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Umzug

Freitag, Mai 17, 2019

Die Nacht war wieder laut und ich weckte mich selbst 2 Mal, konnte aber jeweils wieder einschlafen. Die leidende Dame neben mir schien es schwerer zu haben, von der kam gelegentliches Stöhnen und ich hörte, wie sie der Schwester sagte, sie könne nicht schlafen. Am Ende nahm sie ihr Handy und Kopfhörer und hörte vermutlich Musik.

Ich erwachte wieder früh, wusch mich und packte noch vor dem Messen alle meine Siebensachen zusammen, um für einen eventuellen Super-Früh-Transport gerüstet zu sein.

Der Transport kam exakt, als ich mit dem Frühstück fertig war und nochmal im Bad war. Ich zog die Schuhe an und war bereit. Es waren 2 Herren mit einem Krankenwagen, was mich etwas überraschte. Ich durfte aber im Sitz sitzen und musste nicht auf die Liege liegen. Der Fahrer war vorn, der Rettungssanitäter saß hinten bei mir und wir unterhielten uns die Fahrt über. Damit das Bein nicht so nach unten hängt und voll läuft, durfte ich es auf meine Tasche legen, das war einigermaßen bequem.

In Bad Wiessee begann dann der Anmeldemarathon. Erst mal in der Klinik selber, die aufgebaut ist und funktioniert wie ein Hotel (und weil am Tegernsee laufen alle in Dirndl und Tracht herum), dann in der Station und auf meinem Zimmer (ich wurde auf alle Stolperfallen hingewiesen). Was es hier übrigens nicht gibt, ist freies WLAN überall. Das gibt es in der Lobby und den Restaurants, für WLAN auf dem Zimmer mus man zahlen, 30€ für 3 Wochen. Tja, mancher Luxus muss halt sein.

Dann fehlte nur noch die Anmeldung bei der zuständigen Ärztin, aber die hatte wenig Zeit weil sie zudem 2 Kollegen vertreten musste. Ich durfte erst mal zum Mittagessen gehen.

Das Essen hier ist immer Buffet, wo man sich selbst bedient. Für Leute wie mich mit 2 Krücken gibt es Helfer, die einem dann den Teller zum Tisch tragen. Der junge Mann, der in meiner Sektion zuständig ist, ist vermutlich ein wenig zurück geblieben und macht immer den Eindruck, als hätte er fürchterlich Angst, etwas falsch zu machen. Ich bedankte mich immer sehr herzlich, das schien ihn etwas zu beruhigen.

Ich war gerade mit dem Hauptgang fertig, da klingelte mein Handy. Es war die Station, die Ärztin hätte jetzt Zeit. Ich liess den Nachtisch sausen, und ging zur Stationsärztin, um auch die letzte Aufnahme hinter mich zu bringen. Eine meiner Tischnachbarinnen war eben gekommen, aber zum Kennenlernen war keine Zeit.

Schon beim Mittagessen war das Knie unangenehm gewesen, dick, heiss, gespannt. Bei der Ärztin wurde aus unangenehm fast schmerzhaft und ich war total froh, danach auf mein Zimmer gehen zu können, mich in die bequeme Seitenlage zu legen und das Bein zu entspannen. Ich hatte einen Willkommensgutschein für Kaffee und Kuchen in einem der Cafes bekommen, aber ich blieb oben, legte das Bein hoch und übte ein wenig Streckung und Beugung.

Zum Duschen bekam ich wieder Pflaster geklebt. Das ist hier ein bisserl umständlicher, weil man erst zur Schwesternstation runter muss, um das Pflaster kleben zu lassen und danach halt nochmal, um es abziehen zu lassen und neu verpflastert zu werden. Ich bekam auch gleich meinen Medikamentenbeutel, in dem für die nächste Woche der tägliche Magenschutz, das Ibuprofen und die lästigen Thrombosespritzen samt sterilen Einmal-Wischies und Spritzenbox waren.

Beim Abendessen war ich wieder erst mal allein, dann kamen nach und nach 3 Frauen, alle mit Krücken, und wir unterhielten uns. Man fängt natürlich immer erst mal mit ‘Warum bist Du hier?’ an, ein Motorradunfall, ein Skiunfall und eine mit kaputten Fußknochen, die repariert worden waren. Zwei der Frauen kannten sich schon länger, die Dritte war wie ich seit heute hier. Als man so weit war, sich Bilder von Kindern und Hunden zu zeigen, verabschiedete ich mich. Nicht wegen der Bilder, sondern weil das Bein jammerte und hoch gelegt werden wollte, was auch jede verstand.

Ein wertvolles Stück Information vom Abendessen war, dass es hier Eisräume hat, in denen man sich Tüten voller Eis holen kann. Das hatte mir von den Offiziellen niemand gesagt. Ich nahm mir einen Beutel mit und verbrachte den Abend mit Eis auf dem Knie vorm Fernseher. Er wurde nicht lang, der Abend.


Mein Krankentransport


Der Innenhof meines Trakts, mein Zimmer ist oben etwa in der Mitte

Von engel am 17.05.2019 23:00 • diaryKnieOP

Zu Dritt

Donnerstag, Mai 16, 2019

Ich weckte mich 2 Mal in der Nacht selber, fand aber jedes Mal von allein (also ohne Tropfen) Entspannung für das Bein. Die neue Bettnachbarin schlief ... laut. Immerhin war es gleichmäßig, das konnte mein Hirn jeweils aussortieren, so dass ich wieder einschlafen konnte.

