So ziemlich zumindest. Als wir am Sonntag in der Früh in Baad parkten, auf dem einzigen geräumten Parkplatz von den vielen in Baad, rund um uns herum fast 1 1/2 Meter Schneewände, waren zwar noch ein paar Leute zu sehen, doch als wir uns auf den Weg zur Güntlespitze machten, in unglaublich tiefem Schnee, waren wir allein und zogen eine einsame Spur in unberührten eisig glitzernden Pulverschnee.
Nochmal: in unberührten Pulverschnee. Auf dem Weg zur Güntlespitze. Wir konnten es kaum glauben. Allein unterwegs zur Güntlespitze, Mitte November, bei super Schnee und vertretbarer Lawinenlage. Das konnte doch einfach nicht wahr sein.

War es auch nicht, wir waren nur früher als die anderen unterwegs. Es dauerte nicht lang, dann rollte hinter uns auf unserer schönen einsamen Spur eine Art Dampfwalze aus 4 jungen Wilden heran und überholte uns. Und dann zogen sie uns trotz Spurarbeit davon. Dahinter kam ein einsamer Mann, der uns ebenfalls einholte, Und dann wieder 4 Männer, die an uns vorbei zogen, dann zwei, die regelrecht rannten. Und noch ein paar, alles Männer und alle in einem Mordstempo unterwegs.
Weder der Ralle noch ich waren wirklich fit, aber wir waren nicht langsam, ich schon gar nicht. Trotz Resterkältung hatte ich das Gefühl eher schneller zu sein als sonst (was vielleicht an Überresten der Höhenanpassung gelegen haben mag, aber wohl eher dem Sommertraining für Nepal zuzuschreiben ist), aber wir wurden wieder und wieder überholt. Am Gipfelhang waren wir tatsächlich die letzten des ersten Schwungs.

Je höher wir kamen umso deutlicher zeigte sich, wieviel Schnee es tatsächlich hat, und das Mitte November. Im Lawinenlagebericht war der Begriff ‘Schneemäuler’ zu lesen. Was darunter zu verstehen ist, ist klar, eine Schneedecke, die bis zum Grund aufgerissen ist. Wie das in der Realität aussieht, liess uns staunend auf dem Gipfelgrat der Güntlespitze anhalten. Die Schneedecke, locker anderthalb Meter dick, war aufgerissen, halb abgerutscht und zusammengeschoben. Ein Maul im Schnee, dessen Ränder fast anmuten wie ein Gletscherbruch.

Spätestens am Gipfelhang war uns beiden klar, dass wir uns mit der Skitour trotz Erkältung möglicherweise übernommen hatten (aus heutiger Sicht: glücklicherweise vermutlich nicht :-)) und so gönnten wir uns eine lange Pause am Gipfel. Ein paar Waagemutige (möglicherweise auch Bescheuerte) der Skitour-Renner fuhren den steilen Nordhang der Güntlespitze direkt ab, viele der anderen quälten sich an den Schneemäulern vorbei den Gipfelgrat hinab zum flacheren Teil des Nordhangs. Gefiel uns nicht, wir wollten den Osthang hinabfahren.
Die ganz ersten waren wir nicht im Osthang, aber immerhin waren wir unter den ersten. Das Abfahren war zwar anstrengend aber genial, gut knietiefer Pulverschnee, in dem man gerade eben nicht unterging und in dem man himmlisch schwingen konnte. Links und rechts sind unsere Spuren, ganz rechts die ‘Schneemäuler’ des Gipfelhangs.

Dann machten wir einen Fehler. Anstatt wie unsere Vorfahrer nochmal aufzusteigen und dann den steilen Nordhang abzufahren, wollten wir wie sonst den Sommerweg abfahren. Normalerweise geht das so gut, dass wir ganz vergessen hatten, wie flach der Sommerweg verläuft. Anstatt 99% des Weg zu fahren und 2 Mal ein wenig aufzusteigen, mussten wir 99% des Weges stapfender- und schiebenderweise spuren, was insgesamt dann vermutlich anstrengender war, als die 200 Meter direkt aufzusteigen :-)

Alles in Allem ein wunderbarer Wintertag, trotz Erkältung, überholt werden und völlig sinnlosem Sommerwegspuren. Und das Mitte November. Verglichen mit der ersten Skitour des letzten Jahres, auch auf die Güntlespitze, war das geradezu sensationell (sogar die Ski haben die Tour völlig unbeeinträchtigt überstanden). Und weil es so schön war, hier noch ein bisserl Winter im Kleinen Walsertal :-)

:-)) :-))
Mehr sag i ned… ;-)
Und wie war die neue Bereifung?
Hihi, ich habe mich bei den ersten Zeilen schon gewundert, weil am Sonntag war ja Großkampftag der Tourengeher ... aber schön und ein richtiger Winter war es am Wochenende, gell! Jetzt hoffe ich nur dass der Fön nicht so viel Schnee frißt ...
Man kann wirklich neidisch werden !! Schnee und blauer Himmel noch dazu !!
Na bei uns hat sich am WE ja wenigstens die Sonne mal blicken lassen, aber gestern war’s damit wieder vorbei.
Sehr schöne Bilder :-))
Eben, hawkeye: :-))))
Prima, Gabi, keine Blasen, kein Aua beim Abfahren, bequem zu laufen, schön steif zum Abfahren. Genau was ich wollte :-)
Da sagst Du was, Steepe, ‘Grosskampftag’ trifft es ganz genau. Nach dem ersten Schwung Renn-Skitourer kamen dann die ‘normalen’ Tourengeher. Alles in Allem unglaublich viele und am Gipfel kamen dann noch die aus dem Bregenzer Wald dazu. War ziemlich voll da oben.
Ehrlich gesagt, Petra, wär ich nicht da gewesen, wär ich auch neidisch ;-) Und Danke :-)
Zum Trost: Hier ist jetzt auch Nebel und Trübwetter, von Sonne nichts zu sehen. Dafür müsste man wohl in die Berge.