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Figln

Samstag, Juni 03, 2017

Seit Jahren beneide ich Leute, die mir am Berg mit Figl entgegen kommen. Und seit Jahren kann ich mich nicht dazu entschließen, welche zu kaufen, weil die Dinger nicht grad günstig sind und zudem eher primitiv aussehen (vor allem die zum Schnüren, die eigentlich die einzig sinnvollen sind). Letzte Woche hing ich schon wieder lang auf Figl-Seiten herum und beschloss dann, dass das jetzt mal ausprobiert werden muss.

Am Freitag kam dann ein langes Paket. Wir packten 2 Paar Figl aus und betrachteten sie mit gemischten Gefühlen. Endlich Figl! Aber ob die was taugen? Immerhin, es sind recht hübsche Figl, ein Paar weiß, ein Paar schwarz.

Schnee gibt es inzwischen nur noch recht weit oben in Figl-tauglichen Mengen. Nach einigem Überlegen nahmen wir uns den Hochvogel vor. Das Kar unter der Kreuzspitze müsste ja eigentlich noch Schnee haben ...

Wir starteten relativ früh mit den Bikes am E-Werk und radelten am Giebelhaus vorbei bis zum Abzweig zum Prinz-Luitpold-Haus. Es war erstaunlich wenig los, was vermutlich daran liegt, dass das PLH noch nicht offen ist. Nach dem Giebelhaus waren wir so gut wie allein unterwegs.

Der Weg zum PLH zieht sich deutlich länger als wir gedacht hatten (in meiner Erinnerung ist man da in NullKommaNix oben, das täuscht aber). Wie erhofft fanden sich oberhalb ausgedehnte Schneefelder. Zur Kreuzspitze waren bisher nur wenige Leute gegangen, so dass der beste Allgäuer von Allen spuren musste/durfte.

Anfangs dachte wir, das Schneefeld im Kar sei ideal, weil es nicht sehr steil sei. Je näher wir aber dem Klettersteiglein zur Kreuzspitze kamen, umso steiler wurde das Schneefeld und die Aussicht, da oben das Figln lernen zu müssen, wurde langsam ein wenig unheimlich ;-)

Das Schneefeld tat meinem Knie nicht gut. Dauernd musste man den linken Fuß verdrehen und höher setzen als den rechten. Mit der Zeit fing es im Knie zu stechen an. Wir ließen deswegen den Hochvogel sausen (nix übertreiben am Anfang) und erklärten die Kreuzspitze zum Ziel. Das Klettersteiglein da hinauf war nochmal nett, dann machten wir Pause mit Blick auf den Hochvogel, der auch Besuch hatte.

Nachdem wir den Steig zurück bis an den Schnee abgestiegen waren, wurde es interessant. Allein schon die Figln im steilen Schrofengelände so anzulegen, dass man im Schnee zum Stehen kam, war eine Herausforderung. Als wir die gemeistert hatten, standen wir erst mal ziemlich ungelenk und unsicher auf den komischen kurzen Dingern und fragten uns, wie wir da jetzt eine Kurve hinkriegen sollten.

Immerhin das Gelände war gut gewählt - sollte einer ins Rutschen kommen, würde er einfach nur das Schneefeld runter rutschen ohne irgendwo aufzuschlagen. Der Schnee selbst war oben drauf relativ weich, drunter fest, aber vom Regen in unendlich viele Kuhlen gewaschen. Die ersten Kurven waren noch sehr sehr wackelig, dann gewöhnten wir uns an die Figl und kurvten vorsichtig das Schneefeld runter.

Das war ganz schön anstregend. Weil die Figl hinter den Schuhen abrupt aufhören und gern auch in die Regenkuhlen einstechen, muss man ständig voll angespannt auf den Skichen stehen. Im Flachen geradeaus fahren schüttelte uns komplett durch. Alles in Allem war das Figln recht lustig, aber ungemein anstrengend. Ich bin noch nicht sicher, ob so Figl jetzt echt was Tolles sind oder ob wir nur recht grausliche Bedingungen hatten.

Die unteren Schneefelder steigen wir dann zu Fuß ab. Das Wetter war inzwischen ziemlich zugezogen und die Sonne kam kaum noch durch, aber der beste Allgäuer von Allen hatte es sich in den Kopf gesetzt, nochmal Eissee-Baden zu gehen. Wir stiegen also zum See unterhalb des PLH ab und er ging kurz ins Wasser. Ich wagte mich immerhin bis zur Mitte der Wadln hinein ;-)

Das PLH hatte zwar offiziell noch geschlossen, aber der Wirt war schon da zum Aufräumen und wir nahmen sein Angebot, uns etwas zum Trinken zu verkaufen gerne an. So kamen wir unvermutet zu erfrischendem Weißbier :-)

Beim Weizen-Trinken hatte es noch so ausgesehen, als würden wir entweder schon beim Abstieg oder spätestens bei der Abfahrt nass werden. Rundrum waren dicke schwarze Wolken aufgezogen und es sah sehr nach Gewitter aus. Aber wir hatten Glück, es regnete weder im Abstieg noch bei der Fahrt zurück ans Auto. Richtung Sonthofen und Kempten hatte es aber zwischendurch mal geregnet, denn es hatte nasse Stellen auf der Straße. Uns erwischte das Gewitter erst, als wir um 9 beim Lieblings-Jugo beim Essen im Biergarten sassen und da war es ein Leichtes, einfach nach drinnen umzuziehen.

Das war ein schöner und einsamer langer Tag (11 Stunden, 1650 Höhenmeter, 39 Kilometer). Die Gegend ist Klasse, die Tour generell sehr schön, aber das Figl-Fazit ist momentan eher gemischt.


Radeln mit Figln


Aussicht zum Großen Wilden


Viiiel Wasser beim Start zum Prinz-Luitpold Haus


Aufstieg mit Wildem und Schneck


PLH vor der Fuchskarspitze


Die ersten Schneefelder


Rückblick mit Eissee


Am Anfang des großen Schneefelds im Kreuzspitzkar


Die letzten steilen Meter zum Klettersteiglein


Ausblick


Abstieg zum Figln


‘Elegante’ erste Figl-Kurven


Gleichgewichthalten im Steilen ist gar nicht einfach


Brrrrrrrrr!


