Dein Browser kann leider nicht vernünftig mit CSS umgehen. Den Inhalt siehst du, das Design dagegen ist futsch.

Landschaftspitze

Montag, Februar 02, 2009

Im Allgäu haben wir die meisten unserer Touren in diesem Winter bereits abgeklappert, es wurde also Zeit, mal wieder ins Lechtal zu gehen. Auf zu neuen Zielen natürlich, nach diversen Überlegungen zur Durchführbarkeit der Touren (IIer Kletterei? Nein, nicht mit der kaputten Hand. 1500 Höhenmeter? Ach nö, da reicht die Zeit doch nicht mehr für den Kuchen hinterher.), fiel die Wahl auf die Landschaftspitze. Knapp 1200 Meter von Gramais, theoretisch durchgehend mit Ski begehbar, wenn auch ‘unangenehm enger Schlauch’ durch den Latschengürtel irgendwie abschreckend klingt. ‘Landschaftlich reizvoll’ und ‘einsam’ dagegen klingen prima :-)

Wir starten mal wieder nicht so früh wie geplant, kamen aber trotzdem schon um 9 in Gramais los. Das Thermometer zeigte -15 Grad und zudem wehte ein eisiger Wind durch das schattige Otterbachtal. Insgesamt war es um die 10 Grad kälter als wir gedacht hatten, so dass wir uns grad so warm halten konnten, wenn wir uns bewegten.


Start ins Otterbachtal

Anfangs waren wir ganz allein unterwegs (allerdings folgten wir Skispuren, als musste es Leute vor uns haben), an der Klamm zum Landschaftkar überholte uns dann aber ein flotter Einzelskitourer, der kurz vor uns vom Otterbach abbog und direkt auf die steile Wand neben der Klamm zuhielt. Nein, da konnte es nicht hinauf gehen, ‘dem Sommerweg folgend’ stand in der Beschreibung.


Aufstieg ins Landschaftskar

Wir folgten dem Otterbach noch ein paar hundert Meter weiter und sahen dort wo wir es ungefähr erwartet hatten auch, dass die Skispur nach oben führt. So ganz klar war uns ja nicht, wo genau es durch die steile fels- und latschendurchsetzte Flanke gehen sollte, aber die Spur schien vernünftig und irgendwie erinnerte ich mich daran, dass der Sommerweg auf der Karte da irgendwie in super-engen Kehren relativ direkt die Flanke hinauf führt.


In vielen Kehren durch die Rinne

Wir folgten der Spur und kamen so ganz richtig durch den ‘engen Schlauch’ ins Landschaftskar. Die Rinne, der der Sommerweg folgt, ist grob geschätzt knapp 50 Grad steil und stellenweise - je nach Schneelage vermute ich - grad mal 3-4 Meter breit. Das führt dann teilweise zu einem Aufstiegsrhytmus Schritt - Spitzkehre - Schritt - Spitzkehre und ist ungemein anstrengend. Ohne die Spur hätten wir das vermutlich niemals nie nicht gefunden und wenn es keinen LLB 2 oder drunter hat, darf man an diese Rinne sicherlich nicht mal denken.


Der Aufstieg ist steil und anstrengend

So landeten wir nach einem schweisstreibenden (und kurzzeitig sonnigen) Aufstieg durch den Schlauch im Landschaftskar wieder im Schatten und hatten vor uns einen sehr schönen weiten breiten Hang, der nach feiner Abfahrt aussah. Der einzelne Skitourer, der uns unten überholt hatte, kam gerade erhitzt von rechts unten und fädelte knapp vor uns in die Spur ein. Wie der ohne die Rinne durch die steile Flanke gefunden hat, kann ich mir nicht mal vorstellen, aber so wie er uns auf der schön angelegten Spur davon zog, muss es extrem anstrengend gewesen sein.

