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Verwall - Seekopf

Sonntag, September 14, 2008

Nach einer ruhigen Nacht (unsere beiden Zimmergenossen hatten entgegen eigener Befürchtungen nicht geschnarcht) verleibten wir uns um sieben ein üppiges Frühstück ein und starteten erwartungsvoll in Richtung der Seeköpfe, die wir überschreiten wollten.

In unserer Beschreibung stand:

Felsiger Anstieg (II) auf einen formschönen Doppelgipfel.

Da kann man nicht widersprechen, formschön sind sie, die Seeköpfe :-)


Die Seeköpfe neben der Morgensonne

Zunächst galt es auf dem Apotheker- und/oder dem Advokatenweg einen grossen Bogen im Hüttelkessel auf nahezu gleichbleibender Höhe zu beschreiten, um auf die andere Seite des Kessels zu gelangen, ohne 200 Meter ab- und dann wieder aufzusteigen. Da dieser Weg ein Teil der Verwallrunde ist (für die es gegen Einsenden eines Zettels mit allen Hüttenstempeln sogar ein ‘Finisher’-T-Shirt gibt), ist dieser Teil des Weges in gutem Zustand und leicht zu gehen.


Auf dem Advokatenweg

Das änderte sich umgehend, als wir an der Abzweigung nach Ischgl auf den Weg zur Doppelseescharte abbogen. Der Weg wurde schmaler und verlor sich bald in relativ frisch vom Gletscher freigelegtem Gelände. Anhand von Steinmanndln und deutlichen Zeichnungen war es aber trotzdem kein Problem die Richtung zu finden (die Scharte war eh schon zu sehen, so dass sowieso kein Zweifel bestand).

‘Lustig’ war dann der Aufstieg zur Doppelseescharte. Ohne erkennbaren Weg, geleitet lediglich von ein paar wenigen Markierungen, ging es einfach geradeaus steil hinauf über losen (um diese Tageszeit allerdings teilweise noch festgefrorenen) Schotter nach oben. Wir versuchten es mit dem groben Geröll (da muss man irre aufpassen, dass nicht gleich ganze Stapel grosser Brocken ineinander fallen) und mit dem feineren Geröll (ein Schritt hinauf, zwei zurück), doch so richtig ‘gangbar’ war da einfach nichts.


Zustieg zur Doppelseescharte

Irgendwo in der Mitte des Hangs leiteten die Markierungen nach rechts aussen auf blank geschliffene Felsen, doch da rüber zu turnen war uns wegen des Eises zu riskant, wir blieben im Schotterfeld. Und waren sehr froh, als wir den Anstieg endlich hinter uns hatten und in der Doppelseescharte in die Sonne kamen. Wir machten Pause und betrachteten den Grat vor uns.

... rechtshaltend unter der Gratschneide aufsteigen. Der Südgipfelabbruch wird rechts (ostseitig) durch einen Riss überwunden.


Die Seeköpfe von der Scharte aus

Hmm. ‘Rechtshaltend’ ist klar, aber was heisst ‘unter der Gratschneide’? Direkt drunter? Unterhalb der Felsen? Wir zogen erst mal unsere Klettergurte an, behelmten uns und hängten das vorsichtshalber mitgebrachte Sicherungsmaterial griffbereit hin. Das kleine Seil blieb im Rucksack.

Nach wenigen Metern auf dem Abstieg nach Ischgl führten schwache Trittspuren nach links unter dem Grat entlang. Es dauerte nicht lang, dann verloren sich die Trittspuren im losen Geröll der Ostseite der Seeköpfe. Wir betrachteten die Felsen und die Geröllhalden vor uns. Wo soll es da jetzt rauf gehen?

Wir versuchten zweimal an uns sinnvoll erscheinenden Stellen, der Gratschneide näher zu kommen (soll heissen über einen Felsabsatz hinauf zu steigen), doch gaben das Vorhaben jeweils bald wieder auf. Wir gelangten jedes Mal ziemlich schnell in Gelände, das nur mit gutem Willen noch als II bezeichnet werden konnte. Das konnte nicht stimmen.


Wegsuche

So bewegten wir uns im Schneckentempo an den Felsen entlang und trösteten uns mit dem Gedanken, dass wir immerhin fast unendlich viel Zeit hatten. Eine Rinne fast am Ende der Felsen sah vielversprechend aus, doch wir wollten erst noch ein Stück weiter gucken. Dabei blieb es, denn kurz drauf konnten wir relativ bequem (soweit man in weglosem steilen Gelände halt von bequem sprechen kann) nach oben steigen.