Der Mann im Eis


Fast zurück an den Rädern


Rasante Abfahrt

Von engel am 03.06.2017 22:00 • outdoorbergskimtb

Freitag, 31.03.2017: Piz Mon Skidepot

Mittwoch, April 12, 2017

In der Nacht wachte ich davon auf, dass es im Zimmer brummelte. Ich brauchte eine Weile, bis ich raus hatte, dass der Wind durchs Fenster und durch die Tür pfiff und dabei dieses brummelnde Geräusch machte. Das waren keine guten Nachrichten für den nächsten Tag.

Beim Frühstück sahen wir dann auch, dass sich die Leute vor dem Fenster deutlich mehr vermummten als die letzten Tage. Den einen Hüttenwirt überhörten wir am Telefon: ‘... viel mehr Wind als erwartet.’ Wir räumten das Zimmer auf und vermummten uns ebenfalls sturmfest. Dann verstauten wir das Hüttenzeug unten in einem der Fächer und stellten uns den Elementen.

Rein optisch sah der Tag so wunderbar aus wie die letzten: Stahlblauer Himmel und die Sonne schien ungehindert auf Gletscher und Berge. Aber es hatte Wind. Ganz ordentlich Wind, wie wir feststellten, als wir uns aus dem Schutz der Hütte begaben und Richtung Vermutpass marschierten.

Wir liefen genau gegen den Wind. Unter den Skiern und den Stöcken lösten sich bei jedem Schritt kleine Eisplättchen (die vom Firnspiegel, ganz dünnes glattes Eis über dem gefrorenen Schnee), und sausten klingelnd hinter uns davon. Der Wind war kühl und vor allem ordentlich stark und kühlte uns deswegen ziemlich aus. Ich hatte bald die Kapuze auf (was ich nur selten mache), der beste Allgäuer von Allen stellte von Sonnenbrille auf Skibrille um, weil seine Augen so tränten.

Der Weg zum Piz Mon sieht von der Hütte so kurz und bequem aus, aber es zieht sich schon etwas und wird am Ende auch recht steil, bis man endlich das Skidepot erreicht. Von da heißt es im Führer lapidar ‘entlang des Grates zum Gipfel’. Wir betrachteten den Zustieg und den blockigen Grat und ließen uns vom Wind durchblasen. Aber starker Wind und Grat ist etwas, da fühle ich mich gar nicht wohl und deswegen liessen wir die letzten 100 Meter einfach aus und fuhren vom Skidepot zurück zur Hütte.

Die Abfahrt war wie die ganzen letzten Tage unberechenbar, aber wir fanden wie immer wenigstens ein paar Stellen, wo es sich schön fahren liess. Der Rest, naja fahrbar halt ;-)

In der Hütte (tatsächlich drin, draußen war es mit dem Wind einfach zu kühl) gab es Weizen und Kaspressknödelsuppe und dann machten wir uns auf den langen Rückweg.

Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass wir schon in der Abfahrt zum See ein paar Mal ein wenig aufsteigen und dass wir den gesamten See zu Fuß zurück laufen würden müssen. Aber - große Überraschung - man kann bis zum See mit nur einmal minimal Aufsteigen abfahren und den See bis fast ganz vorn mit (zugegeben mit der Zeit recht mühsamen) Schlittschuhschritten hinter sich bringen. So ist man viel schneller an der Biehler Höhe als wir gedacht hatten.

Dann Tunnelbus, Bahn, Auto (Stau bei Dornbirn, meh) und heim. Toller Skitourenurlaub!


Auf dem Weg zum Vermuntpass


Vermummt auf dem Weg zum Piz Mon


Die letzten Meter zum Skidepot


Abbruch am Skidepot


Ein letztes Hüttenbild


Abfahrt zum See


Die letzten Meter zur Biehler Höhe

Von engel am 12.04.2017 20:04 • outdoorski

Am letzten vollen Tag unseres Silvretta-Urlaubs stand natürlich der Große Piz Buin auf dem Plan. Sommers waren wir da ja schon mal, winters aber noch nicht. Im Führer wurde der Rinne und dem Kamin einiges an Text gewidmet, einschließlich dem Tipp, dort zu sichern und abzuseilen. Wir hatten beide keine besondere Erinnerung an beide Stellen, waren aber gespannt.

Wir standen wie immer um halb sieben auf und frühstückten gemütlich. Zu unserem Erstaunen war diesmal wirklich viel los und die Leute wuselten alle erst wild durcheinander und eilten dann zur Tür hinaus als gälte es ein Rennen zu gewinnen. Als wir draußen starteten, waren wir fast die letzten, obwohl wir nicht später dran waren als die letzten Tage. Auch wenn es ein wenig seltsam war, so hinter allen anderen loszugehen, waren wir sicher, dass das richtig war. Die Touren in der Silvretta sind einfach nicht lang und hier oben herrschten ja noch keine Frühjahrsbedingungen. Abgesehen davon taugte es uns sehr, in aller Gemütlichkeit so gut wie allein unterwegs zu sein.

Zum Piz Buin muss man erst mal zum Ochsengletscher, also wieder die laaange Querung entlang des Hangs zur Grünen Kuppe nehmen, wo man ständig die Kanten hart ins Eis pressen muss. Unangenehm fürs Knie. Nach der Kuppe muss man ein Stück bergab eiern (auf Fellen abwechselnd in hartem Firn oder auf harten Presspulverplatten abfahren) und kommt dann auf den Ochsentaler Gletscher. Diesmal verzichten wir aufs Anseilen.

Nachdem wir den Aufstieg entlang des Gletscherbruchs hinter uns gebracht hatten, begann der lange Marsch zur Buinlücke. Wahrscheinlich ist der gar nicht so sehr lang, aber es kommt einem so vor, weil man viel Strecke mit wenig Höhenmetern hinter sich bringen muss und das Ziel ständig sehen kann. Was wir auch sehen konnten, waren diverse größere Gruppen, die zum Buin-Grat aufstiegen. Sehr gut, die würden dann bestimmt schon wieder unten sein, wenn wir dann kamen.