Nach dem breiten Hang hatten wir endlich einen wirklichen Einblick ins Landschaftskar und machten erst mal Teepause. Landschaftlich reizvoll wie versprochen öffnete sich vor uns ein relativ weites Hochtal, das schöne sanft geneigte Hänge bot. Unseren Gipfel konnten wir noch nicht sehen, aber es war absehbar, dass es noch ziemlich weit war.


Kühle Pause im Landschaftskar

Nach der kurzen Pause machten wir uns zunächst fröstelnd auf den Weiterweg. Schlau wäre gewesen, bei der Teepause etwas gegen den widerlichen kalten Wind (das Thermometer zeigte noch immer -9 Grad) anzuziehen.

Als wir im oberen Kessel des Landschaftskars endlich in die Sonne kamen, sahen wir, dass die ersten beiden Vorsteiger das gemacht hatten, was ich auch gern gemacht hätte: Nämlich die schattige Landschaftspitze Landschaftspitze sein lassen und Pause an einem sonnigen Stein im Joch zum Rosskar. Nix da, meinte der beste Allgäuer von Allen, jetzt sind wir hier, die paar Höhenmeter schaffen wir jetzt auch noch!


Sonne im oberen Landschaftskar

So bogen wir nach links der Spur des Einzelskitourers folgend zur Landschaftsspitze ab. Der Einzelskitourer kam uns bald entgegen und meinte, er traue der steilen Rinne zur Spitze nicht und sei deswegen nur ein Stück weit eine etwas flachere Rinne hinauf gestiegen.


Ralle steigt der Gipfelrinne entgegen

Wir folgten seiner Spur so weit es ging und hielten uns dann so weit oben wie möglich nach links, um in die steile Rinne zum Gipfel zu gelangen. In der Rinne wurde der Schnee immer tiefer und lockerer, je weiter der Ralle nach oben stieg. Zudem wird die Rinne, je höher man kommt, immer enger, an der Schlüsselstelle waren es bei der aktuellen Schneelage etwa 5 Meter. Ich blieb zunächst unterhalb eines grossen Felsens stehen und beobachete, wie der beste Allgäuer von Allen sich nach oben arbeitete. Man konnte sehen, wie ihm immer unwohler wurde.

Mir auch. Immerhin waren wir inzwischen ganz und gar allein, die einzigen anderen 3 Menschen weit und breit waren inzwischen abgefahren. Die Wahrscheinlichkeits-Abschätzung für LLB 2, eine kammnahe steile Rinne mit Triebschnee und mehr als 40 Grad Steilheit in ungünstiger Exposition sagt: riskant! Der einzige positive Punkt war unsere kleine Gruppe von 2 Leuten.


Rückblick zum Abbruch in der Gipfelrinne

Da uns beiden nicht ganz wohl war, brachen wir dann etwa 50 Höhenmeter unter dem Gipfel ab. Zur Landschaftspitze müssen wir wohl ein andermal nochmal aufsteigen. Aber wiederkommen geht immer, oben bleiben nur einmal.

Die Abfahrt war wie erwartet: oben super-genial in perfektem Pulver und in Mitte in bisserl schwierig, weil da Pulverschnee über kleinen harten Oberflächen-Lawinen lag, was manchmal recht unerwartet war. Die Rinne war natürlich grässlich weil man teilweise kaum umdrehen konnte und ganz unten verhinderte ein zugeschneiter Harschdeckel die Freude am Schwingen ein wenig.

Nach 6 1/2 Stunden waren wir wieder in Garmais und gönnten uns in der Alpenrose den wohlverdienten Kuchen. Trotz diverser Problem war das eine geniale Tour und da wir nicht am Gipfel waren, muss sie wohl wiederholt werden :-)

Von engel am 02.02.2009 20:42 • outdoorski
Dieser Eintrag kann nicht mehr kommentiert werden.

Reiseberichte

Bücher :-)

Letzte Einträge

Letzte Kommentare


Have fun!