Auf der Route waren wir nicht, soviel war klar, aber immerhin kamen wir dem Gipfel näher. Oder zumindest ging es nach oben ;-)


Wir nähern uns dem Gipfelaufbau

Es dauerte nicht lang dann standen wir unterhalb einer dreizackigen Wand, durch die 3 Rinnen zu führen schienen. Sah durchaus machbar und kletterbar aus. Die allerrechteste Rinne schien uns am geeignetsten, daher hielten wir drauf zu. Interessanterweise trafen wir dann im Schotter auf einen klar erkennbaren Weg von links. Aha, sind wir also wieder auf der Route.

Die Trittspuren verloren sich dann in den Felsen weiter oben. Es gab zwar ein paar Steinmanndln, doch die standen so vereinzelt in der Gegend herum, dass man daraus keinen Weg basteln konnte. Wir hielten auf unsere allerrechteste Rinne zu und fanden sehr schönes festes Gestein vor, in dem wir problemlos aufsteigen konnten.


In der falschen Rinne

Oben angekommen konnten wir dann auch den Gipfel sehen, ein ganzes Stück links von uns, wir hätten wohl die mittlere Rinne nehmen sollen. Es war aber kein Problem auf dem Grat über ein paar Felsen zur zweiten Rinne und dem Gipfelaufbau hinüber zu steigen. Ha, geschafft! (Das Seil hatten wir nicht gebraucht.)


Oben!

Wir machten erst mal die wohlverdiente Pause und genossen den wunderbaren Rundblick von da oben. Statt der 2 1/2 Stunden von der Hütte bis zum Gipfel aus unserer Beschreibung (völlig illusorisch!) hatten wir mit Pausen und Wegsuchen und den Versteigern inzwischen 5 Stunden verbraten. Aber egal, mit der wenigen vorhanden Information kann diese Besteigung fast als eine Erstbesteigung gelten ;-)


Blick vom Seekopfgipfel zur Darmstädter Hütte

Vor uns konnten wir den zweiten Gipfel sehen, 15 Meter oder so höher. Der Abstieg in die Scharte zwischen den beiden Gipfeln war schnell gefunden, ziemlich ausgesetzt, sah aber machbar aus. Wie wir aber dann auf den zweiten Gipfel kommen sollten war uns völlig unklar. Das sah alles andere als einfach aus. Die Beschreibung sagte lediglich:

... Auf den Südgipfel aufsteigen ...

Nachdem wir nun einen Gipfel geschafft hatten, von dem wir lang geglaubt hatten, ihn nicht mal finden zu können, war uns nicht so recht nach weiterem Wegsuchen. Der Runterweg auf der anderen Seite wäre ja auch noch angestanden. Wir beschlossen also, den Abstieg wie den Aufstieg zu nehmen. Kaffee und Kuchen auf der Hütte hatten wir uns bereits verdient ;-)

Beim Abstieg nahmen wir die mittlere Rinne und folgten den Trittspuren, die wir im Aufstieg gefunden hatten. Die führten tatsächlich in die Rinne am Ende der Felsen über dem Geröll, die wir fast als dritten Aufstiegsversuch genommen hatten. Die Rinne ist aber so steil, dass der Weg aussen herum garantiert bequemer ist.


Die Seeköpfe

Der Abstieg von der Doppelseescharte war genauso widerlich wie der Aufstieg. Wir nahmen zwar diesmal den Weg über die blanken Felsen, was oben ganz gut ging unten eher nicht, landeten dann aber wieder im Geröll. Im alten Gletscherbett machten wir nochmal eine Pause, damit der beste Allgäuer von Allen seine Schuhe ausleeren und ausgiebig über den endlosen Schotter schimpfen konnte. Erleichterung muss sein.

Der Rückweg zur Hütte war zwar wegen des grossen Bogens um den Hüttenkessel recht lang, aber nicht mehr schwierig. Wir kamen grad noch rechtzeitig, um uns vor dem Abendessen noch den ersehnten Kuchen gönnen zu können :-)


Bald gibt es Kaffee und Kuchen!

Mit uns am Tisch sassen an diesem Abend zwei Leute, die einen Verwallführer dabei hatten. Ich durfte ihn mal ausleihen und fand darin sowohl den Zustieg zu den Seeköpfen durch die Rinne als auch den Zwischenabstieg und Wiederaufstieg detailliert beschrieben. Gna.

Ich nutzte den Führer gleich, um mir auch die Beschreibung für den nächsten Tag abzuschreiben, doch der fehlten seltsamerweise viele Details, so dass wir nicht viel mehr Information als unsere Beschreibung hatten. Na, irgendwie würden wir das schon hinkriegen!

Von engel am 14.09.2008 11:30 • diaryurlaubverwall2008outdoorberg
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