So war es auch. Als wir in der Buinlücke ankamen und uns mit Gurten, Gerödel, Steigeisen und Seil aufrüsteten, kamen viele Leute gerade wieder runter. Die Lücke wurde voll, der Berg wurde leer (mehr oder weniger, ein paar Leute waren schon noch da) :-) Meine Steigeisen zurrten wir dermaßen fest, dass ich den Stiefel nach hinten ganz einfach nicht bewegen konnte. Bisserl unbequem aber besser als die Eisen verlieren.

Wir stiegen auf dem gut ausgetretenen Pfad im Schnee dem Grat entgegen. Nach ein paar ersten Felsen kam die Rinne. Felsen, 4 Meter Höhe vielleicht. Wir schauten den drei Jungs vor uns zu und betrachteten die Rinne. Sah eigentlich sehr machbar aus, also kein Seil. Und so war es auch. Dasselbe galt auch für den folgenden Kamin auf der Schattenseite. Da hatte es sehr schöne fest ausgetretene Stufen im Schnee. War auch ganz einfach. Danach galt es nur noch den restlichen Gipfelaufbau zu bewältigen und wir waren oben.

Piz Buin! Mit großartigem Ausblick in die Schweiz und nach Italien. Wir freuten uns vor allem über den Anblick von Ortler und Bernina (weil, wenn man mal oben war, dann ‘gehört’ einem der Berg ja irgendwie). Nach ausgiebigem Rundrum-Schauen und vielen Bildern suchten wir uns ein halbwegs windgeschütztes Plätzchen und machten gemütlich Pause.

Als uns kühl wurde, stiegen wir ab. Die Rinne sah von oben schon ziemlich steil aus und brach unten ins Bodenlose ab. Da der Aufstieg so problemlos gewesen war, war anzunehmen, dass der Abstieg ebenfalls problemlos laufen würde. Wo wir aber ja schon ein Seil dabei hatten und weil man ja alles hin und wieder üben muss, beschlossen wir, an dem praktischen Bohrhaken oben abzuseilen.Das begann damit, dass sich das Seil erst mal endlos verwurschtelte. Wir brauchten eine Weile, das wieder zu entwirren, danach seilten wir nacheinander ab. Wir seilten danach auch die kurze Rinne ab, und da war das schon sehr angenehm :-)

In der Buin-Lücke machten wir noch kurz Pause (so lang, bis uns der Schatten des Kleinen Piz Buin erreichte), dann fuhren wir ab. Ganz oben, direkt hinter der Lücke fanden wir dann unerwartet noch richtigen Pulverschnee :-) Der Rest war wie am Dienstag: ein unberechenbarer Mix aus Platten, Pulver, Windgangeln und vereistem Pressschnee, aber alles irgendwie fahrbar, wenn auch nicht immer elegant ;-)

Nachdem wir den Gletscherbruch über die Piste abgefahren waren, beschlossen wir, diesmal über die Grüne Kuppe und nicht über den Winterweg im Tal zur Hütte zurückzukehren. Auch da muss man einen Gegenanstieg bewältigen, der ist aber kürzer und - viel wichtiger - nicht so unerträglich heiß. Das war eine gute Idee und bescherte uns sogar noch ein paar nette Schwünge in schönem Firn.

Auf der Sonnen-Terrasse gönnten wir uns Bier und einen Topfenstrudel und einen Germknödel (jeweils einer, nicht beide beides) und gingen duschen (bevor die vielen anderen auch duschen wollten)). Danach setzten wir uns nochmal in die Sonne und tranken Kaffee. Zum Abendessen gab es Kartoffelsuppe, Zigeunergulasch mit Nudeln und Gemüse und zum Nachtisch Schokocreme.


Auf dem Weg zum Piz Buin


Der Ochsentaler Gletscher


Aufstieg neben dem Gletscherbruch


Der Gletscherbruch


Die Buin-Lücke ist voraus


Aufstieg


Klettern in der Rinne


Am Gipfel


Abseilen


Abstieg


Abfahren


Rückblick

Von engel am 10.04.2017 20:53 • outdoorski

Mittwoch, 29.03.2017: Dreiländerspitze

Sonntag, April 09, 2017

Am Vorabend waren Wolken aufgezogen und wir hatten schon Sorge gehabt, ob das mit dem Wetter so perfekt wie bisher weiter gehen würde. Aber ja, es ging. Als wir uns nach dem Frühstück für die Tour aufrödelten, lösten sich die Wolken gerade auf :-)

Der Weg zur Dreiländerspitze ist viel bequemer als der zum Ochsenkopf, weil man nicht so endlos queren muss. Stattdessen kann man ganz gemütlich sanft ansteigend hinter der Hütte über weite Hänge losgehen. Das Knie mochte das sehr, nicht immer so hart seitlich in den Berg drücken zu müssen.

Anfangs waren wir fast allein in dieser Richtung unterwegs, aber bald sammelte sich hinter uns eine Riesengruppe. Wir hatten schon Sorge, dass es am Grat vielleicht eng werden würde und zu Staus kommen könnte. Aber das war die Riesengruppe Franzosen, die schon gestern alle Scharten abgeklappert hatten ohne auf einen Gipfel zu steigen. Eine Dame erzählte uns, dass sie alle auf dem Weg zur Jamtal Hütte seien. Wir fanden das prima :-)

Vor dem Steilhang zum Grat machten wir Pause und legten dann die Gurte an und das Seil bereit. Der Anstieg und die Querung sahen schwierig aus, waren dann aber beim Näherkommen doch nicht ganz so steil und hart, wie sie ausgesehen hatten. Wir kamen ohne Probleme in der Scharte im Grat an und stellten die Ski in den sehr schön bereits flach getrampelten Stufen ab und legten die Steigeisen an.

Die paar Leute, die bereits am Grat unterwegs waren, waren alle ohne Rucksack unterwegs. Klar, damit ist Klettern etwas leichter, aber ein leerer Rucksack wiegt nicht viel und wo soll man denn all die wichtigen Dinge wie GPS und Kamera (und vielleicht auch Geld und Handy und Erste-Hilfe Packl oder sowas) unterbringen, wenn man nichts dabei hat? Wir nahmen die Rucksäcke mit.

