Dein Browser kann leider nicht vernünftig mit CSS umgehen. Den Inhalt siehst du, das Design dagegen ist futsch.

Zirmspitze und Lichtspitze

Montag, August 28, 2006

Oder Irrungen und Wirrungen in den Lechtalern

Wider Erwarten sollte laut Wetterbericht plötzlich der Samstag ein guter Tag werden (am Donnerstag war der Samstag eigentlich noch als weitgehend verregnet angekündigt), wir beguckten am Freitag abend also eilends noch unsere Karten und Führer und entschieden uns dann für die Lichtspitze. Um den Tag auszunützen wollten wir über die Zirmspitze aufsteigen.

Wegen dieses 'Umwegs' fing der Samstag erst mal mit einem Strassenhatsch die Strasse nach Gramais entlang an. Wir hatten eigentlich vorne am Wanderparkplatz für die Lichtspitze parken wollen, doch dort wurde der Wald umgegraben. Deswegen stellten wir das Auto kurz vor der ersten Brücke ab und liefen los. Ich mit den neuen Bergstiefeln, die ich am Freitag noch gekauft hatte, in der Hoffnung, auf der langen Tour keine Blasen zu bekommen. Meindl Air Revolution Lady hübsch bunt und - wichtiger - oben weich unten mit harter Sohle.

Da unser Weg kein offizieller Wanderweg war, gab es natürlich kein Schild an der Abzweigung, wir fanden den Pfad aber trotzdem recht bald. Der schmale Pfad stieg steil am Rand des Gufeltals empor zur Zirmebene und war sogar stellenweise mit roten Markierungen versehen. In dem (von Gämsen?) zerlaufenen Wald mit 'Abzweigungen' an jeder Kehre, war es nicht einfach auf dem richtigen Pfad zu bleiben. So ist es kein Wunder, dass wir uns bald verliefen und im steilen schroffen Gufeltal landeten, anstatt an seinem Rand empor zu steigen.

Wir merkten den Irrtum erst, als wir in einem der Randabbrüche des Gufeltals standen, hatten aber keine Vorstellung, wo wir uns verlaufen haben sollten. Vielleicht ist das der Grund, warum wir eine der bescheuertsten Ideen hatten, die wir bisher gehabt hatten: Wir steigen da gerade hinauf und finden so wieder auf den Weg, der ja, laut Karte, da oben am Rand des Abbruchs entlang laufen muss.

Gedacht, getan. Wir stapften eine steile Geröllrinne hinauf, entschieden uns dagegen halbwegs vernünftig nach links durch die Latschen zum Rand zu steigen und folgten der inzwischen steinigen Rinne weiter nach oben. Ein Stück weiter oben steilte sich die Rinne. Links ging es durch eine steile etwas geröllige Spalte nach oben, geradeaus wurde es fast senkrecht, dafür gab es weniger Geröll. Wir hätten umkehren sollen, wären wir weise gewesen. Stattdessen stiegen wir nach links in die geröllige Spalte. Naja, irgendwie war es verführerisch abenteuerlich.

Die Spalte liess sich mit aller gebotenen Vorsicht (wegen der Steilheit, der Steine und der Tatsache, dass wir weder Helme noch Sicherungsmaterial dabei hatten), bis zu ihrem oberen Ende verfolgen, wo sie an einer nahezu senkrechten Wand auslief (als wäre das nicht zu erwarten gewesen). Wir kletterten die widerliche geröllige Spalte wieder ab, rutschten die Geröllrinne hinab und verfolgten unseren Irrweg zurück bis zu der Stelle, wo wir uns verlaufen hatten. Es war interessant und abenteuerlich, aber dumm. Don't try this at home, kids!

Knapp 3 Stunden später als geplant setzen wir den Weg zur Zirmspitze fort. Der Pfad wies weiterhin unzähliche Möglichkeiten zu Verhauern auf, wir schafften es jedoch ohne weitere Probleme bis zur Zirmebene, einer Lichtung mit einem hübschen Hüttchen im Wald. Auf der Lichtung ging uns der Weg erneut verloren. Wir stiegen in die Richtung auf, in der wir den Weg vermuteten und waren in Nullkommanix im Latschen- und Kieferndickicht verloren. Rund um uns rum nur stachelige widerspenstige Äste und kein Weg weit und breit in Sicht.

Wir schlugen uns in Richtung der Zirmebene durch, um von dort noch mal einen Versuch zu starten, den Weg zu finden. Der Weg fand uns. Plötzlich standen wir in einer Latschengasse und hatten direkt vor uns einen Stein mit einer roten Markierung. Nach dem Verlust einer weiteren halben Stunde machten wir uns also recht spät auf den Weg zum Gipfel. Meinereine war von der ungeplanten Kletterei und dem Kampf mit dem Wald schon etwas angeschlagen und war eigentlich dafür, umzukehren und wann anders nochmal wiederzukommen.