Nach dem Frühstück kam wieder der Freund und brachte noch jemanden mit, optisch der Bruder vielleicht, und die 3 redeten und redeten und redeten. Ich war sehr froh an meinem Player mit dem ANC-Kopfhörer, auf dem neben Hörbüchern auch eine Ladung Musik vom Besten Allgäuer von Allen für mich ist. Der Dritte ging glücklicherweise bald wieder und es war nur noch Gemurmel.

Ich machte mit den Schwestern aus, das ich nach dem Mittagskaffee duschen wollte, weil am nächsten Tag ja der Transport in die Reha anstand und ich da ganz sicher nicht in der Früh würde duschen können und was dann in der Reha so abgeht, weiß ich ja noch nicht. Nominell soll der Transport zwischen 8 und 10 kommen, aber die Angaben der verschiedenen Schwestern und Pfleger zum tatsächlichen Zeitpunkt variierten zwischen 7 und Mittag. Ich sollte vorsichtshalber jedenfalls auch einen Mittagessenzettel ausfüllen, dabei hatte ich schon Sorge ob ich überhaupt zum Frühstück kommen würde. Schaumermal.

Noch vor dem Frühstück kam der Operateur ein letztes Mal vorbei und wir unterhielten uns noch ein wenig, was ich denn mit der Prothese würde machen können. Praktisch alles, je weniger Stop-and-Go desto besser, aber so richtig ausgeheilt und belastbar ist das Bein erst nach 6 Monaten bis zu einem Jahr. Von Skifahren hält er nichts, aber das wird sein müssen. Ich werde mit Allem sehr sehr sehr vorsichtig anfangen müssen.

Einen Hinweis hatte er noch, von dem ich bisher noch nicht gehört hatte: Die Prothese zieht Bakterien an. Wenn also irgendwo eine Entzündung oder was Bakterielles ist (er erwähnte Zahn-OPs), immer gleich die Prothese erwähnen und eher früher als später Antibiotika verlangen. Das fand ich sehr interessant.

Vormittags kam die Stationsärztin noch und begutachtete das Bein. Das sähe ja alles sehr schön aus (dabei ist die Aussenseite des Beins und die Rückseite noch immer über und über blau). Die beiden Schlauchlöcher sind inzwischen zu und es kam kein neues Pflaster mehr drauf. Die Normalisierung schreitet voran :-)

Die Physiotherapeutin gab mir diesmal erst die Schiene und bestellte mich danach in den Folterkeller. Weil das Bein jetzt ja schon aktiviert war, kam als erstes die Beugung dran. Die Übungen dazu sind ein bisserl unangenehm, aber nicht schlimm. Am Ende sollte ich aktiv, also aus eigener Kraft, beugen und die Physio maß mit einem großen Winkelmesser, was ich schaffte: 98 Grad meinte sie.

Dann kamen wieder die Streckübungen und die sind ernsthaft ein bisserl Folter. Ich muss mich da irre zusammen nehmen, um nicht gegen zu halten, wenn da gedrückt und gedehnt wird. Das sei ganz normal, meinte sie, und erklärte nochmal, wo überall Muskelköpfe und Sehnen sind, die jetzt seit Jahren inaktiv sind und sich natürlich nicht aus der bequemen Inaktivität raus rühren wollen. Dann war ich mit den besten Wünschen entlassen.

Die Mitpatientin war inzwischen zur OP abgeholt worden und ich hatte das Zimmer wieder für mich. Was für eine Erleichterung. Die früheren Mitpatientinnen hatten nur kurz oder gar keinen Besuch gehabt, das wusste ich jetzt im Nachhinein erst zu schätzen. Besucher sind echt lästig.

Nach dem Mittagessen und dem Mittagskaffee wurde mein Bein abgeklebt und ich verbrachte eine vergnügliche halbe Stunde im Bad. Viel später kam dann die Mitpatientin und mit ihr auch der Freund. Der hatte schon vorher immer wieder ins Zimmer geschaut, aber als er Anstalten machte, sich mit mir unterhalten zu wollen, schickte ich ihn raus. Ich bin Smalltalk-inkompatibel und wollte meine Ruhe.

Ganz spät am Abend kam dann noch eine weitere Mitpatientin, ganz klar ein Notfall, denn sie konnte sich vor Bauchschmerzen kaum auf den Beinen halten. Nachdem der Aufnahme- und Sohn-bringt-Zeug Trubel rum war, begann die Nacht, in der die vorige Mitpatientin wieder sehr laut schlief und die neue Mitpatientin echt litt, trotz allerlei Infusionen. Schlafen konnte sie wohl auch nicht.

Ich schon. In 3 Abschnitten, wobei ich mich jedes Mal selber weckte. Das ist ein komisches Ding, dass ich in dieser Streckphase den Muskel nicht entspannen kann, obwohl mir was weh tut. Tropfen brauchte ich keine.