Die Spur war breit ausgetreten und hatte in den steileren Passagen schöne gut zu gehende Stufen. Was von der Ferne abenteuerlich steil und ausgesetzt ausgesehen hatte, war von der Nähe nur halb so schlimm. Der Schnee hielt bombenfest und der blockige Grat war gut zu gehen. Allerdings ist der Grat tatsächlich sehr ausgesetzt, so dass wir an der steilsten Stelle das Seil auspackten und sicherten.

Auch den Übergang von der letzten Erhebung zum eigentlichen Gipfelaufbau, wo man kurz in eine Scharte absteigen und dann im Schnee recht steil ab und wieder aufsteigen muss, sicherten wir vorsichtshalber. Wir legten dazu das Seil kurz direkt in die Öse des Borhakens (weil es so schön bequem auch für den zweiten Sicherung von oben bedeutete), aber das war nicht so gut, denn das gab ein Kuddelmuddel mit einer 6er-Gruppe, die gerade vom Gipfel direkt über den Grat abkletterte. Der Bergführer guckte uns schon zu Recht ein wenig genervt an. Seine Gruppe musste deswegen ein paar Minuten warten.

Am Gipfel waren wir kurz allein (Yay!), was auch gut so war, denn der Gipfel ist gerade mal handtuchgroß. Es passt das Gipfelkreuz drauf, die 3-Länder-Plakette und etwa anderthalb Leute. Das Gipfelkreuz ist nicht sehr groß, aber man kann trotzdem nicht weit genug weg davon, um es ganz auf ein Foto zu bekommen ;-)

Unsere Nachfolger waren schon auf dem Weg und so machten wir uns dran, wie die 6er-Gruppe über den Grat zu klettern. Das ist ein IIer-Blockgrat und er ist natürlich ausgesetzt. Was mit Bergstiefeln und Gummisohlen vermutlich gar nicht allzu schwierig gewesen wäre, wird mit Steigeisen an Skistiefeln durchaus zu einer Aufgabe. Ohne Seil hätte ich das nicht gemacht, aber dazu hatten wir das ja dabei.

Mit Steigeisen auf Felsen rumschrammen ist bestimmt nur Übungssache und man bekommt mit der Zeit sicherlich raus, was da alles so hält. Wir haben aber keine Übung und so war der Anfang des Grates, wo man gerade so nicht sehen kann, wohin man die Füße setzen kann, eine rechte Zitterpartie. Aber es ging alles gut und wir kamen problemlos über die Scharte zurück zum Vorgipfel. Der Abstieg zu den Skiern war dann relativ einfach, auch wenn wir unten in der Steilstelle nochmal das Seil rausholten.

Im unteren Teil des Abstiegs zu den Skiern fiel mir dann im Schnee ein Steigeisen von den Stiefeln, was mich sehr erstaunte, denn erstens hatte ich sie wirkllich fest angezogen und zudem war ich ja kurz vorher noch mit genau diesen Eisen im Fels rumgeklettert. Bei genauerer Betrachtung sah es dann so aus, als seien die neuen Skistiefel nicht für Kipphebel-Steigeisen geeignet. Im Abstieg, wo sich der Schaft sehr weit nach hinten runter bewegen kann, drückt der Schaft den Kipphebel auf.
Nachträgliche Recherche: Ja, die Scarpa F1 TR sind nicht für Kipphebel Steigeisen geeignet. Meh!

Wir fuhren in die Ochsenscharte ab und machten dort Pause in der Sonne. Lang und gemütlich und warm.

Eigentlich wollten wir ja nicht so besonders früh zurück zur Hütte, aber wenn man die Dreiländerspitze macht (was keine allzu lange Tour ist, auch nicht, wenn man sich wirklich viel Zeit lässt), sind schöne Zusatzziele für Skitourer rar. Wir machten also noch ein wenig Pause, bis wir fast in der Sonne eingeschlafen waren und fuhren dann zurück zur Hütte.

Dort gönnten wir uns Kaspressknödelsuppe (sehr fein) und Weißbier und noch mehr Sonne. Danach gingen wir duschen, was ein Luxus! Zum Abendessen gab es Knoblauchcremesuppe, Kassler mit Sauerkraut und Kartoffelbrei und Panna Cotta. das Sauerkraut kam bei den anderen HP-Gästen nicht besonders gut an (wir vermuten, das ist was sehr Germanisches, also nur für Deutsche, Österreicher, Schweizer und das mag sonst keiner), wir fanden das Essen aber sehr gut. Danach galt es nur noch auszuhalten, bis Bett-Zeit war.


Die Wolken lösen sich auf


Auf dem Weg in die Sonne ...


... und zur Dreiländerspitze


Die letzten Meter zum Skidepot


Aufstieg über den Grat


In der Steilstelle wird gesichert


Am Gipfel, hinten der Piz Buin


Die Dreiländer-Plakette


Abklettern über den Grat


Abfahrt zur Ochsenscharte


Die letzten Meter zur Hütte

Von engel am 09.04.2017 05:47 • outdoorski

Wir standen gemütlich um halb sieben auf und gingen frühstücken. Die ganzen Jungen Wilden waren wohl schon kurz vor sechs fürs Frühstück Schlange gestanden und sausten gerade zur Tür raus. Uns schien das wegen der eher kurzen Touren in der Silvretta ein wenig übertrieben - man will ja nicht schon Mittag wieder in der Hütte sein. Der beste Allgäuer von Allen hatte dank Medikamente gut geschlafen und fühlte sich nur noch halb erkältet. Dafür hatte ich Schleim und Halsweh, irgendwas ist ja immer.

Das Frühstück war prima und dank Buffet reichlich (auch wenn Butter, Wurst und Käse pro Gast abgezählt waren), so dass wir gestärkt starten konnten. Unser erstes Ziel war das Silvrettahorn und so folgten wir der Piz-Buin-Schlange über die Grüne Kuppe zum Ochsentaler Gletscher. Wir konnten uns an der großartigen Umgebung kaum satt sehen und machten Bilder und Filme zuhauf. Das hatte den Effekt dass uns auch die Spätaufsteher-Gruppen davon zogen und wir bald fast allein unterwegs waren.

