EngelChronik 2017 - Peru & Bolivien

Pisac und Ollantaytambo

14.09.2017

Übernachtung: Hotel Santuario Machu Picchu, Aguas Calientes, 2040m

Wir trafen uns mit leichtem Gepäck (lediglich ein Rucksack mit einmal Übernachtungs- und Berg-Zeug) relativ früh um 7 zum Frühstück und fuhren schon eine Stunde später - zusammen mit Manuel, der auch an diesem Tag unser Guide sein würde - ins 'Heilige Tal der Inka'.

Das ist das Tal des Rio Urubamba (der ursprünglich ganz anders heißt, aber von den Spanieren, weil das Wort so kompliziert ist - ich konnte es mir auch nicht merken - nach einer der Ortschaften im Tal benannt wurde) und sein Hauptmerkmal ist, dass sich da sehr fruchtbares Schwemmland in einem sehr breiten Talboden befindet, das ideal für den Anbau von Mais und Kartoffeln und anderem Zeug ist. Wir bekamen den ersten Blick auf das Tal von einem Aussichtspunkt aus und konnten von dort oben gut sehen, dass unten schon die ersten Felder frisch bestellt waren und der Mais zu wachsen begann.

Der erste Blick ins fruchtbare Urubamba-Tal
Der erste Blick ins fruchtbare Urubamba-Tal

An diesem Aussichtspunkt war auch eine Indigeña-Frau, die längliche Tüten mit eingeschweißten und bezeichneten Maiskörnern anbot. Manuel nutzte so eine Tütchenkette gleich, um die Vielfalt der angebauten Früchte zu demonstrieren. Neben vielen Sorten Mais, waren viele Sorten Bohnen, Quinoa und Anderes abgepackt. Und am Ende war ein Kokablatt. Ich war fasziniert und begeistert und kauft der Dame das ganze Ding mit den 30+ verschieden Samen für 10 Soles ab, Kokablatt hin oder her (sooo gute Nasen werden die Flughafen-Drogenhunde ja wohl auch nicht haben!). Jetzt hängt es dekorativ in meiner Münchner Küche und ich freue mich daran :-)

Wir bekommen Anbau-Saaten erklärt
Wir bekommen Anbau-Saaten erklärt

Schon von diesem Punkt konnten wir unser nächstes Ziel - das alte Pisac - sehen, aber wir hielten kurz drauf an einem weiteren Aussichtspunkt direkt gegenüber nochmal. Manuel erklärte, dass von hier aus der Felsen unter dem alten Pisac einem Kondor ähneln würde, aber das überforderte mal wieder die mir zur Verfügung stehende Vorstellungskraft. Manuel hatte ein Buch dabei, wo die Kontur des Kondors abgebildet war, aber auch im Nachhinein - anhand der Bilder und des Fotos - kann ich das nicht sehen. Egal :-)

Wie das alte Pisac einem Kondor ähneln soll
Wie das alte Pisac einem Kondor ähneln soll
Das Alte (oben) und das Neue (unten) Pisac. Wo ist der Kondor?
Das Alte (oben) und das Neue (unten) Pisac. Wo ist der Kondor?

Wir fuhren mit dem Bus hinauf zum alten Pisac und stiegen dort aus. Man sah der alten Festung auf dem Felssporn noch sehr gut an, dass sie mal bewohnt war. Schade war, dass die vielen steilen Terrassen, auf denen man früher Ackerbau betrieben hatte, nicht mehr bewirtschaftet werden. Das würde wirklich super aussehen (und viel Handarbeit bedeuten!).

Die Terrassen des alten Pisac von der Zufahrt aus
Die Terrassen des alten Pisac von der Zufahrt aus
Das alte Pisac und die beeindruckenden Terrassen
Das alte Pisac und die beeindruckenden Terrassen
Das alte Pisac
Das alte Pisac

Leider gingen wir nicht hinauf zu den Pisac-Ruinen, die malerisch vor uns in der Sonne lagen, sondern stiegen direkt ab zum modernen Pisac. Das war aber ein ausgesprochen schöner Spaziergang. Wir starteten an oben an den Terrassen und gingen zunächst hinab zu einem Satellitendorf von Pisac, wo es Ruinen eines Sonnentempels gab, die ähnlich ausgesetzt wie das alte Pisac auf einem Felssporn im Grat des 'Kondor-Rückens' lagen. Im weiteren Abstieg kamen wir noch an malerisch restaurierten Vorratsspeichern vorbei und stiegen im letzten Abschnitt dann recht steil ins 'moderne' Pisac hinab, wo wir direkt im Tourimarkt landeten.

