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Abenteuertour

Sonntag, Februar 11, 2018

Der große Neffe fragte schon Mitte Dezember das erste Mal an, ob er mit uns eine Skitour machen dürfe. Ich hab mich sehr darüber gefreut (Hey, die nächste Generation hat Interesse an dem was wir toll finden!) und natürlich sofort gesagt, dass wir das selbstverständlich sehr gern machen werden.

Und dann spielten weder Wetter noch Schnee so richtig mit. Wenn es schönen Schnee hatte, war die Lawinenlage so, dass ich den jungen Mann nicht mitnehmen wollte, wenn die Lawinenlage passte, war der Schnee so übel, dass man einen armen Skitourenanfänger nicht drauf los lassen wollte, weil der sonst einen Schaden für’s Leben kriegt. Oder es passten halt andere Umstände nicht, weil bei uns irgendwas anstand.

Aber dieses Wochenende sah schon von Weitem passend aus: Das Wetter schien mitzuspielen, der Schnee war vermutlich akzeptabel und die Schwester-Family war eh im Allgäu. Ich fing also an, die Ausrüstungsbeschaffung zu planen und stieß gleich mal auf die ersten Schwierigkeiten: Skitourenstiefel in der benötigten Größe gibt es nicht auszuleihen - jedenfalls nicht da wo ich nachfragte. Und - zweites Problem - ausleihbare Tourenski haben inzwischen durch die Bank Pin-Bindungen und damit fällt die Möglichkeit, mit ‘normalen’ Skistiefeln zu gehen auch gleich flach :-(

Schließlich fand ich dann doch ein Paar Tourenski mit Rahmenbindung in XL. Ich reservierte es umgehend und wir hofften aufs Wochenende. Je näher das allerdings rückte, desto schlechter wurde die Wettervorhersage. Immerhin schien aber der Schnee zu halten, weil es endlich mal klt blieb. Der Neffe wollte auch nach dem Auflisten aller zu erwartenden Schwierigkeiten auf die Skitour gehen und so gingen wir.

Da ja noch dazu Faschingswochenende mit sehr viel zu erwartendem Stau war, starteten wir schon um 7 und weil schon um diese Zeit der Tunnel blockabgefertigt wurde, nahmen wir den Weg übers Oberjoch ins Lechtal. Staufrei und mit nur wenigen Verzögerungen kamen wir in Namlos an, wo es bedeckt war, leicht schneite und nur -6 Grad hatte. Für Namlos ist das regelrecht warm ;-)

Wir marschierten die Forststraße hinter und über die beeindruckend hoch zugeschneite Brücke links hoch. Den steilen Hang entlang liegen ja immer Lawinen, aber die Menge und das Ausmaß sind dieses Jahr schon sehr beeindruckend. Entsprechend schwierig war die Querung über die Unmengen hart gefrorener Lawinenbollen.

Wir kamen deutlich höher raus als sonst üblich und folgten der Spur über einen neuen Weg durch Wald weiter das Tal hoch. Kurz bevor es links aus dem Bachbett raus über einen relativ freien Hang hoch geht, mussten wir nochmal einen sehr beeindruckenden Lawinenkegel queren. Dann waren die Schwierigkeiten geschafft.

Ingesamt hatte der Neffe sehr schnell gelernt, vernünftig mit den Tourenskiern zu laufen (und das obwohl er ja mit Pisten-Skischuhen unterwegs war) und hatte sich auch über die Lawinenkegel echt gut geschlagen. Jetzt kamen als nächste Schwierigkeit Spitzkehren dazu, die, das muss man zugeben, doch einige Übung erfordern. Und die Bedingungen waren nicht ideal, weil es einige recht harte und rutschige Stellen gab.

Er rutschte dann auch einmal aus und musste sich dann mit den blöden Tourenskiern rumschlagen, die sich gern sperrig allen Versuchen widersetzen, sie im Liegen unter Kontrolle zu bringen :-)

Es schneite die ganze Zeit leicht vor sich hin. Als wir noch im Tal waren, zeigte sich aber trotzdem die Sonne auf den Bergspitzen rundrum und wir schöpften Hoffnung auf eine tolle Abfahrt, denn oben war der Schnee tatsächlich nicht schlecht. Aber als wir uns dem Gipfelhang näherten, verzog sich die Sonne wieder hinter Wolken und die Sicht wurde schlecht. Das Licht war teilweise so diffus, dass man kaum die Spur erkennen konnte.

Und dann zogen Wolken rein und wir standen am Gipfel im Hochnebel mit Super-Aussicht auf die Wolken, in denen wir uns befanden. Immerhin war es nicht windig am Gipfel, aber auch die verlängerte Pause, die wir oben einlegten, brachte keine Sicht.

Die Abfahrt begann dann auch damit, dass wir bei quasi Null Sicht erst mal einen Weg über die enorme Wächte am Grat suchen mussten. Nachdem wir den gefunden hatten, hätten wir eigentlich einen recht schönen Hang mit recht schönem Schnee vor uns gehabt. Und er war auch mit so wenig Sicht ganz nett zu fahren, auch wenn es dem Neffen ein wenig schwer fiel, die Anordnung ‘Alle bleiben in Sichtweite voneinander!’ einzuhalten. Er wäre halt echt gern freeridermäßig da hinab gesaust, aber wir hielten alle paar Meter zum Sammeln, auch um nicht die richtige Richtung zu verlieren.

Immerhin lichtete sich im unteren Drittel des Gipfelhangs der Nebel, so dass wir wenigstens uns selber wieder sehen konnten. Das Licht blieb aber sehr diffus. Man konnte schwer erkennen, wo es rauf und wo es runter ging, was der Neffe dann auch feststellte, als er in der Rinne überm Treiensee in die gegenüberliegende Seite donnerte :-) Ich übrigens auch ;-)

Die restliche Abfahrt war dann sogar ganz nett. Zwar war es hart unten drunter, aber es fand sich doch fast überall noch ein klitzekleines bisserl Pulverschnee zum Abschwingen. Vor der ersten Lawine hatte der beste Allgäuer von Allen dann die prima Idee, doch über den Sommerweg abzufahren. Das war echt nett, so eine Art Skicross im Wald mit viel Quer-Rutschen (wobei die Herren da so schnell durch sausten, dass ich gar nicht so richtig hinterher kam) und das schlug den lästigen Weg über die Lawinenkegel natürlich um Welten.

Dann mussten wir noch durch den Bach (die schmale Fussgängerbrücke schien uns zu gefährlich) und über die Forststraße zurück zum Auto. Alles in allem war das eine richtig ‘echte’ Skitour, mit Hindernissen, wenig Sicht, teils schlechtem Schnee und Problemen und Schwierigkeiten und der große Neffe meinte trotzdem am Ende, dass es ihm richtig gut gefallan hätte :-)

Also ich würde sagen, das hat geklappt ;-)


Auf dem Forstweg (Zwerg und Riese)


Die zugeschneite Brücke


Lawinenkegelquerung


Lawinenkegelquerung


Die letzte Lawine


Der Neffe sortiert sich und die Ski


Wir hoffen auf Sonne


Diffuses Licht im Gipfelhang


Gipfel mit Aussicht


Abfahrt


Abfahrt


Abfahrt


Pause in der Abfahrt


Bachquerung


Rückweg

Von engel am 11.02.2018 17:21 • outdoorski
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