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Ziellos

Montag, März 11, 2013

So ungefähr könnte man den Skiurlaub zusammenfassen. Zurück bleibt ein unzufriedenes Grundgefühl, für das weder das Hotel (angenehm, mit netter wenn auch winziger Sauna und wirklich ausgezeichnetem Essen) noch die Gegend (sehr schön und mit zahlreichen Tourenzielen ausgestattet) etwas können. Daran ist ausschliesslich das Wetter schuld, das ursprünglich die ganze Woche gut sein sollte, sich dann aber nicht an die Vorhersage hielt und einfach nur Sch… wurde. Und ein klitzekleines Bisserl auch wir.

Ich fang mal von vorn an:

Sonntag: Achsel

Wie klug es ist, antizyklisch zu fahren (also nicht am Samstag in der Früh, wenn alle fahren) zeigte sich bei der Anreise. Google meinte, es würde knapp 4 Stunden dauern, von Kempten bis ins hinterste Ahrntal zu fahren und wir haben knapp 4 Stunden gebraucht. Kein Stau am Fernpass, keine Probleme am Brenner, der Verkehr zwischen Brixen und Bruneck lief. Geht doch!

Mittags war unser Zimmer im Hotel noch nicht fertig, also zogen wir uns am Auto um und starteten zu einer kleinen Tour auf die Achsel. Das Wetter war grossartig, die Umgebung auch und es war die Hölle los: Langläufer, Spazierengeher und viele Skitourer, die uns alle entgegen kamen. Der Weg zur Achsel führt zunächst im Tal über das nette Heiliggeist-Kirchlein und dann relativ flach an der rechten Talseite entlang zum Eingang ins Windtal (was uns beiden nicht recht taugt, wegen Knie- und Sonstwas-Weh). Dort zweigt der Aufstieg zur Achsel ab, die eigentlich nur das äussere Ende des Grates zur Inneren Hohen Warte und kein eigenständiger Gipfel ist. Kein Ziel Nummer 1.

Wir stiegen bis zum Ende der Skispur auf. Dort wo die Sonne drauf knallte, war der Schnee weich und sulzig, im Schatten oder wo die Sonne nur sehr flach ankam, war es noch pulvrig oder windgepresst. Wir suchten uns eine steile Rinne zur Abfahrt aus, wo es noch keine Spuren hatte. Oben war schöner Pulver, unten ziemlich tiefer Sulz, der grad noch so fahrbar war, dann folgte die lange Querung zurück zum Kirchlein, wo man gelegentlich unter dem Pulverschnee über alte Lawinen queren musste.


Ankunft am Hotel


Das Heiliggeist-Kirchlein


Die Achsel


auf den letzten Metern

Montag: Kleine Löffelspitze

Da wir nicht nochmal die lange Querung ins Windtal nehmen wollten, stiegen wir direkt vorm Hotel Richtung Röttal auf. Unten erst mal lästige Wegsuche, weil wir den richtigen Einstieg um 10 Meter (!) verpassten und dann erst mal in die falsche Richtung marschierten. Als wir die Spur dann hatten, war der Aufstieg nett. Nach dem ersten Absatz ins Röttal, entschieden wir uns für die rechte Spur und erreichten eine Art Rampe, die hoch über dem Talboden zu den beiden Löffelspitzen führte.

Kurz nach dem Abzweig zur Löffelspitze mussten wir über den (verschneiten) Felsriegel über dem Gletscher der Kleinen Löffelspitze rutschen und konnten dann über den Gletscher zum Gipfel aufsteigen. Am oberen Ende des Gletschers müsste man steil oberhalb eines Abbruchs zum Gipfelaufschwung queren, was uns wegen des harten Schnees ein wenig heikel schien. Wir beschlossen in der sonnigen Mulde unter der Querung abzubrechen und den schönen warmen Platz zu geniessen. Kein Ziel Nummer 2. Aber da würden ja noch welche kommen.

Für die Abfahrt nahmen wir nicht die lange Rampe, über die wir aufgestiegen waren, sondern wandten uns einigen Spuren folgend direkt hinab ins Röttal. Dort fanden wir auch noch schönen Pulver, auch wenn man auf die alten Spuren und gelegentliche Windpressplatten aufpassen musste.


Am Anfang des Röttals kommen wir endlich in die Sonne.


Blick ins Röttal mit der Rötspitze hinten in der Mitte. Die Löffelspitzen kann man rechts erahnen.


