"European Cultures". Der Vortragende fing damit an, dass er kommentarlos die Zahl '1066' an ein Flipchart schrieb. Klar, William the Conquerer, die Invasion Englands, das weiss sogar ich. Was will der?
Was er wollte, war uns klar zu machen, wie die Geschichte Europas die Denkweise Europas beeinflusst. Und wie die Lage, die Geographie, die Klima und all diese Dinge die Denkweise der Länder, Regionen, Täler, Dörfer bis runter zu den Menschen prägt. Die ethnische/lokale Herkunft und auch die Religion hat Einfluss darauf wie Leute ticken.
'Logisch!', denkt man, muss ja. Warum also darauf herum reiten? Anhand von uns allen führte uns der Vortragende dann vor, wie unterschiedlich Argumentationsweisen, Denkansätze und Verhaltensmuster sind. Und was das für grossartige Möglichkeiten für Fallen und Missverständnisse birgt. Was für mich ganz klar schwarz ist, sieht jemand anderer ganz klar weiss. Noch jemand anderer sieht da so gar rot. Nochmal: 'Logisch!', denkt man, so ist das eben. Aber was sind die Konsequenzen?
Wir kommen aus 9 verschiedenen europäischen Ländern. Wir sind alle aufgeschlossene Menschen und glauben vermutlich alle, wir liessen uns von Vorurteilen wenig beeinflussen. Pustekuchen! Der Vortragende liess uns in Gruppen definieren, wie wir die Werte unseres Landes sehen. Und führte uns dann vor Augen wie jemand aus einem anderen Blickpunkt diese tollen positiven Werte als negative Eigenschaft sieht. Und anders herum. Er machte uns deutlich, wie man aus seinem hohen 'korrekten' Blickwinkel aus auf die Werte anderer herunter blicken und an sich positive Eigenschaften abqualifizieren kann. Fallen über Fallen, wohin man blickt.
Klingt langweilig? War es nicht, absolut nicht. Jeder hat ein intuitives Wissen um diese Probleme, die damit verbundenen Fallen aber zu umschiffen ist irre schwierig, wenn man nicht mal ausformuliert hat, wo die Fallen liegen können.
Richtig interessant wurde es, als der Corporate Strategy Director der Firma uns vorstellte, wohin die Firma in den nächsten Jahren gehen könnte. Die Richtung in die nähere Zukunft war leicht und logisch nachzuvollziehen, je weiter des aber noch vorne ging, umso ungeheuerlicher wurden die Visionen. Ich sag nur: Boah ey! Was sind wir für ein innovatives Unternehmen!
Nach dem Abendessen ging es dann endlich um die Projekte, die jeder von uns mitgebracht hatte. 25 Projekte mussten auf 4 reduziert werden. Erst aber ging es darum, das eigene Projekt an möglichst viele Leute zu verkaufen. Genau, verkaufen. Ich bin nicht gut im Verkaufen ;-)
Der Ausklang des Abends fand an der Bar statt. Was nett, war aber auch anstrengend, wie überhaupt alles.