Aus der Brenta.
Geniale Berge, deren kühne Gestalten jedes Bergsteigerherz höher schlagen lassen. Das steil aufragende Gebirge hat mich schon zu Motorradfahrerzeiten begeistert :-) Dank geschickt angelegter Steige können die Brenta-Berge an ausgesuchten Stellen auch von halbwegs geschickten Normalbergsteigern bewzungen werden.
Für dieses Jahr zumindest. Aber wie sagt mein weiser Daddy gerne: 'Wiederkommen kann man immer.'
Eigentlich wollten wir dieses Jahr wieder auf ein paar 4000er steigen. Uneigentlich spuckt uns dauernd das Wetter oder die Arbeit dazwischen. Soll heissen, wenn wir Zeit haben, ist das Wetter schlecht, wenn das Wetter passt müssen wir arbeiten. So wie diese Woche beispielsweise, wo da oben (und hier unten) wunderbares Wetter ist. So erfahren, dass wir uns bei zweifelhaftem Wetter in unbekanntes Gelände in Gletscheregionen wagen, sind wir einfach nicht.
Und abgesehen davon, was nützt eine 4000er-Besteigung, wenn ich da oben nix sehe? Mindestens die Hälfte des Vergnügens beim Bergsteigen ist ja, die Welt von oben zu betrachten, sich dem Himmel nah zu fühlen und den ganzen mickerlichen uninteressanten Alltag unter/hinter sich zu lassen.
Gewollt hätten wir in die Berner Alpen, das Auto bei der Verwandschaft in Grindelwald abgestellt, dann mit der Bahn aufs Jungfraujoch und dann der Reihe nach Mönch, Trugberg, Grünhorn, Finsteraarhorn, Fiescherhorn und Jungfrau besteigen. Das Bildchen dazu hab ich vor kurzem schon mal hier rein gepappt. Es hätte so schön werden können ...
Eben haben wir das gemeinsam verschoben. Nicht auf Nimmermehr aber mindestens bis nächstes Jahr. Wohin es nächste Woche geht, diskutieren wir morgen, wenn wir n Karten gucken und Führer studieren können. Wenn keine Gletscher involviert sind und man die Hütten nicht unbedingt reservieren muss, können wir uns ziemlich zwanglos nach Lust und Laune und Wetter entscheiden.
Meiner Verfassung insgesamt tut das irgendwie gut, denn ich habe mein locker-flockiges Selbst, das davon überzeugt ist, alles zu können und dass alles immer klappt, wenn man es mit der nötigen Um- und Vorsicht angeht, noch immer nicht wieder gefunden. Nicht so richtig jedenfalls.
Als ich am Freitag beim Einkaufen war, studierte der beste Allgäuer von Allen unsere Lechtalkarten und verkündete, dass er eine Tour für den Samstag gefunden hätte. Start in Lech. Uff! Ausgerechnet Lech, weiter hinten geht's nimmer, Anfahrt von Kempten etwa 2 Stunden, retour natürlich auch. Aber die Tour sah bestechend aus, musste auch ich zugeben.
So starteten wir also um 6.00h ganz hinter ins Lechtal. Um 8:00h waren wir im Parkhaus von Lech (grosses Lob: das Parkhaus ist umsonst und es gibt an jedem Platz kleine Zettelchen zum abreissen und mitnehmen, auf denen die Platznummer steht) und stapften los. Erst mal rund herum und dann hinauf auf den Rüfikopf. Normalerweise ist ein Berg, auf den gleich 2 Seilbahnen führen ja nicht unbedingt ein erstrebenswertes Ziel, aber der Berg war ja nur der Anfang.
Die Seilbahn ist wohl auch der Grund, warum wir auf dem ganzen Weg nach oben keinen einzigen Menschen sahen, wir waren so allein unterwegs wie sonst nur auf ganz abgelegenen Touren. Die Gegend da hinten im Lechtal ist grossartig und das liegt nicht nur am frischen Schnee, dem wir ab etwa 1800m begegneten. Rund um uns rum nur 'neue' Berge und soviel Panorama zum Gucken, dass wir kaum zum Laufen kamen (naja, nicht wirklich).
Oder Irrungen und Wirrungen in den Lechtalern
Wider Erwarten sollte laut Wetterbericht plötzlich der Samstag ein guter Tag werden (am Donnerstag war der Samstag eigentlich noch als weitgehend verregnet angekündigt), wir beguckten am Freitag abend also eilends noch unsere Karten und Führer und entschieden uns dann für die Lichtspitze. Um den Tag auszunützen wollten wir über die Zirmspitze aufsteigen.
