Ein ganzer Tag schönes Wetter mit Sonne, da sollte es nochmal eine Südseite werden, um möglichst viel der kostbaren Strahlung abzubekommen. Auf dem Weg zur Gunzesrieder Säge hatte es unerklärlicherweise Stau, so dass wir kurzerhand auf den Parkplatz im Ostertal fuhren. Von dort kann man aber keine sonnenzugewandten Touren machen, daher gingen wir eben zu Fuss zur Säge und starteten von da wie geplant zum Stuiben. Der beste Allgäuer von Allen ging von Anfang an barfuss, ich zog die Schuhe erst am Ende der Teerstrasse aus.
Auf halbem Weg gab es eine längere Pause an einem windstillen Fleckchen (der Wind war nämlich deutlich kühl). Nach der Querung des ersten Schnees (Ha! Barfuss im Schnee!) zog ich kurz vor dem Grat wieder Schuhe an, der beste Allgäuer wollte noch nicht. Wie erwartete war auf der Nordseite des Grats dann ein grösseres Schneefeld zu queren. Die Querung selbst war auch barfuss kein Problem, der (kurze) steile Abstieg auf der anderen Seite dann aber schon. Nackte Füsse haben ganz entschieden wenig Traktion. Mit ein paar Hilfstritten von mir war es dann aber doch nicht nötig, die 2 Meter auf dem Allerwertesten abzurutschen. Danach hatte auch mein Allgäuer genug von nackten Füssen.
Am Gipfel gönnten wir uns dann nochmal eine längere Pause, bevor wir uns an den Abstieg machten. Der Abstieg zwischen Stuiben und Sederer Stuiben scheint sich zu einer Mountainbike-Abfahrt gemausert zu haben, denn es überholten uns insgesamt 3 Biker-Gruppen. Dass der untere Teil interessant zu fahren ist, kann ich mir ja gut vorstellen, aber vor dem rutschigen abfallenden Weg ganz oben hätte ich ganz schön Respekt!
Den wohlverdienten Kaffee und Kuchen gab es an der Alpe Gerstenbrändle. Empfehlenswert, denn es gibt ordentlich grosse Kuchenstücke und der Kaffee ist gut. Zum Ostertal gingen wir auf dem eigentlich gesperrten Tobelweg (Schild: Brücke fehlt!) zurück. Das Bächlein aus dem Ostertal schien nicht breit und wild genug, um sich wegen einer fehlenden Brücke Gedanken machen zu müssen. ‘Tobelweg’ war doch sicherlich zum Touri-Anlocken auch masslos übertrieben.
Letzteres war eine krasse Fehleinschätzung, denn zwischen Säge und Ostertal hat es tatsächlich einen sehenswerten Tobel, in dem auch gerade 2 Gruppen Canyoning lernten. Die fehlende Brücke fehlte glücklicherweise nicht komplett, eine Querung ohne wäre da oben nicht einfach gewesen (Ausziehen und Schwimmen wäre vielleicht gegangen). Es fehlten lediglich ein paar Querbretter der Brücke, so dass man 3 Meter auf den T-Trägern über den Tobel balancieren musste.
Schon wieder verspätet. Diesmal das lange Wochenende über Vater- und Muttertag.
... und weil ich die Bildchen anderweitig brauche, eine kurze Zusammenfassung der letzten beiden Wochen (naja, mehr oder weniger).
Die Vorhersage des Osterwetters liess schon drauf schliessen dass es Tour-mässig wohl eher mau aussehen würde über die Feiertage. Und abgesehen vom Montag kam es auch genau so.
Ich hoffe ja, ihr habt alle schon gepannt drauf gewartet, dass endlich irgendwas zu Afrika kommt. Es ist so weit, der erste Teil, die Besteigung des Mount Kenia ist online:
Berge und Safaris in Kenia und Tansania.
Das Dilemma, dass ich einfach keine Zeit zum Schreiben finde, hab ich ansatzweise damit gelöst, dass das diesmal eher ein Bilder- als ein Tagebuch ist. Also Bilder mit begleitendem Text statt Text mit begleitenden Bildern.
