Zum Nationalpark Sajama

01.10.2017

Übernachtung: Hostal Sajama, Sajama, 4240m

An diesem Morgen waren wir genauso gerädert wie am Vortag und wollten nur noch weg von La Paz. Wir ließen uns Zeit mit dem Frühstück, diskutierten danach mit unserem Guide Hugo Ayaviri, der extra dafür kurz ins Hotel gekommen war, was wir für die nächsten Tage im Nationalpark Sajama brauchen würden und klärten mit dem Hotel, wo und wie wir unser restliches Gepäck verstauen konnten. Dann packten wir den Rest und waren bereit La Paz zu verlassen.

Pünktlich zum verabredeten Zeitpunkt kamen Hugo und Porfidio (Porfi) mit einem Jeep und wir durften La Paz verlassen. Der Weg aus dem Stadtkessel raus war lang und wir hielten oben nochmal an einem Aussichtspunkt, um die Stadt zu betrachten. Der Anblick war noch immer überwältigend, auch weil wir diesmal den größten Teil der Cordillera Real vor uns hatten, allem voran natürlich wieder Illimani und links davon auch der Huayna Potosí, den die beste Mama schon bestiegen hat.

Ein letzter Blick über La Paz
Ein letzter Blick über La Paz

Danach ging es 400 Kilometer übers Altiplano, erst direkt nach Süden, später dann nach Osten, Richtung Chile, Arica und Meer. Kurz vor der Grenze liegt der Nationalpark Sajama, direkt gegenüber dem Nationalpark Lauca in Chile, in dem wir 2010 gewesen waren.

Auf der Fahrt nach Sajama
Auf der Fahrt nach Sajama

Die Fahrt war lang und langweilig, denn das Altiplano ist wie es heißt: hoch und flach. Bemerkenswert war der Wind, der gelegentlich lange Staubfahnen über das Hochland trieb. Hugo zeigte uns aber auf seiner Wetter-App, dass der Wind in den nächsten Tagen nachlassen sollte. Die Vorsage versprach auch schönes Wetter, alles bestens also. Einmal überholten wir einen Radler mit dicken Packtaschen, der sich mühsam gegen den Wind stemmte und auch Richtung Chile unterwegs war. Beeindruckend, aber das sah nicht vergnüglich aus.

Interessant wurde es, als wir uns Chile näherten. Erst tauchte weit hinten, durch den Staub in der Luft kaum zu erkennen, der Sajama auf, dann schälten sich Parinacota und Pomerape auf der einen Seite und Humarata und Acotango auf der anderen Seite aus dem Dunst und Staub.

Der Sajama
Der Sajama
Links Acotango und Humarata, rechts Parinacota und Pomerape (in der Mitte Quisiquisini)
Links Acotango und Humarata, rechts Parinacota und Pomerape (in der Mitte Quisiquisini)

Kurz vor der Grenze bog Porfi nach rechts von der Teerstraße ab und wir fuhren auf einer Piste auf den Sajama zu. Direkt am Bergfuß liegt das Dorf Sajama, wo wir im Hostal Sajama die nächsten Tage verbringen würden.

Ankunft im Hostal Sajama, vorm Jeep steht Porfi
Ankunft im Hostal Sajama, vorm Jeep steht Porfi
Unser "Zimmer" ist links
Unser "Zimmer" ist links

Die 'Zimmer' des Hostals sind kleine Hüttchen mit einem Dach aus Ichu-Gras im Hinterhof, die einfach eingerichtet sind und sehr nett aussehen. Man bot uns zunächst ein 'Matrimonial' also ein Doppelbett an, aber das Zimmer drum herum war so winzig, dass wir doch lieber zwei Einzelbetten wollten. Das Zimmer war allerdings nicht viel größer.

Das "Zimmer" von innen
Das "Zimmer" von innen

Wir machten noch aus, wann wir uns wo zum Abendessen einfinden sollten, dann waren wir uns selbst überlassen. Wir nutzten die freie Zeit für einen Spaziergang durchs Dorf - was in ziemlich genau 5 Minuten erledigt war, denn das Dorf besteht nur aus ein paar Häusern, einer Schule und einer Kirche. Die Kirche sieht recht alt aus und steht am Hauptplatz des Dorfes. Dort waren auch zwei Läden und eine Bank in der Sonne mit schönem Ausblick auf die Vulkane an der chilenischen Grenze.

