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Mittwoch: 12.09.2018: Mönch

Donnerstag, September 27, 2018

Ich schlief wieder schlecht und erwachte beim Handy-Weckern um 5:30h verschleimt und mit Halsweh (und natürlich hatte ich wieder ordentlich geschnarcht). Erstaunt stellte ich fest, dass im Gegensatz zu gestern noch keiner wach war oder aufstehen wollte. Wir schlichen uns raus und gingen zum Frühstück runter.

Dort war alles dunkel und ein paar Leute warteten schon aufs Frühstück. Aber auch hinter den runtergelassenen Theken-Rollos war nichts zu hören. Ich lief im unteren Stockwerk herum, aber auch da war nichts und niemand zu finden. Der Frühstücksraum füllte sich mit unzufriedenen Bergsteigern. Wir hätten auch nicht ohne Frühstück gehen können, weil auch die Marschteeflaschen noch nicht da standen und ohne Getränke kann man wirklich nicht los.

Eine Gruppe junger Holländer durchsuchte die ganze Hütte und schaffte es schließlich, den Hüttenwirt zu wecken, der tatsächlich verschlafen hatte. Er kam runter, rumpelte eine gute Weile hinter den geschlossenen Theken-Rollos herum und machte schließlich und endlich auf. Da war es dann schon nach 6:00h.

Wir frühstückten relativ schnell und versuchten beide, mehr als nur ein Brot zu essen. Irgendwo muss die Energie für die Touren ja herkommen. Dann packten wir unser Zeug und starteten.

Zunächst ging es runter unter die Hütte zur Randkluft zum Ewigschneefäld. Der Absatz war fast noch höher geworden und ich hüpfte mutig drüber. Ging auch diesmal gut, der Schnee federte mein Hüpferle gut ab. Der beste Allgäuer von Allen stieg rückwärts ab, aber das traute ich mich mit meinen inzwischen erwiesen arg kurzen Frontzacken nicht.

Wir liefen ein Stück das Ewigschneefäld runter und bogen dann nach links Richtung Südliches Eigerjoch ab. Dazu geht erst noch ein Stück runter und dann einigermaßen steil hinauf auf das Gletscherplateau unter der Mönch Nordostwand. Wir stellten beim Aufsteigen fest, dass wir beide relativ schlapp waren. Da schlug wohl die mangelnde Akklimatisation und die anstrengende Tour auf die Jungfrau zu.

Wir querten das Gletscherplateau zum Südlichen Eigerjoch und schauten uns dann den Grat zum Eiger an. Lang ist der, und es geht ordentlich rauf und runter. Und wir waren echt spät dran (eh schon spätes Frühstück und dann noch das Verschlafen) und eigentlich schlapp. Wir entschlossen uns, den Eiger Eiger sein zu lassen und stattdessen auf den Mönch zu gehen. Immerhin hatten wir den Eigergrat jetzt schon mal aus der (relativen) Nähe gesehen. (Beeindruckend.)

Wir marschierten also zurück (der Aufschwung zum Gletscher-Plateau war schon ganz schön weich!) und waren nach knapp 2 Stunden zurück an der Randspalte des Mönchsjochs. Der Weg zum Einstieg zum Mönch ist von da nicht mehr weit.

Wir kamen genau richtig mit den ersten Bahn-Seilschaften am Einstieg an. 2 Asiaten seilten sich gerade an, als eine 3er-Seilschaft (osteuropäischer Führer mit osteuropäischen Gästen) und eine 2er-Seilschaft (Schweizer Bergführer mit einer Kundin) von der Pistenraupenspur heran marschierten.

Während sich die 3 noch sortierten, stieg der Schweizer Bergführer schon mal ein. Also das sah nicht einfach aus. Die Kundin hatte Probleme und dufte sich am Seil hochziehen. Auch die 3 Osteuropäer und dann die beiden Asiaten taten sich schwer mit dem Einstieg. Der ist nämlich glatt und sehr griff- und trittarm. Nicht unerfreulich sind die nigelnagelneuen Bohrhaken, die in der Einstiegswand platziert sind.

Wir lösten die Gletscher-Seilschaft auf und stellten auf Kletter-Seilschaft um. Mutig erklärte ich, den Vorstieg zu machen. Immerhin gehe ich ja seit Jahren wöchentlich klettern, während der beste Allgäuer von Allen eher Joggen und Biken geht.

Tja. Der Einstieg ist wirklich glatt und griffarm. Unter dem Einstieg hat es eine Randspalte (die ist schmal, da kann man nicht komplett rein fallen) und dann kommt ein breiter Dreck-Eis-Haufen, auf dem viele Leute Platz haben. Man könnte also problemlos abspringen, wenn man rutscht, aber abspringen, das ist halt so eine Sache. Ich stieg ein, ging auf einer schmalen Leiste auf und ab, suchte Griffe und Tritte und traute den Stiefeln nicht. Dann kam ich wieder runter. Öööööh.