06.10.2012
Wir hatten lang drüber diskutiert, welcher Berg unser letzter werden sollte. Definitv ein einsamer, aber auch einer, für den man nur begrenzt lang Zeit brauchen würde. Wir mussten heute ja noch zurück ins Allgäu fahren. Am Ende verwarfen wir all die bröseligen weglosen Gipfel des Lechquellengebirges in der Nähe des Flexenpasses und entschieden uns für den Trittkopf, der direkt auf der anderen Seite des Passes liegt, aber zu den Lechtaler Alpen zählt.
Auch der Trittkopf ist mehr oder weniger weglos zu besteigen. Zwar steht im Führer, dass es da ein recht zugewachsenes Steiglein geben soll, aber das ist inzwischen derart zugewachsen, dass man es bestenfalls erahnen kann. Wir glaubten gelegentlich den Steig gefunden zu haben, verloren ihn aber immer nach wenigen Kehren wieder und stapften weglos weiter, bis wir wieder auf einen beinahe zu erahnenden Pfad trafen. Viel Unterschied war nicht zwischen ‘weglos’ und ‘das könnte der Steig sein’ ;-)
Da wir auf der Westseite des Trittkopfs aufstiegen, konnten wir zwar die Sonne uind den klaren Tag an den Gipfeln gegenüber bewundern, bekamen selber aber erst Sonne ab, als wir schon beinahe an der Gipfelstation der Trittkopfbahn angekommen waren. Die letzten Meter zur Gipfelstation legten wir auf der Piste zurück und setzten uns in der Sonne vor der Station in den Sesselbahnsessel, den man dort freundlicherweise aufgestellt hatte.
Es war sehr gemütlich, aber leider nicht sehr warm, denn der eisige Wind der letzten Tage wehte noch immer. Als wir an der Gipfelstation vorbei auf den Rücken zum Grat zum Trittkopf stiegen, erwischte uns der Wind mit voller Wucht und rechtfertigte die Vollausrüstung samt Handschuhe durchaus.
Am Grat erwartet uns ein grossartiger Blick Richtung Lechtal mit dem steilen Zahn der Roggspitze und der Valluga direkt vor uns. Der Grat zum Trittkopf ist eher ein breiter Rücken als ein Grat. Als wir zu einer kleine Pause auf die windabgwandte (aber sonnen-beschienene) Seite des Grates gingen, konnten wir kaum glauben, wie warm es da war :-) Zur Pause passend sahen wir unter uns ein grosses Rudel Steinböcke, die uns zunächst misstrauisch beobachteten, sich dann aber wieder ungestört mit den kleinen Pflänzchen beschäftigten, die sie zwischen den Steinen fanden.
Schliesslich gingen wir weiter und erreichten bald den Tittkopf-Gipfel, von dem man ganz grossartig nach St. Anton und ins Verwall schauen kann. Allzulang dehnten wir die Gipfelrast aber nicht aus, der Wind da oben blies uns fast um und kühlte uns ziemlich aus. Wir gingen zurück zu dem warmen Rastplatz hinter dem Rücken und schauten noch mal den Steinböcken und 2 Kletteren an der Roggspitze zu.
Im Abstieg nahmen wir im oberen Teil die Piste statt des groben Gerölls über das wir aufgestiegen waren, da uns das leichter zu gehen schien. Wir hatten eigentlich erwartet, im Abstieg den zugewachsenen Steig leichter zu finden als im Aufstieg, aber wir verhauten uns ganz gewaltig, so dass wir zwischendrin recht gefährlich (abrutschen, Fuss brechen) über ein paar Büsche krabbeln mussten. Aber alles ging gut :-)
05.10.2012
Am letzten schön vorhergesagten Tag vor dem Wochenende wollten wir noch auf den Paradeberg von Lech und Warth. Zum Frühstück sah das Wetter aber noch gar nicht schön aus, draussen war alles nass vom gestrigen Regen und der Himmel war wolkenverhangen. Das hielt uns nicht ab, die Vorhersage hatte schönes Wetter versprochen, das würde dann ja wohl auch kommen!
Wir starteten am Gasthaus Bodenalpe (das sehr nett aussah, vielleicht hätten wir da mal essen gehen sollen), von wo ein schöner kleiner aber bei diesen feuchten Bedingungen recht rutschiger Wiesenweg nach Bürstegg führt. Bevor man das erreicht, biegt man links auf einen breiten Kiesweg ab, der gefühlt halb ums Karhorn herum führt, bevor der eigentliche Steig zum Karhorn nach rechts abzweigt.