Auf der Rampe zu den Löffelspitzen. Rechts der Mitte die Grosse, links der Mitte die Kleine.


Nach dem Felsriegel, den wir absteigen und abrutschen mussten.


Am oberen Ende des Gletschers zur Kleinen Löffelspitze


Abfahrtspuren

Dienstag: Untere Rötspitze / Rötsattel

Am Vortag hatte ich schon gesehen, dass es zur Unteren Rötspitze auch eine Spur durchs Röttal gab. Das würde uns die blöde Querung nach dem Heiliggeist Kirchlein ersparen. Entgegen der ursprünglichen Vorhersage sollte sich das Wetter im Lauf des Dienstags verschlechtern, so dass wir einen der höchsten Gipfel unbedingt noch angehen mussten.

Der Weg durchs Röttal ist lang, aber weil man unten im Talgrund geht, kann man das recht unbeschwert laufen. Schon von unten konnten wir sehen, dass es an diesem Tag oben sehr windig war: alle Gipfel und Grate rundrum hatten lange Schneefahnen. Die ‘versprochene’ Wetterverschlechterung fing an, als wir am Ende des Röttals den zweiten Teil des Aufstiegs begannen. Die Sonne verschwand und die Sicht verschlechterte sich.

Je höher wir kamen, desto windiger wurde es. Die Sicht wäre eh schon schlecht gewesen, aber mit dem Schneetreiben dicht über dem Boden waren bald gar keine Konturen mehr zu erkennen, so dass wir irgendwann nicht mal mehr die Spur sehen konnten. Am letzten Absatz unter dem Gipfel mussten wir uns dann regelrecht gegen den Wind stemmen und konnten kaum noch erkennen, wo oben und unten war. Wir brachen ab und rüsteten frierend im (halbscharigen) Windschatten eines grossen Felsens zur Abfahrt. Kein Ziel Nummer 3.

Die Abfahrt gestaltete sich schwierig. Ohne Sicht konnten wir den Schnee und die Strukturen nicht erkennen und mussten uns auch dort wo der Schnee halbwegs OK gewesen wäre mit vorsichtigen Stemmbogen nach unten tasten. Wegen des Windes, in den wir nicht hinein fahren wollten, nahmen wir den Normalanstieg zur Abfahrt. Dazu mussten wir der anderen Aufstiegspur folgen, was gelegentlich gar nicht einfach war. Hinter dem Lenkjoch hätte es gelegentlich richtig schönen Pzulver gegeben, aber wir konnten den mangels Sicht nur eingeschränkt ausnutzen. Schade.


Aufstieg über den Bergwerksweg


Kurz vor der Rötalm auf dem Bergwerksweg


Im langen Röttal mit der Rötspitze vor uns. Unser Ziel ist der Sattel auf der linken Seite der Rötspitze.


Vor dem Lenkjoch. Der Himmel zieht sich zu.


Abfahrtsbereit


Am Lenkjoch.

Mittwoch: Merbjoch, 1. Versuch

Wegen des Windes hatte sich die Lawinenlage verschlechtert. Wir suchten uns als Ziel das Merbjoch aus, das oben einen relativ flachen Anstieg bietet. Üblicherweise geht man dazu von Prettau aus los, das etwa 5 Kilometer weiter talwärts liegt. Angeblich sollte es aber auch von Kasern aus einen Anstieg geben. Der sollte doch wohl zu finden sein.

Wir folgten zunächst den Schildern zur Brugger Alm und waren grad dabei im ungespurten Wald mit Karte und Navi den Weg zu suchen, als uns die grosse Gruppe Kemptner (ja, die Welt ist klein), die ebenfalls im Hotel logierte, einholte. Der Führer war ganz sicher, dass wir erst mal weiter hinauf müssten, also spurte der Ralle bis zu einem kleinen Plateau, wo der Führer das Ende für die Gruppe erklärte. Verständlich. Vor uns lag ein steiler werdender Hang, an dessen oberen Ende man vielleicht ins nächste Tal queren konnte. Oberhalb eines sehr steilen Waldstücks.

