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Rüfikopf und Wösterspitzen

Montag, September 04, 2006

Als ich am Freitag beim Einkaufen war, studierte der beste Allgäuer von Allen unsere Lechtalkarten und verkündete, dass er eine Tour für den Samstag gefunden hätte. Start in Lech. Uff! Ausgerechnet Lech, weiter hinten geht's nimmer, Anfahrt von Kempten etwa 2 Stunden, retour natürlich auch. Aber die Tour sah bestechend aus, musste auch ich zugeben.

So starteten wir also um 6.00h ganz hinter ins Lechtal. Um 8:00h waren wir im Parkhaus von Lech (grosses Lob: das Parkhaus ist umsonst und es gibt an jedem Platz kleine Zettelchen zum abreissen und mitnehmen, auf denen die Platznummer steht) und stapften los. Erst mal rund herum und dann hinauf auf den Rüfikopf. Normalerweise ist ein Berg, auf den gleich 2 Seilbahnen führen ja nicht unbedingt ein erstrebenswertes Ziel, aber der Berg war ja nur der Anfang.

Die Seilbahn ist wohl auch der Grund, warum wir auf dem ganzen Weg nach oben keinen einzigen Menschen sahen, wir waren so allein unterwegs wie sonst nur auf ganz abgelegenen Touren. Die Gegend da hinten im Lechtal ist grossartig und das liegt nicht nur am frischen Schnee, dem wir ab etwa 1800m begegneten. Rund um uns rum nur 'neue' Berge und soviel Panorama zum Gucken, dass wir kaum zum Laufen kamen (naja, nicht wirklich).

Als wir auf dem Rüfikopf ankamen, auf den die beiden Seilbahnen von Lech führen, machten wir gleich unfreiwillige nähere Bekanntschaft mit den Auswirkungen des zu leichten Zugangs zu den Bergen. Wir stapften gerade aus den schneebedeckten Felsen, als uns eine ältere Frau ansprach und fragte woher wir kämen. Ich fand den Ton ein wenig schroff, der Ralle antwortete trotzdem: "Von Lech." - "Von unten?" - Ja, von unten." - "Wo man fahren kann, da fährt man!" Sprachs und drehte sich um. Und tat beleidigt, als wir sagten, dass das ja wohl jeder so machen könne wie er wolle. Unfassbar, blöde Kuh!

Wir liessen uns aber die Freude nicht nehmen und stiegen auf die grosse Panorama-Plattform zwischen den Seilbahnen. Die ist wirklich gut gemacht, auf allen Seiten der Plattform sind Grossaufnahmen der Berge rundrum so angebracht, dass man ganz einfach die 'echten' Berge dahinter identifizieren kann. Der Blick von dort oben reicht bis ins Ötztal und in die Schweiz.

Nachdem wir ausgiebig geguckt hatten, machten wir uns auf den Weg entlang der Nordseite der Rüfispitze. Der Weg war nass und schmierig, kein Wunder, lag doch hier oben überall Schnee, und wir trafen auf die ersten (kleinen) Lawinen dieses Winters. Klein, aber eindeutig Lawinen.

Auf der anderen Seite des Kars sahen wir grün gekleidete Menschen im Gras liegen. Der Ralle wusste vermutlich sofort, worum es sich handelte, ich dachte erst an altmodisch gekleidete Wanderer und wunderte mich nur ein wenig, warum die auf dem Bauch liegend Pause machten, Sonne ist doch viel netter auf Bauch und Gesicht.

Dann knallte es leise und scharf und einer der Männer stand auf um ein Stück weit den Berg hinauf zu laufen. Ich hab es nicht gesehen, aber vermutlich hat er ein Murmeltier geschossen. Unfair, denn in der Nähe eines Wanderweges sind die Murmel bestimmt an Menschen gewöhnt, vor uns hatten die Murmel jedenfalls nicht viel Angst. *hrmpf*

Nachdem wir den grasigen Grat erreicht hatten, ging es an den Aufstieg zu den Wösterspitzen. Wir hatten schon vorher ausgemacht, nur dann bis oben zu gehen, wenn es trotz Schnee machbar war. Frischer Neuschnee auf langem Gras kann ziemlich rutschig sein und der Aufstieg auf dem scharfen Grat ist mit I bewertet. Aber es ging trotz Schnee ganz gut, weil die kritischen Stellen alle mehr oder weniger schneefrei waren. 'Lustig' war die Wanderung auf dem scharfen Grat über die beiden vorderen Gipfel zum Hauptgipfel.

Der Gipfel selber wartete mit einer Attraktion auf, die ich bisher für eine Erfindung aus der 'Piefke-Saga' gehalten hatte ;-) Einen Stempelkasten, mit dem man seinen Wanderpass stempeln kann, um zu beweisen, dass man oben war. Für die goldene Wandernadel. Oder so ;-)))

Wir genossen die Einsamkeit am Gipfel und die grandiose Aussicht auf all die neuen Berge und die bereits bekannten Richtung Allgäu und Lechtal. Ich war platt, als ich weit hinten Richtung Hochtannbergpass und Bregenzer Wald etwas grosses Flaches glänzen sah: Der Bodensee!

Der Abstieg zurück über den langen Wösterspitzengrat, den Friedrich-Mayr-Weg und hinab ins Stubenbachtal zog sich ganz schön hin. Nach 10 Stunden waren wir wieder in Lech. Am Ende konnte ich dann nur mehr humpelnd laufen, mein Knie hatte mir das rutschige Gewackel auf den matschigen schneebedeckten Wegen und vielen Ausrutscher auf dem schneeigen Grat doch ein wenig übel genommen. An der Seitenstabilität muss ich wohl noch arbeiten.

Wettermässig haben wir es wie letztes Wochenende auf den Punkt hinbekommen. Kaum sassen wir im Auto, fing es an zu regnen. Braves Wetter!

Von engel am 04.09.2006 06:07 • diaryoutdoor
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