Dieser kleine Steig ist steil und lehmig und war so rutschig, dass wir die Stöcke zum Aufstieg nahmen. Immerhin kam nun so langsam die Sonne heraus. das Karhorn legt sich nach dem ersten steilen Aufschwung ein wenig zurück und wir fanden eine sonnige Mulde für eine kurze Pause, in der wir ein Rudel Gämsen beobachten konnten.
Danach war es nicht mehr weit bis zum Anfang des Gipfelgrats. Kurz bevor wir den erreichten, mussten wir feststellen, dass es hier oben ziemlich stürmisch war. So sehr, dass man sich fast gegen den Wind lehnen musste, um die letzten Meter direkt am Grat zurück zu legen. In einem windgeschützten Eck an den Felsen rüsteten wir erst mal gegen den Wind auf.
Erstaunlicherweise war der Wind dann bei lustigen Felsturnerei den Grat hinauf (maximal I+) gar kein Thema mehr und am Gipfel konnten wir sogar fast wind-ungestört Pause machen. Die Aussicht war grossartig :-)
Für die ‘richtige’ Pause stiegen wir dann aber wieder zur Gabelung ab (an der der Wind noch immer so pfiff wie im Aufstieg) und suchten uns auf dem Weg zum Warther Horn (das genau genommen nur ein Vorsprung im Grat des Karhorns ist) eine wingeschützte sonnige Mulde. Nach einer guten halben Stunde half aber auch die Sonne nicht mehr gegen den Wind, der gelegentlich doch in die Mulde blies. Wir gingen also weiter und erreichten nach wenigen Minuten den Sattel zwischen Karhorn udn Warther Horn.
Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir fast allein gewesen, nun aber waren viele Leute unterwegs. Die kamen alle von der Steffisalpseilbahn, nur wenige Meter unterhalb des Karhorns, die entgegen unserer Annahme noch in Betrieb war. Das hatte aber auch einen Vorteil, denn ein paar der Skigebietshütten neben der Seilbahn hatten auch offen.
Wir kehrten in der ‘Punschhütte’ ein. Der Name wies schon darauf hin, dass das eigentlich eine Remmi-Demmi-Skihütte ist und die Hintergrundmusik (glücklicherweise leise) war genau so, wie sich das für so eine Hütte gehört. Aber immerhin, es gab Kaffee.
Der Rückweg verlief am Warter Horn vorbei Richtung Bürstegg. Nachdem wir die Seilbahn und das Skigebiet verlassen hatten, waren wir wieder relativ allein unterwegs. Am Gasthaus Bodenalpe überlegten wir kurz noch einzukehren, aber da es schon so spät war, liessen wir das dann doch bleiben. Abendessen gab es wieder in den Lecher Stuben, Rindergulasch mit Spätzle für mich (fein und viel) und Schweinebraten mit Serviettenknödeln und Kraut (letzteres scheusslich, der Braten und die Knodel OK und insgesamt wenig) für den besten Allgäuer von Allen.
Übrigens: Auch wenn die Lecher Stuben hier jetzt relativ schlecht wegkommen hier - im Vergleich zu den anderen bezahlbaren Lecher Gaststätten sind die immer noch die beste Wahl.
04.10.2012
Am Vorabend hatte es wie vorhergesagt zu regnen begonnen und die Vorhersage für Donnerstag war nicht gerade rosig. Vormittag Schauer, ab Nachmittag Regen. In der Früh begrüsste uns dann auch erst mal ein Schauer. Wir nutzten den, um ein wenig länger zu schlafen und machten uns dann nach einem ausgiebigen Frühstück auf den Weg nach Zürs. Inzwischen war es zumindest von oben trocken.
Zürs mag ja im Winter, wenn Skibetrieb ist, ganz nett sein, aber als wir da waren war Zürs komplett geschlossen. Alle Hotels (und etwas anderes scheint es da nicht zu geben) hatten die Bürgersteige hochgegeklappt und Fenster und Türen vernagelt. So richtig willkommen fühlt man sich da dann nicht mal, wenn man gar nichts will von dem Dorf.
