Am zweiten Tag in Klenovica sollte das Wetter tatsächlich sonnig werden. Das schien der perfekte Tag, um eine 'Strandwanderung' zu machen. Wobei 'Strand' natürlich nur im übertragenen Sinn stimmt, die ganze Küste ist felsig und steil und es gibt nur an ausgewählten Stellen so was wie Strand.
Wir frühstückten gemütlich und packten dann das erste Mal Badezeug in die Rucksäcke (so richtig glaubten wir ja nicht dran, aber der Führer meinte, Badezeug sei unerlässlich). Dann fuhren wir 10 Minuten nach Novi Vinodolski und stellten nach kurzer Suche den Kangoo auf dem kostenpflichtigen Parkplatz am Hafen beim 'Captain Morgan' ab.
Der Startpunkt der Wanderung lag genau gegenüber auf der anderen Seite des Hafens. Anfangs folgten wir der Strandpromenade vorbei an vielen kostenlosen Parkplätzen (hätte man halt wissen müssen) und geschlossenen Fressbuden. Im Gegensatz zu den meisten bisherigen Wanderungen war es von Anfang an recht warm und wir konnten bald Kleidung ablegen. Dann ging es in T-Shirt und kurzen Hosen weiter :-)
Am Ende der langen Strandpromenade wurde der Weg erst schmaler und verschwand dann als schmaler Pfad in der dichten Macchia. Ab hier war der Weg mal breiter, mal schmaler, gelegentlich verwachsen und stachelig, aber gut erkennbar und führte meistens direkt an der Steilküste entlang. Wo man aus der Macchia schauen konnte, gab es tolle Ausblicke.
Immer wieder hatte es zwischen den steilen Felsen der Küste kleine nette Kiesstrände, aber nur selten gab es einen Abstieg. Nach etwa einem Drittel des Weges (laut Navi, gefühlt waren wir schon sehr lang unterwegs) stiegen wir zu einem der kleinen Strände ab, um Pause zu machen. Das war dann weniger gemütlich als erwartet, denn es war sehr diesig (deswegen wärmte die Sonne nur mäßig) und es hatte kühlen Wind. Wir fühlten kein Bedürfnis, mal kurz schwimmen zu gehen ;-) Nett war es trotzdem.
Nach etwa der Hälfte des Weges kamen wir an den Leuchtturm zwischen Novi Vinodolski und Selce. Ab hier wurde die Küste weniger steil und der Weg bequemer und breiter. An einem schönen Strand (ohne Abstieg) machten wir noch mal Pause und der beste Allgäuer sammelte Meeresschneckenhäuser, weil die nass so schön gezeichnet sind.
Der Weiterweg nach Selce zog sich dann ganz schön in die Länge. Am Ende liefen wir bequem auf einem breiten Weg durch Pinienwälder und kamen (nachdem wir durch den Campingplatz von Selce gelaufen waren) direkt am Hafen raus. Da war verglichen mit dem Betrieb, den wir bisher erlebt hatten, ganz schön viel los. Es hatte haufenweise Menschen, Souvenirläden, Fressbuden, Restaurants und Eisstände.
An einem der Eisstände holten wir uns jeder eine Waffel mit 2 Kugeln (schön groß) und weil es direkt in der Umgebung nichts zum Hinsetzen hatte, gingen wir halt Eis-schleckend weiter. Damit war dann die Navigation durch die verwinkelte Altstadt von Selce ein bisserl kompliziert (Eis und Navi gleichzeitig), aber wir fanden die richtige Straße aus dem Ort raus fast problemlos.
Kaum hatten wir das Meer hinter uns gelassen, stieg die Küste steil an und die Wege stiegen steil mit. Die schmale Straße aus dem Ort raus ging einfach nur gerade nach oben und führte nach den letzten Häusern genauso geradeaus als Piste in der Macchia weiter. Der Wind wurde sehr effektiv erst von Häusern, dann von Macchia abgehalten und die diesige Sonne hatte um die Mittagszeit dann doch richtig Kraft. So heiß war es im gesamten Urlaub bisher nicht gewesen!