Wir starteten zumindest den Versuch und stiegen den Hang Dreiviertels hinauf. Da stellten wir dann fest, dass uns die Querung ebenfalls zu heikel war und wir brachen ab. Kein Ziel Nummer 4. Der Hang war schön zu fahren und auch im Wald lag noch viel schöner Pulver, in den wir feine Kringel ziehen konnten. Wir beschlossen, über den Bergwerkweg wieder ins Röttal aufzusteigen und diesmal die alten Stollen zu besichtigen. Es war noch nicht mal Mittag und irgendwas mussten wir ja mit dem angebrochenen Tag noch anfangen.

Der Bergwerksweg war landschaftlich grossartig und in die Stollen zu krabbeln war richtig lustig. Das war auch richtig Arbeit, denn die Eingänge waren komplett zugeschneit und vor uns hatte das noch niemand versucht. Weit kamen wir allerdings bei beiden Stollen nicht, denn dickes Eis versperrte uns dem Weg. Wir stiegen bis zur Rötalm auf und machten dort Pause während es anfing leicht zu schneien. Danach blieb nur noch Abfahren und im Hotel die Annehmlichkeiten zu geniessen.


Im Wald auf Wegsuche.


Die nachsteigende Gruppe unter uns.


Abbruch (unten die Gruppe beim LVS-Suchen)


Im oberen Stollen


Abbruch im unteren Stollen


Dieser Spalt war zu schmal für uns.

Donnerstag: Merbjoch, 2. Versuch

Dsa Merbjoch schien uns noch immer das geeignetste Ziel, diesmal wollten wir aber von Prettau aus starten. Die grosse Truppe Kemptner hatte wieder dasselbe Ziel. Die Gruppe startete knapp vor uns, was uns ganz recht war. Die Wegfindung im unteren Bereich war nicht ganz einfach, so dass wir erst mal im Tobel landeten, aus dem wir uns sehr mühsam in extrem weichem Schnee wieder heraus arbeiten mussten. Danach war der Weg klar und wir konnten auf einer sehr netten Spur durch lichten und auch nicht so lichten Wald zur Merbalm aufsteigen.

An geeigneten Stellen setzten wir Wegpunkte im GPS um später auf der Karte nach der Querung suchen zu können (ja, wir wären am Vortag richtig gewesen). Während man im Wald ganz gut sah, wurde die Sicht ab der Merbalm schon wieder recht zweifelhaft. Wie aus der Karte ersichtlich ist der Weg zum Merbjoch tatsächlich eher flach, links des Tals waren aber einige frische Lawinen und Schneerutsche zu sehen. Die grosse Gruppe trafen wir vor einer grösseren Lawine, wo der Führer mangels Sicht Ende der Tour erklärt hatte. Man sah gerade wieder etwas, daher gingen wir weiter. Auf der nächsten Erhebung war aber auch für uns Schluss, dann standen wir in den Wolken und sahen nur noch Weiss. Auch wenn die Karte relativ flaches Gelände versprach - ohne Sicht kann man nicht in unbekanntes Gelände laufen, wenn ringsrum Lawinen rumliegen. Kein Ziel Nummer 5.

Die Abfahrt war oben wie erwartet ziemlich grässlich und nur mit vorsichtigen Stemmbogen zu bewältigen. Als wir an der Merbalm eine zweite Pause einlegten, riss es kurz auf und uns war ein kurzer Blick aufs Joch vergönnt. Na, immerhin gesehen ;-) Die Abfahrt durch den Wald war unerwartet nett, obwohl der Schnee tief, sulzig und fast faul war. Der Versuch, in Prettau das Bergbau-Museum zu besichtigen scheiterte daran, dass wir das Museum einfach nicht fanden. Zugegeben, allzu intensiv suchten wir auch nicht.


Anstrengender Weg aus dem Tobel


Aufstieg im lichten Wald


Merbalm. Kurz kam Hoffnung auf Wetterbesserung auf.


Vor einem der seitlichen Nassschneerutsche


Abbruch. Hinter mir sähe man den Aufstieg zum Merbjoch.


Doch noch das Merbjoch. Fotografiert von der Merbalm aus.


Abfahrt im Wald

Freitag: Grosse Löffelspitze / Rainhartspitze

Eigentlich hätte der Freitag mit einigen Auflockerungen protzen sollen. Wir machten vorsichtshalber grosse Pläne (grosse Löffelsptze) und planten auch gleich eine Ausweichtour (Rainhartspitze) ein, für den wahrscheinlichen Fall, dass das mit der Wetterbesserung nicht so toll wie versprochen werden sollte. Wegen der Löffelspitze nahmen wir Steigeisen und Eisgeräte mit.