Wir stellen das Auto auf den riesigen Parkplatz hinter Zürs (der ungefähr so gross ist wie Zürs selber und somit auch nicht direkt zum Ortsbild beiträgt) und stiegen auf einem netten kleinen Pfad zum Zürser See hinauf. Man kann über das Skigbiet ja sagen was man will, wenn man durchwandert, kann man völlig problemlos dran vorbei schauen. Vermutlich liegt das daran, dass die weiten Matten da oben für das Skigebiet kaum angefasst werden mussten, so dass zwar überall Masten herum stehen, aber die Pisten selber noch völlig intakt wirken (ganz im Gegensatz zu den Pisten in Val d’Isere beispielsweise).
Am Zürser See machten wir eine kurze Pause (es war grad etwas Sonne) und stapften dann erst mal mehr oder weniger auf die Hasenfluh zu. Die Hasenfluh ist ein seltsamer Berg, eine geneigte Hochebene mit Delle, die von 3 Seiten mit steilen Wänden (daher -Fluh, habe ich gelernt) umgeben und auf der Dritten mit einem schönen Zustieg versehen, durch den ein selten begangener Steig führt. Den fanden wir erst, als wir schon ein gutes Stück in der richtigen Richtung unterwegs waren.
Je höher wir kamen umso windiger (und kälter) wurde es. Am exponierten Gipfel wurde man fast umgeblasen, aber die Aussicht war grossartig. Zum Verweilen lud der Gipfel aber nicht ein, daher machten wir uns bald auf den Weg quer über die Hochebene (immer am steil abfallenden Rand entlang), um auch vom zweiten Gipfel, den kein Kreuz ziert, mal in die Tiefe blicken zu können. Auch hier blies der starke Wind und vertrieb uns bald.
Im Abstieg fanden wir eine einigermassen geschützte Mulde und liessen uns dort zur Pause nieder. Als wir dort so in der Gegend herum schauten, sahen wir ein Rudel Tiere, die wir zunächst für Gämsen hielten, direkt über den Grat an der Nordseite auf die Hasenfluh klettern. Das Rudel tauchte bald auf der Hochebene auf und hielt auf einen Gelände-Einschnitt zu, den ich als Sackgasse empfand. Was wollen die da?
Inzwischen hatten wir festgestellt, dass das ein Rudel Steinböcke war (Mütter mit ziemlich ausgewachsenen Kitzen). Die leitende Dame scherte sich nicht im Geringsten um meine Einschätzung und spazierte gemütlich eine Schrofenwand hinauf, die ich für senkrecht hielt (was sie wahrscehinlich nicht, aber verdammt steil auf jeden Fall). Und alle anderen Damen und die Kinder spazierten einfach hinterher.
Wir hatten dem Rudel sicherlich eine halbe Stunde zugesehen und waren regelrecht durchgefroren, als wir weiter gingen. Wir brauchten bis zum Zürser See, um wieder halbwegs warm zu werden. auf dem Abstieg konnten wir noch kämpfende Murmeltiere beobachten und schafften es dann direkt mit den ersten Tropfen des angekündigten Nachmittagregens am Auto zu sein. Kaffee und Kuchen gab es an diesem Tag im Apartment.
03.10.2012
Der ursprüngliche Plan für den schönsten und stabilsten Tag der Woche war gewesen, die Roggalspitze Nordkante zu klettern. Die dürfte mit maximal IV grad so unser alpines Niveau haben. Aber nach dem kühlen Wind der letzten Tage, an denen wir selbst in geschützten Mulden ein wenig gefroren hatten, liess die Aussicht auf langes Stehen am Stand im Schatten an einer Kante, die dem Wind vermutlich voll ausgesetzt ist, eher unansprechend erscheinen. Wir liessen die Kletterei sausen und nahmen uns den Normalweg vor, der ja immerhin auch 2 IIer-Stellen haben soll.
Wegen des ungeschickten Busfahrplans fuhren wir mit dem Auto zum Spullersee. Ob man zu zweit mit dem Auto fährt oder den Bus nimmt, ist aus Maut-technischer Sicht fast egal (6? Bus oder 10? Auto), aber ich stelle mir vor, dass es zur Hochsaison ganz schön eng wird auf den Spullerseeparkplatz, der ungefähr 10 Plätze umfasst.
Fröstelnd (Schatten, Wind, Reif auf den Gräsern) marschierten wir Richtung Ravensburger Hütte und daran vorbei auf die Rogalspitze zu. Dabei schafften wir es sehr schön, immer deutlich vor der Sonne (die noch hinter der Roggalspitze stand) unterwegs zu sein und schauten die ersten anderthalb Stunden aus dem frostigen Schatten sehnsüchtig in die wärmstens angeleuchteten Matten rundrum.
