Als wir am vorletzten Sonntag Morgen – nicht ganz so früh wie sonst, weil die geplante Tour nicht allzu lang sein würde – im Ortsteil Enge bei Grän ankamen, staunten wir nicht schlecht über die immense Menge Autos, die den Parkplatz bereits gefüllt hatten. Wir parkten an der Strasse.
Fast im Pulk ging es Richtung Aggenstein. Wir disponierten um und bogen an der Forststrasse rechts ab. Wenn derart viele Leute auf den Aggenstein gehen, gehen wir halt aufs Brentenjoch. Was eine gute Idee war, denn dort trafen wir nur vereinzelt Leute.
Zur Pause suchten wir uns eine windgeschützte Mulde in Gipfelnähe, wo wir von 3 Dohlen belagert wurden. Eine von denen hatte eine Art Kamikaze-Tiefflug-Angriff perfektioniert. Wenn man ein Stück Riegel zu nah an sich ablegte, kam sie von hinten angesaust, liess sich direkt auf das Stück Riegel fallen und hob sofort wieder ab.
Weiter ging es über den Nordwestgrat Richtung Aggenstein, wo Schneereste den schmalen Pfad gelegentlich unangenehm rutschig machten. Auf den Aggenstein hatte ich eigentlich keine Lust – zuviele Leute – aber ich liess mich von der Aussicht, dafür auf der Bad Kissinger Hütte einzukehren, überreden.
Wir waren schnell oben und schnell wieder unten und wie erwartet hatte es Unmengen Menschen auf dem Weg und am Gipfel. Auch auf der Hütte war es voll, aber wir bekamen ein nettes warmes Plätzchen am Ende der Terrasse an einem Tisch mit anderen Leuten.
Und es war eine gute Idee, dort einzukehren: der Apfelstrudel war mit Abstand der beste, den ich seit Jahren irgendwo bekommen habe. Und das lag nicht nur daran, dass der frisch aus dem Ofen und noch heiss war. Yummie!
Für vorletzten Samstag war wunderschönes Herbstwetter angesagt. Wir waren nicht sicher, wie das inzwischen mit dem Schnee in den höheren Lagen aussah, daher suchten wir uns eine Tour in eher niedrigen Lagen aus. Und weil im Ammergebirge auch Laubwald steht, schien uns eine Tour in dieser Gegend perfekt für den Herbst. Die Wahl fiel auf das Pitzeneck, von dem ein schöner Grat (‘weglos, Stellen I’) zur Kohlbergspitze führt.
Mittwoch, 05.10.2011
Da für diesen Tag die Heimfahrt anstand (und da ja noch so lästige Kleinigkeiten Aus-, Um- und Einpacken für die restliche Arbeitswoche zu erledigen waren), wollten wir keine allzu lange Tour machen. Angelacht hätte uns das Omeshorn direkt über Lech, aber da wäre aus zeitlichen Gründen der gesamte Aufstieg im Schatten erfolgt, darauf hatten wir keine Lust. Schliesslich entschieden wir uns für den Gehrengrat, eine Höhenwanderung, auf der man mit Glück Steinböcke sehen und an deren Ende das steinerne Meer mit Fossilien lockt.
Dienstag, 04.10.2011
Für diesen Tag – unter der Woche und auch in Deutschland kein Feiertag mehr – hatten wir uns den prominentesten Berg des Lechquellengebirges ausgesucht, die Rote Wand. Da wollte ich schon lang mal rauf, denn die sieht man von uns aus wirklich überdeutlich.
Trotz der Massenvermeidungsmassnahmen waren wir sehr erstaunt, dass ausser uns nur 2 Frauen im Bus waren, die mit uns zum Formarinsee fuhren. Da die beiden kurz nach dem Buswendeplatz umdrehten, nahm ich an, dass sie sie den Höhenweg gehen wollten, dass wir tatsächlich ganz und gar allein an der Roten Wand unterwegs sein würden. Unfassbar :-)
Montag, 03.10.2011
Bei der Planungssession am Vorabend war uns die Untere Wildgrubenspitze ins Auge gestochen, die trotz des Namens (‘Untere’) der höchste Berg des Lechquellengebirges ist. Nachdem wir die Obere (Kleine) Wildgrubenspitze schon bestiegen haben, schien es uns an der Zeit, auch die andere Wildgrubenspitze zu besuchen.
Sonntag, 02.10.2011
Durch die Lech-Active-Inclusive-Card angeregt, waren wir am Vorabend anhand der Karten und des Führers nochmal in uns gegangen und hatten umdisponiert. Wenn man den Bus nutzt, muss man nicht zwingend da rauskommen, wo man gestartet ist und da der Bus recht häufig fährt (alle Stunde), ergaben sich da ganz neue Möglichkeiten. Wir hatten uns für den Höhenweg vom Formarinsee zur Göppinger Hütte entschieden, auch weil die Vermieterin den so gelobt hatte. Ohne Gipfel geht natürlich nichts, da bot sich die Hochlichtspitze hinter der Göppinger Hütte an.