Da wir den Ochsentaler Gletscher und die Spalten im Sommer schon gesehen hatten, seilten wir uns vorschriftsmäßig ein. Im Nachhinein stellten wir dann fest, dass die Piste auf der Gletscherseite, über die man aufsteigt so hart und gefroren und festgefahren war, dass dies vermutlich nicht nötig gewesen wäre. Aber egal, ist ja alles Übung.

Vor dem Abzweig zum Silvrettahorn war eine Pause zur Fußerholung nötig. Dabei wäre mir beinahe die Pausen-Schoki über den Gletscher hinab gesaust! Katastrophe! Sie blieb aber 50 Meter weiter unten in einer alten Spur liegen, bevor der Gletscher steiler wurde. Glück gehabt! Nach der Pause bogen wir ab und stapften Silvrettahorn entgegen.

Ich bin, was Höhe angeht, ja etwas empfindlich und war seit der Pause unglaublich angestrengt. Da war es dem Selbstvertrauen nicht gerade zuträglich, dass das Silvrettahorn in der Draufsicht unheimlich steil und abweisend aussieht. Das Silvretta Egghorn daneben dagegen hatte einen fast unverspurten Steilhang zu bieten und war nicht ganz so hoch, was mir viel sympathischer war. Dem besten Allgäuer von Allen taten schon wieder die Druckstellen an der Fersen weh und er war deswegen mit meiner Zielverschiebung einverstanden.

Der Aufstieg zum Silvretta Egghorn über die Steilflanke war trotz vorhandener Spur sehr anstrengend, versprach aber schönen Schnee in der Abfahrt. Auch sonst lohnt sich das Egghorn, denn es hat oben einen lohnenden netten kleinen Gipfelaufbau und versprach eine windgeschützte sonnige Pause.

Wir nahmen uns den rechten unverspurten (und noch steileren) Teil der Steilflanke für die Abfahrt und waren dann doch recht erstaunt, wie steil das dann tatsächlich wurde. Mehr als 45 Grad, wenn auch nur kurz, schätzten wir, das hat man ja nicht oft. Im Auslauf fand sich dann auch noch etwas feiner Pulverschnee, dann war der schöne Schnee aus. Auf dem Weg zurück auf den Ochsentaler Gletscher fanden wir Windpressplatten, eingeeiste Altspuren und harte Windgangeln in schöner Abwechslung :/

Außer uns war zwar noch kaum mehr jemand hier oben, aber es schien uns noch etwas zu früh um zur Hütte abzufahren. Wir fellten also nochmal auf und marschierten zur Furcola da Cunfin. Das war dann wirklich sehr sehr anstrengend, aber wir wurden mit einer weiteren sonnigen windgeschützten Pause und viel Aussicht belohnt.

Dann fuhren wir ab. Skitechnisch war alles dabei, was man nicht unbedingt finden möchte, aber es war meistens doch ganz OK zu fahren. Entlang des Gletscher-Abbruchs war sowieso Piste und ganz unten (wir fuhren bis hinab auf den Winterweg wie im Führer empfohlen) versanken die Ski im tiefen Sulz. Alles fahrbar, wenn auch selten schön. Der Gegenanstieg zu Hütte war dann nochmal ordentlich anstrengend und heiß.

Wir kamen so spät zurück zu Hütte, dass wir auf der sonnigen Terrasse nur noch ein Bier tranken, um uns nicht das Abendessen zu verderben. Das war aber vielleicht ein Fehler, denn die Portion an diesem Abend war recht klein. Es gab Nudelsuppe, Schweinebraten mit Speckbohnen und Kartoffeln und Apfelscheiben mit Vanillecreme als Dessert. Glücklicherweise kann man von den Beilagen Nachschlag ordern, sonst hätten wir tatsächlich hungrig ins Bett gehen müssen ...


Start Richtung Piz Buin, Signalhorn, Silvretta Egghorn und Silvrettahorn.


Angeseilter Anstieg über den Ochsentaler Gletscher


Der lange Weg zum Großen und Kleinen Piz Buin und zum Signalhorn


Windgeformter Schnee auf dem Gletscher, hinten das Hohe Rad


Die Wahl: Links die steile Flanke, rechts das steile Horn


Aufstieg über die Steilflanke


Aufstieg zum Silvretta Egghorn


Abstieg vom Silvretta Egghorn


Wunderschöner Pausenplatz


Supersteile Abfahrtsspuren (auch wenn des nicht so aussieht)


Pause in der Furcola da Cunfin, hinten der Piz Linard


Gletscherabfahrt


Hüttenaufstieg

Von engel am 06.04.2017 20:49 • outdoorski

Montag, 27.03.2017: Wiesbadener Hütte

Donnerstag, April 06, 2017

Wir starteten relativ früh im Allgäu und kamen nach einer ereignislosen Fahrt kurz nach 9 in Partenen an. Erschwert wurde die Anreise dadurch, dass der beste Allgäuer von Allen mit einer dicken Erkältung aufgewacht war und entsprechend gerädert war. Wir hatten kurz überlegt, direkt abzubrechen, waren dann aber doch losgefahren. Umkehren kann man ja immer.

Um zur Bieler Höhe zu gelangen, muss man erst die Vermuntbahn nehmen und dann mit dem Tunnelbus fahren. Wir hatten beide keine so rechte Vorstellung, was denn der ‘Tunnelbus’ ist - abgesehen davon, dass da halt ein Bus durch einen Tunnel fährt - und waren gespannt. Der Tunnel (muss ein Wartungstunnel für den Stausee sein) ist dann etwa so breit wie der Kleinbus und der Fahrer heizt da durch, als wolle er ein Rennen gewinnen. Doch, spannend, man hat ständig eine Wand vor sich, in die der Bus dann doch nicht reinknallt.

An der Bieler Höhe fuhren wir zunächst in den (leeren) Stausee ab und fellten dann auf. Der lange Marsch begann.

