Das Wetter am Sonntag war sogar noch besser als von der Vorhersage zu erwarten war. Wir starteten bei besten Bedingungen aber schon ziemlich hohen Temperaturen (-3 Grad) in der Früh von Hinterstein ins Ostrachtal. In Hinterstein kann man übrigens inzwischen für moderate 2.50€ für den ganzen Tag parken. Nachdem ich jetzt schon so oft über die Parkgebühren geschimpft habe, will ich nicht versäumen, die neue Parkgebührenordnung sehr zu loben :-)
Wenn man auf die Heubatspitze will, muss man erst mal ein Stück auf der Strasse (oder daneben) Richtung Giebelhaus marschieren, bevor man dann über eine Brücke Richtung Eckalpe abbiegt. Wir stellten uns erst mal ein bisserl dumm an und mussten vom Parkplatz aus nochmal umdrehen, um auf die untere Strasse zu kommen ;-)

Blick auf die Pfannhölzer und den Kleinen Daumen
Nach der Brücke geht es noch ein paar Meter über eine Wiese, dann biegt man nach links zum Sommerweg zur Eckalpe ab. Da wir den Sommerweg nicht kennen und der Weg eher spärlich markiert ist, war uns die Skispur, der wir folgen konnten, ziemlich Recht. Ohne die hätten wir uns im steilen Bergwald doch einigermassen schwer getan, den Weg zu finden.

Der Aufstieg ist stellenweise ein bisserl schwierig
Auch so war es nicht ganz einfach, auf dem von nur wenigen Zentimetern Neuschnee bedeckten Harsch die steile Flanke ins Hochtal der Alpe Eck zu kommen. Unsere wunderbaren Abfahrtski sind nämlich bei solchen Bedingungen eher ungeeignet, so dass der Aufstieg trotz der Harscheisen stellenweise eine rechte Quälerei war.
Abgesehen davon war der Aufstieg im Wald ganz nett, vor allem, nachdem wir den unteren Steilhang mit der alten zu vielen Bollen zusammengefrorene Lawine hinter uns gelassen hatten. Schliesslich kamen wir aus dem Wald hinaus und hatten sogleich das wunderbare Panorama der Pfannhölzer und den Kleinen Daumen vor den Augen.

Endlich aus dem Wald draussen
Es dauerte dann auch nicht mehr lang, bis wir nach einigem Auf und Ab die Alpe Egg erreichten. Dort gab es erst mal eine Pause und wir machten anhand Karte und Gegend den fälligen Lawinencheck. Bisher war alles vertretbar gewesen, doch ob der Gipfel machbar sein würde, liess sich von der Alpe noch nicht beurteilen. Dazu mussten wir weiter in den Talschluss hinein.

Wir erreichen die Alpe Eck
Unsere Vorgänger hatten am Vortag nach der Alpe beschlossen, es gut sein zu lassen und waren lediglich auf den nächstbesten Buckel gestiegen, um von da abzufahren. Also durfte der beste Allgäuer spuren, was im Bachbett erst mal eine ziemliche Arbeit war, denn der Schnee war locker und tief (und stellenweise in der Sonne schon feucht, was meine Felle zum Anlass nahmen, in grossem Stil zu stollen, 5 Kilo extra an jedem Bein *grmpf*).

Ralle spurt
Als wir dann Einblick zum Gipfelhang hatten, dachten wir, den Zustieg verantworten zu können. Unten war der Schnee noch recht tief und locker. Im südöstlichen Gipfelhang, wo die Sonne bereits reingekommen war, wurde er dann kompakter und schien eine gute Bindung nach unten zu haben.

Im Aufstieg
Je weiter wir aber nach oben kamen, wo der Hang sogar flacher wurde, umso seltsamer wurde der Schnee. Die Schneeschicht auf dem harten Harschdeckel wurde zwar immer dünner, doch der Halt zwischen dem Harsch und dem windgepressten Triebschnee wurde immer schlechter. Zwischendrin schaute auch nahezu blankes Eis raus, so dass wir uns mit dem Aufstieg immer schwerer taten und am Ende mehr oder weniger zum Grat hinauf eierten.

Inzwischen ist auch der Gipfel schon zu sehen
Vom Grat aus betrachten wir die letzten Meter zum Gipfel, die wieder ein Stück steiler waren als der Weg bisher. Die Sonne hatte uns schon lang verlassen und es herrschten seltsame Lichtverhältnisse, bei denen kaum Kontouren im Schnee zu erkennen waren. Von hier mit Skiern zum Gipfel aufzusteigen schien uns nicht schlau. Und zu Fuss schien uns das Unternehmen auch nicht so recht ratsam.

Der Gipfel
Am rechten Rand war deutlich eine harte Firnschicht zu erkennen, die man mit Steigeisen wohl hätte angehen können, die wir uns (ich mir) ohne nicht so recht zutrauten. Wenn man da erst mal ausrutschte, würde einen der Schnee erst nach ein paar hundert Metern Rutschpartie bremsen. Unangenehm, aber nicht übermässig gefährlich. Was so ein Rutsch aber mit dem nur locker verbunden Schnee auf dem Harsch anrichten würde, war eine ungute Vorstellung. Genauso wie der Zustieg über die noch steilere linke Flanke des Gipfelaufbaus, in der zwar (Trieb-)Schnee lag, wo aber nicht abzuschätzen war, wieviel davon da rumlag und wieviel Bindung das Zeug nach unten hatte.
Wir liessen es gut sein und rüsteten uns zur Abfahrt. Einzeln und in grossen Abständen tasten wir uns nach unten. Weiter unten war zwar der Schnee ganz nett zu fahren, aber die Sicht war so schlecht, dass wir in dem sanft-welligen Gelände einfach keine Konturen sehen konnten und uns anhand der Aufstiegspur im halben Blindflug nach unten schwangen. Wenn man unversehens in eine Mulde geriet und einem der Boden sozusagen beinahe unter den Füssen weggezogen wurde, fühlte sich das grad so an wie im FreeFall auf dem Oktoberfest ;-)

Abfahrt zur Alpe Eck
An der Alpe Eck gab es dann nochmal eine Teepause, bevor wir uns Skicross-mässig auf den Weg durch den steilen Bergwald nach unten machten. Bis auf die alte Lawine, deren eisige Bollen zu queren ziemlich lästig war, machte die Abfahrt richtig Spass. Bis wir unten ankamen und mehr oder weniger im Schnee stecken blieben, weil der da unten so nass war, dass die Ski sich dort mehr opder weniger fest saugten.
Eine einsame und schöne Tour, die wohl wiederholt werden muss, auch wenn die ersten 400 Höhenmeter ziemlich lästig sind.