EngelChronik 2017 - Peru & Bolivien

Montana Machu Picchu und Machu Picchu

15.09.2017

Übernachtung: Hotel El Andariego, Cusco, 3400m

Die ganze Nacht über hatte es geregnet (zumindest zu den Zeiten, zu denen ich kurz aufgewacht war). Wir hatten uns schon auf einen sehr nassen Tag eingestellt und die Rucksäcke entsprechend umgepackt, aber kurz bevor wir zum Frühstück runter gingen, hörte es auf. So soll das sein!

Beim Frühstück fehlte der Steirer Teil der Steirer Buam. Richie trommelte die Jungs aus den Betten (Handy-Programmier-Problem ;-)) und wir konnten pünktlich um 5 zum Aufstieg auf den Machu Picchu Berg starten.

Was wir beim Packen des Leicht-Gepäcks nicht bedacht hatten war, dass wir im Stockdunklen losgehen würden und so hatten wir 8 Leute genau 2 Stirnlampen. Für den Marsch auf einer mittelprächtig glatten Lehmpiste reicht das grad so aus. Wir gingen bis zur Brücke über den Rio Urubamba, wo der eigentliche Anstieg nach Machu Picchu beginnt und zeigten dort zum ersten Mal unsere Tickets und Ausweise vor.

Zu diesem Zeitpunkt wurde es gerade langsam dämmrig, so dass es keine Rolle spielte, dass die erste Stirnlampe mit Paul bald vorn verschwand und die zweite Stirnlampe mit Rolf bald etwas zurück blieb. Nach wenigen Metern auf der Lehmpiste konnten wir auf den Fußweg abbiegen, ein recht gut ausgebauter, gestufter Pfad durch den Regenwald. Es war zwar kühl aber sehr feucht.

Langsam wird es hell und wir sehen wo wir gehen
Langsam wird es hell und wir sehen wo wir gehen

Je höher wir kamen, umso deutlicher schälte sich die Landschaft aus dem Dunkel und Dunst und Nebel des Waldes. Tief unter uns wand sich der Fluss durch ein schmales Tal mit extrem steilen Wänden, die über und über mit dichter Vegetation bedeckt waren. Die steilen Talwände lösten sich oben in scharfe Sporne auf, bis oben grün bewachsen. Nebel waberte um die Sporne und verlieh der Landschaft einen mystischen Touch.

Mystische Landschaft schält sich aus dem Dunkel und Nebel
Mystische Landschaft schält sich aus dem Dunkel und Nebel

Unter der Vegetation, wo die lange Schlange (naja, ganz so schlimm war es nicht, es stiegen einzelne Grüppchen auf) der Zu-Fuß-Aufsteiger den Fußweg hinauf stieg, war es nicht ganz so mystisch. Wir schwitzten (bzw. kondensierten), ließen uns von den diversen Bäumen Wasser in den Nacken tropfen, überholten Leute und ließen uns von anderen Leuten überholen, bewunderten zwischendurch die Gegend und versuchten Fotos zu machen, was wegen der Lichtverhältnisse nicht ganz einfach war (vor allem ich verwackelte natürlich so gut wie alles).

Wir mussten immer wieder die Lehmpiste kreuzen und sahen da auch hin und wieder einen Bus. Es war uns schon klar, dass wir nicht allein da hinauf stiegen, aber als wir am Ende des Fußweges auf den Platz vor dem Eingang zu Machu Picchu kamen, traf uns trotzdem fast der Schlag. Da standen Hunderte von Menschen in der Schlange! Nunja, Manuel hatte uns ja vorgewarnt. Wir stellten uns also an und erwarteten die Öffnung, die auch bald erfolgte.

Der Eingang zu Machu Picchu: voll!
Der Eingang zu Machu Picchu: voll!

Trotz der vielen Menschen ging der Einlass einigermaßen schnell. Man musste wie unten das Ticket und den Ausweis vorzeigen und durfte dann durch die Schranke treten. Der Eingang liegt sehr schlau. Man kann weder vom Aufstieg noch vom Wartebereich irgendwas von Machu Picchu sehen. Sobald man aber durch den Eingang durch ist, braucht man nur ein paar Meter gehen und bekommt den ersten Blick auf die Anlage. Nachdem ich sooo lang drauf gewartet hatte, Machu Picchu endlich mal selbst zu sehen, war das großartig! Vor allem weil die Anlage noch ziemlich leer war und von mystischen Nebelschwaden umwabert wurde.