Der beste Allgäuer von Allen stieg ein, ging auf der Leiste hin und her, suchte Tritte und Griffe und traute seinen Stiefeln nicht. Dann stieg er halt hoch, nahm kurz ein Knie und war am Haken. Wer kann, der kann! (Im Nachstieg schaffte ich das Ganze übrigens.)

Nach der Einstiegsplatte kam eine Querung, eine kurze Rinne, nochmal eine Querung und dann ist man auf den Trittspuren im Geröll, die im Führer beschrieben sind. Ich behaupte jetzt mal, dass dieser Einstieg früher im Jahr und überhaupt frühers ganz einfach nicht aus dem Eis kam.

Danach ist der felsige Teil des Aufstiegs zum Mönch tatsächlich problemlos und im oberen Teil sogar geradezu vergnügliche Kraxelei ... also zumindest, wenn das Ganze nicht gar so anstrengend wäre. Gemessen daran, wie wir - insbesondere ich - auf diesem Aufstieg schnauften, war der Abbruch am viel schwierigeren Eiger-Grat eine gute Idee gewesen.

Etwa in der Mitte des Grates muss man kurz ins Eis, dann geht die Kletterei weiter. Ein weiteres kleineres Stück Eis kann man links umgehen. Oberhalb des ersten Eises machten die beiden Asiaten Pause. Später sah ich, dass sie wieder abstiegen. Wir kraxelten weiter bis zum Anfang des eisigen Gipfelgrates. Da war ein wenig Stau, weil 2 Seilschaften runter kamen und die beiden Bergführer hoch wollten.

Der gesamte Mönchgrat hat in unregelmäßigen Abständen Sicherungsstangen, die unten ordentlich in Fels verankert sind, da oben aber einfach nur im Eis stecken (jedenfalls sieht das so aus und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man da zum Fels runtergegraben hat). Es gibt da eine tief verankerte Stange, an der oben dran mit Bändern und Rasterbändern eine weitere Stange befestigt ist. Der Grat ist steil und ausgesetzt genug, dass diese Stangen kein Luxus sind.

Sowohl die absteigenden als auch die aufsteigenden Seilschaften nutzen die Stangen. Das dauerte natürlich etwas, bis die aneinander vorbei waren und wir seufzten schon ein wenig wegen der Wartezeit. Dann allerdings stellten wir fest, dass sich unser Seil im Rucksack des besten Allgäuers von Allen hoffnungslos verheddert hatte. Bis wir das auseinander sortiert hatten, hatte sich der Stau auch schon aufgelöst.

Der beste Allgäuer stieg vor, ich stieg nach. Wir stiegen zunächst auf den Frontzacken hinauf, weil das Brösel-Eis auf dem Grat schon relativ weich war und die Stufen der Vorgänger schon abgerutscht waren. Oben wird der Aufschwung flacher, da war wieder ‘normales Gehen’ möglich.

Dann standen wir auf dem Sattel vor dem Restgrat zum Mönchgipfel und sahen zu, wie der Schweizer Bergführer mit seiner Kundin zu uns zurück balancierten. Die Gratschneide zum Mönch-Gipfel war messerscharf und oben gerade mal 2 Füße breit. Als die beiden vorsichtig gingen, fiel auf der Südseite immer wieder ein wenig Schnee runter. Das war auch schon weich.

Wir stellten wieder von Kletterseilschaft auf Eis-Seilschaft mit kurzem Seil um und gingen dann zum Anfang des scharfen Grates. Dort beschlossen wir dann, dass uns der Grat angesichts der späten Stunde und der Wärme zu gefährlich war. Wenn einem da was unterm Steigeisen rausbricht, hat man verloren. Höhenmäßig hat man vor dem Grat den Mönch nahezu bestiegen, es fehlen noch etwa 200 Meter Querung. Also waren wir (beinahe) oben.

Wir stellten also wieder auf Kletterseilschaft um und stiegen gesichert an den Stangen zurück zum felsigen Grat. Wir waren die letzten am Berg.

Auf dem Weg nach unten erwischten wir unterhalb des unteren Eisfelds einen anderen Weg, als den, den wir aufgestiegen waren. Es hat ziemlich viele Trittspuren und unzählige Möglichkeiten dort. Trotzdem war es nicht schwer, bis zum Einstieg zu finden. Allerdings nahm mir das Knie auch diesen Abstieg ohne Unterstützung ziemlich übel. Im unteren Teil nahm ich dann Stöcke, obwohl man auch da andauernd kraxeln muss.

Für die Einstiegswand nahmen wir einen der schönen Haken, die man da freundlicherweise angebracht hatte und seilten über die glatte Stelle ab. Man muss es sich ja nicht schwerer machen als nötig.

