Das Codein aus der DAV-Apotheke schien zu helfen, in der Nacht hatten meine Hustenanfälle ein wenig nachgelassen. Allerdings schien mir die Sache mit dem Anschwellen etwas schlimmer geworden zu sein, ich brachte meine Füsse kaum in die Stiefel. Der beste Allgäuer von Allen schaut nur ganz mitleidig.
Auch das Frühstück gab es in der Lodge, doch da war es in der Früh genauso kalt wie im Zelt, denn der Ofen in der Mitte des Raumes war kalt. Ich vermute sogar, dass es in der Lodge kälter war als sonst im Zelt, denn das kaum isolierte Haus speicherte die Kälte sicherlich mehr als unser Zelt, das wir 15 miteinander doch fast angenehm warm bekamen. Es hatte jedenfalls wunderbare Eisblumen an den Fenstern.
Vor der Lodge ging es irgendwie rund, es wurde diskutiert. Mingma bat Edu und André (als Arzt hat man wahrscheinlich nie wirklich frei) nach draussen, einer der Träger sei krank.
Nach dem Frühstück erfuhren wir dann dass der Träger die Grippe (oder einen grippalen Infekt) hatte und deswegen entlassen werden musste. Er bekam Medikamente, wurde ausbezahlt, bekam das ihm zustehende Trinkgeld und durfte dann nach Hause gehen. Zu Fuss. Tagelang. Mit Grippe.
So ist das in einem Fussgängerland, da kommt kein Sanka und auch kein Arzt wenn einem was fehlt, da muss man hin zum Arzt. Nach Pheriche oder nach Namche oder nach Lukla. Wenn es ganz schlimm wird, dann werden die Leute getragen (am ersten Tag im Khumbu sahen wir vier Träger die abwechselnd einen fünften Träger trugen, der einen mit blutigen Bandagen umwickelten Fuss hatte). Das gilt auch für die Touristen, zumindest so lange man sich oberhalb von etwa 5000 Metern aufhält, denn höher können normale Hubschrauber nicht fliegen.
Das Gepäck des ausgefallenen Trägers wurde auf die anderen verteilt (was anscheinend kein Problem war, unsere Essensvorräte waren ja auch schon geschumpft) und wir spazierten unterdessen los, weiter das Tal hinaus, am vierten See vorbei und schliesslich auf die Randmoräne des Ngozumba Gletschers, wo wir die erste Pause machten.
Der Platz an der Randmoräne war ein beliebter Rastplatz. Kein Wunder, es war sonnig, windgeschützt und warm. Wir rasteten eine ganze Weile gemütlich und schauten dem regen Verkehr auf der Gletscherquerung zu. Haufenweise Träger, Touristen und Yak-Karawanen zogen an uns vorbei.
Ich hab ja schon mal davon gesprochen, dass mein kleines Europäerhirn die Dimensionen des Himalaya einfach nicht wirklich erfassen konnte. Von unserem schönen Rastplatz aus konnten wir ganz prima noch mal unseren Berg von gestern sehen, den Ngozumba Tse, 5529 Meter laut Edus GPS-Messung. Ein Mordsberg. Ganz besonders wenn man ihn in frischem Schnee besteigt.
Tja, und da ist er, der Ngozumba Tse. Mit dem Cho Oyu, 8201 Meter, dahinter. Schaut nicht mehr allzu beeindruckend aus, unser Hügelchen, knappe 3 Kilometer darunter ...
Die Querung des Gletschers war landschaftlich grossartig aber anstrengend, weil es natürlich ständig rauf und runterging. Dass man auf einem Gletscher läuft, merkt man bei Eiströmen dieser Grössenordnung so weit unten nicht mehr so richtig. Bis auf einzelne Stellen, wo man schmutziges Eis durchschimmern sieht, hat man den Eindruck durch einen unordentlichen Steinbruch zu stapfen.
Auf der anderen Seite des Gletschers, in Dragnak, wartete schon das Küchenteam zum Mittagessen auf uns. Ich hatte zwar das Gefühl, eben erst losgelaufen zu sein, aber der Tag war schon die ganze Zeit so gemütlich, da passte eine Pause in der Sonne im Windschatten einer Lodge wunderbar dazu.
Nach dem Mittagessen war es dann aber aus mit der Gemütlichkeit, der Anstieg zum Cho La lag vor uns. In der ersten Stufe des Anstiegs (heute) mussten wir über einen kleinen Zwischenpass gehen und dann vor dem eigentlich Anstieg das Lager aufschlagen (lassen).
Nach dem gemütlichen Herumgebummel am Vormittag fiel das Loslaufen erst mal schwer, aber man gewöhnte sich bald wieder an die Anstrengung. Anfangs war es noch warm und nett zu gehen, je weiter wir uns aber dem kleinen Zwischenpass näherten, umso windiger wurde es. Und der war kalt, der Wind!
Am Pass war dann die volle Ausrüstung - Mütze, Jacke, Handschuhe - nötig und man musste aufpassen, nicht gleich weggeweht zu werden. Mehr oder weniger jedenfalls.
Vom Pass aus konnte man auch sehen wo das Lager sein sollte - ein Stück vor und unter uns mitten im Geröll - und die Wand, durch die unser Weg führen sollte. Echt, ein Weg? Dort durch? Christine, Gerhard, Ralle und ich beguckten die Wand vor uns mit dem Fernglas.
Vorstellbar waren Wege durch alle möglichen Wandteile, aber nirgends konnten wir etwas wegartiges erkennen, das auch für Träger in Turnschuhen geeignet schien. Na, der Mingma würde schon wissen wo er uns und die Träger hoch jagt.
Bei obenstehendem Bild bitte ich das grüne hohe Zelt zu beachten. Das ist unser Klozelt :-)









