in unser Tal kam, wurde es zwar gefühlt recht schnell wärmer, aber der Schaum auf den Tellern blieb beharrlich gefroren. Claudine und Yak tauchten auf und Yak beschloss, dass es zum Frühstück Pfannkuchen geben sollte. Mit Nutella und chilenischer Caramelcreme. Ganz schön heftig für Frühstück, aber Höhe zehrt ja angeblich, da kann man dann schon was zum Essen vertragen.

In der Sonne war es recht gemütlich zum Frühstücken, daher liessen wir uns viel Zeit dafür. Wie der Lager-Aufbau brauchte auch der Lager-Abbau ziemlich lang, so dass wir erst recht spät loskamen. Ziel für heute waren die Geysire von El Tatio, noch etwa 50 Kilometer entfernt. Vorher stand irgendein Berg auf dem Programm. Wo er schon so praktisch direkt vor uns stand und auch gerade so eine passende Höhe hatte, nahmen wir uns den Cerro Jorquencal vor.

Um nicht gar so weit laufen zu müssen (die Weitläufigkeit des Geländes war immer wieder erstaunlich), fuhren wir um den Berg herum und starteten von der anderen Seite auf den sanft ansteigenden Grat. Dazu folgten wir ein paar Jeepspuren und fuhren einfach quer über die Hochebene bis an den Bergfuss, wo wir die X-Trials am Anfang der spärlichen Vegetation parkten.

Dann stapften wir los. Langsam. Sehr langsam (wie langsam man da wirklich geht, wurde mir allerdings erst klar, als ich Ralles Mini-Clip vom Aufstieg sah). Das Gelände war einfach, Sand und Steine mit gelegentlichem sehr stacheligem Gras, und stieg sanft zum Grat auf, wo wir dann auf grösseren Steinen bequem zum Gipfel mit Stange spazieren konnten. Die Autos unter uns in der riesigen Ebene waren kaum auszumachen. Für den Abstieg nahmen wir die steile Flanke direkt hinab zu den Wagen.

Nach einer kurzen Sandwich-Pause (wieder ala Yak), machten wir uns auf den Weg zu den Geysiren von El Tatio. Obwohl der Ausflug auf den Cerro Jorquencal eher kurz gewesen war, waren wir schon wieder recht spät dran, wollten wir zum Sonnenuntergang in El Tatio sein. Die Tage sind einfach verdammt kurz im Winter.

Beim 'Ort' El Tatio (3 verlassene verfallene Häuser und Industrie-Anlagen) sahen wir viele Guanakos, Anden-Gänse, Enten und sonstige Vögel im nahe gelegenen Bofedal (so eine Art Hochmoor, Feuchtstelle im Hochland). Mit dem grossartigen Hintergrund und dem wunderbaren Abendlicht war das Grund genug, einen ausgedehnten Foto-Stopp einzulegen.

Die Geysire von El Tatio erreichten wir mit dem letzten Licht. Nachdem wir bei den Rangern die 2.000 CLP (etwa 3 €, das s) gezahlt hatten, die auch das Campen auf dem angeschlossenen Zeltplatz beinhalteten, sausten wir runter auf das Geysir-Feld, um noch ein paar Bilder zu schiessen.

Ich muss zugeben, so richtig beeindruckend waren das eher kleine und niedrige Geblubber da nicht. Ich hatte mir nach den allzu überschwänglichen Beschreibungen in den Reiseführern doch ein wenig mehr 'Action' erwartet. Aber es war ganz nett da unten und wenn man sich in den heissen Dampf stellte, merkte man kaum mehr was von dem eisigen Wind. War fast wie in einer Sauna.

Als es komplett dunkel war, kehrten wir zur Ranger-Station zurück, wo uns die kleine Rangerin mitteilte, dass wir auch in der Küche der Station kochen könnten, wenn wir wollten. Das klang gut, denn es war empfindlich kühl auf 4300m und der Wind verschärfte das Problem natürlich noch. Wir stellten also die Zelte auf und begaben uns in die Küche. Doch inzwischen waren doch noch Leute angekommen - irgendwelche Nationalpark-Offiziellen, die ein hochbrisantes Meeting am nächsten Morgen abhalten wollten. Da sollte es darum gehen, wie man mit der Forderung danach, geothermische Feld unter den Geysiren industiell auszubeuten, umgehen könnte. Viel Information darüber (alle Links auf Spanisch) konnte ich nicht finden, den spektakulären Geysir, den die Vorarbeiten ausgelöst haben sollten, hätte ich allerdings gerne gesehen.

Wegen der Sprachprobleme (die Chilenen sprachen nur Spanisch und wir eben nicht) war nicht viel ausser Smalltalk möglich. Wir nahmen das hintere Ende des grossen Tischs, die Chilenen das vordere, wo eine Gasheizung angenehme Hitze abgab. Claudine und Yak kochten, Ralle und ich trugen Zeugs hin und her und spülten hinterher ab. Nach dem Essen dauert es nicht lang, bis wir im Zelt verschwanden. Der morgige Tag würde sehr früh beginnen, denn die Geysire sollen am spektakulärsten bei Tagesanbruch sein. Draussen war es empfindlich kühler als am Vortag, mindestens -15 Grad schätzten wir. Wegen der Feuchtigkeit in der Luft kam uns das vermutlich noch ein Stück kälter vor. Mmmh, feine Schlafsäcke!

Bilder:
Beim Frühstück.   Start zum Cerro Jorquencal.   Sanfter Aufstieg in endloser Weite (hinten ganz klein in der Mitte die Autos).   Am Gipfel des Cerro Jorquencal.   Der Bofedal von El Tatio.   Andengänse im Bofedal.   El Tatio im Abendlicht.   Die eifrigen Geysir-Fotografen.   Einer der aktivesten Geysire, immerhin ein halber Meter.   Das letzte Licht.  

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