Tor im Abstieg
Tor im Abstieg
Sonnentempel in den Ruinen auf dem halben Abstieg
Sonnentempel in den Ruinen auf dem halben Abstieg

Dort bekamen wir eine knappe Stunde vor der Weiterfahrt. Ralle und ich gönnten uns Kaffee und ein Sandwich auf dem Balkon eines sehr netten Cafés am Rand des Tourimarkts. Die anderen nutzten die Zeit zum Einkaufen. Das war schlauer als unser Sandwich, lernten wir umgehend, nachdem wir wieder in den Bus eingestiegen waren, denn der nächste Stopp war an einer Hacienda eingeplant, wo es ein 'Peruanisches Buffet' geben sollte. Tja, dumm gelaufen, wir waren eigentlich ziemlich satt (natürlich war das auch im Programm gestanden, aber das weiß man ja nicht in jedem Detail auswendig).

Ganz so schlimm war das mit dem Buffet dann aber doch nicht, denn auch nach einem Sandwich hat ja noch ein wenig Essen Platz im Bauch. Wir nahmen von allem was interessant aussah (und nicht offensichtlich Koriander enthielt) ein wenig und probierten uns so durch das meiste, das angeboten wurde. Dass Koriander auch in Form von Samen kommt, lernten wir dabei auch ;-) Vieles war gut, einiges seltsam und manches eklig (gelee-artige Würfel aus irgendwas, das der Ralle gar nicht erst genommen hatte) und am Ende waren wir absolut pappsatt und konnten nur noch zum Bus rollen.

Wir geniessen das Peruanische Buffet
Wir geniessen das Peruanische Buffet
Zur Unterhaltung spielt eine Band (wir kauften den Jungs eine CD ab)
Zur Unterhaltung spielt eine Band (wir kauften den Jungs eine CD ab)

Da traf es sich gut, dass wir an unserem nächsten Stopp etwa eine halbe Stunde später in Ollantaytambo beeindruckend steile Treppen hinaufsteigen mussten. Der volle Bauch zog schwer nach unten, aber wir schafften es trotzdem ;-) Die Ruinen von Ollantaytambo waren voller Touristen. Beeindruckend viele, aber auf meine Frage, ob das nun vergleichbar zu Machu Picchu sei, meinte Manuel grinsend: 'Da wird es noch viiiiel voller werden.' Na prima!

Die Tempelanlage von Ollantaytambo (mit
Die Tempelanlage von Ollantaytambo (mit 'ein paar' Leuten)

Wir sausten im Eilzugtempo durch die Ruinen, was ein wenig schade war, denn es gab neben der beeindruckenden Monolithenwand da durchaus noch einiges zu sehen. Aber wie immer an diesem Tag drängte die Zeit. Die Monolithen wurden übrigens von einer Wand weit oben von einem Berg auf der gegenüberliegenden Seite des Tales bis zum Tempelberg geschafft. Manuel erklärte, dass dies wegen der roten (naja, eher orangenen) Farbe der Steine gemacht worden war. Er wies auch auf die andere Seite eines Seitentals hin, wo auf halber Höhe interessant aussehende Gebäude in den Hang gezimmert worden waren: Vorratshäuser mit Kühlung.

Vorratshäuser auf der anderen Talseite über Ollantaytambo
Vorratshäuser auf der anderen Talseite über Ollantaytambo

Wir waren die steile Haupttreppe hinauf gestiegen und stiegen nun an einer nur marginal weniger steilen Seitentreppe wieder hinunter. Wir kamen an einem Gebäude vorbei, wo am kürzesten Tag des Jahres (21. Juni, Peru liegt ja auf der anderen Seite des Äquators) die Sonne genau vorbei an der Nase eines 'Gesichts' im Grat des Berges gegenüber auf eine Quelle trifft. Das Gesicht ist das von Viracocha, dem Inka-Gott der Schöpfung.

Die Tempelanlage von Ollantaytambo von unten
Die Tempelanlage von Ollantaytambo von unten

Nach der schnellen Runde durch die Ollantaytambo-Ruinen wurden wir zum Bahnhof gefahren und warteten auf unseren Zug nach Aguas Calientes, dem Dorf unter Machu Picchu. Weil wir Ausländer sind (und damit alle die Lizenz haben, uns zu schröpfen ;-)), dürfen wir nicht mit dem günstigen Einheimischen-Zug fahren (was laut Richie aber nur gut ist, denn der ist immer extrem voll und dort mitfahren hat was von Kriegszustand), sondern müssen den teuren VIP-Zug nehmen, wo für jeden ein Sitz reserviert ist und nur mitfahren darf, wer eben diesen Sitz reserviert hat. Wir freuten uns sehr lange über das außer uns völlig leere Abteil, bis eine große Gruppe Japaner kam. Wäre ja auch zu schön gewesen ;-)

