EngelChronik 2014 - Korsika

Capu d'Orthu

10.06.2014

Nachdem wir am Monte Senino derart Probleme mit der Hitze gehabt hatten, hatten wir überlegt, ob es überhaupt schlau sei, bei diesen Temperaturen nochmal einen sonnigen Berg zu besteigen. Karte und Führer schienen aber anzudeuten, dass der größte Teil des Anstiegs zum Capu d'Orthu durch Wald ginge, daher starteten wir in der Früh wie geplant nach Piana (durch die Calanche) und parkten am Sportplatz. Schatten war dort nicht zu finden, daher verhängten wir alle Fenster und hofften, dass dies die Temperaturen im Auto halbwegs erträglich halten würde.

Der Weg zum Capu d'Orthu führt tatsächlich durch Wald. Durch lichten Kiefernwald, der ganz wunderbar duftete. Nach gut anderhalb Stunden teilt sich der Weg an der Bocca di Piazza und wir nahmen den, der nicht direkt auf den Capu d'Orthu führt. Damit waren wir dann endlich die vier sich ständig halb schreiend unterhaltenden Franzosen los, die mit uns losgelaufen waren und mit Fotostopps und Pausen dasselbe Tempo liefen wie wir.

Unser Weg führte weiter durch lichten Kiefernwald, ging aber erst mal bergab Richtung Capu di u Vitellu und dann weiter (nun wieder bergauf) zur Foce d'Orthu, dem Sattel zwischen den beiden Bergen. Und ab da wurde es dann richtig, richtig Klasse!

Der im Rother-Führer beschriebene Aufstieg führt nämlich über den Südgrat/-Flanke und man darf da ausnehmend nett über supergriffigen roten Fels kraxeln. Anfangs ist der Pfad nicht ganz leicht zu finden, obwohl es unzählige Steinmännchen hat, ab der Rinne, durch die der Aufstieg führt, ist aber alles logisch. Wir waren so begeistert bei der Kraxelei, dass wir gleich noch einen Nebengipfel mitnahmen, der eigentlich gar nicht zur Route gehörte ;-)

Der restliche Aufstieg zum Capu d'Orthu ist dann auch ganz nett, aber natürlich nicht mehr so Klasse wie die Kletterei auf der Südseite. Mir setzte die Hitze ordentlich zu und ich musste mich die letzten Meter zum Gipfel regelrecht hinaufschleppen. Oben hatte es grossartige Aussicht in alle Richtungen aber leider nahezu keinen Wind, der irgendwie hätte zur Kühlung beitragen können. Und schon wieder drohten die Getränke auszugehen!

Nach ausgiebiger Pause machten wir uns an den Abstieg über den Normalweg. Ich wäre ja ehrlich gesagt an der Bocca di Piazza den Aufstiegsweg wieder runter gegangen. Wegen der Hitze und wegen der Getränke. Aber der Beste Allgäuer von Allen hatte natürlich Recht: andere Wege - andere Aussichten. Und so schnell kommen wir hier nicht vermutlich mehr her ...

Und das war dann auch ein sehr schöner Abstiegsweg, denn neben den neuen und schönen Aussichten auf die Calanche führte der Weg oft durch Wald und war bei Weitem nicht so heiß wie befürchtet. Am Auto brauchte ich dann aber trotzdem erst mal einen Liter zu trinken.

Leider hatte der Versuch, die Temperaturen im Auto mit den verhängten Fenstern in verträglichen Bereichen zu halten, überhaupt nicht funktioniert. Im Auto hatte es locker 50 Grad oder mehr. Die inzwischen schon lang nicht mehr gekühlte Kühlbox (und damit natürlich auch die darin gelagerten Getränke) war oben genauso heiß, unten aber noch halbwegs kühl. Das hatte den lustigen Effekt, dass wir beim Nachfüllen unseres Flüssigkeitsspiegels mit fast heissem Saftschorle anfingen und nach ein paar Schlucken angenehm kühles Schorle bekamen. Der restliche Inhalt der Box war auch in Mitleidenschaft gezogen: Der noch ungeöffnete gute Allgäuer Emmentaler hatte sich samt Tüte in einen Ballon verwandelt und war zu einem Klumpen zusammengeschmolzen.

Der Weg zurück nach Porto zum Campingplatz war lästig, denn durch die Calanche hindurch stauten sich Autos und Busse (die Vorstellung, wie es da in der Hauptsaison zugehen muss, ist wirklich erschreckend). Wir fuhren direkt an den Strand zum Schwimmen und Abkühlen und erst danach zurück zum Campingplatz. Zum Abendessen gingen wir diesmal ins 'Tour Genoise', wo das Essen besser war als am Vortag. Allerdings waren wir ziemlich erstaunt, dass das 'Steak' von der Karte sich als Fisch entpuppte und nicht als Fleisch. Mein Französisch lässt doch noch deutlich Raum für Verbesserungen ;-)

Bilder:
Start in lichtem Kiefernwald   Rückblick auf Piana   Auf dem Weg zur Kletterei an der Foce d   Über griffige Platten ...   ... geht es hinauf.   Am Capu d   Abstieg durch Kastanienwald   Rückfahrt durch die Calanche   Porto bei Nacht  

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