Der Dorfplatz von Sajama
Der Dorfplatz von Sajama
Die andere Seite des Dorfplatzes von Sajama
Die andere Seite des Dorfplatzes von Sajama

Wir kauften ein Bier, eine Tüte Schokokekse und setzten uns in die Sonne. Die Sonne heizte durchaus ein, aber der kalte Wind - Sajama liegt auf 4200m - war ziemlich unangenehm. Nach dem Bier gingen wir zurück in unser Hüttchen, aber da war es auch kalt, deswegen landeten wir bald im Bett unter ungefähr 20 Wolldecken.

Die grob gewebten Decken waren optisch ganz hübsch, aber unheimlich schwer und wärmten kaum. Allen Decken war gemein, dass sie sehr rau und hart waren. Ralle fühlte sich von den Decken bald nahezu erdrückt und legte ein paar beiseite, ich fand das Gewicht nicht besonders unangenehm. Wir wurden aber beide unter dem Deckenstapel nicht richtig warm und zogen dann schließlich die Daunenjacken an. Dann wurde es angenehm.

Bei der morgendlichen Diskussion mit Hugo, was wir alles brauchen würden, hatte der gemeint, Schlafsäcke und Matten seien nicht nötig und ich hatte daraufhin umgehend beides aus der Tasche geworfen. Der Ralle hatte darüber eine Weile nachgedacht und vor allem den Schlafsack nur widerwillig (aber freiwillig!) rausgenommen. Nun bereute er das bitterlich.

Da wir noch immer von den beiden schlaflosen Nächten gerädert waren, stellte ich vorsichtshalber das Handy zum Aufstehen fürs Abendessen und das war auch nötig: wir schliefen beide ein. Das Aufstehen fiel uns echt schwer, aber wir brauchten unbedingt was zum Essen.

Wir waren die ersten im Gastraum des Hostals. Immerhin war aber ein Tisch gedeckt, wir waren also die einzigen Gäste. Im Gastraum war es aber sakrisch kalt, was kein Wunder war, denn weder die Türen noch die Fenster schlossen richtig und es zog überall rein. Dafür stand aber ein wunderbarer Heizstrahler direkt an unserem Tisch und netterweise wurde der auch bald angemacht. Wir stellen uns erst mal drunter und genossen die Wärme während wir auf Hugo und Porfi warteten.

Ralle unter der Heizung des Gastraums vom Hostal Sajama
Ralle unter der Heizung des Gastraums vom Hostal Sajama

Das Abendessen war gut. Erst eine Gemüsesuppe, dann Hähnchen mit Gemüse und Reis, zu Ralles Leidwesen aber ohne Soße, und als Dessert ein Törtchen-Schokoriegel. Allerdings schafften weder der Ralle noch ich allzuviel von dem Essen. Mein Verdauungssystem war schon seit Tagen nicht so toll, dem Ralle war das Essen ganz einfach zu trocken. Hugo nahm sich alles, was wir übrig ließen und verzehrte es mit Genuss.

Zum Abschluss besprachen wir den nächsten Tag. Hugo meinte, das Wetter würde prima werden, wir seien ja eh nicht weit vom Berg weg und schwierig würde das alles auch nicht werden. Er sähe keinen Grund mitten in der Nacht loszugehen und würde deswegen einen Start um 6:00h hier vorschlagen. Tagsüber Bergsteigen finden wir auch viel schöner als im Dunklen Rumstolpern, natürlich waren wir auch dafür. Frühstück war für 5:30h angesetzt.

Wir legten uns mit dicken Socken, langen Unterhosen und den Daunenjacken ins Bett. So wurde es uns bald warm und wir konnten einschlafen.

Bilder:
Ein letzter Blick über La Paz   Auf der Fahrt nach Sajama   Der Sajama   Links Acotango und Humarata, rechts Parinacota und Pomerape (in der Mitte Quisiquisini)   Ankunft im Hostal Sajama, vorm Jeep steht Porfi   Unser "Zimmer" ist links   Das "Zimmer" von innen   Der Dorfplatz von Sajama   Die andere Seite des Dorfplatzes von Sajama   Ralle unter der Heizung des Gastraums vom Hostal Sajama  

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