La Paz

29.09.2017

Übernachtung: Hotel Estrella Andina, La Paz, 3680m

Die letzte Stunde vor der geplanten Ankunft in Cusco schlief ich dann nicht mehr und schaute stattdessen mit steigender Nervosität aufs GPS und auf die Uhr. Die Zeit zwischen Bus-Ankunft und Abflug war für unseren Geschmack arg knapp bemessen und wir konnten uns Verspätung nicht erlauben. Aller Nervosität zum Trotz kamen wir nur ein paar Minuten nach der geplanten Zeit in Cusco am Busterminal an :-)

Dann aber zog sich die Gepäckausgabe elendslang hin. Das Buspersonal zerrte die Gepäckstücke aus dem Stauraum und verglich sorgfältig jeden Gepäckabschnittzettel mit dem, was ans Gepäck getackert war. Sehr löblich natürlich, aber die Zeit!

Endlich hatten wir unser Zeug beieinander und gingen raus. Zu unserer großen Erleichterung wartete Lizzie dort schon auf uns und hatte schon ein Taxi parat. Lizzie hatte ihren kleinen Sohn dabei (6 Jahre alt), der heute auf dem Weg in die Schule einen Umweg machen musste. Der Junge war neugierig und erzählte allerlei, die Kommunikation scheiterte allerdings an unseren mangelnden Spanisch-Kenntnissen. Den Jungen störte das wenig ;-)

Es war nicht weit zum Flughafen und ich war schon dabei mich so halbwegs zu entspannen, als wir das Ende der 'Peruvian Airlines'-Schlange fanden. Es war die allerlängste von allen! Als wir dann endlich vorn am Schalter waren, kam was kommen musste: Wir hatten Übergepäck. Damit hatten wir gerechnet. Wir hatten auch damit gerechnet, dass uns für das Übergepäck eine ordentliche Summe abgeknöpft werden würde.

Womit wir nicht gerechnet hatten, war, dass wir zum Bezahlen des Übergepäcks einmal quer durch den Flughafen sprinten würden müssen, um die Summe an einem kleinen Schalter begleichen zu können (und da stand dann auch noch jemand, der meinte, wegen der Übergepäckgebühr diskutieren zu müssen!) um dann wieder zurück zu rennen. Der Peruvian-Schalter war da dann eigentlich schon geschlossen, allerdings wartetet tatsächlich noch eine Dame (und unser Gepäck) auf uns und wir bekamen die Boarding-Pässe. Uff!

Endlich am Flugzeug nach La Paz!
Endlich am Flugzeug nach La Paz!

Am Security-Check verabschiedeten wir uns von der wunderbaren Lizzie, die uns bis zum letzten Moment so engagiert betreut hatte. Ohne Lizzie hätten wir diesen Flug garantiert nicht bekommen! Dann folgten die üblichen Checks und schließlich durften wir aufs Rollfeld zu unserem Flieger. Nach La Paz war es nur eine gute Stunde Flug.

Anflug auf La Paz mit El Alto
Anflug auf La Paz mit El Alto

In La Paz holten wir unser Gepäck und wollten dann zum Checkpoint marschieren. Davor wurden wir aber nochmal aufgehalten, denn im Flughafen von La Paz muss man anhand der Gepäck-Abschnitte beweisen, dass das was man da mitnimmt auch das ist, was man aufgegeben hat. Wir hatten schon alle Flugzettel verräumt und mussten sie erst mal wieder suchen.

Dann gingen wir durch den Checkpoint und traten in den allgemeinen Teil des Flughafens. Da war ein Mords-Menschenauflauf, alle standen gespannt mit gezückten Smartphones und winkten uns ungeduldig weiter. Wir sollten abgeholt werden und hatten kurz Sorge, ob wir unseren Abholer in dem Durcheinander überhaupt sehen würden. Aber der Taxifahrer hatte sich strategisch schlau positioniert und wir sahen das Schild mit 'Ralf & Andrea' drauf sofort, als wir aus der Gasse kamen.