Samstag, 01.10.2011
Als wir das Apartement bezogen und die Lech-Active-Inclusive-Card besorgt hatten, war es dann doch schon fast 11 Uhr. Wir hatten ursprünglich vorgehabt, auf den Rüfikopf zu laufen und von dort auf die Rüfispitze zu steigen, aber der nordseitige Aufstieg zum Rüfikopf war noch immer im Schatten und es war schon ziemlich spät. Wo wir nun schon die schöne Card hatten, nahmen wir als erstes die Seilbahn zum Rüfikopf und genehmigten uns oben im Panorama-Restaurant erst mal Kaffee und Kuchen. Wenn schon, denn schon :-)
Zur Rüfispitze ist es von der Seilbahn nicht mehr allzu weit (etwa 400 Höhenmeter), dafür ist der Weg nett und die Aussicht grossartig. Erst läuft man einen grasigen Rücken hinauf, dann geht es in gelegentlich leichter Kletterei (I-) auf einem Schotterweg eine geröllige Flanke empor. Oben kann man ewig weit in alle Richtungen gucken und – eine Lechquellengebirge-Spezialität – seinen Wanderpass stempeln. Das ist so ein Prägegerät, mit dem ich dem Busfahrplan zu Leibe rückte. Der hat nun ‘Rüfispitze 2632m’ auf dem ersten Blatt eingeprägt ;-)
Wir hatten dann eigentlich noch den Wösterspitzen einen Besuch abstatten wollen (da hat es auch so einen Stempel-Apparat), aber wegen einer Dummheit meinerseits liessen wir das ausfallen und legten uns stattdessen am Monzabonsee in die Sonne und genehmigten uns dann ein (eher mittelmässiges) Eis im Panorama-Restaurant, bevor wir die Bahn ins Tal nahmen.
Zum Abendessen gingen wir einmal durch den Ort, um festzustellen, dass Essen in Lech ziemlich teuer ist. Gerichte deutlich unter 20 Euro sind da Mangelware. Da der ganze Rest in Lech ganz normalpreisig scheint, ist das ein bisserl rätselhaft. Aber Essen muss sein, daher gingen wir in das am nettesten aussehende Etablissement, das Hus Nr 8, was eine gute Wahl war. Den einerseits ist das Essen (und das Weizen) da ganz ausgezeichnet und andererseits hat das Hus mit seinen niedrigen uralten verwinkelten Räumen innendrin einen ganz besonderen Charme. Die Portionen sind von der Grösse her OK, nach einem ganzen Tag Bergsteigen (und nichts essen, wie wir das üblicherweise machen) könnten sie aber möglicherweise auch nicht ausreichen.
Um den Feiertag herum sollte das Wetter herbstlich genial werden, ein guter Grund, die letzten Urlaubstage für 2011 auf den Kopf zu hauen (bzw. beinahe die letzten, einen haben wir noch). Wir suchten uns das Lechquellengebirge aus. Das ist nicht weit weg und weil wir das von uns aus ja dauernd sehen, wollten wir es uns endlich mal genauer anschauen.
Freitag Abend wurde noch schnell eine Unterkunft gebucht, die Räder kurz gewartet und ins Auto gesteckt und ein bisserl Minimalausrüstung gepackt, dann konnte es am Samstag in der Früh losgehen. Um halb zehn waren wir in Lech am Haus Sebastian und bezogen ein hübsches Apartment.
Die nette Vermieterin hatte uns alle mögliche Information zu Zürs-Lech-Warth zusammen gestellt und legte uns die Lech-Active-Inclusive-Card ans Herz, mit der man in der Zeit des Aufenthalts alle Bergbahnen und Busse kostenlos benutzen kann. Ausnehmend erstaunlich, für Oberstdorf kann ich mir sowas nicht vorstellen!
Die Card schien uns zwar für uns nicht relevant, weil wir ja die Radl dabei hatten, aber es konnte ja nicht schaden, die Karte mal zu holen. Der Urlaub konnte losgehen.
Andi und Ilona haben wieder Allgäu-Urlaub gemacht, da bot sich mal wieder eine gemeinsame Tour an. Beim Überlegen, was denn eine schöne Tour wäre kamen wir lustigerweise alle auf dieselbe Idee, daher trafen wir uns am Samstag in der Früh am E-Werk um Ostrachtal, um die Hohen Gänge zu begehen.
In dieser Nacht schlief ich nicht gut und wachte Donnerstag in der Früh mit Halsweh auf. Ein schlechtes Zeichen. Nach einem kurzen Frühstück verstauten wir die Übernachtungssachen in einer Kiste im Schuhraum und rödelten komplett auf. Nicht weit von der Hütte entfernt würde uns 2er und 3er Kletterei erwarten und bald drauf Gletscher.
Es war noch dunkel, als wir uns auf den Weg um die Tabaretta-Spitze machten. An der zweiten Scharte schien der Weg nach unten schlicht nicht machbar, daher stiegen wir nach oben und umgingen die Scharte über eine hohe Flanke. Das war aber wohl eine dunkelheit-induzierte Täuschung, denn die nachfolgende Bergführer-Seilschaft stieg die Scharte ab und überholte, als wir die Flanke abstiegen. Das war der einzige Verhauer des Tages.