Von engel am 16.05.2019 23:00 • diaryKnieOP

Besuch im Keller

Mittwoch, Mai 15, 2019

Als ich in der Nacht aufwachte, schmerzte das Bein. Diesmal war ich sicher, dass ich mich selbst geweckt hatte und zwar möglicherweise mit einem Körperfunktionscheck, den mein Hirn nachts durchführte. Ich merkte nämlich, dass die Muskeln beider Beine total angespannt waren, so als würde ich mich mich gründlich strecken und ich hatte echt Schwierigkeiten, das rechte Bein zu lockern, obwohl da grad das Knie ordentlich jammerte. Ich wälzte mich eine Weile hin und her, fand aber keine Entspannung. Ich bat halt nochmal um Tropfen und konnte dann wieder schlafen.

Diesmal wurde die Duschzeit wieder nach dem Frühstück angesetzt, aber es kam gar nicht erst dazu, denn die Physio-Therapeutin kam, um mich mit den Keller, in den Physio-Raum, mitzunehmen. Dabei hatte ich da noch Schlafklamotten (kurze Hose, T-Shirt) an und hatte noch nicht mal Zähne geputzt! Die kurze Hose sei super, meinte sie, da könne sie das Bein wenigstens gut sehen. Wir gingen also runter.

Da wurde ich dann ganz schön gefoltert mit Bein strecken, durchbiegen, anspannen, hochheben, kreisen und Ähnlichem. Das alles auf einer harten Liege, wo dann auch nicht irgendwas von unten polstert. Da war ich zwischenzeitlich kurz davor, zu jammern, aber das ist ja alles zu meinem Besten, also biss ich mich durch. Die Belohnung war nach 20 Minuten eine merklich bessere Streckung (“Und jetzt dran bleiben!”). Der zweite Teil, wo es um die Beugung ging, war bei Weitem nicht so schmerzhaft. Beugen zieht halt überall, tut aber nicht wirklich weh.

Danach gingen wir wieder hoch und ich bekam nochmal die Schiene, diesmal auf 100 Grad eingestellt. Tadaa, Zwischenziel übertroffen :-) Während die Schiene mich bewegte, kam der Operateur vorbei und war sehr zufrieden mit der guten Beugung. Und Streckung? Naja, wie immer halt: “Da müssen Sie wirklich dran bleiben!”

Unterdessen durfte die Bettnachbarin nach Hause und das Zimmer war wieder meines ganz allein. Und dann durfte ich endlich duschen :-) Das Mittagessen stand schon auf dem Nachtkästl, als ich fertig war.

Den Nachmittag über übte ich das Bein entspannt gerade und gestreckt auf dem Bett liegen zu lassen und das klappte meistens. Wenn auch vielleicht nicht ganz entspannt.

Am späten Nachmittag bekam ich dann doch wieder eine Bettnachbarin. Eine Nordafrikanerin, die von ihrem Freund zum Dolmetschen begleitet wurde. Das Aufnahmegespräch war nicht ganz einfach, wobei ich nicht sicher bin, ob der Freund überhaupt besser Deutsch konnte, aber er er übersetzte jedenfalls immer wieder. Er blieb lange da und die beiden verschwanden immer weider zum Rauchen. Beim Gehen fragte er höflich, ob er hier aufs Klo dürfte. Hatte ich nichts dagegen, aber als ich danach ins Bad kam, war die Klobrille verpinkelt und das nehme ich ihm übel. Das nächste Mal kann er raus gehen.

Der Abend war geruhsam. Die Bettnachbarin wollte lieber mit ihrem Handy spielen und telefonieren als fernsehen und ich konnte ja inzwischen schon etwas länger sitzen und las im Internet herum. Ich schlief ohne Tropfen ein.

Von engel am 15.05.2019 23:00 • diaryKnieOP

Keine Samthandschuhe mehr

Dienstag, Mai 14, 2019

Am Abend brauchte ich keine Tropfen, aber als ich in der Nacht aufwachte, da rumorte es im Bein herum und ich fand mal wieder keine entspannte Lage. Ich hatte das Gefühl, ich hätte mich selbst geweckt, weil ich im Schlaf die Muskeln angespannt und das Bein so aus der Ruhe gebracht hatte. Nach einer Weile klingelte ich dann doch und der Pfleger kam direkt mit dem Becherchen. Danach schlief ich wieder bis halb sieben durch. Medizin ist echt was Tolles!

Als die Schwester zum Messen kam, war noch viel Zeit bis zum Frühstück, also durfte ich schon vor dem Frühstück duschen.

Kurz nach dem Frühstück kam der Assistenzarzt zur Kontrolle und der ist nicht sehr zart besaitet. Beim Checken, wie weit das Bein sich schon beugen lässt, entfuhr mir da doch ein ‘Autsch!’ und er guckte ein wenig betroffen. Er stellte 85 Grad fest, aber wenn man das so grob macht, dann stimmt der Wert bestimmt nicht.

Die Physiotherapeutin legte an diesem Tag, genau eine Woche nach der OP, die Samthandschuhe ab und nahm mich und mein Bein ordentlich ran. Beugen, biegen, strecken, durchbiegen, durchstrecken, Bein heben, Bein kreisen, Wadl strecken. Ufff! Und: Aua! Aber es war gut und sie ist sehr zufrieden mit meinen Fortschritten. Die Schiene wurde danach auf 95 Grad eingestellt, ich habe also bei der Beugung das Entlassungsziel schon erreicht :-) Aber wir arbeiten weiter dran, mehr ist besser!

