Für Donnerstag war mal wieder halbwegs schönes Wetter angesagt, daher sollte es wieder ‘raus’ gehen. Angesichts der angekündigten Gewitter und Schauer für den Nachmittag und Abend, durfte es aber nichts ‘Bsondrigs’ sein, denn weglos oder gar kletternd in besagten Gewittern oder Schauern fühle ich mich definitiv nicht wohl.
Nach kurzem Karten-Studium entschieden wir uns für die Gehrenspitze. Da wollten wir schon lang mal hin, allerdings eher über den Westgrat. Aber es kann ja nicht schaden, sich mal den Abstieg genauer zu begucken.
Wie vor 2 Wochen parkten wir beim Gasthof Bärenfalle bei Musau, diesmal aber auf dem Wandererparkplatz 150 Meter weiter hinten. Das Wetter sah noch nicht allzu vielversprechend aus, der Himmel hing voller dicker Wolken aber immerhin regnete es nicht.

Bergaufradeln
Das Radeln bis zur Musauer Alm war nicht allzu anstrengend. Kurz vor der Bachüberquerung war der Weg jedoch kurz gesperrt, da Holzfällarbeiten vor sich gingen. Ein riesiger Greifer holte gerade einen Baumstamm aus dem Wald, denn wir kurz vorher fallen gehört hatten (erst Motorsägengeräusche dann ein wüstes Knacken und Rauschen und schliesslich ein dumpfes ‘Wumm’).

Die Musauer Alm
Wir stellen die Räder an der Alm ab und machten uns auf den Weg zum Sabachjoch. Zunächst zog ein sehr hübscher schmaler Weg im Wald in weiten Kehren steil den Berg hinauf. Wir dokumentierten die diversen Pilze und Pflanzen, die uns beim Aufstieg unterkamen, als der beste Allgäuer von Allen plötzlich stehen blieb und intensiv einen alten Baumstumpf betrachtete. Als ich näher kam, sah ich was er betrachtete: ein vermutlich noch nicht ganz flügges Vögelchen war wohl aus dem Nest gefallen und sass ganz still in einer Nische und sah sehr ängstlich aus.

das verängstigte Vögelchen
Wir machten lediglich ein Foto und liessen den armen Kleinen dann zurück. Vielleicht würde ja die Vogelmama kommen und den Kleinen irgendwie retten, meinte der Mann mit dem weichen Herzen an meiner Seite. Ich sagte nicht, was ich dachte und er natürlich auch wusste: vermutlich eher nicht. Den wird ein Fuchs oder ein Marder oder wer sonst noch hier im Wald wohnt, zum Frühstück schnabulieren.
Als der Weg abflachte, traten wir aus dem Wald heraus auf die Alpwiesen der Sabahütte, vor uns viele viele Kühe mit vielen vielen Schellen. Das klang sehr schön und wir freuten uns daran, obwohl das Wetter noch immer stark zu wünschen übrig liess. Sowohl die Schneidspitze direkt vor uns als auch die Gehrenspitze links von uns steckten noch in dicken Wolken. Immerhin liess sich aber zwischen den Gipfelwolken doch sowas wie ‘hell’ und ‘blau’ entdecken.

Idyllische Almwiesen
Die Freude über die idyllische Kuhwiese hielt genau so lang an, bis wir sie betraten. Die Weide war nass und weich ... und furchtbar umgetreten. Stellenweise stand das Wasser in den Tritten der Kühe und wir hatten alle Mühe halbwegs unverdreckt in den Talschluss zu kommen.

Im sumpfigen Aufstieg zum Sabachjoch
Wir hatten angenommen, dass damit sämtliche Sumpfgebiete hinter uns lägen, doch weit gefehlt, fast der gesamte Aufstieg zum Sabachjoch war ebenfalls nass und sumpfig und rutschig. Diverse der uns entgegen kommenden Wanderer hatten nicht nur dreckige Stiefel sondern auch eindeutig beschmutzte Hosenbeine und -Böden, aber wir gelangten weitgehend unverdreckt ans Sajajoch (Übung und so).

