Eigentlich hätte sich dieses Wochenende dazu angeboten, ein gemütliches Hotel im Lechtal zu buchen und elendslange Touren zu machen, aber die angekündigten Temperaturen bewogen uns dann doch, erst mal kleinere Brötchen zu backen und vorsichtig anzufangen. Sich die Füsse oder anderes zu erfrieren ist bei solchen Temperaturen ein reales Risiko, wenn die anderen Umstände auch widrig sind (Wind und keine Sonne, beispielsweise).
So ging es am Samstag erst mal nach Mittelberg im Kleinen Walsertal, um auf den Schüsser (den die Walser Hammerspitze nennen) zu gehen. Als wir aus dem Auto stiegen, zeigte das Thermometer -22 Grad. Beim Schnaufen friert da auch mal die Nase zusammen.
Obwohl wir warm aus dem Auto gestiegen waren, starteten wir beide nach dem Skistiefel-Anziehen (wo man für die Feinarbeiten doch nackte Hände braucht) mit eiskalten Fingern. Auch sonst war uns erst mal fröstelig, aber das gab sich nach wenigen Metern, weil dann der innere Motor auf Touren kam. Ich hatte auch bald warme Finger und warme Füsse, der beste Allgäuer von Allen brauchte länger für die Finger und hatte die ganze Tour über kalte Füsse.
An der halb verfallenen Alphütte auf halbem Weg machten wir wie üblich Pause in der Sonne (bei -24 Grad oder so, aber in der Sonne war das durchaus erträglich) und tranken eine Tasse Tee, dann stiegen wir über das Tälchen Richtung Hammerspitze auf (die die Walser Schüsser nennen) und querten dann rüber zum Schüsser. Im Gipfelhang konnten wir den 4 Vorsteigern zugucken, die sich mit dem Windpressdeckel auf der Südseite des Westrückens herumschlugen. Sah nicht toll aus.
Nach der Gipfelpause (erstaunlich erträglich bei nahezu keinem Wind) fuhren wir deswegen dort ab, wo wir aufgestiegen waren und fanden bis zur Hütte absolut wunderbaren Schnee vor. Hach! Dem zerfurchten unteren Teil der Abfahrt wichen wir durch geschickten Bäume-Slalom im lichten Wald aus, was viel Spass machte und wildromatisch schön aussah.
Für den Sonntag hatten wir uns den Karleskopf ausgesucht. Wir hatten angenommen, dass es in Namlos noch kälter sein würde als im Kleinen Walstertal, aber siehe da, wir konnten bei gemütlichen -20 Grad starten ;-) Auch diesmal wieder: Start mit eisigen Fingern und Füssen, die bei mir bald warm wurden, beim besten Allgäuer von Allen aber länger zum Auftauen brauchten.
An der Abzweigung zum Karleskopf dann eine unschöne Überraschung: Ralles Steigfelle, deren seltsamen Kleber wir schon seit einer Weile misstrauisch beobachten, hatten sich auf voller Länge vom Belag gelöst. Tolle Sache, wenn bei -20 Grad Unmengen Schnee zwischen Fell und Ski stecken. An Laufen ist da nicht zu denken.
Der erste Versuch, die Felle mit Klebeband (einmal um Ski und Fell gewickelt) zu befestigen, ging schon nach 2 Minuten daneben. Das Klebeband klebte zwar erst mal auf sich selber, löste sich bei der leisteten Belasting aber gleich wieder. Da waren wir dann vor den Steilhängen des Tals zum Karleskopf und beschlossen angesichts der nur halb entladenen steilen Grashänge, doch lieber zum Tschachaun zu gehen.
Eine kurze Abfahrt später standen wir am Bach in der Sonne bei immer noch gemütlichen -20 Grad und versuchten irgendwie diese Felle an die Ski zu kriegen. Den meisten Schnee hatten wir schon abgerieben, dann die Felle am Bauch gewärmt bis der gesamte Restschnee geschmolzen war. Wir zogen die Felle wieder auf die Ski - wo sie natürlich nicht klebten und versuchten sie dann mit Paketschnur am Ski zu befestigen. Letzteres klappte einigermassen gut, noch wichtiger aber war, dass wir es schafften, fast den gesamten Schnee zwischen Fell und Ski rauszureiben.
Vorsichtig gingen wir Richtung Tschachaun. Die Felle schienen zu halten, aber mein armer Allgäuer konnte nun nicht richtig mit den Skiern laufen. Normalerweise schiebt man den Ski bei jedem Schritt, aber die bremsten nun jedes Mal hart ab, was für einen zimelich abhackten stockenden Gang sorgte. Die Ski zum Laufen anzuheben traute er sich aber nicht, da hätte dann ja wieder Schnee unters Fell kommen können. Nach einer Weile hatten die Stahlkanten die ersten Schnüre durchschnitten und das Fell schien wieder zu haften. Wir entfernten die restlichen Schnüre.
Kurz bevor sich das Tal teilt, mussten wir eine wirklich beeindruckende Lawine queren. Man sah weit oben, wo ein Gleitschneebrett abgegangen war. Dass die Lawinen so weit bis den Talgrund gerutscht waren (und das mit einiger Wucht durch eine recht gewundene Schlucht), beeindruckte uns schon sehr.
Im langen Tal zum Tschachaun im Schatten der Heiterwand war es ganz schön frisch, aber sobald wir nach dem Kromsattel in die Sonne kamen, war es nahezu warm :-) Dort beeindruckte uns eine weitere Lawine. Am südlichen Gipfelhang war eine riesige Gleitschneelawine abgegangen, deren Anrisskante locker 3 Meter Höhe hatte (Breite etwa 25 Meter, Länge sicherlich 100). Wir stiegen in einigem Abstand rechts davon auf und beguckten uns die gletscherartigen Schollen mit leichtem Gruseln.
Am Gipfel fühlte es sich ohne Wind erstaunlich warm an :-) Wir gingen, als eine Riesengruppe mit viel Lärm den Gipfel besetzte.
Obwohl es verschiedene Stellen mit scheusslichen windgepressten Platten gab, fanden wir so gut wie überall schön zu fahrenden fast unberührten Schnee, wo wir die bis dahin allerschönsten Kringelspuren legen konnten :-)
Und jetzt: Bilder!

Kalter Start im Wildental.

Endlich Sonne!

Am Gipfel

Abfahrt

Start in Namlos. Es war noch kälter als es aussieht.

Provisorische Fellbefestigung.

Winterwunderland

Unerwartetes Hindernis

Im langen Schattental unter der Heiterwand

Grosse Gleitschneelawine am Gipfel-Südhang

Der Anrissbereich der Lawine (mehr als 3 Meter hoch)

Oben! Es war ganz erstaunlich warm am Gipfel.

Abfahrt