Lagunen und mehr in Bolivien

10.06.2010

Punkt halb acht sollten wir mit unserem Gepäck am Tour-Office stehen, hatte es geheissen. Wir konnten beim Vermieter Frühstück um halb sieben aushandeln und waren höchst erfreut und erstaunt, als das Frühstück nicht nur tatsächlich um halb sieben fertig war sondern auch noch wirklich grossartig war: Aufgebackene warme Flachsemmeln, Schinken, Käse, Butter, Marmelade, Kaffee, Milch, Saft und eine schön hergerichete Schale mit frischem Obst für jeden. Kudos an Claudine für das Finden dieses wunderbaren Hostals (das leider noch immer keine Website hat).

Auch unser Tour-Pickup war beinahe pünktlich. Insgesamt 7 Leute sollten zur bolivianischen Grenze gebracht werden, um dort in verschiedene Geländewagen verteilt zu werden. Vor der Einreise nach Bolivien steht aber erst mal die Ausreise aus Chile. Dazu fuhren wir wieder zur Immigracion von San Pedro. Denn die Chilenen machen sich die Sache mit der Ein- und Ausreise schön einfach. Statt ein kaltes zugiges Office auf der Hochebene zu unterhalten, wurde die Zollstation ganz einfach runter nach San Pedro verlegt, wo es vergleichweise warm und bequem ist.

Nachdem unser Fahrer unsere Daten in einer vorbereiteten Liste gesammelt (und dabei auch von jedem den Pass samt Einreise-Zettelchen kontrolliert) hatte, mussten wir uns in die lange-Touristenschlange vor dem Ausreise-Schalter einreihen. Mir schwante schon Schlimmes, doch die Ausreise verlief dank der Listen der Fahrer recht schnell. Jeder zeigte seinen Pass vor, bekam einen Ausreisestempel un musste sein Zettelchen abgeben. Vom selben 'Senor Policia', diesmal in Uniform, der uns diesen Zettel gestern Abend erst ausgestellt hatte.

Unser Fahrer verteilte Saft-Tütchen und Kekse (wie bei einem Schulausflug :-)) und es ging los. Erst mal sausten wir auf einer prima ausgebauten Teerstrasse die geneigte Ebene hinauf ins Hochland. In der Nähe des Licancabur bog der Fahrer (für mich) ganz unerwartet auf eine schmale Piste ab und brauste mit einer langen Staubfahne auf ein kleines Betonhäuschen zu, über dem die bolivianische Flagge wehte. Die Grenze!

Das ist so ungefähr die absurdeste Grenze, die ich jemals gesehen habe. Ein kleiner karger Betonwürfel mitten im Nirgendwo, Sand rundrum so weit das Auge reicht und eine schmale Piste die dran vorbei führt. Aber ein paar Minibusse (die Chilenen) und Jeeps (die Bolivianer) davor und ein ausgebrannter Bus in der Nähe. Unser Fahrer deutete darauf: 'Pipi-Bus'.

Für die bolivianischen Einreise-Formalitäten mussten wir in das Betonhäuschen, um uns wieder einen Zettel und einen Stempel abzuholen. Unterdessen hatte unser Fahrer vor dem Bus ein zweites Frühstück aufgebaut und stellte uns eine kleine Bolivianerin vor, bei der wir Geld wechseln konnten. 165 Bolivianos (knapp 20 Euro) brauchten wir für den Eintritt in die verschiedenen Nationalparks, ein wenig Extra nahmen wir auch dazu, obwohl wir eigentlich Vollversorgung hatten.

Dann präsentierte uns der Fahrer einen jungen Bolivianer: Walter, unser Fahrer, der die nächsten 3 Tage für unsere Rundumversorgung zuständig war. Walter sprach nur Spanisch, wir nicht. Walter lud uns bald in seinen Jeep und es ging los. Nach vielleicht 5 Kilometern hielten wir schon wieder an, um unseren Obulus für den Nationalpark zu entrichten. Dann ging es an die Laguna Blanca hinunter, die schon von der Grenze aus zu sehen gewesen war.