Zur Roggalspitze geht man laut unserem alten Führer ‘Steigspuren’ nach. Inzwischen ist das ein ziemlich deutlich ausgetretener Pfad, den man nur an wenigen Stellen verlieren kann. Nachdem wir auf engen Spitzkehren Höhe unter der Roggalspitze gewonnen hatten, führte uns der Pfad endlich in die Sonne. So richtig warm war es trotzdem nicht, weil es nach wie vor diesen kühlen Wind hatte.
Wir folgten der Spur weiter zum Einstieg und stellten fest, dass der Normalweg auf die Roggalspitze inzwischen mit einem Drahtseil versehen ist. Das aber keinen Klettersteig darstellt, wie 2 Schilder deutlichst klarstellen. Für den Einstieg fand ich das Drahtseil nicht schlecht, denn aus der Beschreibung im Führer hätte ich den Einstieg zum Normalweg vermutlich nicht gefunden.
Nachdem wir links der Platten auf einen kleinen Absatz hinauf geklettert waren, ging es nach rechts in die grosse steile bröselige Rinne, die man bis fast zum Ende hinauf krabbeln muss. Also Klettern sieht anders aus, dachte ich mir dabei nicht nur einmal. Schwer ist das alles nicht, aber stellenweise schon ein wenig unangenehm. Man hat die Wahl, dem Seil am linken Rand der Rinne zu folgen, wo es entweder noch bröseliger ist oder wo man noch steiler auf festen Fels treten kann oder irgendwo in der Rinne durch sehr steilen feinen Schutt zu stapfen. Schön ist beides nicht.
Am oberen Ende der Bröselrinne führt das Seil über schön festen plattigen Fels in steiles Schrofengelände, das richtig Spass macht (ohne das Seil würde man noch ein Stück weiter im Gebrösel aufsteigen und dann in die Schrofen queren). Der Steig ist auch ohne das Seil deutlich (das oft den kürzesten Weg nimmt, so dass man auf den alten Trittspuren angenehmer unterwegs ist) und man wird in unterhaltsamem Gelände zum Gipfel geführt.
Am Gipfel erwartete uns ein absolut grossartiger Blick in alle Richtungen. Wir versuchten natürlich in die Kletterroute der Nordkante zu schauen, allerdings sah man von oben nicht viel - nur dass es da ordentlich Schatten hatte, was die Entscheidung, diesmal dort nicht hinauf zu klettern bestätigte. Denn auch oben in der Sonne liess uns der Wind bald fröstelnd Schutz suchen. Im Aufstieg war der Wind nicht sehr aufgefallen, sobald wir oben aber zur Ruhe kamen, war es frisch.
Daher machten wir uns auch bald an den Abstieg. Am Einstieg, wo die Sonne voll hinbrannte und nicht das leiseste Lüftchen zu spüren war, schien uns die Aussicht, am Alpsee direkt unter uns eine ausgiebige Pause in der Sonne zu machen, sehr ansprechend. Wir stiegen quer durchs Gelände zum Alpsee ab (dabei sahen wir den ersten Menschen des Tages).
Der Alpsee ist nur eine grössere Pfütze, liegt aber sehr schön inmitten einer welligen grünen Hügellandschaft. Am hinteren Ende gibt es fast so etwas wie eine Liegewiese, also eine grössere Fläche, die nur sanft geneigt ist. Dort gedachten wir eine längere Pause zu machen. Die ‘Liegewiese war sogar nahezu windgeschützt :-)
Wir machten zunächst Fotos und versuchten dann, wenigstens mit den Füssen in den See zu steigen. Das war allerdings alles andere als einfach, denn die Pfütze hat rundherum ein wenigstens halbmeterhohes Ufer und der Untergrund im See sieht so aus, als würde man da umgehend mindestens bis zu den Waden versinken. Die Temperaturen (Wasser, Luft) legen einen beherzten Sprung in den See nicht wirklich nahe, daher spazierten wir erst mal halb um den See herum, bis wir eine flachere Stelle fanden. Ganz schön kalt das Wasser! (Die Kameras hatten wir leider vergessen.)