Der erste Blick auf die noch ziemlich leere Anlage
Der erste Blick auf die noch ziemlich leere Anlage

Die Menschenmengen strömten in die Anlage, wir aber bogen mit ein paar anderen nach links oben ab, um zum nächstgelegenen Ausgang zu gehen. Von dort geht der Weg weiter zum Machu Picchu Berg. Den darf man aus irgendwelchen Gründen nur Vormittags besteigen (und man muss bis 12 Uhr wieder unten sein, wenn ich das Schild richtig interpretiert habe) und natürlich auch nur mit Genehmigung (die sicherlich zusätzlich Geld kostet), deswegen wird der Ausgang kontrolliert (Ticket und Pass) und man muss sich in ein dickes Buch eintragen. Ralle und ich waren Nummer 10 und Nummer 11 für diesen Tag.

Über steile Treppen geht es hinauf zum Machu Picchu Berg
Über steile Treppen geht es hinauf zum Machu Picchu Berg
Regenwald-Vegetation mit interessant wachsenden Bromelien
Regenwald-Vegetation mit interessant wachsenden Bromelien

Der Weg auf den/die Montaña Machu Picchu ist breit ausgebaut, gepflastert (was angesichts der vielen Besteigungen und des lehmigen Untergrunds sicherlich eine sinnvolle Idee ist) und von unten bis oben gestuft. Die Stufen sind teilweise sehr steil und schmal und sind durchgehend sehr hoch. Mein Knie und ich fanden das arg stressig und ich nahm Stöcke. Rolf, dem Ralle seine Stöcke schon am Vortag geliehen hatte, meinte auch, dass das ganz schön hilfreich sei.

Es wird immer nebliger und fängt an zu regnen
Es wird immer nebliger und fängt an zu regnen

Die Steirer Buam mitsamt Simon waren bald vorn verschwunden, Ralle, Richie, Rolf und ich gingen langsam in abwechselnder Reihenfolge hinterher. Kurz nach dem Checkpoint hatte es angefangen zu nieseln, dann waren wir in die Wolken gekommen (glücklicherweise nicht ohne vorher einen letzten schönen Blick auf Machu Picchu zu bekommen) und das Nieseln wuchs sich langsam aber stetig zu Regen aus. Oben kam dann Wind hinzu und es wurde ernsthaft ungemütlich.

Der Weg wäre durchaus interessant, wenn man mehr sehen könnte ;-)
Der Weg wäre durchaus interessant, wenn man mehr sehen könnte ;-)

Das fanden die anderen auch, die uns kurz vorm Gipfel entgegen kamen, weil es oben einfach zu ungemütlich war. Am Gipfel hat es einen Unterstand, unter dem sich schon knapp 10 Leute drängten. Wir gingen nur kurz drunter, um noch was anzuziehen und gingen dann zum Gipfel mit dem Schild. Der Blick nach Machu Picchu hinunter war leider nicht erfreulich: alles weiß (das ist wirklich schade, denn auch das ist etwas, auf das ich mich wirklich gefreut hatte).

Vorm Gipfel-Häuschen
Vorm Gipfel-Häuschen
Am Gipfel vom Machu Picchu Berg
Am Gipfel vom Machu Picchu Berg

Nach einer kurzen Pause und ein paar Bildern stiegen wir wieder ab. Die viel zu hohen Stufen, die im Aufstieg bloß lästig und anstrengend gewesen waren, stressten mein Knie im Abstieg ganz ordentlich und ich war wirklich froh an den Stöcken. Am Checkpoint warteten die anderen. Wir trugen alle unsere Austrittszeit in das dicke Buch ein und gingen zum Treffpunkt mit Israel, unserem Guide für Machu-Picchu, mit dem Richie bereits telefoniert hatte.

Abstieg mit Lama
Abstieg mit Lama
Auf dem Weg in die Anlage von Machu Picchu
Auf dem Weg in die Anlage von Machu Picchu

Israel machte erst mal von jedem mit seiner eigenen Kamera Fotos vor Machu Picchu und führte uns dann auf einer der kürzeren Touren (Zeit mal wieder) durch die Anlage. Er erklärte an vielen Stellen alles Mögliche, was im Nachhinein irgendwie anders ist, als das was man in Wikipedia nachlesen kann (und ich bin wieder geneigt, eher dem Guide zu glauben), aber das war alles so viel und kondensiert und es war ja nass und kalt und ungemütlich, so dass ich das meiste wieder vergessen habe.