Gleich drauf kam das Mittagessen, das ich wieder an der Bettkante einnahm. Danach war ich alle und das Knie brauchte Pause, also legte ich mich mit Hörbuch in die Entspannungsseitlage. Nicht lang allerdings, denn der Operateur schaute auch noch vorbei und da erfuhr ich so nebenbei, dass die Klammern erst in der Reha gezogen werden. Bis dahin hatte ich gedacht, die würden noch hier im Krankenhaus entfernt werden. Nicht dass das irgendeine Rolle spielt. Dann brauchte ich aber wirklich Entspannung, legte mich auf die Seite und schlief prompt ein.

Später kam die neue Bettnachbarin aus der Intensivstation zurück und war unendlich erleichtert, aus dem Krankenhaushemdchen zu kommen, und was ‘Normales’ anzuziehen. Als ihr Operateur kam, humpelte er auf langen Achselkrücken ins Zimmer. Anscheinend hat der Mann sich das Bein mehrfach gebrochen und dabei das Knie ruiniert und operiert jetzt halt im Sitzen, so lange das noch nicht ausgeheilt ist. Wow! Nett und lustig war er auch und betrachtet auch mein Bein und meine Fortschritte, weil er eine TEP in seiner Zukunft sieht.

Nachmittags ging ich ein wenig spazieren und übte immer wieder (zugegeben: nicht sehr oft) die Kniescheibe und Streckung. Zum Abendtelefonat nach dem Abendessen mit dem besten Allgäuer von Allen verzog ich mich ins Cafeteriazimmer, das war angenehmer, als laut neben einer sich ausruhenden Patientin zu reden.

Der Abend war geruhsam. Gefühlt hatte ich inzwischen von der Physiotherapie einen Wadlspanner und Muskelkater im Oberschenkelansatz. Das konnte ja noch heiter werden! Ich schlief wieder ohne Tropfen ein.

Von engel am 14.05.2019 23:00 • diaryKnieOP

Krückenlieferung

Montag, Mai 13, 2019

Ich brauchte wieder Tropfen in der Nacht. Der Pfleger wusste das inzwischen schon und kam schon beim Klingeln mit dem Becherchen. Einschlafen war trotzdem schwierig, weil ein Strang des Oberschenkelmuskels anscheinend erwacht war und irgendwie keine Ruhe zu finden schien. Als ich dann endlich einschlief, schlief ich aber bis halb sieben durch, das war sehr angenehm.

Beim Messen fragte die Schwester, ob ich wieder duschen wolle und wir einigten uns darauf, dass sie nach dem Frühstück zum Duschpflasterkleben kommen würde. Nach dem Frühstück kam aber erst mal der Assistenzarzt vom Operateur, machte alle Pflaster ab, beschaute sich die Schlauchlöcher (sappeln noch ein wenig) und die Naht und prüfte Streckung und Beugung. Mit allem war er recht zufrieden. Ich auch, das sieht alles sehr schön aus ... auch weil das Bein oben hübsch ist und nur unten blau, das aber ordentlich.

Wegen der neuen Pflaster dachte ich, dass das mit dem Duschen nun doch nix werden würde (am Vortag war mit dem Duschpflaster gleich das Wundpflaster abgegangen), aber das kann man wohl auch getrennt abziehen, Duschen sei gar kein Problem. Also duschte ich erfeut.

Unterdessen war eine neue Zimmernachbarin gekommen, die auf die Abholung zur OP wartete, und auf dem dritten Bett war eine Beinschiene platziert worden. Die schöne Einsamkeit war dann wohl rum.

Die Therapeutin und das Mittagessen kamen gleichzeitig. Wir machten erst mal die manuellen Dinge (Bein beugen, strecken, durchbiegen, Fuß hochziehen), dann durfte ich Mittag essen. Nach dem Mittagskaffee kam sie wieder und ich bekam die Schiene, mit nochmal 10 Grad Beugung mehr eingestellt. Das tat anfangs weh, dann wurde es besser.

Die Beugung geht inzwischen echt gut, kriege ich im Liegen auch relativ weit allein hin (soll heissen, mit dem Bein allein, ohne Unterstützung), aber Streckung ist noch immer problematisch. Ich sehe schon Fortschritte, aber seeeeehr langsam.

Meine neue Bettnachbarin kam nicht zurück. Sie braucht nachts ein Atemgerät und musste deswegen auf der Intensivstation übernachten. Eine dritte Patientin kam aber auch nicht, so dass ich noch immer ein Privatzimmer hatte :-)

Am späten Nachmittag kam ein Herr, der mir meine Krücken brachte. Cooles Schwarz von oben bis unten und ergonomische Griffe. Ob ich von Letzteren so begeistert bin, weiss ich gar nicht, denn da muss man auf rechts und links achten. Aber es gab keine Auswahl, also hab ich die jetzt halt.

Vorm Abendessen ging ich mit den neuen Turbokrücken spazieren und schaute mir auch mal den kleinen Raucherbalkon im Stockwerk unter mir an (ich nahm den Aufzug, nicht die Treppe). Der ist sehr hübsch mitten in den Büschen und Bäumen des Innenhofs gelegen und es schien sogar grad Sonne drauf. Ich hatte aber kein Handy dabei, deswegen gibt’s kein Bild.