Auf der Schneid
Von dort ging es über die Schneidspitze, die sich inzwischen endlich aus ihrem Wolkenkleid befreit hatte. Die Schneidspitze war nun eine rechte Überraschung, denn das hatte ich aus der Karte nicht rausgelesen: Wie auf eines Messers Schneide steigt man nicht allzu schwierig aber ziemlich ausgesetzt dem Gipfelkreuz entgegen. Rechts und links fallen abwechselnd Felsen und steiles Gras fast senkrecht nach unten.

Am Gipfel der Schneidspitze
Auch vom Schneidspitze-Gipfel zeigte sich die Gehrenspitze nur selten, da hingen hartnäckig ständig irgendwelche Wolken oben rum. Immerhin konnten wir den Weg schon mal bis in die Scharte unter dem Gipfelaufbau verfolgen.

Die Gehrenspitze
Wir stiegen ins Gehrenjoch ab und machten uns an den letzten Aufstieg des Tages. Teils ein wenig ausgesetzt und hin und wieder eine Hand am Fels benötigend ging es unschwierig bis zum Einstieg an der Scharte.

In der Gipfelrinne
Auf festem Fels stiegen wir in vielen kleinen und grossen Stufen bis ans obere Ende der Scharte. an sich hatten wir erwartet, nun in die im Führer angegebenen Schwierigkeiten (II- etwa) zu kommen, doch der spärlich gekennzeichnete Weg schlängelte sich weiterhin eher einfach zum Gipfel.
Oben gab es dann endlich die verdiente Pause. Das Wetter wollte sich noch immer nicht so richtig besinnen, so dass uns leider kein freier Blick auf die Umgebung vergönnt war, immer wieder nebelte da was vor unseren Augen herum. Immerhin war trotzdem weitgehend sonnig (doch, das geht) und warm.

Am Gipfel der Gehrenspitze
Schliesslich machten wir uns an den Abstieg. Im Fels verleiteten die allzu spärlich gesetzten Markierungen zu dem einen oder anderen Versteiger, da aber das ganze Gelände da oben nicht allzu schwierig ist, war das nicht weiter problematisch. Schlimmer war da schon der Abstieg über die nassen und total zertrampelten Kuhweiden. Der Abstieg tat meinem Knie auf das ich grad so stolz gewesen war (Aufstieg komplett stöckefrei und Abstieg bis ins Joch auch problemlos ohne) überhaupt nicht gut. Fast schon humpelnd kam ich an der Musauer Alm an (das Vögelchen war weg, ganz sicher von seiner Mama zurück ins sichere Nest geholt).
In der Alm gab es feinen Kaffee und Kuchen und trockenen Humor vom Wirt (‘Im Moment hab ich 5 Sauen. Jetzt mach ich erst mal Käse und wenn der nichts wird, hole ich nochmal 5 Sauen und verfüttere den Käse. Dann mache ich eben Speck.’ Pragmatisch.). Als wir noch gemütlich unter dem Vordach sassen, fing es an zu tröpfeln, dann zu regnen und schliesslich zu schütten.

Nass
Als der Schauer vorbei war, dachten wir, das sei eine gute Gelegenheit, jetzt schnell ins Tal zu sausen. Falsch gedacht, kaum sassen wir auf den Bikes legte es schlimmer los denn je. Als wir am Auto ankamen hörte der Regen dann auf, so dass wir trocken einladen konnten. Wenigstens was ;-)
Der Piepmatz is so niedlich, der arme! Und irgendwie scheint Dein Fotoapparillo das schlechte Wetter zumindest teilweise ausblenden zu können? Sieht meist gut aus ...
Ja, der war wirklich bedauernswert, Andi. Die Fotos sehen deswegen nach halbwegs gutem Wetter aus, weil es ja wnenig Sinn (oder Spass) macht, Fotos weiss-in-weiss im Nebel zu schiessen. Wir passen dann schön möglichst Gut-Wetter-Löcher ab. Eigentlich will ich ja zeigen, wie schön die Gegend hier ist :-)