Kein Chachani, zurück nach Arequipa

24.09.2017

Übernachtung: Hotel Tikari, Arequipa, 2340m

Wir trafen uns um eins zum Frühstück. Ralle hustete und schniefte und sah aus wie durchgekaut und ausgespuckt. Er würde nicht mitkommen, was die beiden Mediziner sehr vernünftig fanden. Ich kam mit dicken Füßen mal wieder nicht in die Stiefel und mühte mich im Messezelt mit den blöden Teilen ab. Nach unten beugen war nicht toll.

Das Frühstück war üppig, aber in der Höhe und um die Zeit reichte es bei mir dann doch nur für ein paar Bissen und etwas Tee. Wir bekamen wieder ein Lunchpaket, diesmal nahm ich aber nur ein paar der Schokoriegel raus und ließ den Rest im Zelt, um den Rucksack nicht unnötig zu beschweren.

Um halb zwei warf Arturo vor dem Zelt den Jeep an und wir wurden in zwei Gruppen zum Pass hinauf gefahren, ein knapper Kilometer Weg mit 120 Höhenmetern. Der Weg zum Chachani führt dann erst mal endlos mehr oder weniger geradeaus (also ständig rauf und runter) nach links um den Bergfuß herum. Immer wenn ich dachte "Jetzt aber!", ging es doch nochmal runter.

Start am Pass
Start am Pass

Schließlich ging es aber doch langsam bergauf und nach gut anderthalb Stunden hatten wir das 'Chachani Highcamp' erreicht. Das liegt nicht viel höher als der Pass, aber man braucht halt schon eine Weile bis man es erreicht. Richie teilte uns in zwei Gruppen, schickte die Steirer Buam zusammen mit Gary vorn weg und ging mit Rolf, Simon, mir und Renzzo langsamer hinterher. Ich fühlte mich seltsam kraftlos, total ohne Energie, konnte aber Renzzos Tempo folgen.

Von nun an ging es auf gutem Pfad in Kehren bergan. Nach weiteren anderthalb Stunden gab es an einem Felsen nochmal eine kurze Pause. Langsam wurde es hell. Der Start nach dieser Pause fiel mir ziemlich schwer, obwohl ich einen (etwas seltsamen) Schokoriegel aus dem Lunchpaket gegessen hatte. Langsam wurde es hell und wir konnten in die Landschaft um uns herum sehen.

Der endlose Aschehang im ersten Licht
Der endlose Aschehang im ersten Licht

Von unten kamen zwei junge Männer und sprinteten an uns vorbei. Die Steirer Buam und Gary waren inzwischen schon ein gutes Stück über uns und schickten sich an, über ein paar Felsen links aus der großen Aschebahn, über die wir aufstiegen, heraus zu gehen. Als wir diesen Ausgang erreichten, gab es nochmal eine kurze Pause.

Wir queren aus dem Aschehang heraus
Wir queren aus dem Aschehang heraus

Rolf und Simon schienen gut drauf, ich war --- schlapp, schlapp, schlapp. Weitergehen kostete viel Energie, ich konnte Renzzos Tempo nicht mehr halten und fiel zurück. Richie blieb bei mir und stellte die verhängnisvolle Frage: "Willst Du den Rucksack hier lassen und weiter gehen oder Kraft sparen für den Coropuna?"

Hier war Schluß für mich. Richie geht schnell Renzzo Bescheid sagen.
Hier war Schluß für mich. Richie geht schnell Renzzo Bescheid sagen.

Wir beiden hielten nochmal an und ich überlegte: "Chachani oder Coropuna? Schaffe ich beide?" Und da waren ja noch die beiden Vulkane in Bolivien. Ich entschloss mich zum Aufgeben und Kräftesparen (mit schlechtem Gewissen, wäre der Ralle dabei gewesen, wäre ich sicherlich weiter gegangen) und teilte Richie das mit. Der versuchte nochmal, ob ich nicht vielleicht doch weiter gehen wolle, aber da hatte ich innerlich schon abgeschlossen.

Der endlose Abstieg über den Aschehang
Der endlose Abstieg über den Aschehang

Wir stiegen noch ein paar Meter auf und kletterten dann über eine 3 Meter Steilstelle zurück in die Aschebahn. Der Abstieg über die Aschebahn war super, aber meine Oberschenkel hielten den Abstieg kaum aus. Ich brauchte andauernd eine Pause und Richie musste deswegen auf mich warten. Ich hätte ihn ja am liebsten vorausgeschickt und wäre gaaaanz langsam allein nachgekommen, aber das hätte er natürlich niemals gemacht, also schlug ich es gar nicht erst vor.

