Einer der erstaunlichsten Aspekte (für Alpen-gewohnte Europäer wie mich zumindest) im Himalaya sind die Dimensionen der Landschaft. Jetzt wo ich durch die Fotos gehe, fällt mir das wieder auf. Alles ist weiter, höher, tiefer, grösser als erwartet. Was in der Nähe noch halbwegs erfassbar ist, wird mit zunehmender Entfernung irgendwie irreal, weil man einfach keine Erfahrungswerte zum Vergleichen hat.
Am Anfang, als wir soviel Nebel hatten, ist das ganz besonders aufgefallen. Da wir ja alle neben dem Bergsteigen auch zum gucken in Khumbu gekommen waren, versuchten wir auch im Nebel soviel wie möglich von der Landschaft zu erkennen. Wenn sich dann mal ein Loch im Nebel ergab und ein Berggipfel zu sehen war, rief unweigerlich irgendwer: ‘Ein Berg, ein Berg!’ und zeigte in die entsprechende Richtung.
Im ersten Augenblick fand dann niemand den Berg, trotz der angegebenen Richtung. Weil wir nämlich alle viel zu tief guckten. Und weil die Gipfel alle 3-5 Kilometer über uns waren. Beispiel gefällig?
Auf diesem Berg waren wir unter anderem:

Sieht Klasse aus, nicht? Das ist der Ngozumba Tse, der hat 5529 Meter. Der Aufstieg war auch ganz schön anstrengend, weil wir den nach dem Schneesturm bestiegen haben und der lockere Neuschnee recht hinderlich war.
Und nun wollen wir noch mal genau hinschauen, wo unser Berg ist:

Das ist der Ngozumba Tse. 5529 Meter hoch. Und das dahinter, das ist der Cho Oyu, 8201 Meter. 3 Kilometer höher. Ein Berg mit 5529 Meter Höhe ist nicht grad klein, schon gar nicht wenn man immerhin um die 600 Höhenmeter weglos im Neuschnee auf blockigem Geröll aufsteigen muss, da muss man sich den Gipfel schon ehrlich erkämpfen.
Aber über den Ngozumba Gletscher hinweg betrachtet, waren wir nur auf so einem unbedeutenden Schutt-Hubbel unter einem ‘richtigen’ Berg. Die Dimensionen kann so ein ungeübtes Europäer-Hirn ganz einfach nicht erfassen. Also meines zumindest hat das die ganze Zeit nicht hinbekommen, ich hab bis zum letzten Tag noch darüber gestaunt, wo die Gipfel der Berge sind.
Hy Andi,
was ich dabei krass finde, daß der “höchste Berg” Deutschlands immer noch 2567m unter dem Ngozumba liegt, quasi unterirdisch.
Schöne Grüße
Ui, das ist ja wirklich unglaublich !! Grandios !
Da bleibt mir Flachland-Alpinistin wirklich die Spucke weg :-)
*lol* Das auch hanes, aber in der Gegend ist ganz Europa sozusagen unterirdisch, unser Lager am Fuss des Ngozumba Tse lag auf 4980 Metern, also deutlich über dem Mont Blanc ...
Jau, Petra, mir auch. Immer und immer wieder.
Ich kann Trekken in der Gegend zum Horizont-Erweitern gar nicht warm genug empfehlen. Man muss gar keine Schutt-Hubbel unter den richtigen Bergen besteigen, um nur vom Anschauen ganz einfach nur vor Ehrfurcht geplättet zu sein ...
Auf dem Schutthubbel wart ihr? Das schaut ja aus wie der Mariaberg!! Da passen die Dimensionen wirklich irgendwie nicht! Da wird plötzlich ein 5einhalb TAUSEND Meter hoher Berg zum Voralpenland dagradiert!
Spektakulär! Ich hoffe es gibt noch mehr Bilder?
Und mitten im Himalaja zu stehen und aufgeregt “Guck da ist ein Berg” zu rufen, entbehrt auch nicht einer gewissen Komik…
Also der Mariaberg ist deutlich grüner, Gabi, aber im Prinzip stimmt der Vergleich: Wir haben lauter Vorberge bestiegen. Vom Island Peak eventell mal abgesehen.
Ja, Dr.Sno*, wird es geben, aber das dauert noch ein bisserl.
Und zu unserer Entschuldigung: Es war wirklich sehr sehr neblig am Anfang ;-)
Der Island Peak ist nur eine völlig unbedeutende Gratschulter des Lhotse Shar, also völlig wurscht ob man da raufkommt oder nicht :-)
Der Pokalde ist wesentlich eigenständiger !
*lol* Danke für die moralische Unterstützung, Yak. Ist gar nicht nötig, bin mit dem Pokalde völlig zufrieden :-)
Hier so ganz kartenlos kann ich da nur sagen: Du bist der Experte, wird schon stimmen. Dass der Pokalde ein eigenständiger Berg ist stimmt natürlich, hab ich völlig übersehen. Ha, was ne Leistung ;-)