Der erste Aufsteh-Versuch war wie ausgemacht um 6.00h. Draussen herrschte dichter Nebel und es schneite. Unter den Bedingungen war an eine Eiswand nicht zu denken, daher gab es Schlaf-Verlängerung um eine Stunde. Um 7 dann Frühstück. Das war zwar sehr schön angerichtet, ein Buffet mit Brot, Cornflakes, Müsli, Wurst, Käse, Marmelade, Nutella, aber das Brot war mehr als schwer verträglich, schwer und trocken. Kaffee gab es bis zum Abwinken.
Draussen schneit es noch immer. Damit war die erste Eiswand gestorben und wir beschlossen, stattdessen auf die Hohe Riffl zu gehen. Whatever. Da draussen war alles weiss, bisher hatten wir ausser dem Steinhaufen des Grossen Burgstalls auf dem die Hütte liegt, noch nichts gesehen.

Wir seilten uns vor der Hütte an (mit unserem Seil, weil das am längsten war, der Ralle stöhnte: Das wird nass und schwer!), die Schneeschuh-Geher vorn, Ralle und ich mit den Minis hinten dran, und stapften los.
Erst ein bisserl hoch. Dann ein bisserl runter. Dann wieder ein bisserl hoch. Und gradaus. Und leicht hoch. Und ein bisserl nach links. Und nach rechts. Und doch wieder links. Und wieder ein wenig hoch. Davon abgesehen änderte sich nichts. Rechts, links, vorn, hinten, oben und unten war alles weiss.

Alex hatte die Hohe Riffl in sein GPS programmiert und das war auch gut so, ohne dessen Angaben hätten wir niemals zur Hohen Riffl gefunden, die obere Pasterze ist flach und konturlos. Erstaunlicherweise war es trotz des Nebels sehr hell und furchtbar warm - obwohl es ständig schneite, hatte es andauernd gefühlte 20 Grad.
Nach endlosem Gehatsche kam schliesslich doch sowas wie ein Gipfel in Sicht. Ein breiter weisser Hubbel, die erste echte Erhebung seit der Hütte, vielleicht 50 Höhenmeter, auf der vorne links sogar ein Kreuz zu erkennen war.

Am Gipfel konnten wir sehen, dass wir uns die ganze Zeit ganz knapp unter der oberen Wolkendecke befunden hatten. Links war inzwischen sowas wie ein Berg zu erkennen, nicht lang allerdings.

Für die Abfahrt klinkten uns Ralle und ich aus der Seilschaft aus, um abzufahren. Mit den Minis war die Abfahrt durch den matschigen Sulz extrem anstrengend, aber immerhin konnten wir fahren und mussten nicht laufen wie die anderen.
Nach dem Gipfelhang reduzierte sich die Sicht wieder auf etwa 3 Meter, so dass wir uns nicht von der Spur entfernen konnten. Wäre eh nicht möglich gewesen, die Abfahrt erfolgte so flach, dass wir meistens nur gradaus in der Spur abfahren konnten. Das ging aber dann erstaunlich lang, bis fast zur Hütte, obwohl wir hin und wieder ein wenig schieben mussten.

Ziemlich frustiert kamen wir nach guten 5 Stunden wieder an der Hütte an, 450 Höhenmeter in Nebel und Schneefall und Hitze (doch, Schneefall und Hitze, weiss der Geier, wieso das da oben so warm sein und trotzdem schneien konnte) hinter uns und von der Gegend hatten wir noch nicht das kleinste Fitzelchen gesehen. Blöde Idee, bei den Bedingungen in die Hohen Tauern zu fahren!
Wir vertrieben uns die Zeit in der Hütte mit Trinken (Tee und Radler, vom Vortag war noch einiges an Flüssigkeitsmangel aufzuholen) und hofften dass das Wetter am Samstag wie angekündigt tatsächlich besser werden würde. Da kam Hawkeye von einer Raucherpause von draussen rein und winkte mir zu. Verwundert folgte ich ihm nach draussen und ... es hatte Berge!

Am Nachmittag wurde das Wetter dann stetig besser. Erst sah man nur den Fuscherkarkopf und den Johannisberg und den unteren Teil vom Grossglockner, aber mit der Zeit kam die ganze Gegend raus und es wurde - endlich! - kalt. Yak nützte das schöne Wetter, um noch auf einen der Bärenköpfe zu steigen, wir anderen waren inzwischen zu faul.

Mit der Sicht begann die Diskussion, was man morgen machen wolle. Eine Eiswand, klar, aber welche? Der Fuscherkarkopf war eindeutig zu blank, Fels, kein Eis, das sah sogar ich. Der Grosse Bärenkopf oder der Johannisberg, entschieden Alex und Yak. je nach dem, wie kalt es nachts werden würde.
Klasse! Unsere erste Eiswand!