Unsere schöne Sonnenpause fiel leider recht kurz aus, denn von hinten zogen Wolken auf. Und ohne Sonne war es einfach nicht warm genug, um gemütlich im Gras herum zu liegen. Wir machten uns auf den Weg zur Ravensburger Hütte, wo Kaffee und Kuchen warteten. Weil aber noch viel Zeit war, machten wir noch einen barfüssigen Umweg durch und über die Hügel zwischen dem Alpsee und der Braazer Staffel, bevor wir einkehrten.
Wir liessen uns extra Zeit mit dem Rückweg zum Auto, damit der letzte Bus die schmale Strasse bereits verlassen haben würde, bis wir kamen. Nach der Maustelle sahen wir in Zug dann einen Pickup, auf dessen Ladefläche ein Hirsch mit einem beeindruckenden Geweih (wievel Enden das Geweih hatte, haben wir nicht gezählt) und Grünzeug in der Nase lag. Pfff! In Lech und Zug wimmelt es nur so von Jägern, habe ich ja schon mal erwähnt.
Diesmal kochten wir Abends selber (Fleischpflanzl und Bratkartoffeln) und waren mit Geschmack und Menge hochzufrieden :-)
Mit dem Preis auch ;-)
02.10.2012
As wir zum Bus gingen, war es klar und kalt und wir sahen einen fantastischen Fast-Vollmond am Himmel, der nahezu keine Wolken aufwies. Wunderbar, der Tag würde schön werden!
Der Bus setzte uns in Zug beim Fischweiher ab und wir stiegen das lange Tal zum Stierlochjoch hinauf, der Plan war, von dort weglos über den Grat zum Oberen Schafberg (als Skitourenberg heisst der Mehlsack) zu gehen und dann über den Grat auf den Spuller Schafberg zu queren und den AV_Steig zur Ravensburger Hütte runter zu nehmen. Rückweg dann mit dem Bus vom Spullersee. Ursprünglich hatten wir vorgehabt, auch vom Spullersee zu starten, aber wegen des neuen Fahrplans wollten wir den Zustieg übers Stierlochjoch nehmen.
Unten am Fischteich im Schatten war es reichlich kühl. Wir hofften auf die Sonne, die uns auf der östlichen Seite des Stierlochs bestimmt bald erreichen würde. Aber als wir das letzte Mal da waren, war es wohl früher im Jahr, denn die Sonne beleuchtete zwar warm und schön die Ostseite des Stierlochs, das aber weit über uns. Zum Ausgleich wehte ein unangenehm kalter Wind vom Joch das Tal hinunter, der uns trotz des Aufsttiegs frösteln liess.
Bald zog zudem Nebel übers Stierlochjoch in unser Tal, der den oberen Teil des Aufstiegs direkt vor dem Joch zu einer ausgesprochen frösteligen Angelegenheit machte, vor allem nachdem uns der kalte Wind mit voller Wucht erwischte. Vom Joch wollten wir eigentlich weglos zum Oberen Schafberg aufsteigen, doch das schien uns angesichts des Nebels und der uns unbekannten Gegend eher unschlau. Wir disponierten um und kehren erst mal in der Ravensburger Hütte ein, um uns mit Kaffee aufzuwärmen.
Als wir letztes Jahr dort vorbei gekommen waren, hatten wir den Eindruck einer voll vertouristeten Hütte und uninteressiertem Hütten-Team gehabt und waren gar nicht erst eingekehrt. Falscher hätte der Eindruck aber kaum sein können! Die Hütte ist nett eingerichtet, die Leute sind ausgesprochen freundlich, das Essen ist prima (zumindest der Kuchen, mehr hatten wir nicht) und der Kaffee fantastisch.
Ausserdem haben sich die Ravensburger ganz grosse Mühe mit den Klettereien und Wegen in der Umgebung gemacht und das sehr schön und gründlich dokumentiert. Die Topos und die Aufmachung haben mich sehr beeindruckt.
Wir tranken jeder 2 Kaffee aber draussen waberte nach wie vor dicker Nebel herum. Aber einen markierten Steig würden wir ja wohl nicht verfehlen, daher machten wir uns auf den Weg zum Spuller Schafberg. Die Pause war genau richtig bemessen gewesen, denn kaum hatten wir die Hütte ein paar Meter hinter uns gelassen, riss der Nebel auf :-)
Der Steig auf den Spuller Schafberg hat es in sich. Erst spaziert man gemütlich ein Stück Richtung Spullersee, dann geht es plötzlich in kleinen sehr steilen (in unserem Fall zusätzlich schmierigen) Kehren eine grasige Rippe hinauf, bis man wieder einigermassen gemütlich in der ursprünglichen Richtung weiter läuft bis man ein kleines Plateau direkt über dem Spullersee erreicht. Dann geht es steil hinauf zum Grat und den entlang bis zum felsigen Gipfelaufbau, den man erstaunlich einfach hinauf spazieren kann.