Aber den Argumenten und Bitten des besten Allgäuers von Allen konnte ich dann doch nicht widerstehen und so stiegen wir weiter. Geradeaus hinauf zum Gipfel, einen steinigen Grashang empor, der vermutlich 45-50 Grad hat. Ich hatte schwer zu kämpfen. Der Tag war wohl eh nicht einer meiner besten (auch wenn das unten noch nicht aufgefallen war) und die Klettereinlage hatte wohl auch ihren Tribut gefordert, ich schaffte es kaum mehr als 10-20 Schritte hintereinander zu machen, ohne stehen bleiben zu müssen. Unglaublich.

Schliesslich und endlich kam ich doch oben an. Wir machten erst mal Pause. Nach etwas zum Essen und ein wenig Ruhe (immerhin war es inzwischen schon 15:00h) war ich wieder halbwegs fit und wir konnten uns auf den Weg am Grat entlang zur Lichtspitze machen. Am Grat war eine kleine Kletterstelle zu überwinden (wo ich mir meine Stöcke so geschickt in den Weg stellte, dass die Stelle gleich um einen Grad schwieriger wurde), der Rest war Gehgelände. An der Lichtspitze genossen wir noch ein wenig die Sonne und die Einsamkeit, dann ging es an den Abstieg.

Der Abstieg zog sich dann noch ganz unerwartet hin, denn auf dem Weg nach unten zur Strasse musste der gesamte Berg einmal gequert werden, um einen tiefen Bacheinschnitt zu überwinden. Unten im Wald fanden wir dann direkt neben dem Weg dann noch Steinpilze. 5 Stück von durchaus annehmbarer Grösse, die wir natürlich sofort einsackten und die das geplante Abendessen für Sonntag umgehend beeinflussten.

Als am Auto ankamen, waren wir 11 Stunden unterwegs gewesen und hatten 1550 Höhenmeter in den Beinen, von denen wir diesmal keinen einzigen mit dem Bike 'einsparen' konnten. Meine neuen Bergstiefel hab ich damit wohl eingelaufen. Und mein Knie hat das auch ganz gut überstanden. So langsam wird es wieder :-)

Von engel am 28.08.2006 06:50 • diaryoutdoor

Die Stiefel sehen ja nicht schlecht aus ! Ich brauch’ nämlich auch neue und werde die mir dann mal genauer ansehen - wenn die wirklich so “blasenfrei” einzulaufen sind :-)

[1] Von Petra am 28.08.2006 14:29

Der Modelle mit den niedrigeren Nummern habene ine weiche Sohle und sind deswegen noch bequemer und vr allem leichter, sagte der Verkäufer. Ich aheb aber extra Stiefel mit sehr harter Sohle gesucht, weil wir doch recht oft abseits der Wege unterwegs sind (siehe da oben ;-)), da tut man sich speziell im steilen gelände mit harten Sohlen leichter, grundsätzlich ist das aber unbequemer.

Aber ob ein Schuh, den ich blasenfrei einlaufen kann, auch für jemand anderen geeignet ist, kann man schwer sagen. Schuhe sind sowas Individuelles, dass ich mich nur auf meine Füsse, nicht aber auf das Urteil anderer verlassen würde. So oder so - wie gut ein Stiefel passt, weiss man immer erst nach der ersten Tour.

[2] Von engel am 28.08.2006 17:17

Ich werde auf jeden Fall einen Verkäufer fragen, oder auch Tests lesen. Ich hab’ jetzt jedenfalls einen Anhaltspunkt. Meine jetzigen sind von Landrover, eine Marke, die es (leider ) nicht mehr gibt. Ich habe die Schuhe jetzt fast 7 Jahre (zu der Zeit habe ich angefangen, in den Bergen zu wandern, es sind also immer noch meine ersten “richtigen” Wanderstiefel) und war sehr zufrieden damit. Nun lösen sie sich langsam in Wohlgefallen auf, und ich muss mich mal neu orientieren. Ich hoffe nur, dass ich beim Anprobieren schon gleich merke, dass sie o.k. sind für meine Bedürfnisse und nach der ersten Tour damit dann auch klar komme.

[3] Von Petra am 28.08.2006 18:28

Ohoh… 

hört sich ja nach einer prima Tour an - ganz nach meinem Geschmack.Aber ich würde mich da nieee verlaufen…  feix

Fehlt nur noch, dass ich euch dazu angeregt habe *duck

Aber so SANs, die Alpen-nettis

 

[4] Von Hawkeye am 28.08.2006 18:34

Ja, das war eine schöne Tour, hawkeye :-) Besonders im Nachhinein, als wir wieder aus der Spalte draussen waren ;-) Und das mit dem Verlaufen - irgendwie scheinen wir Spezialisten für’s Verlaufen zu sein ...

[5] Von engel am 29.08.2006 07:20
Dieser Eintrag kann nicht mehr kommentiert werden.