Eigentlich war es angenehm warm, als wir unten vor dem Einstieg auf dem großen Haufen ankamen. Es saß da auch ein einzelner Mönchbesteiger (der war noch nach uns gekommen, hatte oben aber vor uns umgedreht) in der Sonne und genoß die Wärme. Gerade als wir unten angekommen waren und anfingen, unser Zeug zusammen packten, kam ein eisiger Wind in Sturmstärke auf, der eine große Staubwolke aufwirbelte. Ab da war dann richtig Wind, einfach so, aus dem Blauen. Zusammen mit dem einzelnen Bergsteiger wunderten wir uns.

Wir packten fröstelnd unser Zeug und gingen dann zurück zur Mönchsjochhütte. Wir hatten schon den ganzen Tag drüber diskutiert und als der doch eher kurze Abstieg vom Mönch dem Knie so arg zusetzte, war dann klar, dass wir absteigen würden. Auf der Hütte wurden dann dafür noch pro Person 5 Franken fällig (Echt? Die war nicht mal halb voll!).

Wir stopften das Hüttenzeug in die Rucksäcke und marschierten zur Bahn zurück (mit eiskaltem Gegenwind). Wo wir dann schon mal da waren, sahen wir uns auch noch Teile der Jungfraujochtour an. Vor allem der Eispalast interessierte uns und das war dann auch noch ein echtes Erlebnis. Man hat da einen langen Rundgang in den Gletscher gehauen, den Boden glatt poliert, Haltestangen angebracht und das Ganze dann mit allerlei Eiskulpturen verziert. Am besten war ‘Top of Europe’, am lustigsten fand ich ‘Scrat’ :-)

Wir kamen gerade richtig zur vorletzten Bahn und bekamen sogar einen Sitzplatz (Was für ein Glück! Inzwischen schmerzte nicht nur das Knie, sondern auch die Füße.). Der Fahrkartenkontrolleur auf der Runterfahrt verteilte Lind-Schokokugeln, das war total überraschend und nett. Bei 190 Chf ist so eine Kugel pro Passagier sicherlich zu verschmerzen, aber eine nette Geste ist das trotzdem. Wir hatten seit dem Frühstück nichts gegessen und da war diese Kugel wirklich ausgezeichnet. Ich hatte aber trotzdem überhaupt keinen Hunger, was Bände dafür spricht, wie angestrengt ich war.

An der Kleinen Scheidegg mussten wir wieder umsteigen und etwas warten, bis das Bähnle losfuhr. Um Dreiviertel Sieben waren wir dann endlich zurück in Grindelwald. Wir beschlossen direkt zum Einkaufen (Bier und was zum Frühstück) und danach gleich zum Essen zu gehen. Einerseits weil es doch schon relativ spät war und außerdem wollte ich ‘den Berg’ nicht 2 Mal hochlaufen und vor allem an diesem Tag nicht mehr runterlaufen.

Wir gingen wieder zu dem großen Fastfood Restaurant und hatten dort beide eine große echt gute Pizza und Bier und Radler. Nebenbei amüsierten wir uns an der Bespaßung einer großen Gruppe Asiaten, die drinnen anscheinend Alphorn blasen durften. Es klang so, als sei es nicht einfach da Töne rauszukriegen. Dann schleppten wir uns ‘den Berg’ hinauf, mit viel Gepäck, vollem Bauch, Bier im Bauch und Bier in der Einkaufstasche.

Im Chalet räumten wir ein wenig aus, duschten ausgiebig und setzten uns dann mit dem mühsam hochgeschleppten Bier auf den Balkon und schauten uns die großartige Umgebung an. Der Eiger hatte sich inzwischen in Wolken gehüllt und von irgendwo hatte es Wetterleuchten. Das sah großartig aus und wir hatten das Gefühl, mit dem Abstieg genau das Richtige getan zu haben :-)

Allzu lang hielten wir es oben allerdings nicht aus, denn das Bier und die Müdigkeit schlugen zu. Trotzdem war es super, da nochmal hochzuschauen und die Umgebung zu bewundern.


Im ersten Licht steigen wir zum Mönchsjoch ab


Anstieg zum Gletscherplateau unter dem Mönch


Eiger mit sehr langem Grat


Spur übers Gletscherplateau unterm Mönch und Ewigschneefäld


Blick zurück aufs Mönchsjoch mit Hütte vom Mönch aus


Erfreuliche Kletterei ...


... am Mönch Südostgrat


Anstieg zum Gipfelaufbau


Der Grat zum Mönchsgipfel


Abseilen über die Einstiegswand


Die letzten Meter


Sphinxstollen


Gedenkplaketten für die Bergarbeiter, die beim Bau der Jungfraubahn gestorben sind


Im Eisstollen


Top of Europe


Scrat :-)


Eiger von Grindelwald aus


Ziemlich kaputt mit Einkaufstasche in Grindelwald

Von engel am 27.09.2018 19:48 • outdoorbergeis

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