Den Abend verbrachte ich wieder mit Hörbuch, Fernsehen, Lagefinden und Übungen.

Von engel am 13.05.2019 23:00 • diaryKnieOP

Duschen!

Sonntag, Mai 12, 2019

Ich brauchte in der Nacht nochmal Tropfen, schief sonst aber gut und sogar fast lang (halb sieben).

Weil Sonntag war, kam die Schwester erst kurz vorm Frühstück zum Messen. Es wurde erst mal nur die neue Bettnachbarin gemessen, weil die am Vormittag heim gehen würde. Ich wurde gefragt, ob ich Duschen wolle. Oh, und wie ich Duschen wollte!

Nach dem Frühstück wurde dann ich gemessen und die Pflaster auf meinem Bein wurden mit sehr dünner vollflächig klebender Plastikfolie abgeklebt. Hilfe wollte ich keine, deswegen ging die Schwester dann wieder und ich krückte mit meinem Duschzeug ins Bad. Hach, das war prima!

Ich liess mir Zeit beim Duschen und nutzte auch das Duschstühlchen, weil Stehen mit Augen zu beim Haarewaschen war mir etwas suspekt. Umfallen wäre ja doof. Danach bekam ich noch einen Fön und war - Hui! - sooo frisch! Duschen nach 4 Wochen in Nepal war noch besser, aber das hatte schon auch was :-)

Der Operateur kam kurz vorbei, gerade als ich geduscht und gefönt aus dem Bad kam. Inzwischen hatte ich festgestellt, dass das Knie ein bisserl ‘nackelt’, wenn man es kurz hin und her bewegt und fragte danach. Da sei etwas Spiel im Gelenk und das müsse so sein, bekam ich erklärt, sonst könne man es nicht voll beugen. OK.

Inzwischen war die neue Bettnachbarin heim gegangen und ich hatte das ganze große 3er-Zimmer den restlichen Sonntag allein für mich. Nach dem Mittagessen bekam ich netterweise nochmal die Schiene, sonst hörte ich Hörbücher, sah TV, las ein wneig und versuchte immer wieder das Bein zu entspannen. Es war nicht einfach, aber auch nicht so schlimm, dass ich tagsüber Tropfen brauchte. Nachts nahm ich wieder welche, Schlafen ist wichtig.

Von engel am 12.05.2019 23:00 • diaryKnieOP

Besuch

Samstag, Mai 11, 2019

Ich schlief die halbe Nacht durch und fand dann keine Ruhe mehr, weil das Bein nicht ruhig zu kriegen war. Ich bestellte nochmal Tropfen und schlief damit bis morgens durch. Yay! Ich war zwar ab halb sechs wach, blieb aber bis sieben (Messen) so ruhig wie möglich liegen, das war sehr angenehm.

Nach dem Frühstück nahm ich mir viiiiel Zeit (es dauert ja alles grad sehr lang) und wusch mich gründlich von oben bis unten. Duschen wäre noch besser gewesen, aber auch so fühlte ich mich echt prima.

Als der Operateur kam, begutachtete er die Röntgenaufnahmen und war sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Auch damit, dass ich das Knie nun schon ein Stück weiter runter bringe. Streckung, betonte er nochmal, üben Sie Streckung!

Vormittags kam eine andere Therapeutin und fragte mich, wie mobil ich sei. ‘So mittel.’, meinte ich und berichtete vom Spaziergang vom Vortag. ‘Aha, also sehr mobil.’ meinte sie und brachte mir Leihkrücken. Mit denen sollte ich 2 Mal das Zimmer auf und ab laufen, wobei sie ein bisserl korrigierte (Schultern nicht hochziehen, Fuß ordentlich abrollen) und mich dann für sehr agil befand. Naja, ich muss bei jedem Schritt noch sehr nachdenken und mit dem rechten Bein auch mal Schwung nehmen, um es nach vorn zu bringen, ich komme mir eher schwerfällig vor. Das liegt wohl dran, was man für einen Maßstab hat.

Danach bog und streckte sie mein Bein ein paar Mal manuell und legte es dann auf die Schiene, damit es da dann eine halbe Stunde bewegt würde. Die ist ein bisserl älter, die Schiene, und sie quietscht, was die neue Bettnachbarin zu ‘Beschwerden’ über ältere Frauen und ihre knarzenden Gelenke animierte ;-) Ich musste lachen, als das Bein gerade in der Beugung war, was gleich ein bisserl stach. Aber es ist ja alles in Ordnung, deswegen versuchte ich die gelegentlichen Piekser nicht allzu ernst zu nehmen.

Nach dem Mittagessen, gerade als der Nachmittagskaffee gekommen war, kam der beste Allgäuer von Allen zu Besuch. Mit dem Zug, denn das Josephinum liegt ja mitten im Zentrum. Das ist dann schon eine ganz schön lange Reise für einen doch eher kurzen Besuch.