Nachts hatte es geregnet und der Schnee war entsprechend nass und schwer. Wir nahmen vorsichtshalber den Bergwerkweg zur Rötalm, weil man schon wieder nichts sah. Die Auflockerungen liessen auf sich warten. Was man sah, waren einige neue Nasschneerutsche. Als wir kurz vor der Rötalm waren, war klar, dass die Löffelspitze viel zu ambitioniert gewesen war. Dann also Rainhartspitze, zu der laut Karte ein relativ flacher Rücken führt. Bei unserer kurzen Pause vor der Abzweigung verschlechterte sich die Sicht dermassen, dass wir nicht mal mehr die abzweigende Spur sehen konnten. Auch Warten brachte keine Besserung, uns wurde nur kalt. Somit also: Kein Ziel Nummer 6.

Wir wurstelten uns den Bergwerkweg wieder runter, weil uns die Abfahrt über den breiten Hang nebendran ohne Sicht zu riskant schien. Um wenigstens noch irgendwas zu machen, stiegen wir den Weg von vorgestern bis zum Plateau auf und machten dort nochmal Pause. Über uns verschwand der steiler werdende Hang mit unseren schönen Spuren im Nebel. Als wir uns gerade wieder auf den Weg machen wollte, hörte ich über uns ein leises Rauschen. Ssssssssch. Erst konnte ich damit nichts anfangen, dann aber sahen wir, wie ein grosser Nassschneerutsch schön langsam auf uns zufloss. Und wir standen ohne Ski Wadl-tief im Schnee! Wir hechteten zum einzigen Baum neben uns, aber das war nicht mehr nötig. Die grossen Schneebrocken waren 2 Meter vor uns auf dem Plateau stehen geblieben! Als wir versuchten ein paar der Schneebrocken anzuheben, brachen wir uns fast das Kreuz, so schwer waren die. Ein Klumpen von 40-50 Zentimeter Durchmesser wog locker 20 Kilo.

Wir wurstelten uns durch den Wald nach unten und gingen nochmal in den unteren Stollen. Da wir die Eisgeräte dabei hatten, konnten wir uns diesmal an der ersten Eisbarriere vorbei zwängen, indem wir den Eiswall schmaler pickelten. Knapp 20 Meter tiefer war dann aber endgültig Schluss, da versperrte eine solide Eiswand das Durchkommen. Aber immerhin: 20 Meter tiefer!

Zurück am Hotel fiel dann Ralles Skistiefel auseinander. Eine der Nieten am Gelenk war ausgebrochen. Was dann auch erklärte, warum er immer mehr Probleme mit diesem Stiefel beim Fahren gehabt hatte. Damit war eine mögliche Skitour am Samstag auch gestorben. Kein Ziel Nummer 7.


Rötkreuz im Nebel


Abfahrt über den Bergwerksweg


Aufstieg im Wald


Das Plateau, der Baum und die Lawine


Schwer!


Noch mal im unteren Stollen, nachdem ich die Eisbarriere verkleinert hatte


Nach 20 Metern erneut Eis.


Schluss!

Samstag: Abreise

In der Früh regnete es und die Wolken hingen erneut tief, was die Abreise ohne Abschlusstour vereinfachte. Allerdings passierte genau das, was wir mit einer späten Abreise eigentlich hatten verhindern wollen: Zähfliessender Verkehr von Bruneck nach Brixen und Stau am Fernpass. Zusammengerechnet eine knappe Stunde Zeitverschwendung.

Bleibt die Frage, warum wir nicht schon am Mittwoch abgebrochen haben, wo doch auf der Alpennordseite noch 2 Tage länger gutes Wetter (und vor Allem Nachtfrost!) war. Naja, die Hoffnung stirbt zuletzt, wie immer. Die Aussichten sahen immer deutlich besser aus als das Wetter nachher wurde.

Von engel am 11.03.2013 22:00 • diaryurlauboutdoorski

Oh je. Manchmal ist es eben so. Aber auch wenn Ihr keinen Gipfel erreicht habt, sehen die Fotos doch trotzdem sehr interessant aus.

[1] Von Sabine am 18.03.2013 09:38

Ja, manchmal ist es halt so. Ist ja auch nicht so, als wären wir ganz furchtbar traurig über den Urlaub. Nur halt so ein klitzekleines Bisserl ...

[2] Von engel am 18.03.2013 21:02
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