Anfangs war es nur warm, aber als wir den See verliessen und ins Ochsental einbogen wurde es heiß, allerdings wehte ein kühler Wind vom Gletscher runter, so dass wir doch nicht allzu lang im T-Shirt laufen konnten. Der beste Allgäuer von Allen bekam heisse Füsse und Druckstellen von den (relativ) neuen Stiefeln, was mehrere Pausen zur Verpflasterung und Fußerholung erforderte. Wir sahen den Hochtourenurlaub trotz bester äußerer Voraussetzungen davon schwimmen.

Am frühen Nachmittag erreichten wir die Wiesbadener Hütte. Wir verzichteten auf einen weiteren Anstieg zwengs Akklimatisation und meldeten uns an. Wir bekamen ein kleines Zweier-Zimmer und setzten uns auf der Terrasse in die Sonne. Egal wie es weiter gehen würde, auf der Hüttenterrasse war es wunderbar mit großartiger Aussicht.

Wir teilten uns einen riesigen Kaiserschmarrn (leider nur halb gut), tranken alkoholfreies Weißbier und genossen die Umgebung. Die Hütte war ziemlich voll, die sonnige Terrasse wuselte nur so. Wir staunten über die große Anzahl Franzosen (gefühlt die Hälfte der Gäste) und hörten Englisch, Spanisch und allerlei ost-europäische Sprachen.

Zum Abendessen gab es Gemüsesuppe, Hühnerbrust in Speck mit Gemüse und Nudeln und einen Nachtisch, den ich leider vergessen habe (wir sind uns aber einig, dass er gut war - Nachtrag: Cappuccino-Creme). Danach galt es nur noch die Zeit bis zum ins-Bett-gehen zu überbrücken, dann schüpften wir in die Schlafsäcke.


Auf dem Weg durch den Silvrettasee


Der Piz Buin taucht auf


Gleissende Firnspiegel im Talschluß


Nach langem Marsch: angekommen an der Hütte

Von engel am 06.04.2017 05:03 • outdoorski

Sonntag, 12.03.2017: Winterspaziergang

Donnerstag, März 16, 2017

Zur Abwechslung mal wieder Lechtal. Noch immer eher defensiv, die gestrigen Lawinen waren doch arg beeindruckend. Wir parkten in Boden wieder vorm Kirchlein (diesmal war der Parkplatz oben tatsächlich voll) und stapften dann den Hang über Boden nach Pfafflar hinauf. Der Schnee war eishart gefroren.

Bei den ersten Häusern bogen wir auf den Sommerweg ins Fundeistal ab. Rechts im Fundeistal waren auch hier viele gewaltige Lawinen abgegangen, links sah es besser aus. Wir waren uns nicht so recht einig, wie gefährlich das steil eingeschnittene Tal denn nun wirklich war, gingen aber erst mal auf dem Sommerweg (über noch eher flache Hänge) weiter. Die Teilstufe hinten im Tal schien uns beiden OK, aber der Weg dorthin?

Der Sommerweg führt über einem extrem steilen Abbruch (unten fast ein Tobel) erst hinauf und dann schräg hinab zum Bach. Und das war dann der Punkt an dem es auch mir zu riskant wurde. Eisig gefrorener Schnee, in dem die Kanten kaum griffen, mit Fellen auf dem schmalen, schrägen, teils steilen Sommerweg direkt über einem Abbruch ins Tal runter rutschen? Ich sah mich ausrutschen und mit Juchhei in den Bach runter purzeln. 100 Höhenmeter oder so. Wir drehten um.

So allzu gut kennen wir die Gegend skitourenmäßig ja nicht, aber dass man bis zum Joch auf und neben der Straße spazieren kann, wussten wir. Nächstes Ziel also: Pass.

Erst mal war es lustig, durch Pfafflar hindurch und am Gasthof vorbei zu laufen. Dort waren wir in unseren früheren Leben mit dem Motorrädern unzählige Male schon eingekehrt und hatten den Motoren der vorbei sausenden Bike gelauscht. Jetzt war alles komplett ruhig, wir liefen ganz einsam und allein auf der Straße bis zur nächsten Kehre und von dort den Wanderweg weiter (endlich Sonne!) durch einen kleinen Tobel durch bis zum Pass.

Dort dachten wir eigentlich, dass man rechts in den Sattel sehen können müsste. Das geht aber nicht, es hat zu viele Muränenhügel. Es hatte aber eine Spur, die Richtung Sattel führte. Die nahmen wir.

Als wir über die Muränenhügel drüber waren und endlich tatsächlich linkerhand bis in den Sattel sehen konnten, blieben wir erst mal beeindruckt stehen. Auf der rechten Seite war oben in einer extrem steilen Rinne ein Schneebrett abgegangen und hatte in den steilen Hängen darunter ein gigantisches Schneebrett mit einer Anrisshöhe von sicherlich 4 Metern ausgelöst. Daneben war ein weiteres großes Schneebrett abgegangen. Boah, das waren aber mal Lawinen!

Der Hang hinauf zu ‘unserem’ Sattel - ähnlich ausgerichtet, ähnlich steil - sah wunderbar aus. Jungfräulicher Schnee, der Oberfläche nach lockerer Triebschnee, lud zu abgehobenem Schweben ein. Oder zum Abrutschen mit einem gewaltigen Schneebrett ...

Wir schätzen die Situation so ein, wie auch unsere Vorgänger und stiegen nur bis zum letzten Hügel im Kar hinauf (alles moderat geneigtes, kupiertes Gelände) und erklärten den größten Stein zum heutigen Ziel. In der Pause - sonnig, fast windgeschützt - betrachteten wir abwechselnd den wunderschönen Hang zu unserem Sattel und die riesigen Lawinen daneben. Die Versuchung und die potentielle Strafe. Aller Wahrscheinlichkeit nach wäre der Hang inzwischen genügend gesetzt gewesen (die Lawinen waren sicherlich Donnerstag oder Freitag abgegangen), aber wir fühlten uns nicht abenteuerlich genug, um das auszuprobieren.

Die Vorgänger waren direkt vom Stein Richtung Passstraße abgefahren. Wir nahmen aber den Weg zurück zum Joch und konnten bis dorthin in wunderbarem unverspurten Pulverschnee schwingen. Vom Joch aus nahmen wir den hübschen Tobel nach Pfafflar und bekamen perfekten Firn. Von Pfafflar nach Boden war der Schnee dann allerdings komplett durchgeweicht und wir mussten uns in tiefem Sumpf zurück zum Auto wühlen.