Wir unterhielten uns erst ein wenig auf dem Zimmer und gingen dann, damit die neue Bettnachbarin, die ziemlich Schmerzen hatte, ihre Ruhe hatte, in den Cafeteria-Raum (ein paar Sitzmöbel, ein Snack-Automat und ein Kaffee-Automat). Als ich das Bein nicht mehr unten halten konnte, gingen wir wieder hoch, wo es dann nicht mehr lang dauerte, bis der Beste Allgäuer sich auf den umständlichen Rückweg machte. Das war nicht lang, aber fein :-)

Das Knie war dann auch deutlich unzufrieden und war dick und heiss. Ich brauchte viel Eis und ein paar Schmerztropfen. Den Nachmittag und Abend über verbrachte ich wieder mit Lagefinden und ein bisserl Streckung üben. Ich hatte vorab schon viele Hörbücher auf den Player geladen und die aktuelle Serie ist zwar ein wenig albern, aber überraschend und unterhaltsam. Mit Buch im Ohr kann man sich lang und ohne Langeweile im Bett hin und her drehen ...

Wir schliefen zu Doku-Fernsehen ein. Ich hatte kurz vorher um Tropfen gebeten und auch bekommen.

Von engel am 11.05.2019 23:00 • diaryKnieOP

Fortschritte

Freitag, Mai 10, 2019

Meine Befürchtungen bestätigten sich (vielleicht auch eben deswegen?), die erste Hälfte der Nacht schlief ich nur in Mini-Häppchen weil ich einfach keine Ruhelage fand. Am besten ging noch Seitenlage mit dem linken Bein über dem Rechten. Dafür saute ich damit das Bett ein, weil das Blut aus dem Verband über den Schlauchlöchern gedrückt wurde. Wurscht.

Gegen zwei Uhr bat ich um Schmerzmittel. Ich bekam eine Infusion, die aber total umsonst war, denn der Zugang war inzwischen so weit rausgerutscht, dass nichts mehr in mich hinein lief. Eine Nachtschwester versuchte noch, das irgendwie zu reparieren, aber es war nichts zu machen. Sie zog den Zugang. Legen dürfen den wohl nur Ärzte, deswegen bekam ich Tropfen, und Wunder über Wunder, die halfen nach einer Weile. Ich schlief so gegen 3 endlich wirklich und echt ein. Bis etwa halb 6 wie üblich, aber richtiger Schlaf ist schon eine tolle Sache, da fühlt man sich gleich 100% besser.

Als ich erwachte, lag das Bein nach rechts gekippt und rührte sich nicht. Ich bewegte mich nur ganz wenig, um es nicht stören, denn es war total toll, völlig schmerzfrei im Bett zu liegen :-)

Natürlich hielt das nicht ewig. Erst kamen die Schwestern zum Messen, kurz drauf der Operatuer, der meinte, an der Streckung müsse ich am meisten arbeiten. Unbedingt. Ziel sei die volle Streckung und 90 Grad Beugung bis zur Reha. Und er betrachtete das Knie, das doch deutlich höher stand als das andere ein bisserl unzufrieden.

Nach dem Frühstück schaffte ich es das erste Mal allein aus dem Bett. Weil das operierte Bein noch immer (und noch eine Weile) den Muskel blockiert, wurschtelt man den linken Fuß, also die Zehen, unter den rechten Knöchel und schwingt dann beide Beine aus dem Bett raus oder eben rein. Wenn man abrutscht, ist das nicht schlimm für das Bein, aber es tut sakrisch weh. Ich hab das gleich beim 2. Mal ausprobiert und war danach viiiiiel vorsichtiger.

Später kam die Physiotherapeutin und übte mit mir Beugung und Streckung. Vor allem Letzteres tat echt weh, die Beugung dagegen spannte bloß ein bisserl. Dann sollte ich ‘richtig’ laufen üben, nämlich Bein strecken (naja, im Prinzip halt, geht ja noch nicht), Ferse aufsetzen und abrollen, weil ich nun jahrelang schon falsch gelaufen bin. Das wird wahrscheinlich noch viel Übung brauchen.

Dann kam die Bewegungschiene dran, 15 Minuten volle Streckung und 80 Grad oder so Beugung. Das war am Ende dann ganz schön Aua, deswegen war der direkt darauf folgende Ausflug zum Röntgen (im Rollstuhl) ganz schön anspruchsvoll. Als ich zurück auf dem Zimmer war, wollte ich nur noch in meine neue Lieblingsseitenlage und Nixtun. Da gab es dann aber direkt Mittagessen. Ich brachte das an der Bettkane sitzend (Anweisung der Therapeutin) hinter mich und dann war erst mal Schluß. Bett flach, Seitenlage, Augen zu, Entspannen. Ich schlief direkt ein.

Ich erwachte, als der Kaffee kam, prima Timing.

Das Bein war danach aber nicht mehr ruhig zu kriegen, deswegen fragte ich irgendwann doch nach Schmerzmittel, was ich auch bekam. Als es wirkte, übte ich noch ein bisserl Streckung, aber ich schaffte es nicht, soviel Druck wie die Therapeutin auf mein Bein auszuüben. Wahrscheinlich Feigheit ;-) Ich ging stattdessen spazieren, ganze 10 Minuten :-)

Den Rest des Nachmittags und des Abends verbrachte ich wieder mit Lageveränderung und Lagefinden und zwischendrin Streckung-Üben. Inzwischen hatte ich kaum mehr richtige Schmerzen, aber das Bein war immer wieder irgendwie unzufrieden und dann half auch die tolle Seitenlage nichts. Ich ließ mir für Nachts Tropfen geben, denn “Leiden muss hier Keiner”.