Irgendwo im Abstieg: Ampato und Sabancay mit Ausbruch-Wolke
Irgendwo im Abstieg: Ampato und Sabancay mit Ausbruch-Wolke
Rückblick
Rückblick

Die lange Querung vom Highcamp zum Pass war fürchterlich. Jede noch so kleine Steigung (und wenn es nur die dicken Blöcke waren, die man zwischendurch übersteigen musste) brachte mich völlig außer Atem und endete in brennenden Oberschenkeln. Ich konnte gar nicht langsam genug gehen.

Soooooo weit bis zum Pass!
Soooooo weit bis zum Pass!

Als wir den Pass erreichten, sahen wir runter ins Lager, in dem ein einsamer Mensch in einer orange-farbenen Jacke umher lief. Ralle. Ich winkte wild, auch wenn ich sicher war, dass er das gar nicht sehen konnte. Arturo aber schien uns gesehen zu haben, denn der Jeep setzte sich in Bewegung und fuhr zu uns hinauf. Ich war echt dankbar dafür :-)

Das Lager (Ralle mittig vorm Messezelt)
Das Lager (Ralle mittig vorm Messezelt)
Arturo holt Richie und mich ab :-)
Arturo holt Richie und mich ab :-)

Unten erzählte ich Ralle den Aufstieg und den Abbruch und er meinte, er sei schon fast sicher gewesen, dass ich umdrehen würde. Pffff! (Naja, aber hatte natürlich Recht.) Er hatte ausgeschlafen und den Vormittag mit Tee trinken und in der Sonne sitzen verbracht. Es ging ihm schon wieder besser.

Ich legte mich ins Zelt um noch ein wenig zu schlafen, Ralle ging spazieren. Gegen Mittag kamen die Steirer Buam und Gary zurück, knapp 2 Stunden später dann auch Rolf, Simon und Renzzo. Wir gratulierten den erfolgreichen Gipfelstürmern und fühlten uns ein wenig deplatziert.

Nach dem Mittagessen mit Suppe, Hauptgang und Nachtisch packten wir unsere Siebensachen und wurden wieder in 2 Gruppen runter zum Bus gefahren. Die Zelte blieben stehen, denn es sollte noch heute eine weitere Gruppe dort übernachten.

Der Weg runter zum Bus war viel abenteuerlicher als der Hochweg zum Lager, denn da waren echt steile und ziemlich zerfurchte Abschnitte dabei, die mir auf dem Hochweg gar nicht so aufgefallen waren. Arturo nahm sie alle total gelassen und souverän, freute sich aber sichtlich als wir ihn als tollen Fahrer bezeichneten :-)

Nachdem alle unten angekommen waren, ging es zurück nach Arequipa ins Hotel Tikary, wo Ralle und ich dasselbe schöne Zimmer bekamen wie vorher. Abends gingen wir in ein Touristen-Restaurant, wo es laut Richie richtig gutes Cuy, also Meerschweinchen, geben sollte. Er versprach, dass das Cuy hier ganz und gar nicht mit dem zu vergleichen sei, das es in Ecuador gab, wo wir (Ralle und ich und die Steirer Buam gleichermaßen) ja ziemlich enttäuscht gewesen waren.

Ralle und ich entschieden uns dann doch gegen das Cuy, aber alle anderen nahmen eins und als es kam, sah das wirklich viiiel besser aus als alles, was wir in Ecuador gesehen und gegessen hatten. Und die anderen meinten auch übereinstimmend, dass das Cuy wirklich gut gewesen sei. Immerhin schmeckte unsere Pizza auch richtig gut :-)

Cuy
Cuy

Bilder:
Start am Pass   Der endlose Aschehang im ersten Licht   Wir queren aus dem Aschehang heraus   Hier war Schluß für mich. Richie geht schnell Renzzo Bescheid sagen.   Der endlose Abstieg über den Aschehang   Irgendwo im Abstieg: Ampato und Sabancay mit Ausbruch-Wolke   Rückblick   Soooooo weit bis zum Pass!   Das Lager (Ralle mittig vorm Messezelt)   Arturo holt Richie und mich ab :-)   Cuy  

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