Die Lagune hat neben stellenweise offenem Wasser eine seltsame Mischung aus Eis und Salz, auf der wir ein paar Fotos schossen. Weisse Lagune heisst sie wohl zum Unterschied zur direkt danaben gelegenen Laguna Verde. Die Grüne Lagune sah nicht allzu grün aus, was daran lag, dass es nicht geregnet hatte, wie uns Walter erklärte. Wenn es regnet, werden bestimmte Mineralien in die Laguna geschwemmt, die sich mit den darin befindlichen mischen und den See grün färben. Diese Lagune sei giftig, meinte Walter.

Nach den Lagunen schaukelten wir in Walters Jeep durch ein langgestrecktes Tal mit lauter kleinen Felsen, die aussahen als hätte jemand mit Murmeln gespielt über einen kleinen Pass. Unterwegs holten wir einen Mountainbiker ein, der sich sehr mühen musste, durch den losen Kies und Schotter auf der Piste zu kommen. Ob das wirklich Spass macht?

Gleich nach dem kleinen Pass ging es hinab in eine weite Ebene, an deren Ende eine weitere Lagune schimmerte. Rechts und links sahen wir Berge, die in allen Erdtönen leuchteten. Walter hielt an, damit wir Bilder machen konnten, deutete aber an, dass man weiter vorn den besser Blick hätte. Oh ja!

Ein Stück weiter befand sich 'El desierto Salvador Dali', die Dali-Wüste, in der einzelne grosse Felsformationen in weiten Sand-Ebenen herum standen. Genau wie auch Dalis Bildern. Allerdings ist es nicht so, dass die Wüste hier nach Dali benannt wurde weil der solche Bilder malte, sondern Dali war hier und hat die Wüste danach in seinen Bildern verarbeitet. erklärte Walter.

Danach dauerte es nicht mehr lang bis wir an die Laguna am Ende der Ebene, die Laguna Challviri, kamen und dort an den heissen Quellen zum Mittagessen stoppten. Das heisse Wasser wurde in einen kleinen ummauerten Pool geleitet, in dem schon viele Touristen sassen und sich bei kaltem Bier von der Höhensonne verbruzzeln liessen. Baden war für uns nicht drin, weil uns keiner gesagt hatte, dass Badezeug mitnehmen schlau gewesen wäre.

Walter organisierte das Mittagessen während wir am Rand der Lagune herumspazierten und Fotos machten. So richtig typisch bolivianisch war das Mittagessen nicht: Kartoffelbrei und Würstel mit Ketchup und Salat, aber es war OK. Danach ging es weiter hinauf bis zu einem Pass auf über 5000m. Dort bog Walter von der Hauptpiste ab und kündete Geysire an.

Richtige Geysire waren es nicht, was wir da vorfanden, aber hochinteressant war es trotzdem. Ein Geothermiefeld auf über 5000m mit lauter Löchern, Sol de Manana, in denen heisser Schlamm blubberte oder denen heisser Dampf entwich. Es gab ein Schild, dass man nicht zu nah an die Schlamm-Blubber-Löcher gehen sollte, weil das Gelände nicht allzu stabil sei. Wir hielten respektvollen Abstand (reinfallen und gekocht werden schien nicht allzu ansprechend), aber es fanden sich Fussspuren, die von enormem Vertrauen ind Gelände (oder von Ignoranz) zeugten. Die Blubberlöcher waren ganz wunderbar und völlig überraschend.

Der nächste Stopp war dann die Laguna Colorada. Die ist nicht bunt wie der Name vermuten lässt, sondern rot. Die rote Farbe kommt von roten Algen, die aufgrund irgendwelcher Mineralien im Wasser dort leben. Walter erklärte, dass die Algen nachts zu Boden sinken und tagsüber wegen der Sonneneinstrahlung wieder aufsteigen. Daher sei die Laguna am Morgen weniger rot und Abends sehr rot. Jetzt am Nachmittag konnte man die rote Farbe sehr gut sehen. Das was auf dem See wie Eis aussieht, ist Borax, ein in der Natur selten vorkommendes Mineral.