Unser VIP-Zug fährt in den Bahnhof ein
Unser VIP-Zug fährt in den Bahnhof ein
Dann fährt er weg und kommt auf unserem Gleis wieder
Dann fährt er weg und kommt auf unserem Gleis wieder
Im (noch) leeren Zug-Abteil vor der Abfahrt
Im (noch) leeren Zug-Abteil vor der Abfahrt

Der Zug rumpelte los und fuhr - reichlich wackelig - langsam den Rio Urubamba hinab. Der Zug wackelt so, weil der Zug nach Machu Picchu eine Schmalspurbahn ist (keinen vernünftigen Link dazu gefunden) ist. Im VIP-Zug bekommt man nicht nur einen garantierten Sitzplatz, sondern auch wie im Flugzeug einen kleinen Snack und etwas zu trinken.

Als wir den Fluss hinab Richtung Aguas Calientes zuckelten, änderte sich die Landschaft und Vegetation vor den Zugfenstern signifikant. Das Tal wurde deutlich schmaler und tiefer und anstelle des kargen Graslandes breiteten sich bald Büsche und Bäume aus. Am Ende befanden wir uns in einem tiefen Canyon mit regenwaldähnlicher (zumindest was die Dichte angeht) Vegetation. Die Sonne war dann auch weg und über uns hingen dichte Wolken. Aber da war es dann eh schon dunkel.

Wir wurden von einem Hotel-Angestellten mit einem großen Gepäck-Karren erwartet, aber da wir ja nur mit Minimalausrüstung angereist waren, schob der junge Mann den Karren leer wieder zurück. Wir bekamen ein sehr schönes Zimmer im Hotel Santuario Machu Picchu und trafen uns kurz darauf wieder, um zum Abendessen zu gehen.

Gerade als wir drauf und dran waren loszugehen, spazierte Benno Schlauri (Link auf Hauser, obwohl wir mit Amical unterwegs gewesen waren) zur Tür hinein, unser Bergführer aus Ecuador. Ich sah nur jemanden, der mir vage bekannt vorkam und hätte gar nicht reagiert, aber Paul sprach ihn direkt an. 'Benno? Was machst Du denn hier?' Und dann stellte sich heraus, dass Benno sowohl mit den Steirer Buam (allen Dreien) und mit Rolf (scheints öfter) als auch mit uns schon unterwegs gewesen war. Unabhängig voneinander und zu völlig verschiedenen Zeiten und Touren und nun trafen wir ihn hier alle zusammen auf einer anderen Tour. Manche Zufälle sind so unwahrscheinlich, dass man eine solche Szene aus einem Roman wohl gestrichen hätte ;-)

Wir redeten nur kurz miteinander, dann musst Benno weiter. Keiner hatte so recht Hunger, weil wir alle noch recht abgefüllt vom Peruanischen Buffet waren und so suchten wir uns nur eine Pizzeria, um dort eine Kleinigkeit (in unserem Fall eine halbe Pizza) zu essen. Natürlich gab es Bier dazu.

Auf dem Rückweg ins Hotel fing es an zu regnen. Ich hoffte sehr, dass das kein schlechtes Zeichen für den nächsten Tag sein würde. Die Nacht würde kurz werden, denn Richie setzte das Frühstück für 4 Uhr an.

Bilder:
Der erste Blick ins fruchtbare Urubamba-Tal   Wir bekommen Anbau-Saaten erklärt   Wie das alte Pisac einem Kondor ähneln soll   Das Alte (oben) und das Neue (unten) Pisac. Wo ist der Kondor?   Die Terrassen des alten Pisac von der Zufahrt aus   Pflügen auf Peruanisch   Das alte Pisac und die beeindruckenden Terrassen   Das alte Pisac   Tor im Abstieg   Sonnentempel in den Ruinen auf dem halben Abstieg   Wir geniessen das Peruanische Buffet   Zur Unterhaltung spielt eine Band (wir kauften den Jungs eine CD ab)   Die Tempelanlage von Ollantaytambo (mit   Vorratshäuser auf der anderen Talseite über Ollantaytambo   Die Tempelanlage von Ollantaytambo von unten   Unser VIP-Zug fährt in den Bahnhof ein   Dann fährt er weg und kommt auf unserem Gleis wieder   Im (noch) leeren Zug-Abteil vor der Abfahrt  

vorher zurück       »Start«       weiter nachher

Weblog
Urlaub
Berge & So
Ich