Von engel am 10.05.2019 23:00 • diaryKnieOP

Überraschung!

Donnerstag, Mai 09, 2019

Die Nacht war viel besser als die letzte, denn ich konnte immerhin stundenweise am Stück schlafen. Irgendwann wacht man halt doch auf, wenn irgendwas weh tut.

Als die Schwestern morgens zum Messen kamen, meinten sie, dass ja heute die Schläuche gezogen würden, und wenn ich wolle, könnten wir danach ins Badezimmer gehen. Ich war sehr dafür, denn Badezimmer = Toilette :-)

Zum Frühstück kam dann aber die Nachricht, dass die Schläuche doch erst am nächsten Tag gezogen werden sollten. Ich war ein wenig enttäuscht, aber weil noch immer Sappel in die Flaschen floß, würde das schon seinen Grund haben. Mit den Schwestern machte ich aus, das ich trotzdem bitte ins Bad und dort auf die Toilette gehen wollte. Nach dem Frühstückstrubel.

Vor den Schwestern kam die Physiotherapeutin und die wollte mit mir Laufen am Gestell üben. Ich wurde also ausgekabelt (Schmerzkatheter) und bekam meine Blutflaschen in die Hand und sollte ein paar Schritte gehen. Das machte ich, quer durchs ganze Zimmer bis vors Bad. Da durfte ich dann erst mal bleiben und das war sehr erleichternd :-)

Kurz drauf kam die Schwester und brachte mir ein neues Krankenhauskleidchen, denn mit der ganzen Kabelei und den Flaschen war das Hemdchen doch die einfachste Lösung. Frisch gewaschen im Bett fühlte ich mich trotzdem besser :-)

Der Schmerzkatheter hatte schon von der ersten Nacht an ein wenig rumgesuppt (ein Teil des Mittels lief daneben, aber anscheinend nicht alles, denn der Oberschenkel war ja taub) und man bestellte die Anästhesistin für den Nachmittag, damit sich die das mal anschauen möge.

Beim Nachmittagskaffee (also der direkt nach dem Mittagessen) kam der Operatur mit seinem Assistenzarzt und die Beiden stellten fest, dass man die Schläuche doch heute schon ziehen muss. Der Assistenzarzt würde das nachher machen. Ich dachte, da gehe ich doch vorher noch schnell aud die Toilette (haha, momentan geht gar nichts schnell) und ließ mir das Bein aus der Schiene vom Bett heben. Und genau da kam die Anästhesistin. Alles wieder zurück aufs Bett.

Dort wurde der Katheterzugang begutachtet und festgestellt, dass der Zugang quasi schon draußen ist. Das Ding wurde also gezogen. Das schnelle Hin und Her mit dem Bein war dann doch ganz schön stressig gewesen und ich ging halt doch nochmal auf den Klostuhl, um für den Assistenzarzt bereit zu sein. Der kam auch bald.

Als erstes schnitt er den kompletten Verband von unten nach oben auf, viele, viele Lagen elastische Binde. Beim Aufschneiden der Polsterung war er dann schon langsamer und vorsichtiger. Und dann wurde mein Bein sozusagen geschält, indem alle Schichten weggeklappt wurden. Und Boah! Die ist ganz schön groß, die Wunde, sauber geklammert von oben bis unten. Und das Knie ist rundrum blau und das Bein ist geschwollen, war nicht anders zu erwarten.

Vorm Schlauchziehen hatte ich ziemlich Bammel gehabt, denn das hat schon ein paar Mal ordentlich weh getan. Aber das machte er super! Ich sollte meine Hände ineinander krallen und tief und langsam ein- und dann ausatmen. Beim Ausatmen zog er die beiden Schläuche, schön zügig und fast schmerzfrei.

Dann kam ein langes Pflaster auf die Wunde, ein Druckpflaster auf das Schlauchloch und alles war fertig. Die Beinschiene nahm er auch gleich mit.

Und da war ich dann mit meinem nackigen unbeschienten Bein und wusste nicht hin und nicht her, nicht rauf und nicht runter. Anfangs war ich so nervös, dass ich die Muskeln gar nicht entspannen konnte und das Bein zu zittern anfing. Und natürlich war es gereizt. Und natürlich konnte ich es nicht strecken. Sollte ich aber.

Die nächsten Stunden verbrachte ich im Wesentlichen damit, irgend eine Lage zu finden, in der ich entspannt liegen konnte. Das war ziemlich vergeblich. Ich sah eine üble Nacht auf mich zukommen.

Zwischendrin durfte ich aber die Menschwerdung vollziehen: Ins Bad gehen und umziehen. Kein Krankenhaushemdchen mehr :-) Yay!

Bei der letzten Schwesternrunde versprach man mir für die Nacht eine Art Betäubungsmittel. Ein starkes Schmerzmittel, das auch müde machen sollte. Während die Bettnachbarin und ich TV guckten, lief das in uns hinein. Ihr wurde gleich schlecht und schwindelig, ich vertrug das gut, aber von Betäubung und müde und Schmerzberuhigung merkte ich erst mal wenig.

Da fiel dann schon auf, dass mein Zugang schlecht lief. Den Zugang hatte ich beim Gestell-Laufen anfangs recht unangenehm gemerkt, später dann weniger und da dachte ich schon, dass er wohl abgedrängt wird.