An der Laguna Colorada finden sich normalerweise riesige Schwärme von Flamingos, aber da gerade Winter war, waren die Vögel in wärmere Regionen abgezogen. Wir sahen nur ganz weit draussen ein paar vereinzelte Exemplare. Und am Rand der Lagune einen einsamen Jungvogel, noch ganz grau statt rosa, der eifrig mit Algenfischen beschäftigt war und sich von uns kaum stören liess.

Nach der Laguna Colorada fuhren wir über einen weiteren hohen Pass (zunächst hinter einem antiken unglaublich qualmenden LKW her), passierten noch eine Lagune, an der Borax-Abbau in grossem Stil betrieben wurde, wie Walter erklärte, und erklommen den nächsten Pass. Dahinter ging es auf einer schmalen recht holperigen Piste hinab auf eine weite Hochebene, auf der sowas wie Gras und Büsche zu sehen war. Dazwischen weiterhin Sand und Steine. Aber in den Bachläufen, die wir querten, befand sich Eis und Wasser und fliessendes Wasser. Und wir trafen endlich auf Lamas. Schon erstaunlich wie wohltuend so ein bisserl Grün für Auge und Gemüt sind.

Vilamar, der Ort in dem wir in einer Nationalpark-Unterkunft übernachten würden, hatte sogar einen richtigen Fluss zu bieten. Den Postern nach, die an der Wand des Hostals aufgehängt waren, gab es da zur rechten Jahreszeit sogar einen regelrechten See vor dem Dorf - was wohl der Grund für das Meer im Dorfnamen ist. Das Hostal war von uns abgesehen leer, so dass wir die beiden Aufenthaltsräume ganz für uns hatten. Zum Schlafen bekamen wir einen 4-Bett-Raum zugewiesen, auf dessen Betten wir sogar haufenweise Decken vorfanden. Wir zogen aber vor, unsere guten Schlafsäcke zu nutzen.

Walter putzte seinen Jeep gründlich (mit Wasser!) und organisierte das Abendessen, das von den Damen des Hostals serviert wurde. Dann verschwand er. Morgen sollte es um 7:30 weiter gehen, der Weg sei lang.

So richtig gemütlich war es in dem kargen unbeheizten Raum auf 4300m nicht gerade, aber mit den feinen warmen tollen Daunenjacken und mit heissem Tee versorgt (nur Claudine und ich, die Herren zogen mitgebrachte Kaltgetränke vor), liess es sich ganz gut aushalten. Lang wurde der Abend dennoch nicht.

Bilder:
Gleich geht es los. 'El Chefe' sperrt die Agentur auf.   Die Bolivianische Grenze; Jeeps, Minibusse und ein kleines Betonhäuschen.   Der 'Pipi-Bus' im Nirgendwo an der bolivianisch-chilenischen Grenze.   Die Laguna Blanca. Hinten die Staubwolke er Nationalpark-Piste.   Blick über die Laguna Blanca zum Sairecabur und Curiquinca.   Die Laguna Verde, hinten in der Mitte der Licancabur.   Vielfarbige Vulkane rund um die Dali-Wüste.   Mehr vielfarbige Vulkane.   Die Felsen der Dali-Wüste.   Blick aus dem Desierto Salvador Dali zur Laguna Challviri.   Das heisse Bad an der Laguna Challviri.   Jeep-Parade.   Walter tankt seinen Jeep auf.   Das Geothermiefeld 'Sol de Manana'.   Heisse Löcher und Dampf auf 5000m Höhe.   Blubberschlamm.   Die Laguna Colorada.   Ein Jungflamingo in der Laguna Colorada.   Unser erstes Lama.   Gemütlicher Abend im Hostal von Vilamar.  

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