Start in Boden


Auf dem Weg nach Pfafflar


Vorbei am Gasthof Pfafflar ...


... durch einen sehr hübschen kleinen Tobel ...


... und direkt mit der Straße aufs Joch


Über Muränenhügel Richtung Scharte


Die Lawinenanrisse


Der verführerische Hang


Abfahrtsspuren

Von engel am 16.03.2017 22:25 • outdoorski

Samstag, 11.03.2017: Defensivtour

Mittwoch, März 15, 2017

Nach dem Lawinenlage-Vierer am Freitag und den intensiven Warnungen aller Lawinendienste schauten wir uns die (vermutlich) möglichen Touren gründlich an und entschieden uns für eine, die im unteren Bereich zwar ordentlich steil ist, aber im oberen Bereich einen Aufstieg über Hänge unter 30 Grad ermöglicht.

Um dem potentiellen Skifahrerstau zu entgehen, waren wir recht früh im Kleinen Walsertal. Dass wir allerdings die ersten am kleinen Parkplatz waren, fanden wir doch sehr erstaunlich. Der Schnee im Tal reichte noch locker zum Losgehen mit Ski, war allerdings wie erwartet vom Regen gezeichnet und beinhart gefroren.

Die Lawinenlage der letzten Tage wurde uns deutlich vor Augen geführt, als wir die ersten Meter ins Tal hinter liefen. Aus der Elferrinne, bzw. den Steilhängen und Felsen über dem Elferkar waren große mehrstufige Schneebretter abgegangen und hatten sich unten in den beiden Rinnen zu gewaltigen Schneemassen gesammelt. Sehr beeindruckend!

Wegen des eisigen Schnees benötigten wir die Harscheisen, sobald es steiler wurde. So begeistert ich von der Dynafit-Pin-Bindung und der Anwendungsfreundlichkeit der Harscheisen bin, dass die Eisen beim Laufen so ‘singen’, finde ich lästig. Alles in Allem waren auch die Steilpassagen ganz gut zu gehen. Der erste ‘richtige’ Schnee, grobe Graupelkörnchen, fing im oberen Drittel des Steilaufstiegs an.

In der Rinne, bzw. knapp drüber lag die erwartete Lawine, hart gefroren, über die wir mühsam drüber krabbeln mussten, bevor wir an der Alm in der Sonne eine Pause machten. Da war es warm und gemütlich, Tee und Schokolade schmeckten ausgezeichnet und wir mussten uns ernsthaft zusammenreißen, um weiter zu gehen ...

Dass wir diesmal in den oberen Hängen keinen Pulverschnee finden würden, war wegen des warmen Freitags von vornherein klar gewesen, aber dass der Deckel so hart sein würde, dass er uns im Aufstieg weitgehend trug, erstaunte uns etwas. In der Abfahrt würde er brechen, das war im Aufstieg schon klar, weil es so warm war. Aber egal, wir waren ja wegen der Landschaft, der Einsamkeit und überhaupt wegen des Gesamterlebnisses hier :-)

Die Abfahrt über die weiten Hänge oben war dann auch sehr gemischt. Teilweise fanden wir schönen Firn, teilweise brachen wir aber auch in die lockeren Schichten unten drunter durch. Natürlich war vorab nicht zu erkennen, ob man in der nächsten Kurve breitbeinig durch harte Deckel eiern würde oder in samtigem Firn butterweich abschwingen konnte.

Nachdem wir mühsam über die Lawine runtergetreppelt waren, fanden wir im unteren Steilhang zwischen den Bäumen und Latschen abwechselnd noch hart gefrorene Schattenbereiche und schon ganz nett aufgegangene Sonnenbereiche, was für ein echt gemischtes Abfahrtsvergnügen sorgte ;-) Aber ganz unten, die flachen Hänge vor dem Talausgang, die waren dann wieder super: butterweicher Firn!


Eine riesige Lawine mit beeindruckender Bahn ...


... ausgelöst sehr weit oben von einem gar nicht sooo großen Schneebrett


Anstieg zur Rinne (Lawine rechts oben)


Sonnenpause


Gipfelpause (war warm :-))


Oben: Firnabfahrt


Nicht mehr ganz oben, nicht mehr ganz so Firn ...

Von engel am 15.03.2017 21:06 • outdoorski

Samstag, 04.03.2017: Fönsturm

Donnerstag, März 09, 2017

Dass die Sache mit dem Schnee nun nicht mehr allzu rosig (also pulvrig) aussehen konnte, war inzwischen klar. Wir entschieden uns daher für eine Tour im Tannheimer Tal, die sich eher durch Landschaft und Erlebniswert als durch tolle Abfahrten auszeichnet. Außerdem muss man sich im Tannheimer Tal nicht so sehr mit Verkehr auseinander setzen.

Auf dem Parkplatz erwarteten uns milde Temperaturen (+7 Grad!) und dickes Eis, die Forststraße war aber schon ganz gut zu gehen, weil angetaut. Der Wanderweg nach der Abzweigung war nicht ganz so angetaut, wurde aber auch schon weich (gut für die Abfahrt).

Wir bogen nach rechts über die Brücke ab und folgten dem Sommerweg über freie Hänge mit einem unschönen Harschdeckel, der hoffentlich im Lauf im Tages noch ein wenig aufgehen würde. Allerdings waren das Nordhänge, die nur ‘grad so’ von der Sonne erreicht wurden und es hatte sich ein hoher Wolkenschleier gebildet, der der Sonne Kraft nahm. Nunja, wir waren ja eh nicht wegen der tollen Abfahrt hier.

Es war schon die ganze Zeit mehr oder weniger windig gewesen (für Tirol war Fönsturm mit Orkanböen angesagt gewesen), aber im Tal hinter hohen Wänden war das alles ganz erträglich. Als wir aber den Sattel an der Alpe erreichten, waren wir dem Sturm plötzlich komplett ausgesetzt. Und der wartete zwischendurch mit ganz ordentlichen Böen auf!
Der Blick ins Lechtal zu den höheren Bergen zeige immense Schneefahnen, die wir bis in hinterste Lechtal sehen konnten, wo der Schnee wie Wolken um die Berge stob.