Von engel am 09.05.2019 23:00 • diaryKnieOP

Der Tag danach

Mittwoch, Mai 08, 2019

Die Nacht war nicht schön. Ich konnte wegen Schmerzen (trotz zusätzlicher Medikamente) nicht schlafen. Natürlich schlief ich irgendwie doch, aber immer nur Viertel- oder Halbstündlich (ich sah immer wieder auf die Uhr). Ich versuchte das zu ignorieren, liegen zu bleiben und wieder einzuschlafen, aber das klappte nur bedingt. Mit dem Bein in der Schiene war auch nicht viel Lageänderung möglich.

Zwischendrin stellte ich das Bett mal hoch, mal runter, um wenigstens so eine andere Belastung hinzukriegen. Half auch nichts. Dafür meldete sich mein Magen. Mir war nicht schlecht, aber ich fühlte genau, wie er sich vorbereitete, sich umzudrehen. Und als ich mich mal wieder aufsetzte, passierte das dann auch. Gut, dass da die Schale stand, denn Klingeln und Warten hätte nicht geklappt.

Nach dem Klingeln kam ein junger Pfleger. Er räumte alles auf und stellte mir nochmal eine Schale hin. Die ich später dann auch brauchte, da kam aber so viel hoch, Flüssigkeit vor Allem, dass sie nicht ausreichte und mein Krankenhaushemd und die Bettdecke total eingesaut wurden. Ich bekam neues Zeug und versuchte weiterhin zu schlafen, was weiterhin nur bedingt klappte.

Um sieben kam die Schwester zum Messen und brachte auch Waschzeug mit. Sich waschen zu können war echt angenehm! Um acht gab es Frühstück und da hatte ich voll Hunger und verputzte alles restlos. Nur der Kaffee war etwas wenig.

Nach dem Frühstück kam mein Operateur vorbei und meinte, dass er wirklich viel hätte arbeiten müssen und dass das Knie in einem ganz schön desolaten Zustand gewesen wäre. Streckung -20°, Beugung maximal 90° und das unter Narkose! Es sei wirklich allerhöchste Zeit gewesen. Naja, so fühlte es sich am Ende ja auch an.

Ob ich es denn jemals wieder würde strecken können, wollte ich wissen. Ja, meinte er, jetzt sei es frei, aber da müsse ich heftig dran arbeiten, der ganze Bandapparat sei verkürzt. Ich stelle mich schon mal auf ordentlich Schmerzen bei der Reha ein, so wie wenn jemand an den Faszien rumfummelt. Das wird nicht lustig.

Später kam die Krankengymnastin. Die übte mit mir Aufstehen und wies mich an mit den Füßen zu wackeln und mich gelegentlich richtig zu strecken. Ich bekam auch ein lustiges Blas-Spielzeug, durch das ich gelegentlich atmen solle, um die Lunge durchzupusten.

Am Vortag hatte ich noch eine Bettpfanne zum aufs-Klo-Gehen bekommen, an diesem Tag bekam ich das ‘Upgrade’ zum Klostuhl, für den man immerhin das Bett verlassen muss. Das ist eine ganz schöne Aktion, weil ich das Bein wegen OP-Trauma und Schmerzkatheter, der das Bein lähmt, nicht selbst heben kann.

Also kommt eine Schwester, hebt das Bein aus der Schiene und legt es ohne Schiene aufs Bett. Dann rutsche ich mit dem Hintern zur Bettkante und setze mich auf, wobei bei der Drehung die Schwester das Bein vorsichtig senkt. Dann stehe ich auf, drehe mich auf dem gesunden Bein (nicht das Betäubte belasten, denn das knickt weg) und setze mich auf den Klostuhl. Nach dem Geschäft alles wieder Retour. An jeder Stelle der Prozedur kann es fürchterlich weh tun und danach ist das Knie erst mal sehr unzufrieden. Wenn ich Glück habe, legt sich das bald, wenn nicht, brauche ich Schmerzmittel.

Mittagessen und Nachmittagskaffee kamen kurz hintereinander, da hatte ich kaum Hunger und probierte von allem nur ein bisserl. Es schmeckte gut und der Kaffee war sehr willkommen.

Der Rest vom Tag war matschig. Das Bein tat mal mehr, mal weniger weh. Man wird ganz schön apatisch, wenn einem was weh tut, das hatte ich schon wieder total vergessen. Ist auch gut so.

Fürs Abendessen hatte ich Vollkornbrot bestellt, aber das war ein Fehler, das lag mir schwer im Magen. Wenn man sich nicht bewegt, wird auch die Verdauung träge.

Beim letzten Klostuhlgang war wieder der junge Pfleger dran und er machte irgendwas beim Beinrausheben falsch. Da zuckte ein Schmerz durch, dass ich gleich einen kleinen Schrei los lassen musste. Hinterher war das Bein natürlich total beleidigt und ich bekam nochmal Tropfen. Kurzzeitig dachte ich noch, das seien die Tropfen, auf die ich mit Brechen reagiere, aber das war dann doch nur das Vollkornbrot. Das Knie wurde glücklicherweise schnell besser und ich konnte tatsächlich schlafen.

Von engel am 08.05.2019 23:00 • diaryKnieOP
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