Die Kommunikation mit unserem Taxifahrer gestaltete sich etwas schwierig, weil er nur wenig Englisch konnte und wir ja kein Spanisch können. Immerhin verstanden wir, dass der Auflauf am Flughafen irgendeinem Musik-Star galt und dass er uns jetzt in unser Hotel fahren würde. Wir luden alles in einen relativ 'gebrauchten' Kombi und dann ging es los.

Der Illimani über El Alto
Der Illimani über El Alto

Der Flughafen liegt ja mitten in 'El Alto', einem der Vororte (Vorort, haha, El Alto ist für sich schon riesig) von La Paz. El Alto liegt noch gänzlich auf dem Altiplano und ist komplett flach. Es ist aber eine lebendige Siedlung und wir bekamen schon mal einen kleinen Eindruck von Bolivien: der Verkehr war dicht, Regeln gab es wenige und das gesamte Leben schien auf der Straße stattzufinden. Wir sahen Indigeñas in traditioneller Kleidung mit Waren in bunten Tüchern direkt neben Mädchen in Leggins, hohen Stiefeln und kurzen Jacken. Und überall wurde verkauft was das Zeug hielt: Obst, Gemüse, Essen, Haushaltswaren, Fahrräder, alles!

Straßenszene in El Alto
Straßenszene in El Alto

Und doch war das alles nur der Vorgeschmack auf La Paz. Unser Taxi kam an den Rand des Kessels, in dem La Paz liegt, und wir hatten einen ersten Blick auf die Stadt. Das Stadtzentrum liegt etwa 500 Meter tiefer als das Altiplano im Talschluß der Schlucht und die Stadt breitet sich von da in alle Richtungen aus und zwar sowohl weiter runter ins Tal (da ist es wärmer und weniger windig, da wohnen die Reichen) als auch die teilweise extrem steilen Wände hinauf (wo es kälter und unangenehmer ist, hier wohnen die Armen).

Straßenszene in La Paz
Straßenszene in La Paz

Man hat vom Rand des Canyons einen großartigen Blick auf die Cordillera Real mit dem Illimani, der ganz besonders prominent über der Stadt thront. Das Taxi fuhr kurz quer auf einer der breiten Einfallstraßen in den Canyon und bog dann rechts ab und wir tauchten ein ins pralle Leben von La Paz.

Obst- und Gemüse-Verkauf
Obst- und Gemüse-Verkauf

Die großen Einfallstraßen haben vergleichsweise wenig Steigung, unser Taxifahrer aber nahm Nebenstraßen, die quasi senkrecht bergab führten (so steile Straßen werden bei uns gar nicht gebaut!). Alle paar Querstraßen war der direkte Weg nach unten versperrt und wir mussten kurz mal quer fahren, dann ging es senkrecht weiter runter. Zwischenzeitlich machte ich mir echt Sorgen, ob demnächst die Bremsen des Taxis heiß laufen würden, aber der Ralle meinte nur: "Ach was, der kennt sein Taxi!" Es sah so aus :-)

Je weiter wir uns dem Zentrum von la Paz näherten, umso voller und wuseliger wurde die Stadt. Überall sausten Menschen, Autos, Roller, Busse und Mopeds durcheinander (bergauf mit geradezu unglaublichen Qualmwolken) und es wurde auf jedem freien Meter irgendwas verkauft. Auch hier gab es wieder eine interessante Mischung von Indigeñas in traditioneller Kleidung (immer Frauen) und 'ganz normalen' Leuten.

Verkehr
Verkehr

Unser Taxifahrer versuchte immer wieder mal, mit uns zu kommunizieren und nahm dafür sein Smartphone mit einer Übersetzungs-App, aber das was da auf Englisch aus seinem Spanisch produziert wurde, war nicht sehr verständlich. Ich versuchte, so gut es ging, zu antworten, aber gab mir nicht viel Mühe. Ich fand, er sollte mit voller Aufmerksamkeit fahren!