Wir stapften erst mal weiter Richtung Gipfelziel, wurden jedoch immer wieder von einzelnen Böen regelrecht geschüttelt. Als wir bei einer besonders starken Böe beide beinahe umgeweht wurden (obwohl wir an der Bergflanke noch immer einigermaßen geschützt unterwegs waren), schien uns die Vorstellung, nach dem Skiaufstieg zu Fuß aus der Rinne zu steigen und dann über den kurzen aber einigermaßen ausgesetzten Grat zu gehen, ausgesprochen unattraktiv.

Stattdessen lachte uns ein seitlicher Aufstieg über einen völlig unverspurten Hang an, an dem wir hofften, dem Wind nicht allzu arg ausgesetzt zu sein. Das klappte auch ganz gut, der Wind war nur an der äußeren Kante manchmal richtig stark. Aber der Hang war doch steiler als wir angenommen hatte und er wurde in rasender Geschwindigkeit weicher, weil inzwischen die Sonne voll rausgekommen war. Schon im Aufstieg rutschten die Ski manchmal mit der noch lockeren Auflage von der drunter liegenden Eisschicht ab.

Der Abfahrt durch den Hang war dann aber doch noch sehr schön, auch wenn wir einzelnen mit strategisch günstigen Wartepunkten abfuhren. Unten gab es die wohlverdiente Pause in einer beinahe windgeschützten Mulde.

Für die Abfahrt versuchten wir uns daran, den Aufstiegshang (den man vor allem quert) direkt abzufahren. Was bei pulvrigem Schnee die reine Freude und Latschen-Slalom gewesen wäre, war mit dem eisigen Regendeckel, der natürlich nicht aufgegangen war, ein arges Gestopsel mit Stemmbogen und schwer kontrollierbarem Abschwingen. Naja, wir hatten ja von vorherein Drecksschnee erwartet ;/
Der Sommerweg unten aber war tatsächlich aufgegangen und deswegen auch gut fahrbar (naja, eher ‘abrutschbar’ so schmal wie der ist).

Auch an diesem Tag waren wir sehr allein (ich glaube, dass die Bahn vorn wegen des Windes nicht lief und dass deswegen viele der Bahn-Skitourer gar nicht erst gekommen waren) und weil wir ja sowieso Dreckschnee erwartet und sowohl schöne Gegend als auch die erhoffte Sonne bekommen hatten, waren wir sehr zufrieden :-)

Zum Fönsturm fand ich im Nachgang noch ein paar Links, die doch recht deutlich zeigen, dass es nicht ganz unschlau war auf den Gipfelgrat zu verzichten (Windgeschwindigkeiten bis 174 km/h auf der Zugspitze, das ist ja nicht weit weg) :-)


Die Sonne spiegelt sich auf dem eisigen Schnee


Wir stemmen uns gegen die Fön-Böen


Aufstieg zum Ausweichziel


Am höchsten Punkt (die Ziellatsche :-))


Abfahrt vom Ausweichziel ...


... mit noch ziemlich gutem Schnee


Un-Elegantes Runtergestopsel im Bruchharsch

Von engel am 09.03.2017 21:02 • outdoorski

Freitag, 03.03.32017: Scharte

Mittwoch, März 08, 2017

Als wir am Mittwoch nochmal spontan beschlossen hatten, einen Tag frei zu nehmen, regnete es gerade heftig bei eher niedrigen Temperaturen und für Freitag war allerbestes Wetter vorhergesagt gewesen. Was wir übersehen hatten war, dass es am Donnerstag recht warm werden sollte. Und da hatte es dann bis 1800 Meter hinauf in den schönen Neuschnee hinein geregnet. Der Start sollte also recht weit oben sein. Lechtal also.

Wir parkten in Boden vorsichtshalber am Kirchlein, weil wir annahmen, der kleine Parkplatz am Start der Fortstraße sei auch unter der Woche schon voll, weil wir eher saät dran waren. War er aber nicht, es hatte nur 4 Autos.

Der Hatsch das Tal hinter ist wirklich elendslang. Weil wir in letzter Zeit im Sommer immer die Bikes bis zur Materialseilbahn genommen hatten, kam er uns vermutlich noch länger vor ;-)
Bis knapp hinter der Materialseilbahn hatte es eine dünne Neuschneeschicht auf einem hart gefrorenen Regendeckel (in den man natürlich einbrach). Wir hofften sehr, dass der bis zur Abfahrt aufgehen würde!

Je höher wir kamen, umso offensichtlicher wurden die Schneefahnen von den Gipfeln und Graten um uns herum. Wir hatten uns vorab noch nicht auf ein exaktes Ziel festgelegt, weil es mehrere schöne Ziele gibt, wenn man erst mal hinten bei der Hütte ist. Angesichts der Windfahnen fiel die Entscheidung auf die Scharte und nicht auf den Gipfel. Vermutlich waren wir da dem Wind tatsächlich weniger ausgesetzt, aber auch da blies es ordentlich.

Die Abfahrt war sehr gemischt. Oben wechselte lockerer Triebschnee mit leichten Windpressplatten (und natürlich war das vorab nie zu erkennen). Unten nach der Hütte wurde der Schnee mit jedem Meter immer schwerer und nasser. Die harten Regenplatten waren wie erhofft aufgegangen, aber der Schnee war am Ende unten so nass, dass die Ski regelrecht kleben blieben.

Auch wenn die Abfahrtsfreuden etwas gemischt waren, das war eine wunderbare Tour. Das Parzinn ist eine so schöne Gegend, da erfreut einen wirklich jeder Blick. Und weil Freitag war, waren wir fast immer völlig allein unterwegs :-)


Der lange (einsame :-)) Talhatsch


Weiter oben windet es gar fürchterlich


Aufstieg zur Hütte ...


... und weiter zur Scharte


Die letzten Meter in die Scharte


Abfahrt


Abfahrt

Von engel am 08.03.2017 22:17 • outdoorski
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