Der Weg ist lang und anstrengend, was durch den kalten Wind und die vielen Wolken-/Nebelfetzen, die uns gelegentlich umwaberten, nicht einfacher wurde. Schon im unteren Teil des Aufstiegs hatten wir zwei unauffällig gekleidete Menschen gesehen, die weglos im steilen Gelände umher spazierten. Der erste bewegte sich flink und behende und hatte ein seltsames langes Teil in der Hand, der zweite schien eher hinterher zu stolpern. ‘Jäger mit Gast’, diagnostizierten wir.
Gerade als wir den Anfang des Grates erreichten, sahen wir in der grossen Mulde unter dem Schafberg ein Rudel Gämsen. Und die beiden Gestalten machten den Anschein, sich hinter einer Geländerippe an das Rudel anschleichen zu wollen. ‘Das geht schief.’, meinte der beste Allgäuer von Allen. ‘Mit einem modernen Jagdgewehr eine Gams abzuschiessen ist keine Kunst.’
Es dauerte auch nicht lang, dann hallte ein lauter Knall über die herbstlichen Matten und brach sich an umliegenden Bergen. Das Rudel Gämsen verliess fluchtartig das Gelände und eine der Gestalten schien die Geländerippe hinab zu krabbeln. Pöh, das hätte es echt nicht gebraucht an so einem schönen Tag!
Als wir uns dem felsigen Gipfelaufschung näherten, schaute ein gehörntes Gesicht über den ersten Felsen. Ein Steinbock! der Wächter-Steinbock schaut uns eine Weile zu, wie wir auf dem Grat auf die Felsen zu schlichen und liess schliesslich einen lauten Pfiff los. Daraufhin spazierte das ganze Rudel, das nur aus Halbwüchsigen zu bestehen schien, gemütlich über den scharfen schmalen Grat und verschwand in der Tiefe. Wirklich erstaunlich, wie geländegängig Steinböcke sind!
Wir gingen die letzten Meter zum Gipfel (die über Felsen und ausgewaschene Platten führen). Die Steinböcke hatten es sich auf der steilen Seite des Berges auf einem kleinen Plateau mitten in einer Felswand in der Sonne gemütlich gemacht.
Vom Gipfel (der 2 Gipfelkreuze hat) sah man ganz prima den Weg, den wir eigentlich hatten gehen wollen. Erst einen grasigen Grat, dann weglos durch die geröllige Mulde zwischen den beiden Schafbergen. Wir sahen einem einzelnen Menschen zu, der sich vorsichtig durch das steile Geröll am Mehlsack tastete. Na, lustig sah das aber nicht aus.
Nach einer langen Pause am Gipfel (wo wir uns zwar in ein sonniges windgeschütztes Eck verzogen aber dennoch fröstelten) machten wir uns dann an den Abstieg. Und da kamen doch tatsächlich 6 Leute den Berg hinauf. Auf unseren Berg, der uns doch ganz allen gehörte!
Mit anderen Worten: bis dahin waren wir die ganze Zeit völlig allein gewesen, was für ein Luxus!
Wir trafen die Gruppe am unteren Ende des Felsaufschwungs und konnten deren Bedenken bezüglich der Kletterei (nicht nötig) zerstreuen. Dann stiegen wir bis zu einer geeigneten Stelle ab und legten uns gemütlich in die Sonne, bevor wir weiter zur Hütte abstiegen, wo wir uns nochmal feinen Kaffee und einen Mohr im Hemd gönnten. Yummie!
Danach hiess es nur noch rüber zum Spullersee queren. Das war schon wieder ziemlich frostig, denn vom See zog Nebel auf und die Sonne verschwand bald hinter den Bergen. Da war der geheizte Bus echt eine Wohltat. Abends gab es Kässpatzen in den Lecher Stuben und die waren tatsächlich gut und ihr Geld wert :-)