Vor Machu Picchu
Vor Machu Picchu
Richie, Andrea, Ralle, Simon, Steffen, Paul, Rolf, Franz
Richie, Andrea, Ralle, Simon, Steffen, Paul, Rolf, Franz
Bild von Simon

Hängen geblieben ist: Einer der Inka stellte die Weltordnung auf den Kopf und schenkte das fruchtbare Land am Boden des Urubamba-Tals den indigenen Bauern und verpflichtet diese im Gegenzug dazu ihm Arbeitskraft zu geben. Damit wurden die ganzen Inkastätten im Urubambatal und Cusco samt Sacsayhuaman erbaut. Alles quasi 'freiwillig' und ohne Sklavenarbeit (nunja). Machu Picchu selbst soll sowas wie eine Inka-Forschungsanstalt gewesen sein, wo an neuem Saatgut, verbesserter Bewässerung, Architektur und allem möglichen sonst forschte und das Wissen dann der Bevölkerung zukommen ließ. Klingt alles sehr schön, fast schon märchenhaft :-)

Auf dem Weg durch die Anlage
Auf dem Weg durch die Anlage
Der hintere Teil von Machu Pucchu
Der hintere Teil von Machu Pucchu

Wie erwartet und befürchtet war es in Machu Picchu reichlich voll. Allerdings kam uns da vermutlich das Wetter zugute, denn weil es so kalt und windig war und immer wieder ordentlich regnete, verbrachten die Leute vermutlich weniger Zeit dort als sonst und so war es zwar voll aber doch deutlich weniger überfüllt, als wir so angenommen hatten. Es war allerdings wirklich kalt und ungemütlich, denn auf so einer geführten Runde durch eine Kulturstätte bewegt man sich ja kaum. Am Ende reichte es uns dann wirklich (obwohl man da noch so viel anschauen und besteigen hätte können) und ich war echt froh, als wir uns dem Ausgang zuwandten.

Rückblick auf den vorderen Teil von Machu Picchu
Rückblick auf den vorderen Teil von Machu Picchu

Die hohen Stufen und das viele Herumstehen in der Anlage hatten meinem Knie den Rest gegeben und ich wollte mit dem Bus runter fahren. Eigentlich hatte keiner Lust, im Regen nach Aguas Calientes abzusteigen und alle wollten Bus fahren, dann aber stellte sich heraus, dass die elendslange Schlange von 300 Metern (nachgemessen!) für den Bus war. Die Steirer Buam und Simon machten auf dem Absatz kehrt, um zu Fuß abzusteigen, aber mein Knie war so weh, dass ich das einfach nicht machen wollte. Der Ralle blieb solidarisch bei mir (wenn auch leise grummelnd) und auch Rolf und Richie wollten den Bus nehmen.

Aguas Calientes
Aguas Calientes

Da fahren mindesten 25 Busse (durchnummeriert), deswegen war die Wartezeit dann doch nicht so lang wie befürchtet :-) Laut Simon sausten die Steirer Buam mit einem Affenzahn den Fußweg hinunter - vermutlich um den Bus zu schlagen, was sicherlich gelang ;-) Als wir runter kamen, suchte Richie erst mal nach den Fußgängern, die in der Nähe des vereinbarten Treffpunkts Bier tranken und ging mit uns dann in ein Café, wo wir uns Kaffee und etwas zu essen gönnten. Mir war kalt und ich nahm eine Suppe (Hühnersuppe mit Gemüse), Ralle und Richie aßen 'verrückte Kartoffeln' oder so ähnlich, Rolf blieb bei Kaffee.

Der Zug ist zurück in Ollantaytambo
Der Zug ist zurück in Ollantaytambo

Wir trafen uns kurz vor Abfahrt des Zuges am Bahnhof und der lange Rückweg begann. Erst mit dem Zug zurück nach Ollantaytambo, dann mit dem Bus zurück nach Cusco. Irgendwo auf der Zufahrt wurde mir dann schlecht. Nicht so sehr, dass ich direkt speien wollte, aber doch so sehr, dass ich mich mit einer leeren Tüte in der Hosentasche bewaffnete. Zurück in Cusco verweigerte ich das Abendessen, schickt den Ralle allein mit den Anderen weg, ging stattdessen ins Bett, trank viel Tee und vertraute darauf, dass Schlafen schon alles wieder richten würde.

Bilder:
Langsam wird es hell und wir sehen wo wir gehen   Mystische Landschaft schält sich aus dem Dunkel und Nebel   Der Eingang zu Machu Picchu: voll!   Der erste Blick auf die noch ziemlich leere Anlage   Über steile Treppen geht es hinauf zum Machu Picchu Berg   Regenwald-Vegetation mit interessant wachsenden Bromelien   Es wird immer nebliger und fängt an zu regnen   Der Weg wäre durchaus interessant, wenn man mehr sehen könnte ;-)   Vorm Gipfel-Häuschen   Am Gipfel vom Machu Picchu Berg   Abstieg mit Lama   Auf dem Weg in die Anlage von Machu Picchu   Vor Machu Picchu   Richie, Andrea, Ralle, Simon, Steffen, Paul, Rolf, Franz   Auf dem Weg durch die Anlage   Der hintere Teil von Machu Pucchu   Rückblick auf den vorderen Teil von Machu Picchu   Aguas Calientes   Der Zug ist zurück in Ollantaytambo  

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