Wieder lag das Lager in der Früh im Schatten und es war entsprechend frisch beim Losgehen. Im Gegensatz zum Aufstieg zum Cho La schaffte es die Sonne jedoch bald über die umgebenden Berge. Im Sonnenschein und beim Aufstieg wurde es uns dann schnell warm (sogar meine Füsse, die in den engen Stiefeln mal wieder erbärmlich kalt waren).
Der untere Teil des Aufstiegs führte einen schmalen teils kaum zu erkennenden Pfad über grasige Matten zum ersten Rastplatz auf einem steinigen Plateau hinauf. Wie immer seit dem Schneesturm war der Himmel klar und blau und wir hatten einen genialen Blick über den Khumbu Gletscher hinüber nach Lobuche und hinauf zum Lobuche East.
Rechts über uns zeigte sich mit zunehmender Höhe unser nächstes Ziel, der Pokalde, von dem wir zuerst lediglich den Gletscher, so nach und nach aber auch den Gipfel sehen konnten.
Der Blick nach oben links von dem steinigen Plateau aus war dagegen nicht wirklich toll. Steil und geröllig zog sich der weitere Aufstieg zum Pass hinauf (der von hier noch immer nicht zu sehen war). Das Zeug sah aus, als würde ein Schritt vor unweigerlich zu zwei Schritten zurück führen. Und so ähnlich war es auch, der Anstieg auf dem schmalen Pfad im Geröll war ungemein anstrengend.
Die Träger, die diesmal wieder mit uns unterwegs waren, mussten das Ganze mit zusätzlichem Gewicht hinter sich bringen und hatten (mal wieder) unsere ganze Bewunderung. Der beste Allgäuer von Allen teilte Fishermen's Friends mit denjenigen der Träger, die in etwa dasselbe Tempo hatten wie wir, was die Träger sehr gerne annahmen. 'Gibt frische Kraft.', meinte Lalu.
Schliesslich hatten wir den steilsten Teil hinter uns und sahen den Pass nahezu waagrecht vor uns. Schnell waren wir da --- und uns blieb beinahe die Luft weg angesichts des gigantischen Ausblicks vor uns. Kein Wölkchen stand am Himmel und so präsentierten sich die Berge bei tiefblauem Himmel und klarster Sicht über mehreren türkisblauen Seen vor uns.
Links die Mauer des Lhotse, weit hinten der Makalu, gleich daneben der Baruntse mit dem ewig langen Grat, dann Amphu Labtsa mit dem riesigen Gletscher in der Gratverlängerung die zur wunderbaren Ama Dablam führte. Und rechts von uns der Pokalde, so dicht über uns, dass Mario und Gerhard schon überlegten, ob sie nicht gleich vom Pass aus hinauf steigen sollten.
Dazu wehte nicht das leiseste Lüftchen, es war warm und es hatte unzählige Sitzgelegenheiten. Das nächste Lager lag grad mal 150 Meter (oder 20 Minuten) unter uns. Wir blieben alle lange sitzen und genossen einfach nur. Von Augenblicken wie diesen (Ja, Augenblicke. Auch wenn sie eine Stunde dauern.) kann man ewig zehren.
Nachdem alle beim Lager angekommen waren und wir das Mittagessen bekommen hatten, war für den Nachmittag Faulenzen und Akklimatisieren angesagt (das Lager am Kongma Tso war mit 5440 Metern das höchste des gesamten Urlaubs). Dem Edu war das zu langweilig. Er hatte alle seine Karten studiert und schlug nun vor, den Mehra Peak (nicht mit dem Mera Peak zu verwechseln, der ist woanders) zu besteigen, den Gipfel der von unserem Lager aus 'hinten links im Eck' hinter beeindruckenden Gletscherwänden lag.
Ralle war natürlich sofort Feuer und Flamme und der Ludwig konnte sich nach einigem Überlegen auch dazu überreden. Mir war das zu viel, zumal die Herren für mich sowieso zu schnell waren. Ausser Ralle und Ludwig fand sich aber auch sonst kein weiterer Mehra-Peak-Besteiger, also zogen die Männer bald nach dem Mittagessen lediglich zu dritt los.
Die folgende Erzählung beruht auf Ralles Schilderung (und muss hier rein, weil das die bergsteigerisch anspruchsvollste Besteigung des ganzen Urlaubs war und weil die Bilder so genial sind).
Zunächst führte der Weg hinauf zu dem Gletscher, an dessen senkrechten Abbrüchen eine andere Gruppe gerade Eisklettern und Abseilen übte. Die Dreiergruppe stieg links am Gletscher vorbei in der Hoffnung, so den Gletscher grösstenteils umgehen zu können.
So war es auch. Nachdem sie die letzten Firnfelder gequert hatten, standen sie vor der Schlüsselstelle des Aufstiegs, einer Steilstelle mit losem splittrigen Gestein, das sie mit einer Mischung aus Krabbeln und Klettern bezwangen. Das Seil war am Fuss der Steilstelle deponiert worden, um Gewicht zu sparen.
Nachdem sie die Kletter-Krabbelei hinter sich hatten, waren sie am Grat und konnten relativ problemlos zum Gipfel aufsteigen (hier entdeckten wir sie mit den Ferngläsern von unten). Viel Zeit am Gipfel hatten sie nicht, sie wollten ja vor der Dunkelheit zurück sein.
Nach ein paar Fotos (und der obligatorischen GPS-Messung) machten sie sich an den Abstieg. Die steile Geröll-Dreck-Stelle bezwangen sie im Abstieg mit Steigeisen und Pickel, der Rest war einfach und sie kamen mit dem letzten Licht zum Lager, wo wir sie schon ungeduldig erwarteten.
Die Männer kamen zufällig genau zum Ende unserer Tea Time im Lager an, so dass wir Mädels sie mit einem spontanen Can-Can-Tanz empfangen konnten. Echte Helden brauchen Cheerleader, ist doch klar, oder?