Irgendwann kamen wir dann doch an den Querweg und konnten von der Piste auf einen kleinen netten Pfad abbiegen, der uns zurück Richtung Novi Vinodolski führen würde. Weit vor uns (aber nicht mal ein Drittel so weit wie Novi Vinodolski), lag das nächste Ziel, die Kirche Sveti Juraj.
Der nette Pfad ging bald wieder in eine Piste über und stieg weiter bergan. Wir sahen vor uns die Straße, zu der wir absteigen mussten, um zur Kirche hinauf zu kommen und wussten, dass dieser Anstieg auf einer steilen Betonpiste hinauf und auf demselben Weg wieder runtergehen würde und beschlossen, auf die Kirche zu verzichten.
Wir bogen nach der Querung der Straße deswegen direkt auf den alten Militärweg ab, der uns direkt nach Novi Vinodolski zurückbringen würde. Das war dann wieder sehr nett. Der Weg ist ein deutlicher Absatz im steilen Hang und weil er weder viel befahren (von Mountainbikes) noch viel begangen ist, wuchsen überall sehr schön Blümchen und es wehte ein leichter Wind zur Abkühlung.
Wir gingen etwa die Hälfte des Weges und machten dann noch mal eine gemütliche Pause. Der Weiterweg endete kurz drauf abrupt in einem großen Baggerloch. Anscheinend wurde hier aus dem Tal irgendwas abgebaut und dem war der schöne alte Militärweg zum Opfer. Ohne Schild oder Hinweis oder irgendwas am Anfang des Militärwegs.
Inzwischen waren wir schon eine Stunde auf dem Militärweg gelaufen, Umkehren war keine Option. Das hatten auch schon andere gedacht, denn neben dem Baggerloch führten kaum erkennbare Trittspuren oberhalb des Lochs weiter. Wir folgten und hofften, auf der anderen Seite irgendwie auf den Militärweg zurückkommen zu können.

Wir wurscheln und oben über den Steinbruch und hoffen, auf der anderen Seite den Pfad wiederzufinden
Der Weg nach oben ging erst mal ganz gut. Nachdem wir über einen Stacheldrahtzaun gekrabbelt waren, führten die Spuren unangenehm knapp oberhalb des Baggerlochs (die Kante sah sehr instabil aus, oberhalb der Spuren war aber auch kein leichtes Durchkommen) auf die andere Seite der Schneise.
Nach etwa zwei Drittel der Querung gab es eine Art Abstieg ins Baggerloch zur obersten Baggerspurenpiste. Nach ein paar Kehren der Piste war das andere Ende des Militärwegs zu sehen, der in der Macchia verschwand. Wir tasteten uns den Abstieg runter auf die Baggerspuren (loses grobes Geröll in loser roter Erde, alles sehr wenig vertrauenerweckend) und die beiden Kehren weiter bis wir zum Militärweg queren konnten. Trotz aller Vorsicht rollte mir ein großer Felsen unter dem Schuh weg, aber abgesehen vom Schreck passierte nichts.
Der Militärweg war dann so nett wie vorher und führte uns erst weiterhin waagerecht, später abfallen nach Novi Vinodolski. Die letzten Meter gingen wir auf steilen Straßen zum Hafen hinab.
Wir kehrten noch beim Captain Morgan ein (der hat Hardrock-Café-Flair mit lauter Bikern, darunter eine finnische (!!!) Harley) und fuhren dann zurück. Auf dem Rückweg gingen wir noch Einkaufen und gönnten uns zum Slibowitz auch Camping-Schnapsgläser in (sehr) bunt.
Zum Abendessen gingen wir wieder ins Strandcafé. Das war sehr schön mit Bier, gutem Essen und Sonnenuntergang mit tollen Farben :-)


