Wegen dieses 'Umwegs' fing der Samstag erst mal mit einem Strassenhatsch die Strasse nach Gramais entlang an. Wir hatten eigentlich vorne am Wanderparkplatz für die Lichtspitze parken wollen, doch dort wurde der Wald umgegraben. Deswegen stellten wir das Auto kurz vor der ersten Brücke ab und liefen los. Ich mit den neuen Bergstiefeln, die ich am Freitag noch gekauft hatte, in der Hoffnung, auf der langen Tour keine Blasen zu bekommen. Meindl Air Revolution Lady hübsch bunt und - wichtiger - oben weich unten mit harter Sohle.
Schon bei der Wannespitze-Tour stachen uns die Ruitelspitzen ins Auge, doch die Urlaubswoche war einfach zu verregnet um die Spitzen angehen zu können. Nachdem der Wetterbereicht zumindest für die erste Hälfte des Samstags schönes Wetter vorhersagte (und für Sonntag Sauwetter), schien die Gelegenheit gekommen, die Ruitelspitzen zu bezwingen.
Seit der Knie-OP besehe ich mir alle Touren besonders genau in Hinsicht auf einsparbare Abstiegsmeter. So auch diese Tour und auf der 25.000-Karte sah es so aus, als könne man auf einem Almweg mit dem Rad bis 1600 Meter kommen, 'geschenkte' 600 Höhenmeter sozusagen. Wir packten also die Bikes mit ins Auto und starteten am Samstag um 6.00h ins Lechtal.
... kann man wettertechnisch ja nicht grad als Erfolg bezeichnen. Immerhin hat es aber zu einem Grillfest, einer rassigen und einer schönen Bergtour und einer Pilz-Expedition (wo zwar keine Steinpilze, aber immerhin ein gutes Mischpilzessen rauskam) gereicht. Sonst hab ich immerhin endlich die Einkommenssteuererklärung geschafft und wir haben 4 strahlend sauber Räder in der Garage.
Langweilig war es natürlich trotzdem nicht. Zeit zusammen haben wir nicht so oft, deswegen kann es gar nicht langweilig werden :-)
Einen guten Anteil der Zeit, die wir am Computer verbracht haben, haben wir mit einem netten Tool gespielt, das irgendwo mal jemand empfohlen hat (ich weiss leider nicht mehr wer und wo): autostitch. Dem kann man halbwegs zusammenpassende Fotos zum Frass vorwerfen und es baut daraus prima Panoramas. Klappt nicht immer aber meistens und das geht viel einfacher als die Fotos mühsam selber zusammenzubauen :-)
Ausserdem sind wir mit unserer Aufarbeitung des La Palma Urlaubs weiter gekommen. Fast fertig :-) Wenn es euch interessiert ... ich hab inzwischen die Bilder im Netz: La Palma Mehr wird es wohl auch nicht werden, richtigen Text dazu habe ich diesmal nicht, nur jeweils einen kurzen Kommentar zu jedem Bild.
'Weitgehend trocken' stand im Wetterbericht für Mittwoch. Ein guter Grund dafür, zwar eine Tour zu machen, die aber auf gezeichnete und eingerichtete Wege zu beschränken. Weil aber trotzdem neue Wege und Gipfel dabei sein sollten, fiel die Wahl auf eine Ecke der Tannheimer Berge, in der wir noch nicht waren.
Und - ganz wichtig - ein Teil des Weges liess sich mit dem Rad zurückgelegen. Beim Aufstieg ist das Radeln um einiges anstrengender als das Laufen, aber die Abfahrt - vielmehr der Nicht-Abstieg - ist jeden geradelten Höhenmeter wert!
So ganz trauten wir dem Wetter ja nicht, als wir am Montag ins Lechtal fuhren und an der Pestkapelle in Griesau (Häselgehr) parkten. Zwar hatten sowohl der Bayrische als auch der Tiroler Wetterbericht übereinstimmend behauptet, es würde trocken bleiben, doch war es sehr bewölkt und es sah ziemlich trübe aus. Und es hatte nachts geregnet.
Wir stapften trotzdem los, wir würden ja sehen. Zunächst ging es gemächlich eine Forststrasse hoch, dann zweigte ein schmaler Pfad nach rechts ab, der erst harmlos anfing, dann aber gewaltig anstieg. Bald mündete der steile Pfad in einen hübschen Waldweg, auf dem wir angenehm bis zum Hochwaldhüttchen stiegen. Kurz vor der Hütte boten sich die die ersten Tief- und Ausblicke, zum Beispiel ins Lechtal, hinunter nach Häselgehr (im Hintergrund Klimmspitze und Wasserfallkarspitze).