Auf dem GPS verfolgte ich, wie wir uns unserem Hotel näherten und dabei immer schmalere Straßen durchfuhren. Die letzte Straße war grad mal so breit wie das Auto und als wir kamen, mussten Leute ihre Waren aus dem Weg räumen!

Unser Hotel, das Estrella Andina lag dann an einer etwas breiteren Straße, die mit vielen Fähnchen quer über die Straße geschmückt war. Das Hotel sah recht unscheinbar aus, ein schmaler verglaster Eingang, sonst war es kaum zu erkennen. Es gab ein paar Probleme mit Parken (zuviel Verkehr), dann schleppten wir unser Zeug ins Hotel. Der Taxifahrer half mit, dann verabschiedete er sich.

Im Hotel checkten wir ein. Das war anfangs etwas kompliziert, bis wir den Namen des Diamir-Vertreters in Boliven nannten. Dann war alles klar und wir bekamen unser Zimmer.

Ich fragte auch noch, ob es eine Nachricht für uns gäbe, aber das wurde verneint. Das Programm der Agentur sollte erst am nächsten Tag anfangen, aber so was wie 'Willkommen in Bolivien' und so ein mini-kleines Bisserl Information, wann was wo wer, usw. wäre schon nett gewesen. Wir fühlten uns ein wenig allein gelassen, aber nach der perfekten Rundrum-Betreuung in Peru war das vielleicht zu erwarten.

Wir gingen erst mal in unser Zimmer (5. Stock, recht groß mit Blick auf La Paz Zentrum und den Illimani), packten ein wenig aus und wuschen uns. Dann waren wir ein wenig ratlos, wie wir weitermachen sollten und weil wir bisher kaum was zum Essen bekommen hatten, beschlossen wir erst mal ein wenig rumzulaufen und zu schauen, was es wo gäbe.

Blick as dem Hotelfenster über La Paz auf den Illimani
Blick as dem Hotelfenster über La Paz auf den Illimani

Vorm Hotel wandten wir uns nach links, denn da war ein Geldautomat, wie wir von der Dame an der Rezeption erfahren hatten. Endlich mit Bolivianos ausgestattet, konnte die Besichtigung von La Paz jetzt starten. Wir gingen erst mal vor bis zur einer riesigen Kreuzung mit Kreisverkehr, wo es nur so wuselte von Menschen. In den Kreisverkehr mündeten 6 verschiedene Straßen ein, alle steil, nur unsere war waagerecht, überall wurde Zeug verkauft und wir waren ziemlich überwältigt.

Es gab allerorten etwas zu essen, offene Verkaufsstände und Schnellrestaurants, allerdings trauten wir uns da nicht ran. Unsere Mägen waren noch total gestresst von Peru und in Bolivien gab es sicherlich noch ein neue paar Keime, die uns flachlegen würden. Nach einigem Suchen gingen wir schließlich in ein Restaurant, in dem es ein 'Tagesgericht' gab. Da waren wir die einzigen Touristen und es hatte den Charme einer Bahnhofswartehalle.

Immerhin gab es Bier und der Ober war sehr nett und gab sich alle Mühe mit uns nicht-spanisch-sprechenden Touristen. Wir bekamen eine Gemüsesuppe (sehr gut) und ein Hauptgericht (Ralle Steak mit Reis ohne Soße, ich Hühnerschenkel mit Kartoffeln, beides OK). Dann kauften wir viel zu trinken (Cola, Wasser und Bier) und gingen zurück ins Hotel.

Bemalte Sitzeecke im Hotel
Bemalte Sitzeecke im Hotel

Das Hotel ist zwar recht einfach (3 bolivianische Sterne), aber es ist sehr hübsch hergerichtet. Alles ist mit farbenfrohen Bildern bemalt, die dem Hotel einen fröhlichen Touch geben. Im Stockwerk unter uns entdeckten wir eine Art überdachte Terrasse mit einer Hollywood-Schaukel und machten es uns da mit unserem Bier gemütlich (soweit es ging - die Schaukel hatte die besten Zeiten schon lang hinter sich). Wir schienen die einzigen Gäste des Hotels zu sein, in den knapp zwei Stunden, in denen wir da rumhingen (und teilweise dösten), sahen und hörten wir lediglich eine einzelne Putzfrau.

Die Freiluft-Terrasse mit Hollywood-Schaukel
Die Freiluft-Terrasse mit Hollywood-Schaukel

An der Rezeption fand sich noch immer keine Nachricht für uns, deswegen kontaktierte ich den bolivianischen Reiseleiter (von Richie wusste ich, dass er sich zu der Zeit in Deutschland aufhielt) und fragte, wie es denn nun weiter gehen sollte. Wir fühlten uns hier etwas allein gelassen.

Eine Antwort kam relativ bald und nach einigem Hin-und-Her (ein dickes Yay! für WhatsApp!) wussten wir dann, dass der Taxifahrer uns eigentlich hätte informieren sollen (was er ja vielleicht auch versucht hatte, das war allerdings grandios schief gegangen), dass uns am nächsten Tag um 9 unsere Führerin für La Paz, Gladys, abholen sollte und dass am Tag drauf, gegen Mittag, unser Guide Hugo mit dem Fahrer Porfidio auftauchen würde, um mit uns in den Sajama Nationalpark zu fahren. Uffff!

Nachdem nun endlich alle Unklarheiten beseitigt waren, konnten wir uns entspannen. Dazu wurde erst mal ausgiebig geduscht (viel und heißes Wasser!), dann besahen wir uns in der langsam aufziehenden Dämmerung die Straße unter uns und überlegten, wo wir wohl was Ordentliches zu Essen herbekommen könnten. So richtig super war das Mittagessen ja nicht gewesen. Und da sah ich schräg rechts gegenüber ein Schild: 'Mozzarella'. Na, wenn das mal keine Pizzeria war.

La Paz bei Nacht
La Paz bei Nacht

Wir gingen hin und natürlich war es eine Pizzeria. Winzig klein aber mit einem echten Steinofen und es gab sogar kaltes Bier. Und noch besser: die Pizzas waren großartig! Gäbe es daheim eine Pizzeria mit so guten Pizzas, würde die umgehend zu einer der Stammkneipen werden. Wenn also mal jemand in La Paz unbedingt was richtig Gutes, Touri-geeignetes zum Essen braucht: Ich empfehle wärmstens das Mozzarella in der Avenida Illampu! Wir genossen den Abschluss dieses doch recht anstrengenden Tages sehr und spazierten zurück zum Hotel.

Dort wurde unter den netten Fähnchen über die Straße, die ich am Vormittag noch so hübsch gefunden hatte, eine Bühne aufgebaut und Stühle bereit gestellt. Rechts und links der Straße fingen Leute an, Essenstände aufzubauen und ein Laster mit Paceña, eine bolivianischen Biermarke, lud haufenweise Bierkisten ab. Uns schwante Übles, es war ja Freitag.

Zu Recht. Um etwa 21:00h fing da unten eine Party an, deren Hauptzweck vor allem Lautstärke zu sein schien. Unsere Fenster waren dem nicht mal ansatzweise gewachsen und Ohrstöpsel (Ralle) halfen auch nur bedingt. Auch meine Methode des 'intensiven Weghörens' klappte nicht besonders. Unsere Hoffnung, dass die Party gegen Mitternacht abklingen würde, erfüllte sich auch nicht. Erst gegen 4 Uhr wurde es leider da draußen. Mannomann! Die Nacht war echt eine Tortur!

Das Grauen beginnt
Das Grauen beginnt

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